Imkerei kontra Landwirtschaft

  • Hallo zusammen, heute konnte ich in unserer Tageszeitung mal wieder etwas über die Imkerei lesen. (Lippische Landeszeitung, vom 12.07.03, Seite 26). Leider nichts positives :cry: .Kurze Angabe des Inhalts: Imker beklagt sich, das benachbarter Landwirt Phaceliafeld während der Flugzeit abgemäht hat. Verlust fast sämtlicher Flugbienen, Völker auf Ablegerstärke geschrumft. Anzeige gegen Landwirt läuft (Verstoß gegen Tierschutzgesetz). Da offenbart sich eine Lücke in der Bienenschutzverordnung. Während der Umgang mit bienengefährlichen Mitteln dort geregelt ist, fehlt eine Regelung für bienengefährdendes Verhalten. Spritzzeiten in bienenflugfreien Zeiten sind geregelt, warum aber ist das Mähen blühender Kulturen nicht in diese Zeiten vorgeschrieben? Meine Hecke darf ich ja auch nicht in bestimmten Monaten schneiden (Brutzeit der Vögel). Warum kann man den Landwirten eine ähnliche Einschneidung ihrer Rechte nicht auch auferlegen? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und könnt Ihr dazu Stellung nehmen? Freue mich auf Eure Beiträge! V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Bei uns funktioniert die Zusammenarbeit mit den Landwirten recht gut. Daich versuche, die Einfütterung mit Zucker (wg.Ökozertifizierung) möglichst zu reduzieren, habe ich die mir bekannten Landwirte gefragt, ob sie auf ihren Stillegungsflächen nicht Phacelia/Borretsch/Klee usw. ansäen könnten, so daß diese guten Nektarspender etwa zur Zeit der Auffütterung zur Blüte kommen. Ich habe dafür angeboten, die Kosten fürs Saatgut zu übernehmen. Für dieses Jahr klappt es nur teilweise, aber im nächsten Jahr werden einige Landwirte die Stilllegungsflächen so koordinieren, daß einige große Flächen zusammenkommen.


    Bekanntlich muß jeder Landwirt 10% seiner bewirtschafteten Fläche stilllegen. Da gibt es unterschiedliche Programme von Dauerbrachen über Grünland und langfristige Stillegungen, die auch davon abhängig sind, welche Feldfrüchte der Bauer anbaut. Es lohnt sich, über die örtliche Landwirtschaftskammer mal zu recherchieren.

  • Klaus Maresch schrieb:

    Bekanntlich muß jeder Landwirt 10% seiner bewirtschafteten Fläche stilllegen. Da gibt es unterschiedliche Programme von Dauerbrachen über Grünland und langfristige Stillegungen, die auch davon abhängig sind, welche Feldfrüchte der Bauer anbaut. Es lohnt sich, über die örtliche Landwirtschaftskammer mal zu recherchieren.


    Hallo Klaus,
    falsch ein Landwirt muß nicht stilllegen, außerdem honigt die sch..phazelia selten, lt. Ironisch kann sie 500 - 1000 kg Honig pro ha bringen, tut sie aber derzeit nicht.

  • Hallo Lothar,
    hallo klaus,


    der Phacelia ist wirklich eine gute Trachtpflanze. Wenn er z.Z. nicht honigt, dann liegt es möglicherweise an der Trockenheit! oder an was anderem! Wenn aber ein starkes Volk durch das abmähen von blühendem Phacelia auf Ablegerstärke zusammen schrumpft, dann stimmt da was nicht! Sicher wird zum Einen in der Presse nicht alles so wieder gegeben wie es in Wirklichkeit ist! und andererseits müßten uns beide Dinge hell wach werden lassen. In der Vergangenheit hatte ich auch schon Bienen an Phacelia, und der wurde auch schon bei vollem Beflug abgeschlegelt, aber daß es merkliche Flugbienenverluste gab, konnte ich nicht feststellen. Aber das soll nicht heißen, daß die Bienenschutzverordnung nicht auch dahin geändert werden muß, denn es ist wirklich schlimm wenn kleine Völker (Ableger z.B.) mit wenig Flugbienen praktisch auf einmal ihre wichtigen Futterquelle verlieren. Hier ist wirklich nach hol bedarf!


