Abdeckfolie drauf oder nicht?

  • Hallo,


    und noch eine Frage: Weil es so üblich ist und alle es tun, habe ich kräftige Abdeckfolien zwischen Rähmchen und Innnendeckel gelegt. Das ist ja prima zum schnell mal 'reinsehen, aber ich frage mich, ob es normal und gut ist, daß die Bienen nun nicht mehr über die Oberträger laufen können, da diese bündig mit der Oberkante des Brutraums abschließen, die Folie liegt also direkt auf den Rähmchen. Wenn man dann nachschaut, sieht man durch die Folie die Bienen mit den Köpfen zur Folie dicht aufgereiht sitzen und einen vorwurfsvoll auschauen :o . Der Innendeckel ohne Folie sieht eine "Lauflücke" etwa im Bienenabstand vor, schließt also nicht plan mit der Rähmchen"oberfläche" ab.


    Sollte man die Folie also lieber weglassen oder ist diese "Kopffreiheit" nicht so wichtig?


    Vielen Dank im Voraus für die Hilfe!


    Grüße vom bremsen- und mückenumschwärmten Bienenstand (von den Viechern rühren meine bisher einzigen Stiche her - danke, Heike! :D ),


    Johannes

  • Vergleiche ein Bienenvolk im Kasten mit dem in der freien Natur. Wenn die Bienen in einem hohlen Baum nisten, bauen sie von oben nach unten - ohne Lücke. Bei meinen Völkern drücken die Summsen die Folie im Lauf der Zeit hoch und organisieren sich Laufkanäle mit "Säulen" aus Wirrbau. Auf der anderen Seite ist es für das Volk viel weniger aufregend, wenn nur die leicht zu lösende Folie abgenommen wird und nicht ein komplett verkitteter Deckel, der sich nur noch mit Brachialgewalt lösen läßt.

  • Noch viel schöner geht es mit Acrylglas. (Im Baumarkt auch als Hobbyglas oder Styrolglas zu finden) Ich schneide 1,5 mm oder 2 mm starkes Glas auf die Große der Absperrgitter. Bei Segeberger 435 mm im Quadrat. Die Platte liegt dann auf dem Zargenrand auf und läßt über den Rähmchen einen kleinen Spalt.
    Man kann auch ringsum noch einen Rand aufkleben, dann liegt die Platte noch etwas höher.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Eine Abdeckfolie wird, wie Klaus schon berichtete, mit der Zeit auf "Stützen" gestellt. Die Lücken zwischen Wabe und Wand sind auch beim Naturbau zu beobachten - nur unter der Wabe durchzukönnen ist eben unökonomisch.
    Klaus, wenn Deine Deckel nur mit Brachialgewalt zu lösen sind, hast Du die falschen Deckel. Ein mit Bienenabstand versehener Deckel wird nur mit dem Zargenrand verkittet (Propolis), mit den Rähmchenoberteilen nur in den seltensten Fällen an wenigen Punkten (Wachsbrücken).
    Ich bin froh, nur noch Beuten ohne Abdeckfolie zu haben.


    Grüße, Thomas

  • Ein leidiges Thema.
    Ich habe sie abgeschafft.
    Meine Deckel (aus Segeberg) haben den nötigen Abstand, so daß nur der Rand verkittet wird und leicht lösbar bleibt. Die Bienen können der Geselligkeit frönen und ich muß nicht ständig neue Folie schneiden und bei windigem Wetter hinter ihr her hechten, dies ist für mich eine deutliche Vereinfachung und den Bienen gefällts scheints auch.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Danke für die kontroversen Antworten! Ich denke, ich probiere es mal ohne Folie. Einer der Gründe für die Folie war auch, daß man mit dem Innendeckel immer gleich hunderte von Bienen, die daran sitzen, mit abhebt und beim Wiederauflegen Quetschgefahr besteht, es sei denn, man fegt sie alle vors Flugloch, und das macht sie spürbar unruhiger. Aber quetschen kann man sie auch mit Folie. Mal sehen, wie's ohne geht.


    Grüße, Johannes

  • Johannes,


    Du solltest das Abstoßen üben. Auf Abstoßen reagieren Bienen wesentlich unaufgeregter als auf Abfegen. Also ein kurzer Schlag auf den senkrecht über die offenen Beute gehaltenen Deckel und die Bienchen sind drin. Ich mache das erst vor dem Auflegen des Deckels. Während der Arbeit steht er in Fluglochnähe, da verziehen sie sich schon oft in die Beute.
    Abstoßen ist auch praktisch, um die Bienen von den Waben runterzukriegen. Doch aufgepaßt: Auf Brutwaben jedoch nicht schlagen, da ist ein kurzer Ruck besser. Volle Honigwaben kann man durch einen zu kräftigen Schlag aber auch lädieren.


    Grüße, Thomas

  • Hallo, Thomas,


    danke für den Tip! Ich werde das beim nächsten Mal versuchen.


    Bei den Waben bin ich etwas skeptisch, da die Bienen derzeit Naturbau herunterziehen und etwa auf einem Drittel bis der Hälfte des Dadanträhmchens angekommen sind; ich hätte Angst, daß er rausbricht. Bisher reicht es mir zu sehen, daß da Eier gelegt werden und die Waben gerade sind, ich hoffe, erst mal ohne Abstoßen oder -fegen auszukommen. (Da die Bienen einen Monat früher kamen als geplant, hatte ich den Draht für die Rähmchen und die Mittelwände noch nicht). Der Naturbau sieht übrigens sagenhaft aus: lotrecht und ohne einen Fehler, einfach perfekt. Ich überlege schon, ob ich nicht einfach mit den Anfangsstreifen weitermache. Wie sind Deine Erfahrungen?


    Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,


    nun sind wir schon beim dritten Thema, aber so ist das nun mal in einer Diskussion, sie gleitet ab.
    Mit Naturbau habe ich noch wenig Erfahrung. Immer mal eine Wabe als Scheibenhonig produziert. Seit diesem Jahr läuft Naturbau aber in kompletten Zargen im Brutraum. Bisher keine Probleme, außer, der Anfangsstreifen war nicht über der ganzen Länge des Rähmchens, dann ging es schon mal um die Kurve.
    Auffallend ist, daß zum unteren Rähmchenschenkel meist eine Lücke bleibt. Die Wabe kann man dann zum Betrachten nicht wagerecht halten (Ich habe Flachzargen, da geht sowas viel einfacher als mit dem hohen Dadant). Die Lücke wird meist erst bei guter Tracht geschlossen und die Wabe ist dann stabil. Trotzdem kannst Du mit einem Ruck, nicht Schlag, einen Teil der Bienen runterkriegen um die Wabe genauer ansehen zu können.
    Konsequent Naturbau ist eine Idee, warum nicht. Ich fing damit an wegen der "kleinen Zellen". Ob es wirklich gegen die Varroa hilft, weiß ich nicht. Zumindest mache ich so meinen Bienen noch weniger Vorschriften, und das liegt mir.
    Zu Naturbau und kleinen Zellen ist schon vielgeschrieben worden, such' mal im Forum.


    Viele Grüße, Thomas

  • Nochmal hallo, Johannes, eine Alternative zu den Plastikabdeckungen ist eine in Wachs getauchte "Leinwand" aus Baumwolle, die bei www..bodenschatz.de bestellt werden kann. du brauchst nur deine maße telefonisch durchgeben und bekommst sie fix und fertig ins Haus. Damit entfällt das Schwitzen unter Plastik. Meine Bienen bauen so hohe Wachsbrücken, dass ich lieber eine Folie auflege.

  • Hallo zusammen,
    hallo Petra,


    dann schwitzen die halt unter der Leinwand.
    Ich habe selber zwei dieser Leinwände und sehe - was das Schwitzen angeht- keinen Unterschied zur Folie.
    Der Grund, die Folie durch die Leinwand zu ersetzen,
    liegt eher darin, natürliche Materialien in der Beute zu haben.
    Was mich angeht, ich lege die Folie bei der ersten Kontrolle im Frühjahr ein und nehme sie bei der Auswinterung wieder raus.
    Das Schwitzwasser müssen sie schon nicht eintragen...



    Grüße,
    Erwin

  • Trotz "reifem" Honig beim Abaschleudern in den vergangenen Jahren, war ich mit dem Wassergehalt des Honigs (Waldhonig 17,5%) nicht zufrieden. Ich imkere mit 27 mm Vollholzzargen (Fichte). Der Abräumtermin war der 5.August 2002. Tracht war in den letzten Wochen keine mehr. Also war der Honig "reif".
    Bei der Ermittlung kam ich auch auf die Folienabdeckung. So habe ich im Herbst einige Völker mit Baumwollstoff, und einige mit Vorhangstoff aus Poly-Baumwollgemisch ( Musterkollektion eines Raumausstatters) abgedeckt. Die Auswinterung war ohne merklichen Unterschied zu den mit Folien abgedeckten Völkern. Im Frühjahr habe ich den Rest mit Tüchern abgedeckt. Die erste Zeit riecht man, wenn man ober den Tüchern schnuppert einen etwas dumpfen Stockgeruch. Schon nach einer Woche tritt einem so richtig herrlicher "pfeffriger" Propolisgeruch entgegen. Festgestellt habe ich, dass raue Flanellstoffe leichter durchlöchert werden. Diese werden auch öfter fest verkittet. Gut geeignet sind die Poly-Baumwollgemische. Bei der Einwinterung lege ich zwei Lagen Zeitungen über die Tücher. Zwischen Rähmchenoberkante und Tuch lege ich 2 Rähmchenhölzer, um den Übergang von einer Wabengasse zur anderen leichter zu ermöglichen.
    Nächste Woche wird abgeräumt. Da kann ich feststellen, ob der Honig-Wassergehalt verbessert ist. Ich weiss, dass jedes Jahr anders ist. Trotzdem hatte ich drei Jahre hintereinander jeweils über 17% Wassergehalt. Wenn der heurige Wassergehalt niederer ist, könnte die Abdeckung - und der damit verbundene leichtere Luftaustausch mit ein Grund dafür sein.
    mfg
    Tschiwi

  • Hallo,
    ich arbeite wie Michael in Segebergern nur ohne Folie.
    Ein weiterer Vorteil ist ja,daß die Deckel nicht wegfliegen wenn sie angebaut werden. Nach jeder Kontrolle kratze ich die Brücken weg.
    Wenn man Kunststoff- Auflageleisten verwendet, kommt es manchmal vor,das Rähmchen am Deckel kleben bleiben, dann können Bienen an die Wand gequetscht werden.
    Besser sind die Auflageleisten aus Holz.
    Gruss an alle!