Honig flüssig abfüllen

  • Ich impfe und rühre. Auch Sommerbluete und Linde. Cremig ist bei mir ein Muss. Einen 20kg Eimer Sommerbluete Fülle ich aber dieses flüssig ab. Für die einigen wenige Stammkunden, die aber auch wissen das er irgendwann fest wird. Hätte ich dieses Jahr einen hohen Robinien Anteil im Sommer Honig gehabt,bliebe er natürlich ungerührt. Jeder hat anderen Honig und andere Kunden. Mit der Zeit weiß man eben was vom Kunden gewünscht wird. Auch wie man mit dem Honig nach der Ernte am besten umgeht.

  • Ich hab letztes Jahr auf Drängen ein frisches Glas ungerührte Frühtracht an die Nachbarin raus gegeben. Die Hinweise auf schnelles Essen wurden eifrig bejaht und ein paar Wochen später hatte ich den Eindruck, dass bei ihr was nicht stimmt. Ich hab sie gefragt aber sie meinte alles ok.

    Hat dann aber trotzdem monatelang nichts mehr bestellt, bis ich ihr mal ein Glas gerührten geschenkt habe. Seit dem ist sie wieder besser auf mich zu sprechen, kauft wieder und ich mach das nicht mehr.

  • Das isses. Man versaut sich den Ruf und hat keine Möglichkeit, da erklärend einzugreifen, weil der 'normale' Kunde scheut sich, das anzusprechen. Und kauft stattdessen woanders 🤷


    Edit: außer Du vermarktest das 'extra raw' an die spinnerten Hipster. In Großstädten geht sowas. Auf dem Land eher .... nicht.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

    Einmal editiert, zuletzt von rase ()

  • und auch geregelt in der deutschen Honigverordnung.

    In der Honigverordnung steht aber definitiv nicht, dass man Honig rühren oder abschäumen muss. Auch die Hygienefibel behandelt das sicher nicht.

    Die Honigfibel ist eine Broschüre des D.I.B, und der setzt ja nun im Bereich Marketing keine Maßstäbe, an die man sich halten muss (oder sollte).


    Gibts auch, aber es ist schon ein geringer Prozentsatz.

    Auch dafür gibt es Angebot und Nachfrage.

    Ja, im Marketing nennt man das eine Premiumstrategie.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Mein Honig bleibt ungerührt. Meine wenigen Kunden aus der Nachbarschaft wissen dass er fest werden kann. Sie lieben es Honig zu bekommen, bei dem der Nektar auch aus ihrem Garten kam.

    Die beiden letzten Jahre blieb er - im Eimer und kühlen Schuppen - bis Januar flüssig, dann wurde er so geleeartig. Das war der beste Zustand. Später kristallig, da habe ich aufgetaut. Das ist aber nur noch für den Eigenverbrauch.


    Ich verkaufe nur im Sommer kurz nach der Ernte und nur das was ich über habe. Meine Familie isst vieeel Honig. Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Schon dass nicht jeder bekommt so viel er mag macht etwas Besonderes daraus.


    Ist eben nur ein Hobby und ich liebe es.

  • Meine wenigen Kunden aus der Nachbarschaft

    essen nur deinen Honig? Essen somit nur Honig, wenn du welchen übrig hast?

    Schon dass nicht jeder bekommt so viel er mag macht etwas Besonderes daraus.

    Nein. Die Nachfrage ändert am Honig selber garnichts.

    Ja, im Marketing nennt man das eine Premiumstrategie.

    Nein. Premium bedeutet ein besonders gutes Abschneiden in mindestens einer positiven Eigenschaft.

    Wenn der größte Teil der potentiellen Kunden dann noch nichtmal diese Eigenschaft als positiv bewertet, hat das nichts mit Premiunm zu tun. Eher mit einem Nischenprodukt, für das nur ein sehr geringer Kundenkreis in Frage kommt.

  • Premium bedeutet ein besonders gutes Abschneiden in mindestens einer positiven Eigenschaft.

    Premiumstrategie (auch Hochpreisstrategie) ist ein Begriff aus dem Marketing, genauer der Preispolitik. Das meint hier etwas Spezielles.

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  • Premiumstrategie (auch Hochpreisstrategie) ist ein Begriff aus dem Marketing, genauer der Preispolitik. Das meint hier etwas Spezielles.

    Die Premiumpreistrategie greift aber nur unter bestimmten Bedingungen, die bei einem, an sich homogenen Produkt wie Honig, entweder nur durch künstliche ( anders 2021) Verknappung oder durch eine entsprechende Zuschreibung von besonderen Eigenschaften entstehen. Die müssen nicht reell sein, hauptsache man erreicht den "Snob-Effekt". Märchen und Mythen sind der Treiber des Absatzes bei Vielem, was sich im sog. Premiumsegment tummelt.
    Der zweite Faktor ist die Nachfragesituation und die ist nach wie vor sehr unterschiedlich in den Regionen.

  • an sich homogenen Produkt wie Honig,

    Ja, wenn man glaubt, Honig sei ein "homogenes" Produkt. Aber genau das war doch oben dauernd mein Thema, dass das nicht so ist. Sogar der D.I.B hat das verstanden, auch wenn sein Marketing denkbar altbacken daherkommt. Aber allein schon "echter deutscher Honig" und chinesischer Honig sind eben keine "homogenes" Produkt. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass man diese Unterschiede noch weiter entwickeln kann? Offensichtlich nicht so richtig.

    Es geht außerdem um den spezifischen Nutzen für den Kunden und der ist nicht immer objektivierbar.

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  • Beispiel:

    90 % meiner Kunden bevorzugen gerührten cremigen Honig.

    5% flüssig

    5% krümelig, weil der Nachbar vor 50 Jahren den auch nur so verkauft hat.

    Nur weil so wenige den krümeligen Honig haben wollen, wird daraus kein Premiumprodukt.

    Du kannst die Zahlen beliebig vertauschen, ich möchte da garnicht bewerten, aber an der Honigqualität ändert es nichts.


    Nur weil es eine verschwindend geringe Anzahl Personen gibt, die den Besitz einer Rostlaube (die fast niemand haben will) bevorzugen, wird daraus kein Luxusauto.