Frühjahrsentwicklung

  • Mich treibt schon länger eine Frage um, die gerade wieder aktuell ist, wie man z.B. im Thread «Schwarmsaison 2021» nachlesen kann. Auf die Gefahr hin, mich hier zu blamieren, lege ich mal meine Strategie in diesem Jahr und meine Überlegungen dazu offen, in der Hoffnung, dass mich jemand auf den Elefanten im Raum hinweist. :)


    Folgende Beobachtung: Ich habe Mitte März den Brutraum auf fünf Waben Dadant US angepasst, aus der Erfahrung heraus, dass bei sechs Waben und bei meinen Königinnen (Verbesserung kommt hoffentlich bald!) eine Wabe zu viel des Guten ist. Hinter dem Schied zwei Futterwaben. Ende März sahen die Völker vorbildlich aus: Die Futterwaben leerten sich, die Brutnester wuchsen rasch an, der Brutraum war schön voll mit Bienen (z.T. mehrere «Lagen» am Schied). In Erwartung von Tracht habe ich die Honigräume mit ausgebauten Waben aufgesetzt. Wenige Tage später waren die Honigräume gut besetzt und angetragen. Die Brutnester wuchsen weiter, ich setzte einen HR mit Mittelwänden über den ersten HR, um die Bienen zu beschäftigen. Die Tracht blieb leider aus. Wegen des schlechten Wetters verblühte das Obst praktisch ungenutzt, der Raps ist halb durch und auch noch fast ungenutzt. Der zweite HR wurde nicht angenommen und der erste wurde nur im Teil direkt über dem Brutnest gefüllt (Waben um 90° verdreht, nützt nix). Die Entwicklung stagnierte und Schwarmstimmung stellte sich ein. Das ist praktisch dieselbe Entwicklung wie im letzten Jahr und im Jahr davor, wobei jenes schwierig war. Das sind meine drei Dadant-Jahre. Ich habe die Kiste also nie wirklich zum Laufen gebracht. Genetik ist eher schlecht, aber das kann nicht der einzige Grund sein.


    Ich habe mich gefragt, ob ich im Brutraum nicht auf die erwartete Brutmasse, sondern auf sieben, acht Waben schieden sollte, und/oder ob ich bereits den ersten HR teilweise mit Mittelwänden bestücken sollte. Vielleicht hätten die Völker den «Knick» geschafft, wenn wirklich eine starke Tracht eingesetzt hätte, die sie gewissermassen überflutet hätte. Aber das war nicht der Fall. Es wäre wohl besser gewesen, wenn die Völker langsam gewachsen wären.


    Der Ratschlag von Kleingartendrohn (dessen Expertise ich hier im Allgemeinen sehr schätze) geht in dieselbe Richtung:



    Ich hoffe, dass die Frage wenigstens ein bisschen von allgemeinem Interesse ist und dass hier vielleicht zwei, drei gute Ratschläge zusammen kommen, die nicht nur mir weiter helfen. :)


    Danke schon im Voraus!

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich habe mich gefragt, ob ich im Brutraum nicht auf die erwartete Brutmasse, sondern auf sieben, acht Waben schieden sollte,

    Das habe ich in diesem Jahr so gemacht, da ja Aufgrund der sehr kalten Nächte und teilweise der kalten Tage das Futter länger in brutnestnähe sein mußte - und ja, da ist nicht so viel Honig im HR zu erwarten, aber was ist besser, potentiell (theoretisch) volle HRs oder verhungerte Völker...

    und/oder ob ich bereits den ersten HR teilweise mit Mittelwänden bestücken sollte

    Mach ich immer so, ich gebe wenigstens zwei neue Rähmchen mit MWs rein und ich habe in diesem Jahr die Drohnenrahmen später gegeben - "ob das besser ist/war" - keine Ahnung...

    Vielleicht hätten die Völker den «Knick» geschafft, wenn wirklich eine starke Tracht eingesetzt hätte

    Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre. In diesem Jahr habe ich wenige Völker die bereits 1,5 HRs voll haben, einige mehr mit +/- 0 und ein paar die ich immer noch füttern muß - OK, das hilft bei der Selektion, aber "schön imkern" geht anders, normalerweise brauch ich mir ab Mitte April über Futter keine Gedanken mehr zu machen, in diesem Jahr ist das Mitte Mai noch immer so das man sich um Futter viele Gedanken machen muß, aber jetzt waren wenigstens 2-3 Nächte schon frostfrei - immerhin ein Aufwärtstrend...


