Vergiftete Bienen ?

  • Ich habe seit diesem Sommer 4 Ableger, die sich auch gut entwickelt haben. Letzte Woche Dienstag wurde in ca. 100 m Entfernung ein Kartoffelfeld gespritzt. Das Laub war am nächsten Tag braun und verdorrt. Aber auch in einem meiner Ableger starben jede Menge Bienen. Sie wurden noch lebend aus der Beute gestossen und sind dann "verreckt". Vor der Beute lagen ca. 500 tote Bienen. Am nächsten Tag liess das Sterben wieder nach. Zum Glück war dieser Ableger der stärkste und ist jetzt immer noch so stark wie die anderen Ableger. Meine Fragen: Kann es vom Kartoffelfeld kommen? Hätte ich von der Chemie-Attacke im Vorfeld gewusst, hätte es genutzt, die Bienen einen Tag einzusperren? Ist noch Gift in der Beute, Brut, Honig? Wie ist die rechtliche Lage dem Bauern gegenüber? Kann ich verlangen, dass er Rücksicht nimmt?


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    MfG Petra Groenniger

  • Hallo Petra,
    ich hoffe, du hast etwa ein Glas voll toter Bienen eingesammelt und zur Sicherung der Beweisführung dem Veterinäramt für die Laboranalyse übergeben.
    Vernünftige Gespräche mit den Verursachern lassen sich meistens nur bei schlüssiger Beweislage führen.


    Ich kann mich über die Gedankenlosigkeit, oft auch Rücksichtslossigkeit solcher Zeitgenossen maßlos ärgern.


    Herzliche Grüße aus dem leider immer noch heißen Harz


    Harzbiene

  • hallo petragroenniger,


    Meiner meinung nach nützt es was wenn du deine Bienen einsperrst.


    Ich würde mal mit dem Bauern reden und da verhanlungen anstellen. Er solle dir bescheid geben wenn er spritz usw. Wollte nur meine meinung sagen.


    Mit rückständen in der Brut kenn ich mich noch nicht aus.


    Rechtlich gesehen ( wenn er weiß dass da bienen sind ) wärst du im Klagefall im Recht, denn ich zitiere aus dem Buch Imkern als Hobby " Zudem sollte man veranlassen, dass die Interessenvertretung den Schaden an den Völkern schätzt, damit der Versicherungsschutz nicht verloren geht. Wird die Vergiftung durch Untersuchung der Proben tatsächlich bestätigt, muss der Verursacher vor Gericht verklagt werden.
    Die geschädigten Völker bedürfen einer besonderen Pflege. Meistens müssen Völker miteinander vereinigt werden, um eine ausreichende Volksgröße zu haben".


    Meiner Meinung nach muss der Bauer nich angeklagt werden da zum ersten das Volk noch einigermaßen standhält und zweitens der Bauer dies mit dem insektenvernichtungsmitteln nicht gewusst hat


    Gruß idefix

    Gruß Idefix


    Fallen ist keine Schande, aber liegenbleiben.

  • Hallo Petra,


    ich würde zunächst mal von den toten Bienen an die BBA Braunschweig zusammen mit Pflanzenteilen von dem betroffen Kartoffelfeld schicken! Die sind auf solche Sachen angewiesen, denn es ist nicht unbedingt gesagt, daß der Bauer hier etwas "unerlaubtes" getan hat, viel mehr ist die Kartoffel bisher als Trachtpflanze nicht aufgeführt und vom Pflanzenschutz eben nicht erfasst! es ist aber bekannt, daß die Kartoffeln dieses Jahr sehr viel Blattläse hat, was für die Bienen ja wiederum interresant ist. Die Landwirtschaftsämter bzw. der Pflanzenschutzdienst hat aber zum Teil ein Mittel den Landwirten empfohlen, das nicht ganz Bienenungefählich ist! insofern ist dein Fall gerade für die BBA besonders interresant! und für uns im Forum wiederum wie die Sache dann ausgeht!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo,


    bei der Kartoffel ist jetzt die Erntezeit. Und dazu wird bei uns das Kraut "weggespritzt", da es beim Ernten mit dem Vollernter nur im Wege wäre und die Bänder verstopft. Das Kraut verdorrt durch dieses Herbizid innerhalb von Stunden zu braun/grauen Fasern und ist schon nach Tagen nicht mehr zu sehen. Die Kartoffeln benötigen jetzt noch einige Zeit Ruhe, bis sie geerntet werden.
    Dieses "Kraut abspritzen" ist zwar ökologisch eine Sauerei, aber meines Wissens erlaubt und wird in großem Stile durchgeführt.
    Daher kannst du dem Bauer wahrscheinlich nichts am Zeug flicken, es sei denn, du weißt ihm nach, daß er andere Dinge in seinen Tank gekippt hat bzw. die Reste einer vorigen Spritzung noch gleich mit "verklappt" hat.
    Hallo Petra,
    rede trotzdem mit dem Bauer, er wird dich sicher beim nächsten Mal vorwarnen, so daß du abwandern kannst.
    Einsperrwen, lieber Idefix, kann man Bienen nicht-schon gar nicht bei dem Wetter. Das gäbe eine schöne Sauerei.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Michael schrieb:

    Hallo,


    bei der Kartoffel ist jetzt die Erntezeit. Und dazu wird bei uns das Kraut "weggespritzt", da es beim Ernten mit dem Vollernter nur im Wege wäre und die Bänder verstopft. Das Kraut verdorrt durch dieses Herbizid innerhalb von Stunden zu braun/grauen Fasern und ist schon nach Tagen nicht mehr zu sehen. Die Kartoffeln benötigen jetzt noch einige Zeit Ruhe, bis sie geerntet werden.
    Dieses "Kraut abspritzen" ist zwar ökologisch eine Sauerei, aber meines Wissens erlaubt und wird in großem Stile durchgeführt.


    So verhält es sich in der Tat. Das grundlegende Problem ist aber, daß Blattläuse auf Kartoffeln vom Gesetzgeber einfach nicht "vorgesehen" sind. Man geht davon aus, daß Bienen Kartoffelfelder nicht befliegen und daß deshalb keine Schutzmaßnahmen zu treffen sind.


    Gerade deshalb würde ich in diesem Fall offizielle Stellen einschalten, nur so besteht die Chance, daß die gesetzlichen Regelungen geändert werden.


    Grüße


    Ulrich

  • Bei diesem trockenen und heißen Wetter nützen die Bienen jede aufnehmbare Feuchtigkeit, die sich Ihnen bieten - ich würde erwarten, daß die Bienen auf den totgespritzten Feldern auch ihren Flüssigkeitsbedarf decken wollten - auf jeden Fall immer Probe sammeln: dabei ist ein Zeuge wichtig, entweder der zuständige Bienensachverständige oder gleich der Veterinär! Diese haben auch entsprechende Probennahmebeutel und Anweisungen.


    Viele Grüße


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo!
    Ich habe gerade im Mayener Info- Brief folgendes zur Frage gefunden:
    "Warnmeldung
    Aus Gegenden mit Kartoffelanbau
    melden Imker Tautrachtvorkommen.
    Der starke
    Befall von Kartoffelpflanzen mit
    Blattläusen führt zu Honigtauausscheidungen
    die von den
    Bienen besucht werden. Zur
    Bekämpfung der Blattläuse
    setzen Landwirte u.U. bienengefährliche
    Pflanzenschutzmittel
    ein (z.B. Tamaron). I.R. der Bienenschutzverordnung werden
    bislang Kartoffeln nicht als Trachtpflanzen angesehen; dies bezieht sich
    korrekterweise auf die Blüte. Bei Blattlausbefall bieten aber die Honigtauausscheidungen
    willkommene Trachtquellen. In Niedersachsen hat es
    nach Meldung des Celler Bieneninstituts bereits extreme Flugbienenverluste
    gegeben. Bei Bienenschäden ist umgehend Pflanzenmaterial
    und tote Bienen (je ca 100g) zu sichern, Schadmeldung zu erstatten
    (über Vereinsvorsitzende) und die Proben der Untersuchungsstelle für
    Bienenvergiftungen der BBA/Braunschweig einzusenden. Wir bitten alle
    betroffenen Imker sich beim Fachbereich Bienenkunde (Dr. Schulz Tel.:
    02651 / 960522) zu melden (as)."


    Viele Grüße, Hermann

  • Hallo, Petra,
    Michael hat recht, im Moment wird eigentlich nur das Kartoffelkraut abgespritzt, und das ist grundsätzlich nicht bienengefährlich. Da kann es nur sein, daß der Bauer die Spritze nicht ordentlich gespült hat und noch Insektizide drin waren. Ich würde auf jeden Fall Bienen einschicken und mich mi dem Institut in Verbindung setzen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen