Königinnen-Brutstopp mit Käfig "Scalvini" + Thymovar

  • Liebe ImkerInnen,


    durch einen sehr empfehlenswerten Vortrag von Hr. Dr. Ralph Büchler (Youtube:

    ) bin ich nach und nach mehr von einer Varroa Behandlungsmethode abseits der klassischen "AS Bombe" angetan. Die zugrunde gelegten Argumente für eine Behandlung mit weniger Medikamenten/Chemie Einsatz sind sehr gut nachvollziehbar und wissenschaftlich geprüft.


    Eine der vorgestellten Methoden ist die künstliche Brutpause durch einen Käfig + Behandlung nach völliger Brutfreiheit (nach 25 Tagen). Die Behandlung nach 25 Tagen kann sowohl mit MS als auch mit OXS durchgeführt werden.

    Meine Überlegung ist nun, schon während der 25 Tage Käfig mit einer Thymovar Behandlung zu beginnen und diese auch nach dem Freilassen der Königin weiterzuführen. Ich verspreche mir sowohl einen Vorteil bei Zeitaufwand als auch bei Effektivität:


    1. Ich spare mir ein Besprühen jedes einzelnen Rähmchens mit einer der o.g. Säuren.

    2. Ich kombiniere die Brutfreiheit mit einer Langzeitbehandlung.


    Gibt es hier im Forum KollegInnen, die mit dieser Methode bereits Erfahrung gesammelt haben? Spricht in diesem Zusammenhang etwas grundsätzlich für die Behandlung mit einer Säure statt den zugelassenen Thymolprodukten (ApiGuard, Thymovar, Apilife Var)?


    Ich freue mich auf einen spannenden Erfahrungs-/Meinungsautausch!


    Schönen Sonntag wünscht

    Bruno

  • Ich beweifle, dass Thymol so viel schonender ist.

    Als Nebenwirkungen angeführt werden:

    - der Thymolgeruch belästigt die Bienen

    - erhöhter Stress und Mortalität von Bienen und Brut bei hohen Außentemperaturen

    - Ausräumen der Brut in der Nähe der Thymolstreifen

    - Unruhe und Flucht, erhöhter Totenfall und Brutmortalität bei Überdosierungen

    Warum also, wenn das Volk schon brutfrei ist, nicht eine kurze und schmerzlose OS-Behandlung?


    Außerdem wird die Wirkung als geringer beschrieben und Thymol reichert sich im Wachs an.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Danke für Deine Antwort!

    Würde in diesem Zusammenhang auch eine OXS-Träufelung in Frage kommen? Im Sommer dann eben abends/früh morgens, wenn alle Bienen im Stock sind.

    Ich habe um ehrlich zu sein etwas Unbehagen vor dem Sprühen von OXS. Die gesundheitlichen Folgen können beim Einatmen der Säure ja schon unschön sein...

  • Meine Nachbarimkerin nutzt seit Jahren Thymovar für ihre beiden Völker. Und nach jedem Winter ist mind. eines dahin, d. J. beide. Nun stellt sie keine Brutfreiheit sicher, d.h., der Milb steckt unereichbar in der Brut.


    Ist alles bekannt, man kann es aber nicht oft genug verkünden: Voraussetzung für eine erfolgreiche Varroabehandlung ist die Abwesenheit von verdeckelter Brut.


    Das stellst Du ja mit dem Käfigen der Kö' sicher, und zwar nach 21 Tagen! (die 25 Tage sind zur Sicherheit)


    Vorher geht's munter weiter... die Dynamik des Milbs sollte beachtet werden:


    Früh schlüpfende Bienen, in deren Zellen die Milbe sich vermehrt hat, fördern vermehrungsfähige Muttermilben zutage, die andere offene Zellen suchen und finden (was noch offen ist und kurz vor der Verdeckelung steht). Rein theoretisch sind nach 9 Tagen alle Zellen verdeckelt und die vorher geschlüpften Milben haben mit Sicherheit eine Zelle gefunden. Die danach schlüpfenden, finden nur noch Bienen. Zusätzlich reifen noch die früh geschlüpften Tochtermilben auf den Bienen heran. Nach 21 Tagen hast Du alle Milben auf den Bienen sitzen.


    Und jetzt kommt es darauf an, dass die zu 95 % schnell absterben; denn nach Freilassen der Kö' stiftet die wieder und spätestens am 6. Tag wandern die Milben von den Bienen in die Zellen ein. Die Gretchenfrage lautet: Kann Thymovar innerhalb von 25 Tagen sämtliche (95 %) der Milben abtöten ?


    Oxalsäure kann das - ein- bis zweimal anwenden als Staub und Du hast 95 % erwischt, ohne die Bienen zu schädigen.


    Sprühen wäre mir als Anwender viel zu gefährlich; denn aus der aktuellen Aerosoldiskussion weiß man, dass auch feinste Tröpfchen die FFP2-Maske passieren. Zudem ist man m.E. viel zu dicht dran und drittens ist der Aufwand viel zu groß.

  • Würde in diesem Zusammenhang auch eine OXS-Träufelung in Frage kommen?

    Träufeln schädigt die Bienen erheblich. Deswegen würde ich es nie anwenden, wenn eine Alternative möglich und hoch wirksam ist.