    Gruß

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo zusammen, in dem Artikel wird schon genau berichtet. Man merkt das daran, das mit Fachvokabular geschrieben wird. Die Aussage über das Ausmaß der Flugbienenverluste stammt vom betroffenem Imker. Der wird das schon beurteilen können. In dem Artikel steht dann noch, das man bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe nachgefragt hat. Die wird dann im Zusammenhang mit der bestehenden Rechtslage zitiert. Ferner folgt dann noch ein Bericht über verschiedene Mähtechniken und deren Auswirkungen auf Bienenvölkern. Das Problem ist also bekannt! Sonst häte es diese Versuche nicht gegeben. Leider fehlt eine Umsetzung der Ergebnisse in den zuständigen Verordnungen und Gesetze.(Welche Lobby blockiert denn da?). Werde mal bei der zuständigen Redaktion nachfragen, ob ich den Zeitungsartikel hier wiedergeben darf. V.H.w. Lothar

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    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Klaus
    Diesen Weg wollte ich eigentlich auch beschreiten. Nur habe ich halt gesucht wer so etwas von sich aus anbaut.
    Das mit dem Saatgut hatte ich mir auch schon mal überlegt nur als ich die Preise gesehen habe, habe ich das ganz schnell wieder vergessen.
    Vielleicht war ich aber auch einfach nur beim falschen Händler.
    Wo bekommt man denn Saatgut (z.B. Borretsch) überhaupt her und wie sehen denn da so die Preise aus???

  • Als Saatguthändler kann ich hier Auskunft geben.
    BORRETSCH gibt es hauptsächlich nur als Tütenware. Auf Bestellung gibt es Borretsch auch als sogenannte Grammware.
    Der Preis pro kg beträgt € 75,15. Aussaat bis Juli Aussaatmenge 5-6 kg pro 1000 m2.
    PHACELIA (tanacetifolia,Balo) Aussaatmenge 14 kg/ha
    Preis pro kg: ........ € 4,62


    Gelbsenf (weisser Senf)
    PERINE, senfölarm auch für Futterzwecke 15-20 kg ha
    Preis pro kg:..........€ 1,30
    SONNENBLUMEN zur Grünnutzung Helena (keine Ölsonnenblume!)
    gestreiftes Korn, für Grunfutter oder Silierung
    Preis pro kg:..........€ 3,27


    Ich will dies hier nicht als Angebot ins Internet stellen, sondern als Preishinweis bzw. Berechnungsunterlage. Sollten weitere Fragen bezüglich Saatgut auftauchen, bin ich gerne bereit, diese entweder selbst oder in Rücksprache mit der Österr.Samenzucht AG zu beantworten.
    mfG.Tschiwi

  • Mir ist es auch schon passiert, daß neben meinen Bienen Felder in voller Blüte abgemäht wurden. Am Wochenende gerade Kamille direkt hinter unserem Grundstück. Ich habe mit dem Bauern gesprochen und muß hier mal eine Lanze für die Landwirtschaft brechen. Denn die Bauern müssen bei vielen Zwischensaaten und Gründüngerpflanzen vor dem Reifen der Samen mulchen:
    1. Weil sonst nächstes Jahr zuviel Fremdsaat aus dem Vorjahr in der Kultur aufgeht und Maßnahmen dagegen Aufwand darstellen.
    2. (und das ist schlimmer) Weil die Bauern (die sind sich ja gegenseitig nicht grün) sich gegenseitig anzeigen. Von Stillegunsflächen und Grünbrachen darf nämlich nichts geerntet werden, um die Stillegungsprämie zu erhalten. Wenn jetzt aber der Bauer den Samen ausfallen läßt und nächstes Jahr Grünfutter mäht hat er im Stillegungsjahr Saatgut gewonnen. Das ist nicht zulässig.
    3. Wintersaaten (Raps und Gerste zum Beispiel) müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt gesäht werden, egal ob da noch was blüht.
    4. Moderne Maschinen sind Mulchmäher, Egge und Drill- (also Säh-) maschine in einem. Der Bauer braucht für diese Maschinen (es wird dann ja nicht mehr gepflügt) offenen feuchten Boden. Die meisten Zwischensaaten vertrocknen aber sobald sie abgeblüht sind und dann trocknet auch der Boden sehr schnell ab.
    5. Gründüngung soll grün eingearbeitet werden.


