Drohnenrahmen

  • Das ist wie die Motoröldikussionen im GTI Forum.

    Gemeinsamer Nenner.... unmöglich. ;)

    Mit so einem Post kann man natürlich jeden fruchtbaren Gedankenaustausch abwürgen (um im Autojargon zu bleiben).


    Es muss ja nicht immer jeder auf den gleichen Nenner kommen. Der Austausch von Argumenten, Gedanken und Erfahrungen gerade von unterschiedlichen Sichtweisen ist doch das Spannende hier.


    Grüße vom Apidät

  • Hallo Apidät,


    das sehe ich auch so !!

    Gibt es Untersuchungen zu dem Thema ? Also pro und kontra Drohnenbrutschneiden?

    Könntest du mir was empfehlen?


    Viele Grüße

    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • Ich hab zu den Thema mal in mein neustes Buch "Bienen gesund erhalten" von Wolfgang Ritter, 3. Auflage, April 2021, quasi druckfrisch, geschaut. Dort wird das Drohnenbrutschneiden immer noch empfohlen. Ein schönes Diagramm zeigt, dass dadurch die Schadschwelle 4-6 Wochen später erreicht wird, somit man sauber nach der Tracht behandeln kann und nicht vorher Notbehandeln muss.

    Klar sind sauber Sommer- und Winterbehandlungen im Vorjahr (bzw. jeder Jahr) auch wichtig, damit das Volk varroaarm in das Jahr startet.


    Wegen der Brutvernichtungsthematik schreibt Ritter übrigens explizit auch dass die Einwände nicht ganz stimmig sind. Bei der asiatische Honigbiene stirbt die Drohnenbrut vor dem Schlupf wegen der Belastung z.T. selber ab und die Zellen werden von den Arbeiterinnen propolarisiert.

  • Wegen der Brutvernichtungsthematik schreibt Ritter übrigens explizit auch dass die Einwände nicht ganz stimmig sind. Bei der asiatische Honigbiene stirbt die Drohnenbrut vor dem Schlupf wegen der Belastung z.T. selber ab und die Zellen werden von den Arbeiterinnen propolarisiert.

    Das wiederum finde ich jetzt nicht ganz stimmig. Bei der Apis cerana sterben ja nur die varroainfinzierten Larven, beim Drohnenschneiden hingegen wird ein Großteil der Drohnenbrut mit zumeist gesunden Drohnen vernichtet. Vielleicht müsste man zum Verständnis den entsprechenden Buchausschnitt nur detaillierter wiedergeben oder noch besser direkt selbst lesen.


    Grüße vom Apidät

  • Dort sind die Drohnenzellen dicker verdeckelt. Nur gesunden Drohnen gelingt das Schlüpfen. Die Milbe geht dort nur in Drohnenbrut. Deshalb geht das Volk nicht an Varrose kaputt.


    Jetzt sind bei mir die Drohnen flächig verdeckelt. Der erste Zyklus. Nach der Linde ist hier Schluss. Was wollte ich mit einem Vorteil von 6 Wochen. Ende Juni schlüpft der 2. Zyklus. Spätesten 2 Wochen danach ist Trachtende. D. h. In ca 8 Wochen: TBE, Brutscheunen, Scalvini, Ablegerbildung. Nix Zeit vertrödeln, wozu auch.
    Für Heideimker sieht das anders aus. Die haben aber eh andere Konzepte.

    Gruss

    Ulrich

  • Nichts gg. Expertenmeinungen - alles in Maßen richtig, aber niemals nur die eine Meinung.


    Die Milbe aus SO-Asien, z. B. Malaysia, hieß seinerzeit Varroa jacobsonii und kam u.a. über Russland und Bienenimporte nach Europa. Die hier vorkommende Art nennt sich Varroa destructor und ich weiß nicht genau, ob es nur eine Umbenennung ist oder die Art eine abgrenzbar Andere darstellt. Der Unterschied im Befallsverhalten wird durch die Bienen selbst verursacht. In SO-Asien befällt die Milbe bei der A. cerana im Wesentlichen die Drohnenbrut, hier befällt sie Arbeiterinnen- und Drohnenbrut gleichermaßen. Ursache dafür sind die Signale der jeweiligen Larve zum Verdeckeln der Zelle (Juvenilhormon), welche die Milbe zum Einwandern in die jew. Zelle veranlasst. Dieses Signal ist bei Drohnenlarven der A. cerana höher als bei der Arbeiterinnenlarve. Bei A. mellifera unterscheiden sich die Signalintensitäten kaum, weswegen kein Unterschied im Befall existiert (nachzulesen in der Dissertation von H. Hänel, der dies in den 80ern unter Prof. Ruttner in Malaysia erarbeitet hat; müsst mal selbst suchen).


