Hilfe, massenhaft Varroen

  • Hallo alle zusammen,

    noch vor einigen Tagen hier TBE diskutiert. Dann habe ich sicherheitshalber bei allen Völkern den Milbenfall kontrolliert.

    An einem Stand, an dem 3 WV stehen, hatten alle drei Völker einen Abfall von über 100 Milben/Tag.

    Alle anderen WV an anderen Ständen haben einen Fall von 0-maximal 4/Tag. Ich kann mir das nicht erklären. Heute Morgen dachte ich noch, es läge daran, dass ich bei allen guten Völkern keine Drohnenbrut geschnitten habe, aber warum dann nur bei diesem Stand? Die Bienen sehen alle gut aus. Bei einem Volk letzte Woche mal 1! aufsitzende Milbe gesehen, Bienen sehen morphologisch gut aus.

    Ok. Was nun? TBE machen und Brut einschmelzen, das fände ich schrecklich. TBE und Brutscheune mit AS behandeln. Geht das?

    Ganzes Volk mit AS behandeln, wohin mit den Honigräumen? Die anderen DD-Völker haben schon selber genug Honig zu pflegen. kann ich die HR den starken Ablegern zur Pflege überlassen?

    Wäre für rasche Hilfe wirklich dankbar.

    Herzliche Grüße

    Sandra

  • Ich kann mir das nicht erklären.

    Wie sah denn Deine Winterbehandlung aus?

    TBE machen und Brut einschmelzen, das fände ich schrecklich.

    Da helfen jetzt nur schreckliche Maßnahmen.

    TBE und Brutscheune mit AS behandeln.

    Ich schätze, dass die Brut so stark parasitiert ist, dass da nicht mehr viele gesunde Bienen schlüpfen. Probieren kannst Du es ja.

    Bei einem Volk letzte Woche mal 1! aufsitzende Milbe gesehen,

    Das ist auch kein brauchbares Indiz. Wenn die Milben obenauf sitzen, dann nur, weil unten (in den Bauchsegmenten) kein Platz mehr ist. Merke: Wenn man Milben auf den Bienen sieht, ist der Befall extrem.

    kann ich die HR den starken Ablegern zur Pflege überlassen?

    Ja.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Winterbehandlung hat gut funktioniert. Im Dezember bei allen Völkern außer einem weniger als 1 Milbe/Tag. Und das Volk mit 3/Tag hat an einem anderen Stand derzeit gar keine Milben.

    Gut, dann mache ich gleich erst mal TBE und karre die Honigräume zu den Ablegern.

    Und dann schaue ich, ob aus den Brutwaben noch etwas brauchbares schlüpft, wenn ich mit Ameisensäure behandele.

    Immerhin lässt das Wetter diese in den nächsten Tagen zu.

    Danke Dir.

  • Ach so, noch eine Nachfrage. Sollte ich die HR vorher fluchten oder ist der Übertrag von Milben in die Ableger nicht so hoch?

    Denkbar wäre ja auch, einen Flugling bilden, die HR darüber fluchten. Brutlinge weg.

    Am nächsten Tag HR zu den Ablegern und Flugling behandeln.

  • ... alle drei Völker einen Abfall von über 100 Milben/Tag.

    Alle anderen WV an anderen Ständen haben einen Fall von 0-maximal 4/Tag. I

    Irgend etwas stimmt da nicht. Nach den gängigen Faustformeln wären bei natürlichem Milbentotenfall/Windeldiagnose Mitte Juli von 100/Tag (x Faktor 120) 12.000 Milben im Volk, also etwa jede vierte Biene bereits befallen. Solch ein Volk wäre nach den einschlägigen Behandlungsratgebern nicht mehr zu retten (s. z.B. Leitfaden Varroabekämpfung vom LAVES Celle).

    Mglw. hast Du einen Aufzeichnungs-, Tipp- oder Diagnosefehler. Reinvasion wäre auch eine mögliche Erklärung, wenn auch nicht so häufig vorkommend, wie landläufig manchmal unterstellt wird.

  • ... Nach den gängigen Faustformeln ...