    Ich find's auch schade wenn eine Tracht im Sommer plötzlich wegbricht aber Flugbienen hab' ich dadurch noch nicht verloren. Und manchmal ist es ja auch die Natur die plötzlich die Robinie vertrocknen oder die Kirschblüte verhageln läßt. Damit kommen die Bienen auch klar.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Liebe Imkerfreunde,


    es gibt Erkenntnisse aus der Schweiz, wonach alle Mähwerkstypen, mit Ausnahme der Messermähwerke, zu großen Flugbienenverlusten führen, sofern bei Tag gemäht wird. Vielleicht können die Schweizer Kollegen die Texte zitieren, ich müsste nämlich zuerst suchen.


    Gruß FB

  • Auf
    http://www.apis.admin.ch/index_d.htm
    sind die Untersuchungen zu den Bienenverlusten bei der Mahd blühender Flächen und viele andere interessante Bienenwissenschaftliche Untersuchungsergebnisse und Hinweise für die Praxis zu finden.


    Über diesen Link ist das Dokument zu finden:


    http://www.apis.admin.ch/deuts…rgiftungen/maehen0202.pdf


    Viele Grüße


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo Henry, es besteht sicherlich hier kein Zweifel, über den Sinn und Zweck bestimmter landwirtschaftlicher Maßnahmen. Es geht darum, auch einmal über das Wann (gemeint ist die Tageszeit) nachzudenken. Warum gibt es keine Vorschrift, die regelt, das blühende Kulturen nur außerhalb der Bienenflugzeit* gemäht werden dürfen? Beim Pflanzenschutz gibt es das ja auch.Selbst als Hobbygärtner schreibt man mir vor, wann ich Rasen mähen darf, in welchen Monaten ich meine Hecke nicht schneiden darf usw. Der Vergleich mit verhagelten Robinienblüten und verfrorener Obstblüte hinkt . Wetterunbilden sind Ereignisse, auf die sich Flugbienen rechtzeitig einstellen können. Ein Vorwarnsystem für plötzlich auftretene Mähfahrzeuge gibt es bei Bienen hingegen nicht. V.H.w. Lothar *auch Solitärbienen und Hummeln

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Liebe Imkerfreunde,


    was für unsere Bienen gut ist, ist vielleicht für andere Tiere schlecht. Deshalb Technik mit der alle Tiere leben können einsetzen.


    Gruss FB

  • Hallo zusammen,


    zu den Mulchern: es gibt Ausleger-Mähwerke und welche die hinter dem Trecker sind. Die angesprochenen Kombigeräte sind meist hinter den Trecker. Die Flugbienen könnten also noch schnell weg bevor das eigentliche Mähwerk kommt, wenn nicht allzu schnell gefahren wird! Anders bei den Auslegern! dort kommen sie praktisch gleich in den Häcksler vorallem dann, wenn schnell gefahren wird! Ein Landwirt, der Bienenfreund ist, wird sich auf die Situation einstellen und erst spät am Abend schlegen! Die meisten anderen werden erst eine gesetzliche Regelung brauchen!
    in sofern ist hier Handlungsbedarf!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Tschuldigung,


    ich hatte die Problematik der Mähwerke falsch verstanden. Wahrscheinlich weil bei uns eigentlich ausschließlich geschleppte Mähwerke oder gleich Pflüge und Eggen auf den Feldern sind und ich noch nie Bienenverluste dadurch zu beklagen hatte. Bei uns wird kaum Grünfutter gewonnen, sondern die für uns Imker interessanten Zwischensaaten dienen vor Allem der Verbesserung der Bodendurchlässigkeit, weshalb sie natürlich möglichst gleichmäßig in die Flächen eingearbeitet werden.


    Ich kann aber nachvollziehen, daß einem das Herz blutet, wenn sich ein Mähwerk durch stark beflogene Flächen frißt. Daß das dann nicht ohne Bienenverluste geht ist logisch. Ist es nicht möglich im Vorhinein die Bauern aufzuklären? Ich denke vielen Bauern ist der Natur- und Bienenschutz auch im Eigeninteresse durchaus wichtig. Die wissen nur oft nicht, was sie anrichten. Vielleicht hilft da ein Gespräch mehr als ein Gesetz und dabei kann man vielleicht auch erfahren (oder sogar anregen) was als nächste Frucht auf die umliegenden Felder kommt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder