Varroa-Notbremse im Spätsommer - welches Mittel?

  • Hallo Ihr Lieben,


    mich interessiert, zu welcher Methode Ihr greift, wenn Ihr spät im Jahr einen erhöhten Milbenbefall in einem Volk feststellt.

    Sei's nun Reinvasion, misslungene Sommerbehandlung, ein fremdes, unbehandeltes Volk, das Ihr geerbt habt - die Ursache soll hier nicht das Thema sein.


    Also: es ist September, das Volk hat Brut und zu viele Milben. Was tut Ihr?

    Gerne auch mit Begründung, das macht das Ganze erst richtig interessant.


    Freue mich auf Erfahrungen aus der Praxis! 🤗

    Danke und schöne Grüße;

    humml

  • Würde eigentlich auch eine TBE, Kunstschwarm und Bauerneuerung funktionieren? Mit Sicherheit rollt jetzt der ein oder andere mit den Augen bei dieser Frage. Bei den Korbimkern geht das doch auch. Im September abstoßen, Kunstschwarmbildung und mit Oxalsäure behandeln.

    Jetzt kommen aber die Faktoren die ich aufgrund fehlender Erfahrung nicht abwägen kann.

    Funktioniert es bei denen weil die Völker vereint und stark werden oder weil durch das jährliche Schwärmen und die Brutpause der Varroadruck niedriger ist ?

    Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt:"Das ist technisch unmöglich!"

    Sir Peter Ustinov

  • Sept. wäre mir hier (!) zu spät für TBE und Neubau. Habe ich Völker, deren Milbenlast im Sept. über 2 % liegt, werden diese mit OXS behandelt - je nach Milbenfall nach der Erstbehandlung 4-fach oder 7-fach hintereinander (4 * 5 Tg. oder 7 * 3 Tg.). Die Dosiergenauigkeit ist bei Staubbehandlung unabhängig von der Witterung - im Ggs. zur AS-Behandlung - und zudem ist es bienenschonend: So behandelte Völker hatten immer gut ausgewintert und eine unauffällige FJ-Entwicklung gezeigt. Königinnenverluste konnte ich dabei nie beobachten.

  • Ich sprühe dann Oxalsäure. Die richtet nicht so großen Schaden im Volk an, reduziert aber mal eben kräftig den Milbenbesatz. Ich brauche in der Situation ja nicht unbedingt eine Vollbremsung, sondern nur ein Kappen der Befallsspitze.

    Freut sich doch nicht auf's Büro. Das wäre zwar erholsamer, macht aber keinen Spaß.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 3-5.2.2023 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda. :daumen:

  • ... werden diese mit OXS behandelt - je nach Milbenfall nach der Erstbehandlung 4-fach oder 7-fach hintereinander


    Setzt Du den Milbenfall auf der Windel dann in Relation zur Volksstärke und/oder Brutfläche?

    Kannst Du da Richtwerte nennen, nach denen Du entscheidest?

  • Im September mit vielen Milben ist bei meinem Standort vermutlich egal, was ich noch mache. Selbst wenn ich alle Milben rausbekomme, ist es schwer, dass noch genug neue und gesunde Winterbienen entstehen.
    Da ich mein Wachs nicht mit Rückständen belastet haben will, wenn ich dann doch im Frühjahr Waben einschmelze, würde ich es mit einer OS-Blockbehandlung probieren. Vielleicht würde ich sogar noch Brutwaben entnehmen, aber für eine richtige TBE fehlt mir zu diesem Zeitpunkt dann das ausgebaute Wabenmaterial für ein geschwächtes Volk. Wenn das Wetter passt, bekommt das Volk vielleicht noch genug gesunde Brut zusammen, um mit einigermaßen Masse über den Winter zu kommen. Zumindest wird es dann keine Milbenschleuder, wenn es es geräubert wird und man könnte es auch noch vereinigen.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich lasse die nach dem Sprühen einfach mal fallen, bis sich der Fall stabilisiert. Also mindestens zwei Wochen. In ganz großen Katastrophenfällen könnte ich nochmal sprühen, wenn ich Sorge um das Bienenwachs habe, ggf. auch mit Milchsäure. Aber ich bin dann sowieso zeitlich nahe an der Winterbehandlung (OS sprühen), die ich meist im November durchführe, da meine Bienen dann brutfrei sind und ich so zur Not genug Luft für eine Wiederholung habe. Generell behandle ich eher sparsam, ich kann damit leben, dass noch die ein oder andere Milbe fällt.

    Freut sich doch nicht auf's Büro. Das wäre zwar erholsamer, macht aber keinen Spaß.

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  • Wenn ich von September rede, meine ich so ab Mitte September. Da werden die Tage merklich kürzer und die Nächte kühler. Meist kommt dann auch eine Schlechtwetterphase, ehe nochmal schöne Altweibersommer-Tage kommen. Da lässt die Legebereitschaft nach, gebaut wird ungern.. Bei 21 Tagen für einen Brutsatz, der dann erst wieder mit wenig Milben angelegt wird und noch ein paar Reifetagen. Da kannst du schon Pech haben und viele Bienen können sich kaum noch das Winterbienen-Polster anfressen. Dass die dir als der erste milbenarme Brutsatz als gesunde Pflegerinnen nochmal einen Brutsatz ziehen, der dann als Winterbiene... da muss das Wetter schon lange schön bleiben. Für eine gute Pollenversorgung wäre bei mir schon gesorgt, aber das Wetter muss halt auch zum Sammeln geeignet sein.
    Wenn ich im September viele Milben finde, wird ja vermutlich auch vor September die Brut viele Milben abbekommen haben. Das sind doch dann die Völker, die im September randvoll sind und nach den ersten Nachtfrösten wird es schnell weniger. Beim Winter-Kälteeinbruch liegt dann das halbe Volk aus geschädigten Bienen auf dem Boden.

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