Paul Jungels: Imkern - Praxis-Handbuch zu einer anderen Imkerwelt

  • sieht auf den ersten Blick gut aus.

    nach vielen Blicken immer noch! (man liest das nich so einfach..)

    Hab eins der Ersten in die Hand bekommen ;)

    Ob alle den Atem bis zur letzten Seite haben werden, und verstandener Weise umsetzen können...

    Nein, das wirst nur du so richtig verstehen können, wo du ja auch eins der ersten… (doppelzwinkersmiley)

    Wir kleinen Drei- bis Fuffzigvolkimker, noch dazu Rookies, blicken das alles gar nich so richtig.

    Da fällt mir ein: ich kann ja gar nicht lesen!

  • nu schau dir das erst ma an ( wenn du schon nich lesen kannst :P)


    Mir mutet hier (Pauls Buch) etwas die Marke "Adam"an.... "der Gong" kommt da bekannter Weise gerne später...ist hier auch so.


    Und, das war nich so gemeint, wie du antwortest :)

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.


    Hier gibts was Gutes zu lesen

    http://www.pedigreeapis.org

    Eure Pedigrees, könnt ihr ab sofort hier problemlos u. fachlich geprüft im Original eintragen

  • Gibt Fälle, da nimmt man sich die Zeit zum Lesen, auch wenn noch nicht Winter ist.

    In diesem Fall, hat es sich sehr gelohnt. Klare Sprache, sachorientiert auf den Punkt gebracht und vollkommen uneitel.Die Quellen seines Know Hows sind vielfältig und er benennt sie auch.

    Schwerpunkt Vermehrung/Zucht, mit sehr interessanten Details. Aber auch mit manchen einfachen Tipps, die wirklich in jeder Bienenhaltung/Imkerei, sei sie noch so klein, umgesetzt werden können.

  • Nun habe ich die Teile die ich verstanden habe auch durch und möchte eine ganz klare Kaufempfehlung für alle die das ganz grobe Anfängerstadium überschritten haben aussprechen.


    Zum Buch: 264 Seiten, haptisch und optisch hochwertig, Hardcover, gute Papierqualität, farbige Abbildungen und Fotos in schöner Qualitöt


    Formal schlüssig sortiert und offensichtlich auch ein funktionierendes Lektorat. Sehr gut gegliedert.

    Das Buch hat 19 Kapitel, die wiederum in kleine, im Inhaltsverzeichnis exakt benannte „Häppchen“ unterteilt sind.

    Ich habe es im Buch hin- und herspringend Kapitel- und Abschnittsweise „von einfach zu schwierig“ gelesen, dank der übersichtlichen Gliederung und des ausführlichen Inhaltsverzeichnisses geht das sehr gut, man muss es nicht von vorne nach hinten lesen.


    Inhaltlich - da wird es komplex.

    3 einleitende Kapitel mit historischen und aktuellem Überblick zu seiner Motivation und Grundsatzfragen.


    6 Kapitel widmen sich dem Betriebsaufbau und der Betriebsführung im Jahresverlauf. Das ganze strikt getrennt in Zuchtstation und Erwerbsvölker. Da hat mich das ausgeklügelte Zeit- und Betriebsmanagement nachhaltig beeindruckt, in dem er die Königinnenzucht völlig unabhängig laufen lässt, ohne jemals ein Wirtschaftsvolk dafür antasten zu müssen. Das ganze dann so intelligent zeitlich abgestimmt, dass nie zwei Arbeitsspitzen gleichzeitig anfallen. Da werde ich bestimmt noch mehr als einen Winter mit verbringen, mir zu überlegen, was ich davon für mich mitnehmen kann, um auch meine eigene kleine Imkerei zu „entchaotisieren“ und immer eine Sicherheitsreserve an Königinnen da zu haben.


    8 Kapitel gehen tief in das Thema Zucht mit einem besonderen Schwerpunkt in zwei ausführlichen Kapiteln zu Varroaresistenz. In diesen Kapiteln habe ich immer mal wieder was übersprungen was für mich einfach zu detailliert und fern von meiner Imkerrealität ist (wie z.B. Auslese der Drohnen bei Eindrohnbesamung, praktische Aspekte der Besamung usw.). Aber auch in diesen Kapiteln habe ich vieles gefunden was noch längere Zeit in meinem Hirn hin- und herkreisen und sicher nicht zum letzten Mal gelesen wird. Nichts davon habe ich je in einem anderen Buch gelesen (und ich habe inzwischen schon ca. 40 Imkerbücher durch). Viele neue Gedanken, viele spannende Antworten auf offene Fragen zum Thema Varroaresistenz. Um mal ein Beispiel für Anfänger zu nennen: das wunderschöne geschlossene Brutbild, das wir in den Kursen immer als Ziel vermittelt bekommen, kann gegen Ende der Saison auch ein Zeichen von schlechtem Hygieneverhalten sein und muss gar nicht immer erstrebenswert sein.

    Was mich optimistisch gestimmt hat, ist dass er auf genetischer Ebene eine plausible Argumentation dafür geliefert hat, dass die fehlende Erbfestigkeit bei der Varroaresistenz gar nicht so fehlend ist, sondern dass es da einfach wesentlich mehr Einflussfaktoren gibt, als der Imker am Volk sieht, ganz zu schweigen davon, dass der Phänotyp eines Volkes auch in diesem Bereich nicht unbedingt dem Genotyp zu 100% entsprechen muss. Er beschreibt nachvollziehbar, dass Varroaresistenz unter Berücksichtigung dieser Faktoren ein durchaus erreichbares Ziel ist.

    Für mich praktisch umsetzbar daraus, bedeutet das, dass ich für meine Standbegattung ab nächstem Jahr versuchen werde VSH vorgeprüfte Königinnen zu bekommen und mein winzig kleines Scherflein dazu beitragen werde, die Genetik in die Fläche zu tragen.

    Megaspannend fand ich, dass selbst bei genauester Zuchtarbeit, der Drohn immer noch eine genetische Unbekannte sein kann. Auf eine solche Idee wäre ich nie gekommen. Wer wissen will woran das liegt, muss wohl das Buch lesen ;)


    2 Kapitel widmen sich relativ knapp dem Thema Wachskreislauf und Honigverarbeitung. Trotzdem finden sich auch hier immer wieder wertvolle Impulse, z.B. wie man in einem Brutraum die Wabenhygiene hinbekommt.


    Das letzte Kapitel ist eine biographische Hommage Bruder Adams. Wenn man schon das ein oder andere Buch gelesen hat nichts zwingend neues aber schön zusammengefasst und die persönliche Interpretation und Kommentierung zu Bruder Adams Werk von Paul Jungels ist auch wieder etwas was zu denken gibt.


    Zusammengefasst: ganz schön „reichhaltige Schwarte“, die ich sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen haben werde.

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 8 Völker

  • Auch auf die Gefahr zu Spoilern, halte ich dennoch den Absatz zu den Brutscheunen für so relevant dass ich den noch abschließend zitieren möchte:


    „Ganz besonders verwerflich ist in diesem Zusammenhang das Verfahren der sogenannten Brutscheunen. Dabei werden Brutwaben mit Varroamilben zum Schlupf im weisellosen Zustand „entfernt vom Stand“ und folglich bei hoher Bienendichte in unweigerlicher Nähe eines Nachbarstandes aufgestellt. Desorientierte Bienen verlassen mit aufsitzenden Milben massenweise die sogenannten „Brutscheunen“, um in die weinerlichsten Völker der Umgebung zu desertieren und diese zu infizieren oder reinfizieren. Damit wird deren Behandlung zunichtegemacht. Einfach unverantwortlich!“

    Paul Jungels, Imkern, Praxis-Handbuch zu einer anderen Imkerwelt, Seite 173


    Auch dies erscheint mir so nachvollziehbar, dass ich ein tatsächlich schlechtes Gewissen ob meiner TBE letztes Jahr habe. Zukünftig bekommen die Brutscheunen sofort Ameisensäure aufs Dach wenn die Brut nicht eingeschmolzen wird.

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 8 Völker

  • Weinerlich zu weiselrichtig geändert wie es korrekt heißen muss, aber meine Autokorrektur nicht akzeptiert hat.

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 8 Völker

  • Kann dazu aus eigener Erfahrung sagen, dass auch das (weiselrichtig und behandeln) nicht garantiert, dass sich die anderen nicht wieder was holen. Ob das an meinen Brutscheunen gelegen hat, die nur 300m weiter standen oder an fremden Bienenstöcken kann ich nicht beurteilen. In jedem Fall ist ohne völlig isolierte Lage eine Milbenschleuder betreiben nicht besonders sozial.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • das wunderschöne geschlossene Brutbild, das wir in den Kursen immer als Ziel vermittelt bekommen, kann gegen Ende der Saison auch ein Zeichen von schlechtem Hygieneverhalten sein und muss gar nicht immer erstrebenswert sein.

