Neue wissenschaftliche Publikation zur Wirksamkeit der Ameisensäurebehandlung

  • In der neuen Apidologie gibt es einen Artikel zur


    Wirksamkeit und Temperaturabhängigkeit einer 60% igen und 85% igen Ameisensäurebehandlung gegen Varroa-Destruktor


    (Originaltitel “Efficacy and temperature dependence of 60% and 85% formic acid treatment against Varroa destructor” )

    von Xenia STEUBE, Patricia BEINERT und Wolfgang H. KIRCHNER
    den vollständigen Aritkel findet ihr hier: https://link.springer.com/article/10.1007/s13592-021-00859-5


    Meine Zusammenfassung


    Zuerst die weniger überraschenden Beobachtungen der Autoren:

    • AS funktioniert bei 1-zargig besser als bei 2-zargig
    • 85% besser als 60%
    • Funktioniert besser bei Wärme
    • Nassenheider professional im Allgemeinen besser als Liebig Dispenser

    In Abbildung 1. sind genauen Zahlen wie groß jeweils der Unterschied ist,


    Spannender wird es, wenn man in die Details rein schaut.

    • bei 1-zargig und 60% ist Liebig besser, bei 2-zargig und 60% Nassenheider (Abbildung 3).
    • bei 85% sind Liebig und Nassenheider für 1-zargig praktisch gleich gut und kaum temperaturabhängig im untersuchten Temperaturbereich (Abb 5).
    • bei 2-zargig und 85% ist Nassenheider besser als Liebig (Abb 5).
    • In allen Fällen gibt es eine große restliche Streuung, für die noch nicht identifizierte Faktoren verantwortlich sind, die den Erfolg der AS-Behandlung beeinflussen.


    Keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg hat

    • Menge der erwachsenen Bienen
    • Menge der Brut
    • Menge des eingelagerten Honigs


    Für mich offene Fragen, die ich mit den Autoren noch per Mail klären will:

    • über Nebenwirkungen (z.B. Königinnenverlust) wird nichts berichtet
    • die Korrelations der Wirksamkeit von 1. und 2. Behandlung unter sonst gleichen Bedingungen wird nicht untersucht.


    Übersetzung des Endes von Abschnitt “4. Diskussion”:


    “Bisher war die Verwendung von 85% AS in Deutschland zur Behandlung von Varroose nicht gestattet. Diese Studie hat jedoch gezeigt, dass eine erneute Überprüfung einer Zulassung von 85% AS die Wirksamkeit der wichtigen Varroa-Behandlung deutlich erhöhen könnte, um auch bei niedrigen Temperaturen (8–13 ° C) einen ausreichenden Behandlungserfolg zu erzielen. Bis dahin empfehlen wir dringend ein integriertes Schädlingsmanagement, das die Kombination verschiedener chemischer und nicht chemischer Behandlungsmethoden und die regelmäßige Überprüfung der tatsächlichen Milbenbelastung, um zu hohe Milbenzahlen zu vermeiden. Die Spätsommerbehandlung in Mitteleuropa sollte nach der letzten Honigernte und gemäß der Wettervorhersage durchgeführt werden, um zu niedrige Temperaturen während der AS-Anwendung zu vermeiden. Basierend auf unseren Daten empfehlen wir, dass die erwartete Durchschnittstemperatur der bevorstehenden Behandlungstage in einzargigen Völkern nicht unter ~ 16 ° C fallen sollte. Bei zweizargigen Völkern sollte die Durchschnittstemperatur 19 ° C betragen, und der Nassenheider Verdunster ist dem Liebig Dispenser vorzuziehen.”

  • Da ist es wieder - die Unwägbarkeiten der Temperatur und der Luftfeuchte und damit des Dampfdrucks und der wirksamen Konzentration "vor Ort". Auch mit hochkonzentrierter AS85% bekommt man das Problem nicht in den Griff.


    Ich würde damit niemals Bienen behandeln und der Arbeitsschutz ist hier mehr als notwendig: Gegen Dämpfe von 85 %iger AS kann man sich auch durch Masken nicht schützen! Hoffentlich steht der Wind günstig;)

  • Da ist es wieder

    das Ignorieren der unterschiedlichen Volkszustände. OXS immer ohne Brut, AS in der Regel mit Brut. Ameisensäure angewand bei Völkern ohne verdeckelte Brut schränkt sehr viele Unwägbarkeiten so stark ein, dass sie das Ergebnis nicht sehr gefährden. Da sind wesentlich geringere Konzentrationen ausreichend gut wirksam. Diese erreicht man dann auch recht einfach bei nicht optimalen Bedingungen.

    Man muss Ameisensäure nicht anwenden, aber man sollte sie auch nicht verteufeln.

    "Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“ Pippi Langstrumpf

  • Da ist es wieder - die Unwägbarkeiten der Temperatur und der Luftfeuchte und damit des Dampfdrucks und der wirksamen Konzentration "vor Ort". Auch mit hochkonzentrierter AS85% bekommt man das Problem nicht in den Griff.

    Ich mag aus verschiedenen Gründen AS nicht, aber das man damit 'das Problem nicht in den Griff bekommt' kann ich nicht bestätigen. Bin ich über zehn Jahre gut mit gefahren. Erst Liebigdinger, dann Nassenheider. Ich bin ausgestiegen, als die 85%ge Säure verboten wurde (aber unabhängig davon, weil ich zu diesem Zeitpunkt eh mein Behandlungskonzept auf OS umgestellt hab).

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Da ist es wieder

    das Ignorieren der unterschiedlichen Volkszustände. OXS immer ohne Brut, AS in der Regel mit Brut.