    Die gesundheitlichen Folgen können beim Einatmen der Säure ja schon unschön sein...

    Gegen das Einatmen des Sprühnebels hilft eine FFP2-Maske.

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  • denn aus der aktuellen Aerosoldiskussion weiß man, dass auch feinste Tröpfchen die FFP2-Maske passieren.

    FFP2-Masken müssen nach Norm mindestens 94 % der Testaerosole filtern. Jetzt frage ich mich, was da noch in die Lunge kommen soll, wenn man sich das Zeug nicht direkt ins Gesicht sprüht.

    Mit einer Tasse Kaffee nimmst Du wahrscheinlich mehr Oxalsäure zu Dir, als mit einer stundenlangen Behandlung unter FFP2-Maske.

    Und wer immer noch Sorgen hat, kann ja eine FFP3-Maske benutzen.


    Der Vergleich mit Coronaviren hinkt leider. Die sind infektiös, auch in recht geringer Menge. Oxalsäure dagegen ist ein Stoff, den wir täglich mit der Nahrung zu uns nehmen

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  • Ist schon klar. Die Applikationsweise ist halt wichtig - oral ist in geringen Konz. für Menschen ungefährlich, über die Atemwege reichen schon kleine Mengen, die reizen.


    Der Hinweis galt dem Aufwand und der Wirksamkeit beider Applikationsweisen.

  • Wie ist denn die Gefährlichkeit von Milchsäure 15% vs. Oxalsäure zu bewerten? Ich habe das Gefühl, dass Milchsäure bei entsprechendem Anwenderschutz, weniger gefährlich zu sein scheint.

  • Wenn man sich schon die Arbeit mit dem Wegsperren der Weisel machen will und keine Säure verwenden will - Bannwabenverfahren.

    Thymovar ist nur etwas bei schwacher Varroa-Belastung und wie Ameisensäure ist die Verdunstung Temperaturabhängig. Es besteht die Gefahr von stiller Räuberei, deshalb soll lt Anl. auch der gesamte Stand gleichzeitig behandelt werden.

    Ich verwende es bei der Ablegerbildung, musste es aber letztes Jahr in 2 Ableger abbrechen und sie umstellen, weil sie ausgeräubert wurden. Ich habe die dann in Segeberger umgesetzt und auf kurzer Distanz mit verdecktem Flugloch verstellt, und den Räubern die leere Ablegerkiste mit den stinkenden Streifen gelassen.

  • Königin käfigen

    ich lasse die dann freifressen

    oder beweisele meist neu auch mit freifressen
    Pumpzerstäuber verwenden macht nicht so feinen Nebel
    Windrichtung mit dem Smoker
    Handschuhe, Maske usw
    OS ist zugelassen und wirkt besser als MS


    Der wichtigste Grund
    man ist sicher das es gepasst hat


    Brechen in der Nachbarschaft Völker zusammen
    dann muss man eventuell nochmal ran
    Dann gibt es bei mir AS auf Schwammtuch
    ist aber selten nötig


    Gruß Uwe


    PS das Rad neu erfinden kostet Bienen, warum muss immer
    alles verschlimmbessert werden anstatt es einfach mal richtig zu machen

  • CptnBruno

    Letztes Jahr habe ich gute Erfahrungen mit TBE und Fangwabe + Scalvini-Käfig gemacht. So ist die Königin lediglich 9 Tage eingesperrt. Zwar sagt Büchler ja auch, es hätte keine nennenswerten Königinnenverluste bei den Versuchen gegeben, andere berichten aber auch anderes, wenn die Königin länger im Käfig steckt. Klar, ne Bannwabe bietet ihr da mehr Freiheit, du hast dann aber mehr Aufwand mit dem Wabenroulette über den Zeitraum von 25 Tagen und musst die Kiste öfter aufmachen.

    Vom Preis Scalvini vs Bannwabe mal abgesehen.


    Such dir für die Fangwabe eine mit mittelalten Maden und solchen kurz vor der Verdeckelung, dann hast du 9 Tage später (oder auch nach ner Woche schon, soll ja Leute geben, die nur am Wochenende zum Imkern kommen 😉) den Großteil der verbliebenen Milben gefangen, nach der Entnahme brutfreie Völker und kannst wunderbar mit Oxalsäure behandeln. Das Ganze dann mit lediglich zwei Eingriffen ins Volk.


    Im besten Fall hast du am Schluss sogar noch neue Völker, je nach Milbenlast.

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  • Wie ist denn die Gefährlichkeit von Milchsäure 15% vs. Oxalsäure zu bewerten? Ich habe das Gefühl, dass Milchsäure bei entsprechendem Anwenderschutz, weniger gefährlich zu sein scheint.

    Die Quelle müsste ich jetzt suchen, aber in einem Vortrag auch von Dr. Büchler wurde gesagt das die MS nicht mehr zu empfehlen ist. Bei Versuchen mit Käfigen + sprühen wurde festgestellt das Sie weitaus weniger effektiv ist als bisher gedacht. Wenn sprühen, dann ist OS empfohlen. Zudem müsstest du mit MS 2x innerhalb einer Woche sprühen. Der Arbeitsaufwand ist also doppelt so groß wie nur 1x mit OS.