    Für mich, ist das geschlossene Brutbild, insbesondere bei der Arbeiterinnenbrut, nach wie vor ein wichtiges Kriterium.

    Bei lückenhafter Arbeiterinnenbrut, läuten bei mir die Alarmglocken!!!


    Ich denke, dass man dies nicht als Allgemeingültig sehen darf, und den jeweiligen Standort genau berücksichtigen sollte.


    Ich weiss, dass es bei Paul Jungels ende Juli ein wichtiger Punkt ist....An meinem Standort, ist ein lückenhaftes Arbeiterinnenbrutnest ende Juli, tödlich....Zumindest, wenn ich es einfach so laufen lasse.


    Ein lückenhaftes Brutnest, sollte nach wie vor, mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden.


    Lg Sulz.

  • Es geht um eine andere Sichtweise auf ständig vollflächig geschlossene Brutflächen, als Selektionskriterium für eine Nachzucht.

    Weder soll man zu einer gewissen Jahreszeit irgendwas laufen lassen, noch ist die Aussage bezogen auf den Standortfaktor.

    Zitat aus Paul Jungels Buch.: In fast sämtlicher Literatur werden geschlossene Brutflächen als ideal dargestellt. Es kann der Fall sein, dass es sich dabei tatsächlich um gesunde Brut ohne Ausfälle durch Krankheit oder gleiche Sexallele handelt.Oft genug jedoch sind absolut geschlossene Brutflächen das Ergebnis mangelnder Hygiene im Volk, besonders in der fortgeschrittenen Jahreszeit.....


    Der Titel des Buches heisst nicht umsonst "Praxis-Handbuch zu einer anderen Imkerwelt."

    Es ist ein Konzeptbuch und davon häppchenweise Aussagen zu diskutieren, dürfte absolut zu nichts führen. Es sind noch ein paar mehr Denkanstöße drin, die dem Ein- oder Anderen bestimmt sauer aufstoßen werden.

  • Rainfarn


    Und was hat dies nun mit meinem Beitrag zu tun?.....Bzw,. was ist nun an meinem Beitrag falsch, oder richtig?


    Was Paul Jungels macht, weiss ich ja schon.Seine Praxis zu einer anderen Imkerwelt, ist mir bekannt....Und daran etwas zu kritisieren läge mir Fern, auch ohne das Buch gelesen zu haben (wozu auch)


    Ein lückenhaftes Brutnest, sollte aber dennoch mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden.......Was daran gut sein soll, müsstest du mir schon mal genauer erklären X/


    Lg Sulz.

  • Zukünftig bekommen die Brutscheunen sofort Ameisensäure aufs Dach wenn die Brut nicht eingeschmolzen wird.

    Mach halt weiselrichtige Brutscheunen... Zwei, drei Rähmchen + Schied in der ersten Zarge, ASG, darüber die Brutwaben 🤷

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • In deinen Beitrag stellst du die Allgemeingültigkeit der Aussage über die vollflächigen, respektive über das lückenhafte Brutnest in Frage bzw. in Relation zum Standort.

    Das ist aber gar nicht der Punkt in dem Buch. Es geht letztlich darum, dass vollflächig geschlossene Brutflächen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr evtl. nicht daß sind, was so gerne reininterpretiert wird. Im Umkehrschluss kann ein lückenhaftes Brutnest durchaus ein Hinweis auf besonders gutes Hygieneverhalten sein.

    Da steht nirgendwo, dass das nicht mit Vorsicht zu genießen ist bzw. daß der Imker nicht eingreifen soll.

    Ich hoffe, dass ist jetzt verständlicher formuliert, worauf ich hinaus wollte.

  • habs mir auch mal bestellt..

    wobei ich aus euren Beitragen den ganz großen Wurf bisher nicht rauslesen kann.

    Bzw. klingt das alles bisher nicht so ganz neu oder radikal.

    Solides Wissen zusammengestellt und aus der eigenen Praxis mit Erfahrung untermauert. Das ist natürlich nicht neu oder radikal, aber aktuell leider eher die Ausnahme. Insofern lohnt es sich vermutlich schon dafür. Ich konnte mein Exemplar noch nicht viel lesen, aber der erste Eindruck vom Durchblättern und Probelesen deckt sich schon mal mit den Rezensionen hier.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)