    Lediglich die längere verdeckelte Brutphase der Drohnen macht einen Unterschied in der Vermehrung der Milbe aus. Dies dürfte m.E. kaum einen entscheidenden Unterschied im Befallsgeschehen machen. Wer im VJ die Milbenlast genügend reduziert hat oder wessen Bienen das selbst besorgen, lässt Drohnen im Volk; denn abgesehen vom großen energetischen Einsatz haben diese eine Funktion im Volk.


    Habe jetzt zum x-ten mal geschrieben - Mythen sind spannender als Fakten ;)

  • beemax: Danke für den Verweis auf Hänel. Wenigstens einmal etwas einigermaßen handfestes.

    Meinst du etwa:

    Hänel, H. Effect of juvenile hormone (III) from the host Apis mellifera (Insecta: Hymenoptera) on the neurosecretion of the parasitic mite Varroa jacobsoni (Acari: Mesostigmata). Exp Appl Acarol 2, 257–271 (1986). DOI: 10.1007/BF01193958 (Zu finden bei Springer, Seite enthält Kaufmöglichkeit, so dass ich die mal nicht direkt verlinke)


    Ich habe allerdings mehrere Bücher daheim in dem genau das Gegenteil drin steht: Varroa beforzugt Drohnenbrut. In der Wissenschaft kommen gegensätzliche Ergebnisse verschiedener Leute aber durchaus mal vor.


    Mythen sind spannender als Fakten. Da stimme ich dir zu. Was nun was ist, muss man halt rausfinden ;-)

  • Uih, da fällt mir aber positiv der Herr Schiffer ein. Der hat seinen Tree extra mit dem Antidrohnenschneidrahmen ausgestattet, damit da niemand nicht dran rumfurtelt.


    Wenn Bienen keine Drohnen wollten, dann würden sie keine machen.


    Gruss

    Ulrich

  • 1. Drohnenschneiden ist für mich wie Kükenschreddern.

    2. Die Hauptenergie geht in das Erzeugen der Drohnen, nicht in den Unterhalt der schon geschlüpften Drohnen. Dh mit dem Entnehmen der Drohnenbrut nötige ich das Volk, sich an einer zusätzlichen Baustelle abzuarbeiten.

    3. Ich bin sicher, dass die Drohnen zum Wohlbefinden des Volkes beitragen und dass die Bienen eine bestimmte Menge Drohnen haben wollen.

    4. Varroen kann man auch anders in Schach halten. Wenn das Schneiden überhaupt einen Einfluss hat.

    5. Wachs gibt es auch so genug. Bei mir wird es immer mehr. Wachs mit darin verstorbenen Drohnenmaden empfinde ich jetzt auch nicht als non-plus-ultra.

    Hoffentlich ein wieder normales IFT am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

  • Die Varroamilbe hat vor einigen Jahrzehnten einen Wirtswechsel gemacht. Dabei hat sie uns beigebracht, dass das mit den Drohnen Geschichte ist. Wer wegen der Milbe Drohnen schneidet, hat sich mit der Biologie der hier lebenden Varroamilbe nicht genug beschäftigt.


    Gruss

    Ulrich

    Ich halte das Schneiden von Drohnen zwar auch für nicht notwendig, aber deine Aussage bezogen auf die Biologie von Milbe & Biene ist falsch. Varroa kann sich zwar auch in in Arbeiterinnenbrut vermehren, nutzt aber bevorzugt Drohnenbrut. Es gibt viele Studien von Menschen, die sich ausgiebig mit der Biologie der hier lebenden Varroamilbe beschäftigt haben, die zeigen, dass Milben bevorzugt (aber bei weitem nicht ausschließlich) Drohnen parasitieren. Auch bei A. mellifera. Exemplarisch eine Studie:

    In European A. mellifera colonies, Varroa mites invade both drone and worker cells, but specialization on drone brood cells seems to occur to some extent because drone cells are more frequently invaded than worker cells

  • Ich hätte nichts dagegen, wenn das falsch wäre. Wir hätten einen starken Hebel gegen die Milbe. Dass der Hebel nicht stark ist, zeigen die Völkerverluste auch der Imker, die schneiden.


    Gruss

    Ulrich

  • Das sind letztlich zwei Paar Schuhe. Das die Milbe bevorzugt in die Drohnen geht, heißt nicht automatisch, dass Drohnen schneiden der Hit zur Varroa-Bekämpfung ist. Ist es ja auch nicht, wie die Realität zeigt.


    Ich würde dem allerdings auch nicht völlig den Nutzen absprechen und es gerade Anfängern oder Imkern, die in der Vergangenheit öfter höhere Verluste hatten durchaus als zusätzliche Maßnahme empfehlen, die am Ende über Sein oder Nicht-Sein entscheiden kann. Sitzt das Varroa-Management aber erst einmal, halte ich auch nicht mehr viel vom Drohnen schneiden.