    Was soll ich sagen, jedes Jahr ist anders und in diesem Jahr hat es besonders "besch..... begonnen"... ;-(

  • Danke, Franz! :)


    Es geht mir gar nicht ums Verhungern. Soweit ich das beurteilen konnte, haben die Völker die Durchlenzung gut gemeistert. Aber dann waren sie einfach «zufrieden» mit dem Status quo. Fertig. Ich hätte erwartet, dass die Bienenmasse kontinuierlich weiter anwächst, aber sie blieb (bei grossen, schönen Bruttafeln) konstant. Bisschen Honig in die Kiste, fertig, Schwarmstimmung.


    Wie wenn sie eine falsche Abzweigung genommen hätten: Statt überwintern, durchlenzen, wachsen – überwintern, durchlenzen, schwärmen.


    Man könnte das auf die «schwierigen» Jahre schieben: Das Jahr 2019 war eine Katastrophe mit halb verhungerten, armseligen Völkern Ende Mai, im Jahr 2020 platzte Ende März die Bombe: Obst, Raps, Löwenzahn, einfach alles im Überfluss, Ende April bereits alles durch, erster Schwarmabgang übrigens am 10. April (bei einem Cousin eines Kollegen, den meine Schwester von früher kennt, *hüstel*), und über das «Frühjahr» 2021 müssen wir ja nicht sprechen. Aber ich glaube, da steht noch ein grosser Fehler hinter der Kiste.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Im Nachbarfaden schon gefragt: Benutzt du einen Baurahmen? Dieser funktioniert ganz gut als Indikator, wenn Arbeiterinnenzellen gebaut werden war der Brutrahm zu klein.

    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • Ich hätte erwartet, dass die Bienenmasse kontinuierlich weiter anwächst, aber sie blieb (bei grossen, schönen Bruttafeln) konstant. Bisschen Honig in die Kiste, fertig, Schwarmstimmung.

    Warum? Das Wetter hatte ja auch keine "kontinuiertlich ansteigende Temperatur".

    In diesem Frühjahr war es wieder einmal sehr wichtig das man eine Bine hat, die nicht gleich bei der ersten kalten Nacht das Stiften eingestellt hat - die Völker die nicht sofort aus der Brut gegangen sind, sthen jetzt top da, auch wenn keine bis wenig Tracht rein kommt.

    Aber ich glaube, da steht noch ein grosser Fehler hinter der Kiste.

    Das kann ich schlecht beurteilen, ich habe Dich noch nicht hinter der Kiste arbeiten sehen ;-) . Aber, wenn man eine Biene hat, die die Kiste immer voll macht, egal was der hinter der Kiste macht, dann hat man definitv einen Vorteil bei der Einarbeitung in ein neues System/Beutenmaß/Betriebsweise... ;-)


    Im Nachbarfaden schon gefragt: Benutzt du einen Baurahmen? Dieser funktioniert ganz gut als Indikator, wenn Arbeiterinnenzellen gebaut werden war der Brutrahm zu klein.

    Oder man hat ein Volk das so schwach ist das die noch nicht an Drohen denken...

  • Im Nachbarfaden schon gefragt: Benutzt du einen Baurahmen? Dieser funktioniert ganz gut als Indikator, wenn Arbeiterinnenzellen gebaut werden war der Brutrahm zu klein.

    Ja, jetzt kommen die Fragen, die die wüsten Details zutage fördern … ;) Ich imkere (noch) im Naturbau, gebe keinen Baurahmen, habe aber jeweils noch ein, zwei Waben im Brutraum, die nicht komplett ausgebaut sind, und folglich weiter ausgebaut werden könnten. Da wird aber nie weiter gebastelt. Ein Volk musste wegen Verbau gezwungenermassen dieses Frühjahr eine Teilwabe neu ausbauen, ging problemlos, aber dann war der Bautrieb auch gleich wieder weg.


    Vielleicht hast Du mit Deiner Frage einen wesentlichen Fehler entdeckt? Vielleicht wird mit Mittelwänden alles besser? (Frage ich mich ernsthaft!)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Die haben Drohnen überwintert! Praktisch alle Völker! Anfang April waren definitiv schon neue Drohnen geschlüpft. :(

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Hallo Franz


    Oder man hat ein Volk das so schwach ist das die noch nicht an Drohen denken...


    meine Erfahrung nach Schwärmen solche Völker nicht, die haben noch andere Aufgaben zu bewältigen

















    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • Ja, jetzt kommen die Fragen, die die wüsten Details zutage fördern … ;) Ich imkere (noch) im Naturbau, gebe keinen Baurahmen, habe aber jeweils noch ein, zwei Waben im Brutraum, die nicht komplett ausgebaut sind, und folglich weiter ausgebaut werden könnten. Da wird aber nie weiter gebastelt. Ein Volk musste wegen Verbau gezwungenermassen dieses Frühjahr eine Teilwabe neu ausbauen, ging problemlos, aber dann war der Bautrieb auch gleich wieder weg.


