Hilfe, massenhaft Varroen

  • Moin,

    freut mich für dich, Jungimker, dass Stand jetzt die Völker gut aussehen.

    Ich hab dieses Jahr bei Kollegen aus dem Verein, die ein wenig Beratungsresistent und der These nachhingen "Ich hab ja noch Zeit", leider das Gegenteil erfahren müssen. Die Völker sind tot, weil zu spät bzw. gar nicht behandelt, ohne den Milbendruck zu kennen.

    Also ganz so weit weg war das ganze nicht.

    Aber wie Kiki richtig schreibt, bei der richtigen Behandlung zum richtgen Zeitpunkt, klappt das!

    Warum die vielen Milben im Sommer?

    Zum einen gibt es dynamische Verläufe, sprich, die Völker sind jedes Jahr ungleich stark, liegt auch an der Vitalität und Alter der Kö, welches Nahrungsangebot vorhanden war (dieses Jahr in vielen Teilen Deutschlands sehr trocken mit wenig bis keinem Nektar), bzw. ob sie gehungert haben (was Standortabhängig sein kann) und wieviele Milben sie aus dem Vorjahr mit in dieses Jahr genommen haben (wie gut hat die Restentmilbung im Winter geklappt).

    Zum zweiten kann an dem einen Standort, z.B. durch Umwelteinflüsse wie Regen, Temperatur, etc., die Sommerbehandlung deutlich schlechter gewirkt haben als an dem anderen Stand.

    Und dann kommt es natürlich auch darauf an, was für deine Region "normal" ist bezüglich Milbenpopulation im Bien. Ich werde schon unruhig, wenn bei mir nach der Behandlung einige Hundert Milben fallen. Wenn ich dann aber in den Berichten von z.B. Pia Aumeier lese, dass bei denen teilweise über 10.000Milben bei einer Behandlung fallen, dann kann ich mich glaube ich ganz entspannt zurück lehnen.

    Also, jedes Jahr die Thematik dokumentieren, lernen, Behandlung anpassen, etc.

    Zum Thema Drohnenflug hat Randy Oliver Versuche gemacht. Dabei hat er Drohnen von verschiednen Völkern markiert und diese markierten Drohnen in weit entfernten Völkern wieder gefunden. Ich hab leider keinen Bericht dazu, kann also keine Entfernung angeben. Ich weiß nur aus "Interview with Beekeepers" (müßte ich da nochmal nachlesen), dass Randy Oliver recht überrascht über dieses Ergebnis war.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Logisch, oder hast Du schon mal Drohnen gesehen, die bei Völkern einfliegen, die nicht in Reihe stehen. 😠


    Gruss

    Ulrich

    Ja.

    Sie sind doch auch in solchen Völkern zu Hause.

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Der Verflug von Arbeiterinnen zwischen Völkern in Reihe dürfte auch mehr ausmachen als die paar Drohnen, die sich hier in anderen Völkern mit durchfüttern lassen. Bei Einzelaufstellung in größeren Abständen sollte dieser Effekt kleiner sein, aber selbst da ist es möglich, dass Arbeiterinnen Asyl beantragen. Die Drohnen sowieso.

    Das Mitbringen von Milben beim (stillen) Räubern irgendwo am eigenen Stand oder beim Nachbarn im Flugbereich ist sicher auch eine Quelle oder das Einbetteln von Arbeiterinnen aus diesen Völkern, wenn es dort steil abwärts geht.

    Ebenso die Milben, die man gerade nicht erwischt hatte und die sich vorher überwiegend versteckt in der Brut jetzt auf einmal massiv zeigen, wenn es kaum noch Brut gibt...
    Alles das sind Möglichkeiten, wo die vielen Milben im Herbst herkommen könnten, die sich noch dazu kombinieren lassen.


    Interessant finde ich allerdings, dass man Völker mit hohen Milbenlasten noch super durch den Winter bekommt, wenn man gerade noch rechtzeitig den Druck rausnimmt und so noch genug langlebige Winterbienen erbrütet werden. Zudem scheint es je nach begleitenden Viren auch verschieden starke Schadwirkung von ähnlichen Befallsquoten zu geben und unterschiedliche Schadtoleranz bei den Bienen. Für valide Auswertung mit Statistik fehlen mit die Völkerzahlen, aber auffällig ist schon, dass die erste Kältewelle dann im Totenfall zeigt, was vorher los war.

