Hilfe, massenhaft Varroen

  • Dank Euch allen für die rege Diskussion.

    Tatsächlich sind diese drei Völker Bombenvölker. Sie sitzen auf 8 Waben Dadant und diese sind auch tatsächlich praktisch voll bebrütet.

    Tatsächliche brüten sie aber auch neben dem nicht geschnittenen Drohnenrahmen noch viele Drohnen auf umgebauten Arbeiterinnenzellen aus. Der Honigeintrag ist bei allen prima, so dass ich nicht wirklich einen Anhalt für Räuberei habe. Würde ein Volk dieser Stärke wirklich beräubert?

    Und seit zwei Wochen sind nun die jeweils 2-3 äußeren Waben zu Pollenbrettern geworden, d.h. die Brut nimmt messbar ab. Aber das habe ich an den anderen Ständen auch. Und meiner Meinung nach setzt das doch nicht Milben in dieser Menge frei, oder?


    Ich habe auch noch mal alle Daten vom Herbst/Winter durchgeschaut. Gemeinsam ist allen drei Völkern, dass sie Brutlinge aus dem letzten Sommer sind, initial mit guten Varroenwerten, dann einem höheren Befall im Frühherbst, weshalb ich sie mit AS nachbehandelt habe, dann allerdings einem Milbenfall von unter 2/Tag bis in den Oktober. Sicherheitshalber haben sie aber alle bei unter 1 Milbe/Tag im Dezember trotzdem die Winterbehandlung bekommen.

    Da waren sie aber vielleicht nicht alle brutfrei. Vielleicht hat das ja schon gereicht, um bei der Brutstärke die Milbenpopulation in der Saison so nach oben zu treiben.


    Ich werde sie jetzt morgen teilen, die Honigräume fluchten, dann abräumen und auf Jungvölker verteilen, die Brutlinge mit AS behandeln und beten.

    Ich habe die Hoffnung, dass zumindest die Fluglinge bei engmaschiger Kontrolle und ggf. weitergehender Behandlung den Sprung ins nächste Jahr schaffen.

  • Gibt es das, Reinvasion von einem weiter entfernt liegenden Stand, die alle Völker gleichzeitig betrifft.?

    Ein nicht mehr voll verteidigungsfähiges Bienenvolk entdecken findige Kundschafterinnen ohne weiteres, auch im Juli. Und entsprechend begeistert tanzen sie jeweils zu Hause vor, denn "Nektar" mit einem Wassergehalt von < 20% kam in ihrem Leben bisher nicht vor. Nach 15 bis 30 min fliegt sich jedes Volk auf solch eine sagenhafte Nahrungsquelle ein und holt sich dabei die dort hausenden Parasiten gleich mit ein.

    Ohne Deine Winterdiagnose 2020/21 anzweifeln zu wollen - nur als gedankliche Anregung: Überlege, ob mglw. eine "Reinvasion von innen" infrage kommen könnte (s. Link auf Rudi Maurer):

    https://stadtrandhonig.de/2019…roa-reinvasion-von-innen/

    Das habe ich jetzt auch gelesen. Theoretisch nachvollziehbarer Ansatz, aber es sind ja weder Jungvölker, Kunstschwärme oder Völker 'nach' TBE, sondern einfach stinknormale Wirtschaftsvölker :/

  • Reinvasion durch Räuberei muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass die Völker ausgeräubert werden, sondern dass sie sich beim Räubern zum Honig noch Milben holen.

    Wenn Deine Völker stark sind und viel Honig gebracht haben, könnte der ja auch aus anderen Völkern stammen.

  • Würde ein Volk dieser Stärke wirklich beräubert?

    Nein, das is unwarscheinlich...

    Ich habe auch noch mal alle Daten vom Herbst/Winter durchgeschaut. Gemeinsam ist allen drei Völkern, dass sie Brutlinge aus dem letzten Sommer sind, initial mit guten Varroenwerten, dann einem höheren Befall im Frühherbst, weshalb ich sie mit AS nachbehandelt habe, dann allerdings einem Milbenfall von unter 2/Tag bis in den Oktober. Sicherheitshalber haben sie aber alle bei unter 1 Milbe/Tag im Dezember trotzdem die Winterbehandlung bekommen.

