Melezitose

  • Hallo zusammen!


    Einige Imkerkollegen von mir haben heuer Probleme den Honig aus den Waben zu bekommen. Nur ein Bruchteil läßt sich schleudern :( . Es ist wahrscheinlich ein Melezitose-Honig. Nun zu meiner Frage: Wieso läßt sich dieser Honig nicht schleudern ? Woher kommt er ? Was gibt es für Möglichkeiten, um ihn doch nutzen zu können ?


    Ich freue mich schon auf eure Antworten!


    Liebe Grüße und allen eine erfolgreiche Varroabehandlung!

  • Schrofi schrieb:

    Einige Imkerkollegen von mir haben heuer Probleme den Honig aus den Waben zu bekommen. Nur ein Bruchteil läßt sich schleudern :( . Es ist wahrscheinlich ein Melezitose-Honig. Nun zu meiner Frage: Wieso läßt sich dieser Honig nicht schleudern ? Woher kommt er ? Was gibt es für Möglichkeiten, um ihn doch nutzen zu können ?


    Hallo Schrofi,


    vorweg bemerkt: Das Zeug muß raus, damit die Bienen nicht im Winter auf den gefüllten Waben verhungern. Im aktuellen Bienenjournal stehen zwei Aritkel über Melezitose-Honig, allerdings habe ich das Heft nicht zur Hand.


    Wenn ich das ganze richtig in Erinnerung habe, dann wurde empfohlen, die Waben zu entnehmen, aufzureißen und stark zu wässern. Über den eigentlichen Honigraum legt man dann eine schwarze Kunststoff-Folie oder ähnliches mit einem kleinen Schlitz. Darauf kommt dann das Magazin mit den gewässerten Waben. Statt des normalen Beutendeckels kann man u.U. eine Kunststoffplatte oder ähnliches auflegen. Angeblich tragen dann die Bienen den Melezitose-Honig ein und arbeiten ihn gleichzeitig um, so daß man ihn schleudern kann.


    Ich hoffe, ich habe das ganze richtig wiedergegeben. Ausprobiert habe ich es allerdings noch nicht, da ich bisher glücklicherweise von dieser Tracht verschont geblieben bin.


    Grüße


    Ulrich


  • Hallo Schrofi,


    der Juli-Waldhonig, den ich (seit ca. 20 Jahren, besonders in feuchten Sommern) fast jedes Jahr bekomme, ist immer nur mehr oder weniger schwer oder gar nicht aus den Waben zu bekommen. Wenn die Tracht noch andauert werden die Schleuderwaben samt Resthonig mit Wasser eingesprüht und kommen in den Honigraum zurück.


    Nach Trachtende lasse ich den Melezitosehonig umtragen. Nach verschiedenen Versuchen und Abwandlungen hat sich bei mir folgendes Vorgehen bewährt:
    Der mit Leerwaben gefüllte Honigraum wird so abgedeckt, dass den Bienen am Rand nur ein schmaler Spalt zum Durchstieg nach oben bleibt. Darauf stelle ich eine leere Halbzarge und darüber die Zarge mit den Melezitose-Waben. Von oben muß Licht einfallen, deshalb Abdeckung mit Fliegendraht-Rahmen, evtl. durchsichtige Folie. Die (entdeckelten) Waben müssen auf Lücke hängen, also nur 5 - 6, sonst werden sie gleich wieder verdeckelt.


    Die Bienen brauchen zum Verarbeiten der Melezitose unbedingt Wasser, deshalb steht in der Halbzarge eine flache Wasserschale (z.B. vom Varroa-Diagnose-Gitter mit eingelegtem Schwammtuch). Beim Wabenwechsel wird das verbrauchte Wasser nachgefüllt, sonst liegen dort die weißen Zuckerkristalle. Das ursprüngliche Einweichen der Waben habe ich nach einem Versuch wieder aufgegeben, dafür werden sie kräftig eingesprüht.


    Wenn die Bienen draußen nichts finden, sind die Waben nach 2 - 3 Tagen leer, besonders wenn das Volk nicht seine eigenen, sondern fremde Waben bekommt (Räuberei-Effekt).


    Zum Arbeits- und Zeitaufwand: Sie spielen bei mir als reinem Hobbyimker mit 3 Völkern keine Rolle, deshalb kann ich nicht beurteilen, ob sich diese Methode für einen größeren Völkerbestand eignet. Ein Versuch mit wenigen Umtrage-Völkern könnte sich lohnen, da diese die Resthonig-Waben von mehreren andern Völkern leeren können.


    Einzelne Waben lassen sich im Frühjahr (vor Trachtbeginn, wenn Wasser-Flug möglich ist) zum Erweitern verwenden. Bei meinen Warmbau-Beuten hänge ich 1-2 Waben vor das Brutnest; sie werden leergetragen und bestiftet (entspr. bei Kaltbau-Magazinen in die Mitte der untersten Zarge?).


    Wie ich den Brut- bzw. Überwinterungsraum melezitosefrei bekomme, habe ich hier im Forum (in meiner Antwort an Peter vom 23.3.03) schon beschrieben:
    http://www.bienen.de/imkerforum/viewtopic.php?p=6458#6458


    Im alten Stammtisch-Archiv (Rubrik Zementhonig) gibt es noch zwei interessante Beiträge von Armin Spürgin (vom 14.+15.02.2000):
    http://www.bienen.de/interaktiv/archiv/thema_112.html

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)