    Je länger mit vielen Milben, desto mehr kurzlebige Arbeiterinnen fallen da runter, desto stärker schrumpft das Volk. Die Brutsammler vom Juli schrumpfen dabei extrem, aber es bleiben (bei erfolgreicher Behandlung und mit Fangwaben) noch Völker zum Überwintern der Reservekönigin übrig. Die Kunstschwärme schrumpfen kaum, ebenso die Völker mit TBE. Bei konventioneller Behandlung ohne Brutentnahme (egal ob mehrfach AS oder im Block OS oder Milchsäure) ist das immer die Zeit der Wahrheit, wie viel du mit der Behandlung rechtzeitig erwischt hattest, da du ja beim Milben-Fall nach Behandlung nur weißt wie viel Milben jetzt dadurch tot sind, aber nicht wie viele noch im Volk übrig sind. Also zumindest ich betreibe da keine Exzesse bis nix mehr runterfällt, sondern versuche nur einen Brutzyklus abzudecken.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich habe mal zugeflogene farblich markierte Drohnen von Ludger auf einem Besamungsevent in meinem Drohnenvolk mitgebracht, das dann einige hundert Meter von meinem Heimstand weg stand.

    Irgendwann (max eine Woche) fand ich die dann in verschiedensten Beuten am Stand wieder und hätte da noch gezielt besamen können.

    Außerdem war Ullrichs Anwort blanke Ironie (sogar mit smilie) auf die suggestive Frage von keinimker .


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Zeichnet einfach mal 100 Arbeiterinnen, und 100 Drohnen.....Aber informiert eure Kollegen in der Gegend über das Vorhaben...Mehrköniginnen Betriebsweisen, kennen nicht alle ;)


    Danach wisst ihr Bescheid, wie Weit sich Arbeiterinnen und Drohnen "verfliegen".. 8|:/


    Lg Sulz......Der auch so etwas schon vor 30 Jahren wissen wollte.

  • Andererseits gibt es durchaus die Situation, dass zB bei 2er-Aufstellung das eine Volk eine hohe Milbenbelastung hat und das direkt danebenstehende nicht. Es gibt jede Menge Verflug, auch von Arbeiterinnen, die gerne mal unterwegs schon früher abbiegen, aber es gibt auch unterschiedlich erfolgreiche Völker, wenn es um die hausinterne Varroabekämpfung geht.

    Freut sich doch nicht auf's Büro. Das wäre zwar erholsamer, macht aber keinen Spaß.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 3-5.2.2023 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda. :daumen:

  • Bienenforscher Thomas D. Seeley plädiert für mehr Bienenschwärme
    «Die Verhinderung des natürlichen Schwarmtriebes ist ein widernatürlicher Eingriff, der zu Folgeschäden führt», erklärt Bienenforscher Thomas D. Seeley.
    www.mellifera.de


    Bei Reihenaufstellung sitzen lt. Dr. Seeley am Abend 82% der Arbeiterinnen im falschen Stock.


    Dabei haben dann (nach meiner Erfahrung) die in der Reihe außen stehenden Völker die meisten Blindflieger eingesammelt. Das erklärt auch, dass diese Außenstehenden meistens sehr starke Völker sind. Außerdem macht es deutlich dass die Behandlung einzelner Völker weniger zielführend ist, als die gleichzeitige Behandlung aller Völker an einem Stand.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)

  • Bei Reihenaufstellung sitzen lt. Dr. Seeley am Abend 82% der Arbeiterinnen im falschen Stock.

    Nur 82%!? Was für Räuberpistolen. Wenn der Rest auch so gut recherchiert ist, war es das für seinen Ruf. Langsam wird er wunderlich.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Die Eckvölker haben am meisten fremde Arbeiterinnen drin. Besonders nach extrem windigen Tagen. Deshalb sind die hin und wieder an manchen Tagen (unerklärlich) aggressiv. Einige Tage später, nach gutem Flugwetter haben sie sich wieder sortiert und sind wieder lieb.


    Gruss

    Ulrich