    Ohne Kenntnis des Brutstatus' sind die kompletter Humbug.

    Solche Fallzahlen bekommt man gewöhnlich, wenn die Bienen die Brut einschränken. Da muss man auch nicht über Reinvasion fabulieren - schon gar nicht zu dieser Jahreszeit.

  • Das finde ich eben auch. Wir haben an den betroffenen Völkern zu zweit gezählt.

    Aufzeichnungsfehler schließe ich aus, so viele Völker habe ich noch nicht, als dass ich nicht jedes Volk noch genau vor Augen habe mit seinen individuellen Problemen. Und bisher hatte ich tatsächlich seit Beginn noch kein Varroaproblem, auch noch keinen Winter einen Verlust diesbezüglich.

    Nun kann man ja über die Diagnosewindel diskutieren, ich weiß, aber die Methode hat bei mir bisher gut funktioniert. Aber ich stimme Dir zu, dass die Völker eigentlich bald tot sein müssten. Sie sind aber sehr vital, die Bienen sehen sämtlichst gut aus.

    Von Imkern in meiner Umgebung weiß zumindest die ansässige Bevölkerung nichts, aber das muss ja nichts heißen. Gibt es das, Reinvasion von einem weiter entfernt liegenden Stand, die alle Völker gleichzeitig betrifft.?

  • Ohne Kenntnis des Brutstatus' sind die kompletter Humbug.

    Es wird ausgegangen von einem jahreszeitüblichen Brutstatus eines durchschnittlichen Wirtschaftsvolkes - sowohl in den einschlägigen Varroamanagementempfehlungen der Instititute (nicht nur in D), als auch bei den Angaben der Fragestellerin in #1. Auf davon abweichende Sondersituationen muß der Imker freilich selber adaptieren und die Verantwortung dabei tragen (nicht die Schuld auf den "Humbug" abschieben).

    Goupli:

    - Hast Du in Deinen Wirtschaftsvölkern tatsächlich jetzt schon (erste Julihälfte) gewöhnlich einen natürlichen Milbentotenfall von 100/Tag und wie sieht Dein Varroamanagement im Jahreslauf aus?

    - Warum hältst Du Räuberei/Reinvasion um diese Jahreszeit für nicht möglich?

  • Gibt es das, Reinvasion von einem weiter entfernt liegenden Stand, die alle Völker gleichzeitig betrifft.?

    Ein nicht mehr voll verteidigungsfähiges Bienenvolk entdecken findige Kundschafterinnen ohne weiteres, auch im Juli. Und entsprechend begeistert tanzen sie jeweils zu Hause vor, denn "Nektar" mit einem Wassergehalt von < 20% kam in ihrem Leben bisher nicht vor. Nach 15 bis 30 min fliegt sich jedes Volk auf solch eine sagenhafte Nahrungsquelle ein und holt sich dabei die dort hausenden Parasiten gleich mit ein.

    Ohne Deine Winterdiagnose 2020/21 anzweifeln zu wollen - nur als gedankliche Anregung: Überlege, ob mglw. eine "Reinvasion von innen" infrage kommen könnte (s. Link auf Rudi Maurer):

    https://stadtrandhonig.de/2019…roa-reinvasion-von-innen/

  • Kann so ein erhöhter Milbenfall evtl. durch vermehrtes Ausräumen von Drohnenbrut entstehen ?

    Ich hatte das mal bei mir beobachtet. Drohnen wurden bei kühlem Wetter ausgeräumt und die Zahl der gefallenen Milben auf der Windel waren hoch. Besteht hier ein Zusammenhang ?

    VG

  • Jungimker1301:

    p.s.: Nicht nur imkerlich vernachlässigte Bienenstände kommen für Reinvasion von außen infrage - auch (ggf. von Menschen unentdeckte) unbetreute Bienenvölker/ehemalige unbemerkte Schwärme in Hohlräumen von Gebäuden, Bäumen o.a. Selbst in relativ "natürlicher" Umgebung (s. Arnold Forest, Forschung von Prof. Seeley) gehen rd. 80% dieser unbetreuten Schwärme ein im ersten bzw. spätestens im Folgejahr.