    Naja, das ist ein Beispiel warum die Milbenfallzahlen nicht zu gebrauchen sind. Bei so nierdigen Fallzahlen weis man nie wie viele Varroen wirklich im Volk sind, da hilf nur eine prozentuale Befallszahl, enweder der Bienen, der Brut oder von Beidem. Aber gehe einmal davon aus das letzten Herbst beim Varroamanagement etwas nicht geklappt hat. Evl. haben die auch durchgebrütet, oder wie warscheinlich wäre das? (Ehemalige Brutscheune und evtl. durchgebrütet - das wäre eine warscheinliche Möglichkeit...)

    An einem Stand, an dem 3 WV stehen, hatten alle drei Völker einen Abfall von über 100 Milben/Tag.

    Klar bei so hohen Milbenfallzahlen weis man das die "Kacke am dampfen ist" - dafür reicht die Fallzahl aus... - bei solchen Zahlen brauche ich den prozentualen Befall nicht mehr ermitteln...

  • "Reinvasion von innen"

    Können wir diesen Begriff nicht endlich streichen?! Man muss kein großes Latinum haben, damit einem das aufstößt. Eine Invasion von innen ist eine contradictio in adjecto. Man kann nicht von innen in etwas eindringen (lat. invadere = eindringen).

    Nennt es doch einfach Vermehrung! Und wenn sich etwas drinnen vermehrt, dann war es eben schon da. Dafür braucht man keinen eigenen Begriff. Da waren eben zu viele Milben mit aus dem Winter gekommen. Der Begriff verschleiert das bestenfalls und hört sich für mich wie eine Ausrede für eine unzureichende Behandlung an

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Naja, das ist ein Beispiel warum die Milbenfallzahlen nicht zu gebrauchen sind. Bei so nierdigen Fallzahlen weis man nie wie viele Varroen wirklich im Volk sind, da hilf nur eine prozentuale Befallszahl, enweder der Bienen, der Brut oder von Beidem. Aber gehe einmal davon aus das letzten Herbst beim Varroamanagement etwas nicht geklappt hat. Evl. haben die auch durchgebrütet, oder wie warscheinlich wäre das? (Ehemalige Brutscheune und evtl. durchgebrütet - das wäre eine warscheinliche Möglichkeit...)

    Ja, da hast Du wahrscheinlich Recht.

    Bin ja auch erst zwei Winter dabei. Hat eben in beiden Wintern gut funktioniert, alle Völker nach dem Winter gut beieinander. Aber so lernt man dann; plötzlich ist es anders und dann denkt man erneut.

    Werde jetzt auf jeden Fall morgen aus Interesse mir einmal eine Brutwabe auf ihren Befall anschauen. Weil ich denke, dass das der gemeinsame Nenner ist, dass es alles Brutlinge sind, irgendetwas ist mir da durchgeflutscht. Und ich habe es nicht gesehen.

  • - Hast Du in Deinen Wirtschaftsvölkern tatsächlich jetzt schon (erste Julihälfte) gewöhnlich einen natürlichen Milbentotenfall von 100/Tag und wie sieht Dein Varroamanagement im Jahreslauf aus?

    - Warum hältst Du Räuberei/Reinvasion um diese Jahreszeit für nicht möglich?

    Fallende tote Milben interessieren mich nicht. Ich habe wahrlich Besseres zu tun, als die zu zählen. Das ist nur etwas für Leute, die Extrapolation und Versuchsgruppen von 6 Völkern ohne Kontrollgruppe für Wissenschaft halten.

    Behandlung mit AS-Schwammtuch 4 Tage nach dem Abnehmen der HR (das ist in wenigen Tagen), nach genau 4 Tagen nochmals AS-Schwammtuch.


    Die letzten Linden blühen hier - in einer der wärmsten Ecken Deutschlands - gerade ab. Noch keine Räuberei-Tendenzen.
    Woanders blüht die Linde noch und es gibt auch sonst noch etwas Tracht (die möglicherweise nur nicht im Honigraum ankommt). Spätestens ab Beginn der Hundstage würde ich aber auch keine längeren Durchsichten mehr machen.

  • kann ich die HR den starken Ablegern zur Pflege überlassen?

    Du hast doch noch andere Wirtschaftsvölker. Die kriegen den Honig bessr gepflegt. Die Ableger sind schnell überfordert, da ja kein Honigpflegepersonal mitkommt. Wenn diese schon zu viele Honigräume haben, ist da auch schleuderreifer dabei. Runter damit. Besser wird der irgendwann nicht mehr.

  • Reinvasion durch Räuberei muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass die Völker ausgeräubert werden, sondern dass sie sich beim Räubern zum Honig noch Milben holen.

    Wenn Deine Völker stark sind und viel Honig gebracht haben, könnte der ja auch aus anderen Völkern stammen.

    Natürlich denkbar, aber alle drei gehen räubern und kommen mit der Pest nach Hause? Und vor allem so viele Milben? Ich glaube eher, da ist mir etwas durchgegangen. Da hat die Gute ja Recht: "der Fehler steht meist ..."

  • Nicht nur imkerlich vernachlässigte Bienenstände kommen für Reinvasion von außen infrage - auch (ggf. von Menschen unentdeckte) unbetreute Bienenvölker/ehemalige unbemerkte Schwärme in Hohlräumen von Gebäuden, Bäumen o.a. Selbst in relativ "natürlicher" Umgebung (s. Arnold Forest, Forschung von Prof. Seeley) gehen rd. 80% dieser unbetreuten Schwärme ein im ersten bzw. spätestens im Folgejahr.

    Ungestörte Völker sind in der Regel jetzt noch viel zu stark, als dass die jetzt schon erfolgreich überfallen werden könnten. Das geht normalerweise erst in ein paar Wochen los.

  • Du hast doch noch andere Wirtschaftsvölker. Die kriegen den Honig bessr gepflegt.

    Da has Du natürlich recht, die Frage ist aber wie viel Honig in den HRs drin ist. Die Ableger muß er nach gabe der HRs wenigstens die nächsen Wochen nicht mehr füttern, die schlappern den ganzen Honig weg und sind glücklich - gute Voraussetzung fürs nächste Jahr... :) ;)

    Bin ja auch erst zwei Winter dabei.

    Ach, Du bis erst 2 Winter dabei - dann würde ich das Varroamanagement wirklich noch einmal überarbeiten! (Wenn ich gar nicht behandle kann das auch 2 Winter gut gehen, aber dann kommt im dritten Jahr meist der Einbruch massiv - wie bei Dir...)

  • Das ist ja das Problem. Die anderen Dadant-Völker haben ja schon 4-5 HR drauf. Mir wurde gesagt, dass die Pflege bei zusätzlichen HR schwierig würde. Zudem ich ja Dickwaben habe, die Linde alles zuknallt.

    Wollte schon runterholen, aber der größte Teil ist noch zu feucht.

    Vielleicht hat da ja noch jemand einen Tip bei der Linde: ich setze immer auf, wenn ca. 2/3 des letzten HR gefüllt sind (noch nicht verdeckelt). Aber trotzdem ist zum jetzigen Zeitpunkt mein Wassergehalt noch zu hoch. Vielleicht bekomme ich 4-5 Waben raus, aber das entspannt die Sache nicht wirklich.

    Im Übrigen: der Wassergehalt ist auch bei meinen normalen HR in Zander noch zu hoch.


    Also: irgendwohin muss ich mit dem Zeugs

  • Ach, Du bis erst 2 Winter dabei - dann würde ich das Varroamanagement wirklich noch einmal überarbeiten! (Wenn ich gar nicht behandle kann das auch 2 Winter gut gehen, aber dann kommt im dritten Jahr meist der Einbruch massiv - wie bei Dir...)

    Ok:

    - bisher Windeldiagnose - werde ich überdenken

    - im Sommer TBE mit OX, danach mit Windeldiagnose kontrolliert, bei Fallzahl über Grenzwert: Nachbehandlung mit AS 85%, Kontrolle ebenfalls mit Windel auf zu erwartenden Milbenfall, demnach genug erwischt.

    - im Herbst alle Völker, deren Milben über Grenzwert lagen, in die Niederlande rüber und Blockbehandlung mit OX-Verdampfung, danach Milbenfall unter 1

    - im Winter erneute Kontrolle und Winterbehandlung


    in beiden Wintern keinen Verlust


    Änderung in dieser Saison: keine Drohnenbrut geschnitten


    Also: Windeldiagnose als Kriterium falsch oder es war ein Fehler, die Drohnenbrut zu belassen? Oder etwas anderes, was ich nicht sehe?