Drohnenrahmen

  • Die "evolutionäre" Methode wird auch bei gut betriebenen Varroatoleranz-Belegstellen genutzt, der aber m.E. ein Sonderfall ist. Die Vatervölker dort werden bewußt nicht behandelt/ggf. mit hoher Varroalast belassen. Man geht dabei davon aus, daß varroageschädigte Drohnen nicht so fit sind und deshalb bei den Hochzeitsflügen keine Chance zur Begattung bekommen und so die "Natur" bei der Selektion auf Varroatoleranz mithilft. Das setzt aber einen entsprechenden Konkurrenzdruck mit genügend gesunden Drohnen voraus = genug Vatervölker auf der Belegstelle und ausreichend großen Schutzradius - wie bspw. in Gehlberg/Thür. (ca. 100 Vatervölker, 7 km).


    Das Schneiden von Drohnenbrut hat aber ebenfalls seine Berechtigung bzw. ist fair den Kollegen gegenüber und notwendig für die Selektion durch jeden Imker vor Ort bzw. bei der Basiszucht.

  • Exemplarisch eine Studie:

    In European A. mellifera colonies, Varroa mites invade both drone and worker cells, but specialization on drone brood cells seems to occur to some extent because drone cells are more frequently invaded than worker cells

    :!:Die Studie ist nicht von 2005, sondern von 1995. - Und sie behandelt auch nicht Varroa Destructor, sondern Varroa Jacobsoni. (Von der bekannt ist, dass sie bevorzugt Drohnenbrut parasitiert.)


    Hier der Link zu einer Studie der LMU: Untersuchungen zur genetischen Populationsstruktur von Varroa destructor, München 2010

    Zitat

    2 .1 .1 T a x o n o m ie


    Bisher sind vier Arten von Varroamilben bekannt. Ursprünglich ging man davon aus, dass neben Varroa rinderi (De Guzman und Delfinado-Baker 1996) und Varroa underwoodi (Delfinado-Baker und Aggarwal 1987) hauptsächlich Varroa jacobsoni Oudemans (Oudemans 1904) großen Schaden in der Bienenhaltung anrichtete. 2000 konnten Anderson und Trueman anhand mitochondrialer-DNA-Analysen (mt-DNA-Analysen) nachweisen, dass es sich bei Varroa jacobsoni nicht nur um eine Milbenspezies handelt, sondern um einen Komplex von mindestens zwei Spezies. Sie nannten die neu entdeckte Art Varroa destructor (Abb. 1).

    ... und weiter:

    Zitat

    Weltweit wurden seither acht verschiedene Genotypen (oder auch Haplotypen, da die meisten durch mt-DNA-Analysen als solche erkannt wurden) von Varroa destructor entdeckt (Tab. 1). Die Namensgebung erfolgte nach der Erstentdeckung im jeweiligen Land, wo die Milben auf ihrem natürlichen Wirt der Asiatischen Honigbiene, Apis cerana, gefunden wurden.

    ... bezogen auf Deutschland:

    Zitat

    In Deutschland, so schätzt man, parasitiert auf unserer heimischen Honigbiene, Apis mellifera, nur Varroa destructor mit dem Korea-Genotyp (Anderson 2000, Anderson und Trueman 2000, Solignac 2005).

  • Exemplarisch eine Studie:

    In European A. mellifera colonies, Varroa mites invade both drone and worker cells, but specialization on drone brood cells seems to occur to some extent because drone cells are more frequently invaded than worker cells

    :!:Die Studie ist nicht von 2005, sondern von 1995. - Und sie behandelt auch nicht Varroa Destructor, sondern Varroa Jacobsoni. (Von der bekannt ist, dass sie bevorzugt Drohnenbrut parasitiert.)

    Hier muss ich mich korrigieren: Die Milbe auf den A. mellifera hat erst seit 2000 den Namen Varroa destructor. - Wenn in Arbeiten vor 2000 von der Varroa Jacobsoni im Zusammenhang mit A. mellifera die Rede ist, dann ist die Varroa destructor gemeint.

  • Ich hab zu den Thema mal in mein neustes Buch "Bienen gesund erhalten" von Wolfgang Ritter, 3. Auflage, April 2021, quasi druckfrisch, geschaut. Dort wird das Drohnenbrutschneiden immer noch empfohlen. Ein schönes Diagramm zeigt, dass dadurch die Schadschwelle 4-6 Wochen später erreicht wird, somit man sauber nach der Tracht behandeln kann und nicht vorher Notbehandeln muss.