    Ja, da vergleicht man unterschiedliche Zustände miteinander. Offene Brutbehandlung mit AS führt z.T. zum Ausräumen, was die Brut reduziert. Die bestmögliche Behandlung ist eben die bei Brutfreiheit.


    Betrachtet man die "Sternenhimmel" der Effizienzdaten mit Korrelationskoeffizienten von <0,4 (nahezu keine Korrelation), erkennt man die hohe Unwägbarkeit der Behandlungen. Das ist eben das Problem; denn kein Hobbyist kann 100e von Behandlungen machen, um mittlere Effizienz zu erhalten.


    Ich habe auch mit AS60% behandelt und bin auf OXS umgestiegen, weil's halt bienenschonender bei planbar höherer Effizienz.

  • Frage am Rande:

    Ist das Schwammtuch überholt? Und warum?

    Erinnere mich noch gut an " Henry " und seine Empfehlungen.

    Anfänger seit langem...:) , Zander 1,5, Umstellung auf Naturwabenbau,

  • Wirksamkeit und Nebenwirkungen einer Varroabehandlung von Honigbienen mit 60%iger Ameisensäure in verschiedenen Verdunstersystemen
    Einleitung Die westliche Honigbiene (Apis mellifera L.) ist nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier, da sie für die Bestäubung vieler…
    www.vetline.de

    Bienen seit 2019, Warré-Beuten, „klassische Magazinbetriebsweise“ mit Absperrgitter im Naturbau, aktuell 9 Völker

  • Aktuelle Daten von diesem Sommer. Sie mussten sich ja bei dem Studienaufbau an die Zulassung halten. Wäre interessant gewesen wie Wirksamkeit und Königinnenverluste bei Formiqpro auf den Oberträgern der oberen Brutzarge statt dazwischen gewesen wäre. Diese Abwandlung wird ja überwiegend per Mundpropaganda empfohlen.

    Bienen seit 2019, Warré-Beuten, „klassische Magazinbetriebsweise“ mit Absperrgitter im Naturbau, aktuell 9 Völker

  • Ich finde die Studie teilweise Murks. Die verschiedenen Mindest,-Durchschnitts- und Maximaltemperaturen deuten darauf, dass es Außentemperaturen sind. Mich hätte interessiert, wie die Temperaturen drinnen aussehen und wie das Ergebnis ausgesehen hätte, wenn sie Segeberger Beuten genommen hätten. Insbesondere ist unbekannt, wo die Völker aufgestellt waren (Schatten, Sonne, Wind). Da würfel ich lieber.

  • Ich finde die Studie teilweise Murks. Die verschiedenen Mindest,-Durchschnitts- und Maximaltemperaturen deuten darauf, dass es Außentemperaturen sind. Mich hätte interessiert, wie die Temperaturen drinnen aussehen und wie das Ergebnis ausgesehen hätte, wenn sie Segeberger Beuten genommen hätten. Insbesondere ist unbekannt, wo die Völker aufgestellt waren (Schatten, Sonne, Wind). Da würfel ich lieber.

    Natürlich sind das Außentemperaturen. Die Anwendungsempfehlungen richten sich schließlich auch nach diesen. Dazu auch rases berechtiger Hinweis. Die Studie ist sicher kein Murks, die gibt schon deutliche Fingerzeige, die auch ins Gesamtbild anderer Studien passen.


    Etwas schade ist, dass sie in 2021 durchgeführt wurde - praktisch dem einzigen Sommer ohne Hitze und Dürre in den letzten Jahren und, wie ich befürchte, auch in Zukunft. Wie die Daten bei 8-9 °C höhrer Außentemperatur ausgsehen hätten, würde mich stark interessieren.

  • Natürlich sind das Außentemperaturen. Die Anwendungsempfehlungen richten sich schließlich auch nach diesen.

    Nö, beim Nassenheider Pro steht ganz klar "10° bis 35°. Diese Angaben gelten für die Temperatur direkt am Verdunster!" Ergänzt mit dem Hinweis das bei direkter Sonneneinstrahlung auf die Beute aufgepasst werden muss.

  • Nö, beim Nassenheider Pro steht ganz klar "10° bis 35°. Diese Angaben gelten für die Temperatur direkt am Verdunster!"

    Das halte ich für Unsinn. In einer schnell ergoogelten Anleitung (Link unten) steht auch nichts davon. Macht auch überhaupt keinen Sinn. Ein Volk, dass auf seinen Waben im Spätsommer 10, 15 °C Temperatur hat, brauchst du auch nicht behandeln - da ist ohnehin nichts mehr drin, was die Bezeichnung Volk verdient.


    Zudem, wie willst du das messen? Sobald du die Kiste öffnest, sind alle Messungen Makulatur. Es hat nicht jeder einen Brutraumsensor.


    https://www.imker-hechingen.de/Dokumente/Aktuelles_Imkertipps/Gebrauchsanweisung_NV-professional_2015.pdf

  • Zusammengefasst: Empfohlene Dosierung

    - 75 % ige Wirkung/Abtötung der Milben; doppelte Dosierung - 90 % ige Wirkung, aber mehr tote Bienen. Und Königinnen hat's auch hingerafft, meist bei den Gelstreifen.


    Eigentlich nicht mehr, als das, was wir schon alle von AS & Co. kennen. Die 90 %ige Wirksamkeit, wie von der EMA angestrebt, wird nur bei doppelter Dosierung erreicht - aus gutem Grund. Ist aber nicht zugelassen, wie andere, Bienen- und Königin schonendere Methoden.