    Vielleicht hast Du mit Deiner Frage einen wesentlichen Fehler entdeckt? Vielleicht wird mit Mittelwänden alles besser? (Frage ich mich ernsthaft!)

    Das ist interessant....

    ich stelle gerade auf Naturbau um. Bei manchen Völkern habe ich in diesem Frühjahr den Eindruck, dass sie gerne die Brut auf einer horizontalen Ebene beschränken wollen, vielleicht wegen den noch ungünstigen Temperaturen. So eine einzelne unausgebaute Ecke weiter unten würde ich jetzt nicht als Brutlegebereich bewerten.

    Die Völker sind jetzt leider alle geteilt bzw. geschwärmt sonst hättest du mal ein Leerrähmchen bei einem Volk ans Brutnest hängen können um zu schauen was passiert.


    Ein Volk musste wegen Verbau gezwungenermassen dieses Frühjahr eine Teilwabe neu ausbauen, ging problemlos.....


    Du imkerst dann ohne Anfangsstreifen oder Ähnliches?


    Viele Grüße

    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • Hallo Franz


    Oder man hat ein Volk das so schwach ist das die noch nicht an Drohen denken...


    meine Erfahrung nach Schwärmen solche Völker nicht, die haben noch andere Aufgaben zu bewältigen

    Hier geht es aber nicht ums Schwärmen, sondern um die Frühjahrsentwicklung...
    Und Meine Antwort war zu Deiner Aussage das "wenn im Drohnenrahmen Arbeiterinnenbrut angelegt wird das dann die Völker zu stark wären", ich habe gesagt das die dann auch "zu schwach sein könnten" - also taugt das nicht als Indikator ;-) ...

  • Hier geht es aber nicht ums Schwärmen, sondern um die Frühjahrsentwicklung...
    Und Meine Antwort war zu Deiner Aussage das "wenn im Drohnenrahmen Arbeiterinnenbrut angelegt wird das dann die Völker zu stark wären", ich habe gesagt das die dann auch "zu schwach sein könnten" - also taugt das nicht als Indikator ;-) ...

    Sorry...habe ich wohl was überlesen...


    meine Aussage sollte sinngemäß sein : wenn der Drohnenrahmen für Arbeiterinnenbrut genutzt wird ist das ein Zeichen, dass Platz im Brutnest fehlt.


    ich habe gesagt das die dann auch "zu schwach sein könnten" - also taugt das nicht als Indikator ;-) ...

    und das verstehe ich nicht....bitte um eine Erklärung...Danke sehr!

    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • ich habe gesagt das die dann auch "zu schwach sein könnten" - also taugt das nicht als Indikator ...


    und das verstehe ich nicht....bitte um eine Erklärung...Danke sehr!

    Ganz einfach, wenn Du bei schwachen Völkern einen Baurahmen neben der Brut einhängst, kann man öfter einmal beobachten das die zwar beuen, aber nur Arbeiterinnenbrut - das kann daher auch ein "typisches Zeichen" für "Baurahmen zu früh gegeben" sein...

  • Vielleicht wird mit Mittelwänden alles besser? (Frage ich mich ernsthaft!)

    Was hast Du im HR? Auch nur Anfangsstreifen?

    Nein, da habe ich Mittelwände. Naturbau für Brutraum, Mittelwände für Honigräume. Bald wohl nur noch Mittelwände.

    Die Völker sind jetzt leider alle geteilt bzw. geschwärmt sonst hättest du mal ein Leerrähmchen bei einem Volk ans Brutnest hängen können um zu schauen was passiert.

    Zwei sind noch da, aber eins davon würde heute wohl geteilt, wenn es mal aufhören würde zu regnen und zu hageln und zu winden … Beim andern könnte ich das mal versuchen mit dem Leerrähmchen.

    Du imkerst dann ohne Anfangsstreifen oder Ähnliches?


    Doch, natürlich mit Anfangsstreifen. Das Problem ist auf eine TBE letzten Sommer zurück zu führen: Obwohl ich sehr dünnflüssig gefüttert habe, haben sich oben schon bald dicke Futterkränze auf den neuen Waben gebildet. Die machten einen ganz leichten Bogen. Dieser war auf der folgenden Wabe natürlich etwas stärker ausgeprägt und dann immer so weiter.


    Ich möchte nicht zu weit vom eigentlichen Thema abkommen. Mein Gefühl sagt mir, dass die Mittelwände nicht nur für den Imker, sondern auch für die Bienen eine gute Hilfe sein könnten für mehr Struktur und geordnetere Verhältnisse. Das darf man so natürlich nicht sagen in diesen wesensgemässen Zeiten, aber ich werde das mal testen (und dann wohl dabei bleiben).

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).