Umsiedeln eines wilden Honigbienenvolkes aus verlassendem Bienenwagen

  • Auf einem Grundstück bei uns in der Nähe steht ein verlassener und verkommener alter Bienenwagen. Ich bin natürlich trotzdem mal hin und sah rege Bienenaktivität an einer der Beuten. Bin dann in den Wagen rein, habe die Hintertür nur mit dem Stockmeißel öffnen können und habe dann auf einen wunderschön duftenden Wildbau geblickt. Starkes, emsiges Volk, frische Waben hingen von der Decke des ehemaligen Honigraums. Unten, im ehemaligen Brutraum hingen ein paar ältere Waben, wo aber nichts mehr los war.

    Der Bienenwagen wird demnächst entsorgt und ich würde dieses eine Volk gern zu mir holen. Ich gehe davon aus, dass die Königin nicht gezeichnet ist, beziehungsweise ich sie im Dunklen des Wagens und in dem relativen Chaos wilder Waben sowieso nicht finde. Und es hängen keinerlei Rähmchen mehr in den Beuten, das sind nur leere Räume. Dazu habe ich als blutiger Anfänger aber einige Fragen:

    - Sollte ich das Ganze wie einen Kunstschwarm aufziehen, die Bienen abends in einen Kasten fegen, in den Keller setzen und dann eine frische Beute mit MIttelwänden beziehen lassen?

    oder

    - Sollte ich versuchen, ein paar von den frischeren Waben in Rähmchen "einzubasteln", um die Brut "mitzunehmen" und den Damen nicht das Ergebnis ihrer Monate fleißiger Arbeit zu stehlen? Dann hätten sie ja auch Futter und eine gute Ausgangslage für den Winter. Oder sind wilde Waben prinzipiell von schlimmen Krankheiten befallen? Gerade die Ammen kümmern sich ja gern um ihre Brut, so dass es sie besonders überzeugt, sich um solche "selbst gebastelten" Rähmchen zu kümmern.

    oder

    - Kann ich sogar beides kombinieren? Die Bienen in eine Schwarmkiste schlagen, die in den Keller stellen, in aller Ruhe die Waben, die gut aussehen in Rähmchen basteln und am nächsten Tag das Volk wieder seiner eigenen Brut und dem Futter vereinen? Wie lange überlebt die Brut ohne ihre Pflege?

    Ich würde mich über Eure Antworten und Tipps sehr freuen. Bitte nicht schreiben, dass ich doof bin und keine Ahnung habe, das weiß ich selber und es hilft mir nicht weiter.

  • Hallo,


    als erstes, einmal das Profil ausfüllen, insbesondere wo du her kommst.


    Hol Dir unbedingt einen erfahrenen Imker dazu, der Dir hilft. Gerade als blutiger Anfänger kannst du Dir sehr schnell die Finger verbrennen - Stichworte AFB und Milben. Das kann echt ne Hausnummer sein, und gerade als Anfänger eine sehr hohe, welche schief gehen kann......


    Wir machen es wiefolgt.


    Alte Waben vorsichtig ausschneiden und mit Gummibändern in neue Leerrähmchen spannen. Die Bienen bleiben drauf. Diese kommen mit den restlichen Bienen in eine neue Beute, welche auf den alten Platz kommt. Der alte Kasten kommt sofort weg. Die neue Beute wird Abends, nach Ende des Bienenfluges außerhalb des Flugkreises gebracht ( mindestens 3 km ), damit 1. die Flugbienen nicht zurück fliegen und 2. dient dieser als Quarantäneplatz. Dort bleiben die Bienen, bis die AFB Beprobung ( wir ziehen diese sofort aus den alten Waben ) durch ist. Paralell wird sofort eine stringente Milbenreduktion gefahren.


    Bei negativen AFB Ergebnis kommen die in den Bestand, bei postivem Ergebnis kommt der Amtsveterinär ins Spiel.......


    In den Keller müßen die nicht, auch wenn man einen "Kunstschwarm" macht - ließ mal was das ist und warum die in den Keller sollen. Die Bienen kennen sich und daher ist das überflüßig! Auch wäre es sinnig, offene Brut dabei zu haben, schon alleine um das Brutnest zu definieren. Auch dabei müßen die unbedingt aus den Flugkreis raus und die Beprobung muss auch laufen.


    Man kann auch gleich eine AFB Sanierung machen, aber als Anfänger - viel Spaß.......


    Wiegesagt, mach so was nicht alleine als blutiger Anfänger, sondern hol Dir Hilfe von einem erfahrenen Imker, der Dir hilft! Sonst geht das schief.


    Und als kleinen Tip - bevor du solche Aktionen machen willst, lerne erst das Elementare durch lesen, lesen und nochmals lesen. Und such Dir einen Paten :)

  • Das kommt vor allem darauf an, was du beabsichtigst.

    - willst du einfach einen Großteil der Bienenmasse abknöpfen?

    - willst du das gesamte Volk inkl. Königin retten?


    Und als nächstes, wieviel Zeit willst aufbringen? Einfach einmal hinfahren und in 20 Minuten soviel Bienen wie geht in einem Kunstschwarm abstoßen oder einen ganzen Tag herumschustern?