    Klar sind sauber Sommer- und Winterbehandlungen im Vorjahr (bzw. jeder Jahr) auch wichtig, damit das Volk varroaarm in das Jahr startet.


    Wegen der Brutvernichtungsthematik schreibt Ritter übrigens explizit auch dass die Einwände nicht ganz stimmig sind. Bei der asiatische Honigbiene stirbt die Drohnenbrut vor dem Schlupf wegen der Belastung z.T. selber ab und die Zellen werden von den Arbeiterinnen propolarisiert.

    Danke für den Tip,


    bestelle ich mir gleich...

    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • Ich denke, dass man bei diesen Dingen ruhig einmal den Empfehlungen der Bieneninstitute glauben schenken kann, die zu diesem Thema forschen. Dass einige aus ethischen Gründen keine Drohnen schneiden mögen, ist ein anderer Punkt. Die Institute haben die Zahlen ausgewertet und haben >50% Reduktion der Varoa durch Drohnenschneiden festgestellt.

  • Man kann ja auch mal folgendes tun:

    ( das hatte ich vor zwei Jahren mal gemacht, evtl. von euch auch ?)


    Die geschnittene Drohnenbrut (verdeckelt, ein Rahmen) einfrieren.

    Dann akribisch die Larven aus den Zellen dröseln und die Milben zählen.

    Das macht sich im gefrorenen Zustand ganz gut.


    Bei zwei Völkern hatte ich das so mal geprüft um mir einen Überblick zu verschaffen.




    Fazit war, ein Rahmen mit relativ vielen Milben, ca . 40.

    Der Rahmen aus dem anderen Volk viel weniger , um die 10.

    Dazu muss ich sagen, das ich zum Ende hin nicht mehr sehr konzentriert war.

    ( anstrengend :sleeping:)


    Ich hätte auch sicherlich das Datum mit der jeweiligen Volksentwicklung notieren sollen.



    Das übriggebliebene Wachs war meiner Meinung ziemlich "vernachlässigbar" ( ziemlich wenig übrig)

    Doch die in die Brutpflege investierte Energie scheint mir sehr hoch, wenn man sieht, wieviel

    Leben und Fürsorge dort herrscht.?(


    Nun, will sagen, das es sicherlich auch in den Völkern sehr unterschiedlich (Milbenbefall) trotz gleichem Standort sein kann.


    Und auch die Toleranz des Befalls Unterschiede machen könnte.


    Ich will versuchen, maximal nur einmal den Drohnenrahmen pro Jahr zu entfernen.


    Die Milbenbekämpfung muss eben ab Jahresmitte und Winter gründlich erfolgen.


    LG

    Hulki

  • Die Milbenbekämpfung muss eben ab Jahresmitte und Winter gründlich erfolgen.


    LG

    Hulki

    Das ist ja auch richtig, nur belaste ich das Volk in der Zeit vorher nicht unnötig durch Milbenbefall, wenn ich versuche diese auf eine minimum zu halten. Wenn man die Reproduktionsmöglichkeiten der Milbe kennt, kann auch eine geringe Anzahl schnell zur Belastung führen.


    Gruß

    Martin

  • Um mal gleich mit einem Gerücht aufzuräumen, Drohnenvölker mit hoher Varroalast laufen zu lassen damit schwache Drohnen für die Vermehrung nicht zum tragen kommen, hat meiner Meinung nach rein gar nichts mit Varroatoleranz-Zucht zu tun.


    Eine Drohnenlarve kann sich nicht aussuchen, ob sie von einer Milbe befallen wird.

    Die Drohnen eines Volkes sind mehr oder weniger genetisch gleich und werden durch das Genmaterial der Mutter der unbefruchtet gelegten Eier der Drohnen spendenden Königin bestimmt. (hört sich jetzt sehr gedreht an, fängt aber alle Fälle eines Drohnenvolkes/Drohenableger/Drohnenspender ab).

