Honig flüssig abfüllen

  • Kommt voll auf den Honig an,

    Da ist eben das Problem. Weil man oft nicht weiß, wie sich der jeweilige Honig verhalten wird, ist es sicherer zu Rühren.

    Das geht beim Aufwärmen und stundenlangem Rühren aber flöten.

    Aufwärmen und Rühren ist zweierlei. Man kann den Honig nach dem Rühren direkt in Glas füllen. Außerdem muss ein Honig auch nicht stundenlang gerührt werden, sondern nur wenige Minuten täglich. Das dann bei niedriger Temperatur, das schont das Aroma.

    Das geht übrigens auch bei Mengen, die nicht nur für Freunde und Familie reichen (ich habe schon bis zu einer Tonne so verarbeitet).

    In jedem Fall lohnt es sich, den Honig so schonend wie möglich zu behandeln. Das wissen Kunden, die den Unterschied kennen, zu schätzen.

    Auch das Abschäumen ist nur eine optische Schönung, die verzichtbar ist. Längst werden heute Produkte industriell hergestellt, die wie handgemacht aussehen (sollen). Da fragt man sich, warum der handwerklich arbeitende Imker ein Produkt haben will, dass wie industriell hergestellt aussehen soll.

    Mit solchen Unterschieden kann man sich von der Kunkurrenz absetzen und muss das dem Kunden eben kommunizieren. Bei anderen Produkten (selbst bei Bier) ist das der Trend. Marketing, das ist die alte Weisheit, fängt beim Produkt an.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Dabei geht es vor allem um Haltbarkeit.

    Was soll die feine Schicht aus Wachs und Pollen an der Haltbarkeit ändern? Die setzt sich auch im Glas oben ab. Ich habe noch nie abgeschäumt und keine Probleme, solange der Wassergehalt stimmt.

    Ich kann auch keine Quelle finden, die hier die Haltbarkeit als Grund nennt. Überall wird nur die Optik genannt.

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  • Stimmt, die Haltbarkeit ist nicht beeinflusst von der oberen Schaumschicht.

    Allerdings kläre ich immer, die Schaumschicht obendrauf ist so wenig in, wie Honigblüten.

    Ausserdem ist die Grenze zu unsauberem Arbeiten fliessend und ich hab schon Honige gesehen, da war mehr drin als Luftbläschen und Wachsteile und von feiner Schicht konnte auch nicht mehr die Rede sein.

  • Dann schreib 'eXtra Raw Honey' drauf und verkauf ihn extra teuer. Mit Bienenbein und Wachsflocken. In der Stadt gibt es dafür garantiert einen Markt.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Mit Bienenbein und Wachsflocken

    Ich habe nicht gesagt, dass ich den Honig nicht siebe.

    Bienenbeine gehen nicht durch mein Feinsieb. Wachsflocken auch nicht, nur ganz feine Wachspartikel.

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  • Ausserdem ist die Grenze zu unsauberem Arbeiten fliessend

    Nö. Es scheint aber, einige geben sich Mühe, diese Grenze zu verwischen.


    Man kann Kartoffeln, an denen noch Erde ist, als unsauber bezeichnen. Spitzenköche raten dazu, die Kartoffeln ungewaschen zu kochen, das gibt ein besonderes Aroma. Das heisst aber nicht, dass der Spitzenkoch ungewaschen ist.

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  • Diese Schicht enthält die meisten Hefen.

    ...diese Aussage bezweifle ich ernsthaft.

    Kannst Du das irgendwie näher erklären?


    Nach meinen Erfahrungen hängt die Arbeit der Hefen immer vom Wasergehalt des Honigs bzw. der Umgebung des Honigs ab. Wenn der Deckel z.B. nicht gut verschlossen ist, kann dort Feuchtigkeit eindringen. Diese Feuchte nimmt der Honig dann auf und die Hefen - welche überall im Honig sich befinden - erwachen und beginnen ihre Arbeit. Gleiches kann bei Honig passieren, der einen erhöhten Wassergehalt hat. Die Arbeit der Hefen beginnt immer oben arbeitet sich langsam nach unten. Eine leicht gewölbte Honig-Oberfläche im Eimer oder Glas, weißt darauf hin, dass die Hefen gute Lebensbedingungen vorfanden.

    Jonas

  • Diese Schicht enthält die meisten Hefen.

    Nach meinen Erfahrungen hängt die Arbeit der Hefen immer vom Wasergehalt des Honigs bzw. der Umgebung des Honigs ab.

    Der Honig kann 30% Wasser enthalten, ohne eine Mindestanzahl an Hefezelle passiert da nix. Du brauchst Bedingungen UND Hefen. Und im Schaum und kleinsten Verunreinigungen ist ggf. letzteres schon erfüllt (und verhältnismäßig leicht zu verhindern).

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  • Ausserdem ist die Grenze zu unsauberem Arbeiten fliessend

    Nö. Es scheint aber, einige geben sich Mühe, diese Grenze zu verwischen.


    Man kann Kartoffeln, an denen noch Erde ist, als unsauber bezeichnen. Spitzenköche raten dazu, die Kartoffeln ungewaschen zu kochen, das gibt ein besonderes Aroma. Das heisst aber nicht, dass der Spitzenkoch ungewaschen ist.

    Gibt Solche und Solche. ;)

    Da mir die Branche nicht fremd ist, welcher "Spitzenkoch" soll diese Äusserung denn getan haben? Mein Exemplar vom Standardwerk für die Kochausbildung ist ungegendert und alt, beschäftigt sich aber unmittelbar nach der Einführung, mit Hygiene und Lebensmittelrecht und darin finden sich solche hinkenden Weisheiten auf keinen Fall.

  • Der Honig kann 30% Wasser enthalten, ohne eine Mindestanzahl an Hefezelle passiert da nix. Du brauchst Bedingungen UND Hefen. Und im Schaum und kleinsten Verunreinigungen ist ggf. letzteres schon erfüllt (und verhältnismäßig leicht zu verhindern).

    ...in der Theorie gebe ich Dir Recht. Wassergehalt UND Hefenanzahl.

    In der Praxis schaut es aber so aus, dass bei einem Wassergehalt von über 25% i.d.R. jeder Honig zu gären beginnt. Selbst bei einem Glas mit feuchten Honig mit 22/23 % Wasser, welches unter Vakuum steht, reicht die Menge an Hefen die im Honig und in der Luft beim Schleudern waren aus, um ihnen eine gute Lebensgrundlage zu geben. Das Vakuum verzögert diesen Prozeß allerdings. Wir ziehen seit Jahren ein Vakuum bei unseren Gläser, deshalb habe ich da Vergleiche aus der Praxis.

    Ich bin nicht von einer Schaumschicht ausgegangen, sondern von einer ganz kleinen weißen Schicht/Oberfläche, die sich beim Klären nach dem Abfüllen im Glas sich oben sammeln könnte. Diese Schicht ist anfällig für das Aufnehmen von Feuchte, da sie eine sehr große Oberfläche hat - Luftbläsen die nach oben gestiegen sind. Und schon freuen sich die Hefen.

    Jonas