    Ich würde eine Kiste mit zwei Zargen nehmen. Boden schließen wegen tropfenden Honig.

    Bienen einrauchen. Wildbau, da wo es geht in neue Beute abstoßen, restliche Waben rausschneiden und unten rein legen, dann sollte Königin dabei sein. 2. Zarge mit ausgebauten Waben drauf. Nach ein paar Tagen schauen ob oben was los ist (Eir, Maden), wenn ja Absperrgitter dazwischen und wenn du sicher bist, dass Kö oben ist, dann die ganze untere Zarge weg.

    Falls du am Anfang Königin siehst, dann ist aber eh alles geschriebene hinfällig, dann Königin markieren und gleich auf ausgebautes Rähmchen setzen :)

    *************************************
    Aktuell 6 Buckfast Völker auf 12er Dadant.
    Ziel 6 starke Völker einwintern.

  • Da es sich um Hinterbehandlungsbeuten handelt, warum nimmst du die Beute nicht komplett mit? Die sind doch im Bienenwagen nur gestapelt. Dann kannst du in den unteren Raum neue Mittelwände einhängen und warten. Wenn unten ausgebaut ist, siedelst du das Volk um. So würde ich das machen.

    Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen.

  • - Bienen sind in seinem Flugkreis ( Nachbarschaft ) - da fliegt vieles zurück und geht verloren.......

    - AFB Problematik??


    Als BSV bekomme ich dabei echt immer graue Haare. Vielen ist das Thema AFB immer noch kein Begriff oder es geht einem am Ar*** vorbei. Sorry. Gerade solche, vielleicht über Jahre nicht betreute Völker, können schnell ein Brandherd werden.


    Gerade Anfänger und Kleinbienenhalter kehren sich einen "Mist" darum, MICH trifft das ja nicht - nur die "Gammelimker" haben so was.


    Aber wenn man erst mal einen Fall selbst hatte oder an einer Sanierung teilgenommen hat, wird man schlauer......


    Wir hatten bei einer Sanierung dieses Jahr mal wieder einen Klassiker. AFB wurde in einer Beprobung an einem Stand mit 3 Völkern nachgewiesen.


    Der Imker wollte besonders schlau sein und hat mehrere Honigräume "sicherheitshalber" am Abend vorher zu seinem zweiten Stand (8 Völkern) gebracht - welcher bis dato negativ war - da er unbedingt den Honig retten wollte. Klar ist das aufgefallen, da bei der Beprobung die Honigräume gesehen wurden und diese nun fehlten........ - er war danach recht klein laut.


    Als Konsequenz durften wir statt einem Stand nun 2 sanieren. Was war das für ein Spaß kann ich euch sagen........... Und der gute Imker war kein "Gammelimker", sondern hatte einen sauberen Stand.......


    Eigentlich müßte jeder Imker einmal an einer Sanierung teilgenommen haben - das prägt einen doch recht stark........

  • McMurphy: der besetzte Kasten ist von innen mit den Nachbarbeuten vernagelt und verschraubt.


    Varroabehandlung ist praktisch nur mit Ox-Bedampfen möglich, ist das Volk über 2 Jahre im Wildbau-Kasten sind die Waben allseitig angebaut und relativ winddicht.

    alle Waben abschneiden, abfegen, Futterwaben getrennt in Eimer( kann man wieder verfüttern) ,

    Brutwaben könnten in die Rähmchen geschnitten werden und mit Gummi/Draht befestigt werden,

    in die Zarge gehängt sammeln sich die Bienen dort auch schnell wieder.

    In MV haben wir seit Jahrzehnten keine AFB im 20km Umkreis, da würde ich es mit Brutwaben machen, hier in Berlin - neue AFB-Sperrgebiete- nur als Flugling auf MW oder Leerwaben setzen. Monitoring ist ehe ab Spätsommer.

  • Lebenslanges Lernen: Bitte höre auf Northlight, er hat es deutlich auf den Punkt gebracht. AFB-Vorsorge ist ein entscheidender Punkt. Prof. Dr. Genersch hat gegen alle Zweifel vieler Fachkollegen mittels Gensequenzierung bspw. im praktischen Fall nachweisen können, daß derselbe AFB-Erreger durchaus auch nach 10 (!) Jahren erneut an einem Stand wieder aufflammen kann. Aufgrund Ihrer wissenschaftlichen Analyseerfahrung rät sie dringend, fremde Schwärme stets sämtliche Futtervorräte bei geschlossenem Flugloch erst verstoffwechseln zu lassen (selbstverständlich ohne Brut), ehe man sie fliegen läßt (egal, ob am eigenen Stand oder auf dem "Quarantänestand", der im Zweifel im Flugkreis anderer Bienenvölker liegt).

    Hier im angefragten Falle haben wir sogar ein Volk mit aktueller Brut und wir wissen: Nur ein einziges AFB-Sporum vermehrt sich in einer Bienenlarve um ca. 1,5 Mrd.