    Somit hat die Milbe auch keine durch die Bienenlarvengenetik bestimmte Auswahlmöglichkeit für ihre "Opfer" und damit gibt es auch keine biologische Selektion einer eventuellen schwachen Erbgutinformation.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • d2dum: Die Bezugsebene ist nicht das einzelne Volk, sondern der Vergleich zwischen verschiedenen Zuchtlinien. Belegstellen, auf denen Vatervölker von mehreren Zuchtlinien aufgestellt sind, bauen genau auf dieses natürliche Auswahlprinzip der Drohnen-Fitneß. Die Vatervölker bleiben unbehandelt und müssen daher ihre Varroalast selbst regulieren (Ausräumen befallener Brut vor dem Schlupf usw.). Völker, die in diesem Sinne weniger varroatolerant sind, erzeugen im Verhältnis mehr varroageschädigte Drohnen, die aber aufgrund ihrer mangelnden Fitneß bei den Hochzeitsflügen nicht zum Zuge kommen. So findet zumindest auf solchen Belegstellen eine gewisse natürliche Auswahl zwischen den einzelnen Vaterlinien statt und ist somit gewollter intergraler Bestandteil von Varroatoleranzzucht.

  • ribes hrm ja, da hab ich etwas zu flach gedacht.

    Auch wenn man von den Geschwistergruppen ausgeht, bleibt bei den Drohnen auch das Erbgut der gemeinsamen Großmutter. Also vom Drohn aus gesehen und das was man auf der Belegstelle weitergeben will, hat das meiner Meinung nach keine Auswirkung.

    Wenn du aber die weiblichen Nachkommen der Schwesternvölker meinst, dann hat ja jede Schwesterkönigin evt. ein anderen Vater und damit jedes Volk auch ein etwas anderes Verhalten.

    Aber jetzt entfernen wir uns von der Drohnensache und wandern zu Self-Selektion der Königin, ändert jedoch nichts zu meiner obigen Drohnenaussage (uniform) und der Sinnhaftigkeit auf der Belegstelle, wenn man die Schwesternköniginselektion außen vor lässt.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Fazit war, ein Rahmen mit relativ vielen Milben, ca . 40.

    Der Rahmen aus dem anderen Volk viel weniger , um die 10.

    Wenn man diese 40 aus dem Volk rausholt, dann stoppt man die Vermehrung doch massiv. Aus den 40 werden im nächsten Zyklus 240 (?), dann 1440 (?) dann.... Das wird doch sicherlich exponentiell laufen.

  • Fazit war, ein Rahmen mit relativ vielen Milben, ca . 40.

    Der Rahmen aus dem anderen Volk viel weniger , um die 10.

    Wenn man diese 40 aus dem Volk rausholt, dann stoppt man die Vermehrung doch massiv. Aus den 40 werden im nächsten Zyklus 240 (?), dann 1440 (?) dann.... Das wird doch sicherlich exponentiell laufen.

    Ja, aber nicht so, wie Du annimmst mit dem Faktor 6. Biol. Systeme unterliegen der Vermehrungsmechanik des natürlichen Logarithmus (e-Fkt.), z.B.


    Anz. Milben z. Zt. X = Anz. Milben jetzt * e exp. (Vermehrungsfaktor * Zyklen). Der Vermehrungsfaktor liegt m.W. bei 1,5 ...


    Aus 40 Milben entstehen demnach bei 2 Brutzyklen ca. 800.


    Kikibee weiß das sicher besser als ich (die Erinnerung und Präzision lässt nach ;)).

  • Moin

    Macht doch mal einen einfachen Versuch: öffnet 100 verdeckelte Zellen mit Drohenbrut und gleichzeitig 100 Zellen mit verdeckelter Arbeiterinnenbrut vom selben Volk.

    Zählt die Varroen, die ihr darin findet!

    Danach wisst ihr wo die Varroen in euren Völkern sitzen.

    Ich kann nur für mich und meine Umgebung sprechen: die Varroen sitzen nicht mehr in der Drohnenbrut.


    Ich kenne noch die ersten Jahre des ersten Aufkommens der Varroa. Da war die Drohnenbrut rot vor lauter Varroen. Da hat die Entnahme der Drohnenbrut noch etwas gebracht. Aber diese Zeiten sind schon lange! vorbei.


    Ja, das die Varroa jetzt vermehrt in der Arbeiterinnenbrut sitzt, hat einen Hintergrund. Da könnt ihr ja mal überlegen wie es dazu kommen konnte über die Jahre....

    Wie gesagt die Drohnebrut war rot!


    Sollten die Varroen bei euch noch vermehrt in der Drohenbrut sitzen: Glückwunsch!

    Ihr solltet damit vorsichtig umgehen, damit es auch so bleibt...
    Mir und meinen Kollegen in meiner Gegend ist die Chance genommen worden, die Varroen im Sommer, ohne Chemieeinsatz zu dezimieren!

    Gruß

    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935