• Hallo liebe Imker(innen),


    kann man kurz mal erklären worum es beim „Demarée-Plan“ geht, und wie er richtig auszuführen ist ??


    Danke und Gruß.
    Matthias

  • Hallo Matthias, ( :lol: kurz geht das leider nicht :D )


    der Demareè-Plan (oder nach Joseph Hölzer die Brutdistanzierung) entfernt die Jung-/Pflegebienen aus dem zentralen Brutnest ohne sie wirklich aus dem Volk zu nehmen (und einen Ableger zu bilden). Diese Jung-/Pflegebienen, die ihren Futtersaft nicht loswerden können, sind wohl die Hauptschwarmursache.


    Bei der Brutdistanzierung (häufig in 4-räumigen Hinterbehandlern durchgeführt) wird nun die Masse der Brutwaben bis auf je eine mit Stiften, offener und geschlossener Brut ganz nach oben über den Honigraum gehängt. Die Weisel bleibt unten, muß also erstmal gefunden werden. Die Waben die nach oben gehen werden mit allen! Bienen umgehängt und Schwarmzellen werden gebrochen. Unten wird mit Waben und/oder Mittelwänden aufgefüllt, oben mit dem Fenster. Die Jungen Bienen oben sind jetz also durch zwei Räume von ihrer Königin getrennt und pflegen und wärmen die hier aus der Mitte gerissene Brut. Sie fühlen sich so weisellos, daß Sie Nachschaffungszellen ansetzen, die nach einer Woche ebenfalls ausgebrochen oder verwertet werden. Wenn sie älter werden und nach unten streben, bekommen sie von den Flugbienen sofort die Rüssel mit Nektar zur Einlagerung voll. Und wenn sie dann da unten endlich ankommen sind es keine Ammenbienen mehr, sonder Flugbienen.
    Die im Brutnest unten schlüpfenden Bienen haben sofort ihre Zellen zu reinigen und dann Brut zu pflegen (und Mittelwände auszubauen) Sie haben also anderes zu tun als zu schwärmen. Das Brutnest unten entwickelt sich wieder und weil die Königinn ja egal Eier legt bleibt sie "digge" und kann nicht fliegen und damit auch nicht fliehen.
    Der Demareé-Plan macht ungefähr das selbe nur etwas radikaler und in Zargen. Ausgang ist ein Volk auf zwei Bruträumen und einem oder zwei Honigräumen. Zuerst werden die Honigräume weggestellt, dann wird die zweite Zarge nach der Weisel durchsucht. Meist ist sie da. (oder haut beim Suchen nach unten ab) Sie wird in die untere Zarge gehängt die Platzwabe kommt in die obere (an den Rand wenn sie leer ist, mit Brut in die Mitte). Auf die untere Zarge, die man (je nach Schwarmstimmungslage) nicht unbedingt durchsehen muß, kommt eine Zarge Mittelwände und/oder Leerwaben. Dann kommt Absperrgitter und der Honigraum und dann die zweite Brutzarge mit allen! Bienen. Bude zu, Deckelflugloch bis zum Verlassen des Standes oder zum nächsten Tag für die abfliegenden Drohnen auf und nächste Woche oben Zellen ausbrechen. Je nach Wachskreislauf(-Politik) und Behandlung kann der Plan so zweimal hintereinander durchgeführt werden. Dabei bleibt die nach oben gegebene Brutzarge als Honigraum stehen (als zweiter oder dritter oder...) , weil man bei Massentracht (und dafür macht man das mit den großen Volkern ja) sowieso den Moment verpaßt wo die Mädels anfangen dort oben (in der 5. Etage) Honig einzulagern.
    Der Demareé-Plan/Brutdistanzierung ist eigentlich ganz Klasse und kann auch ohne viele Einzelentscheidungen an vielen Völkern sehr schnell durchgeführt werden. Die Mittelwände werden ja ohnehin in Zargen gelagert und zu Stand transportiert und zur Schwarmkontrolle muß der Honigraum eh runter.


    Hier also nochmal die Arbeitszusammenfassung für (die mildere Fassung) in Zargen:
    1. Honigraum runter.
    2. Schwarmzellenkontrolle unter zweiter Brutraumzarge.
    3. Wenn positiv, Weisel in dieser Zarge suchen ...
    4. Wabe tauschen wenn Weisel in zweiter Zarge gefunden.
    5. Mitgebrachte Mittelwandzarge drauf.
    6. Absperrgitter und Honigraum (leichtesten zuerst) drauf.
    7. Zweite Brutraumzarge drauf.
    8. Weiselzellen brechen.
    9. Deckel drauf.
    10. lächeln.


    10a. (nach einer Woche, gehe zu 8.)


    Sonderform ganz brutal, aber eigentlich ganz nach Demareè und mit wenig Aufwand auch von Hilfskräften zu bewältigen:
    Unten verbleibt nur! die Wabe mit der Königin etwas Futter/Pollen und ansonsten nur 20 Mittelwände. Beide Brutraumzargen werden sortiert und gebrochen. Leerwaben fliegen raus. Brut und Bienen kommen nach oben. Ergebnis sind garantiert nicht mehr schwarmlustige Völker und hohe Beutentürme. Nachteil ist die weitere Entwicklung hemmende Disharmonie im Volk.


    So, wer's jetz noch genauer wissen will: Schundau "So imkern wir in der Segeberger Kunststoffbeute", Hölzer "Die Brutdistanzierung" (eher für Hinterlader), Liebig "Einfach imkern" (Hier heißt es weiselrichtiger Flugling und Ableger in einer Beute)


    PS: Tschuldigung, das war mein längster Beitrag, kommt nicht wieder vor :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    die Brutdistanzierung ist schon eine feine Sache. Mich stört nur, daß ich dann Honig in bebrüteten Waben habe. Scheudern möchte ich ihn nicht. Vielleicht als Winterfutter geben?


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Franz Xaver,


    stimmt nicht!
     :D Dein Web-Beitrag hat 3113 Zeichen, mein Stückchen Forumstext nur 3096 :D (jedenfalls bis zur Arbeitsanweisung)


    Hallo Thomas,


    das Problem sind eigentlich nicht bebrütete Waben sondern behandelte. Mir ist das ganz lieb, wenn Honigwaben ein-, zweimal bebrütet sind. Die sind dann stabiler beim Schleudern.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:


    das Problem sind eigentlich nicht bebrütete Waben sondern behandelte. Mir ist das ganz lieb, wenn Honigwaben ein-, zweimal bebrütet sind. Die sind dann stabiler beim Schleudern.


    Hallo Henry,


    um Gottes Willen, jetzt holt mich auch hier im Stammtisch das "Altertum" ein. Als ich letztes Monat einen Vortrag im Imkerverein hielt, wurde ich von dem alten Vorsitzenden unterbrochen, der sich diesmal eine "Auszeit" nahm und darauf hingewiesen, dass ich das mit dem Wabeneinschmelzen falsch mache. Er schmilzt immer alle unberütete Waben ein, (kein Joke)da die Königin die nicht gern bestiftet und die "Neuen" beim Schleudern brechen. Mein Thema war die getrennte Lagerung von unberüteten und bebrüteten Waben, wobei ich keine bebrütete Wabe über den Winter nehme, die werden alle Kerzenwachs. Ich brauche auch, da ich nur unbebrütete Waben lagere, keine Gifte gegen die Wachsmotte. Honig aus unbebrüteten Waben schmeckt man raus, wenn es auch viele nicht glauben, zumindestens Menschen wie mich, die Alkohol und Tabak meiden, merken den Unterschied, anderen wird es ohnhin nicht so auffallen. Ich könnte meinen Honig und den meiner Nachbarn jederzeit unterscheiden, wäre ein Wette für "Wetten das"., denn dieser Honig schmeckt nach den alten Waben. Der Waldhonig war heuer so zäh, dass er duch kein Sieb lief und was macht es schon wenn, wie bei mir 2 oder 3 Waben brechen. Cest la vie!

  • Hallo Franz-Xaver,


    was machst Du mit der Brutzarge, die über die Honigräume kommt?


    Ich möchte ja auch gern Honig nur aus gelben Waben schleudern und über den Winter nur max. zweimal oder garnicht bebrütete Waben mitnehmen, aber wie ich mich auch mühe, bei einer im Honigraum ausgebauten Zarge pro Volk und einer im Brutraum bei Demareé. Es reicht irgendwie nicht oder die Waben sind dann doch wieder bebrütet. (wegen der Ablegerbildung und Erweiterung)


    Sei mal bitte Kumpel und gib hier bitte mal Deinen Wabenkreislauf preis. Ich will es verstehen und vielleicht nachmachen. Bei allen bisher gelesenen theoretischen Kreisläufen bleibt immer nix übrig für Ableger und als Ersatz für Bruch oder irgendwie anders auszusortierende Waben. Die gehen immer geradeso auf. Ich will jedem Volk mindestens 2 Brutwaben zur Ablegerbildung entnehmen können, die nicht am Stand bleiben und die Ableger auch mit bebrüteten Waben erweitern können. Und ich will im Sommer möglichst mit ganzen Zargen arbeiten.


    Würde gern bald wieder von Dir hören.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Hallo Franz-Xaver,


    was machst Du mit der Brutzarge, die über die Honigräume kommt?


    Hallo Henry,


    ich arbeite nicht nach dem Demareeplan, sondern habe ihn nur in der HP hinterlegt. Ich kann mir nicht vorstellen, das unbebrütete Waben zu haben, ein Problem ist. Mein Buckfastvolk hatte im vorigen Herbst zwei Zargen , als ich es von Heike erwarb, ausgebaut. Heuer im Frühjar auch min. 2 Zargen mit MW ausgebaut. Die Vollvölker überwintere ich auf 2 Zargen, die Ableger auf einer. Im Frühjahr, wenn die meiste Brut in der oberen Zarge ist, vertausche ich die beiden Magazine, wobei die bisher untere Zarge, die meist schlechteren Waben enthält. Diese Zarge wird fast gänzlich entsorgt und mit Honigwaben aus dem vorigen Jahr aufgefüllt. Der neue Honigraum wird höchstens mit einem Drittel ausgebauten Honigwaben vom vorigem Jahr bestückt, der Rest ist MW, auch ein zweiter Honigraum erfährt bei Bedarf diese Behandlungsweise. Es ist erwiesenermaßen ein Märchen, dass bei guten Völkern, der Ausbau der MW sich auf die Honigleistung ertragsmindernd auswirkt.

  • Hallo zusammen, die Nachteile des Dameree-Planes und der Brutdistanzierung sind folgende : Es ist ein sehr harter Eingriff, selbst Hölzer, der seine Vorgehensweise als abgemilderten Demeree-Plan bezeichnet, schreibt in seinem Buch, das die Bienen einige Tage "Benommen" sind. Demeree braucht für den Erfolg während der Ausführung gute Trachtbedingungen. Also nicht wie bei uns normalerweise Schlechtwetterzeiten. Weiterer Nachteil von Umhängen von Brut ist, es soll den Varroabefall fördern. Henry : ein gutes Volk wird bei Entnahme von Brutwaben diese durch Ausbauen von Mittelwänden schnell ausgleichen. @Wachskreislauf: Es ist richtiger, von einem unterbrochenen Wachskreislauf zu sprechen, da bebrütet gewesene Waben aus dem Kreislauf genommen werden. Bei einen "normalen" Wachskreislauf kommen alle Waben wieder in die Mittelwandherstellung. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ja, Lothar und es wird diese Mittelwände sofort bebrüten und dann hab' ich wieder keine unbebrüteten Waben. Bleiben also nur Waben, die im Honigraum ausgebaut wurden. Die kommen bei mir normalerweise (also bis jetzt) honigfeucht aus dem Winter auf die Völker, wenn die Kletterzarge und die 1. Zarge raus kommen, werden dort bebrütet und gehen beim Demareé nach oben. Und schon hab' ich wieder bebrütete Waben im Honigraum. Wie kann ich also irgendwie Demareé und Wachskreislauf so kombinieren, daß ich trotzdem nur unbebrütete Waben im HR hab'? Für Hölzer war das ja noch kein Problem und für Demareé auch nicht. Franz-Xaver, wie lange hälst Du unberütete HR-Waben? (also wieviel Jahre halten die)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Lothar nochmal,


    ich hab gerade Joseph Hölzer, Die Brutdistanzierung nochmal quer gelesen. Von benommenen Bienen hab' ich da nichts gefunden. Auf Seite 34 steht:"Das Verhalten der Bienen in der 4. Wabenreihe schein zunächst verkrampft und träge.... Dies ändert sich fast schlagartig, wenn die Legetätigkeit der Königin im Brutraum verstärkt einsetzt" Dieses Verhalten ist aber gewünscht und ist notwendig, denn die distanzierten Volksteile sollen sich ja irgendwie komisch, so Bißchen weisellos aber eben nicht mehr schwarmtriebig vorkommen.
    Wie führst Du den Demareé-Plan durch, mit Mittelwänden oder mit Lerrwaben oder so "milde" wie ich's beschrieben habe? Machst Du's mitten im Raps oder erst danach? Und wie oft? Entscheidest Du im Einzellfall oder ständeweise?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    . Franz-Xaver, wie lange hälst Du unberütete HR-Waben? (also wieviel Jahre halten die)


    Ich begleite Sie bis zum ihrem letzten Gang zum Sonnenwachsschmelzer und das ist max. bis zu ihrem 3. Lebensjahr als Brutwabe.

  • Bitte Franz-Xaver,


    antworte doch bitte mal konkret. :cry:
    Wie lange bleiben Deine Waben unbebrütet?


    Kann ich aus Deiner Antwort schließen, daß Du die Waben nur im Honigraum ausbauen läßt und alsbald als Brutwaben einsetzt? Also nur den letzten abgenommenen HR pro Volk über den Winter nimmst?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:


    Kann ich aus Deiner Antwort schließen, daß Du die Waben nur im Honigraum ausbauen läßt und alsbald als Brutwaben einsetzt? Also nur den letzten abgenommenen HR pro Volk über den Winter nimmst?


    Hallo Henry,


    genauso praktiziere ich es!