    => Im angefragten Falle sollte ein solches unbetreutes Volk keinesfalls ohne Ergebnis der Futterkranzprobe (FKP) vom bisherigen Ort weggebracht und dessen Bienen fliegen gelassen werden. Verwendetes Werkzeug sollte nach Bergung des Volkes gründlich und ausnahmslos nach den geltenden AFB-Regeln desinfiziert und die verwendete Einweg-Schutzkleidung (z.B. Maleroverall) bienendicht entsorgt werden. Mehrfachkleidung muß dann eben bis zum (hoffentlich negativen Laborergebnis der FKP: mindestens 10 Tage + Transportzeit zum Labor) bienendicht verwahrt bleiben. Wer es anders macht, hat entweder die sagenhaften Fähigkeiten eines 10-tägigen Labordurchlaufs oder aber spielt russisch Roulette mit dem Risiko für alle Imker seiner Umgebung.

  • Man sollte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass in einem festgestellten Fall der Amerikanischen Faulbrut das Verfahren vom Amtsveterinär bestimmt wird. Er entscheidet über die Maßnahmen, Ausführende sind dann die Bienensachverständigen (BSV).


    Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland liegt übrigens jährlich bei einigen Hundert, meist um die 300 bis 400 Neuausbrüche. Das ist insofern interessant, als es nicht gelingt, die Erkrankung auszurotten.

  • Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland liegt übrigens jährlich bei einigen Hundert, meist um die 300 bis 400 Neuausbrüche. Das ist insofern interessant, als es nicht gelingt, die Erkrankung auszurotten.

    Wir wollen doch bei der Wahrheit bleiben und nicht weiter Panik schüren!

    Die Zahlen des BMEL belegen eindeutig, dass es in den letzten 10 Jahren niemals 300 oder mehr Ausbrüche gegeben hat. Meistens lagen die Werte um 200:


    https://bmel-statistik.de/arch…uchtabellen-aktualisiert/

  • Lebenslanges Lernen: Um etwaige Irritationen zu vermeiden:


    https://www.lwg.bayern.de/bien…kheiten/084048/index.php/


    Der von Dir geschilderte Fall (unkontrollierte Besiedelung benutzter Bienenwohnung) ist ein typischer AFB-Ausbreitungsweg. Deswegen verpflichtet § 6 BienSeuchV den betreffenden Bienenhalter ganz strikt: "von Bienen nicht mehr besetzte Bienenwohnungen sind...stets bienendicht verschlossen zu halten"


    https://www.gesetze-im-internet.de/bienseuchv/__6.html


    Die Gründe, ob der damalige Bienenhalter diese Regel dauerhaft (s.o.: "stets") einhielt bzw. ggf. warum nicht, sind überholt. Man muß mit der jetzigen Situation, resp. der aktuellen, aber unbetreuten Besiedelung der vormalig unbesetzten Bienenwohnung umgehen.

    Der Rat von Northlight stellt die fachgerechte Variante dar und Du kannst und solltest auf seine Qualifikation und praktische Erfahrung als BSV vertrauen, egal was noch lautstark von anderswo tönen mag. Ein nicht unwesentlicher Nebeneffekt: Dein Amtsveterinär lernt Dich auf diese Weise gleich als fachlich zuverlässigen Imker kennen. Im Ernstfall kann sich so aufgebautes Vertrauen auszahlen...

  • ribes
    Bei jedem Cut-Out im faulbrutfreien Kreisgebiet erstmal den Amtsveterinär zu bemühen, ist weder notwendig noch sinnvoll. Lass mal die Kirche im Dorf!

    Ich habe z. B. noch nie gehört, dass jemand erstmal eine Futterkranzprobe zieht, wenn Waldarbeiter versehentlich einen Bienenbaum gefällt haben.

  • Goupli: Über den Verlauf der Kreisgrenze wissen wir im angefragten Fall nichts. Egal ob verpflichtend (bei Transport über die Kreisgrenze hinweg) oder nicht: Es wäre eine gute Gelegenheit, Vertrauen aufzubauen. Ohne Labortest Bienen - noch dazu ggf. mit Wabenwerk und Vorräten (im Honigmagen oder sogar auf dem Wabenwerk) - sich auf den eigenen Stand zu holen, ist und bleibt fachlich falsch und ist riskant nicht nur für den "Importeur" sondern auch für alle seine Imkernachbarn und deren Bienen - ganz egal, welche Kirche da in welchem Dorf steht und wie groß der Sperrbezirk im Ernstfall dann tatsächlich gezogen wird.


    Daß manche Imker die bestehenden Regeln nicht einhalten, ist leider ein Faktum, sollte aber kein Maßstab für den eigenen fachlichen Anspruch sein.

  • Daß manche Imker die bestehenden Regeln nicht einhalten, ist leider ein Faktum, sollte aber kein Maßstab für den eigenen fachlichen Anspruch sein.

    Du fabulierst hier von Regeln, die zum Teil überhaupt nicht existieren oder auf Sonderfälle beschränkt sind.

    Angstgetriebener, vorhereilender Gehorsam und blinder Aktionismus sollten kein Maßstab für den eigenen fachlichen Anspruch sein.