Bretschko Eilegerate

  • Ein herzliches Hallo in die Runde,

    ich habe mal eine ganz grundsätzliche Frage zur Eilegerate von Bretschko; konnte bislang nichts Vergleichbares im Forum finden.


    Der Bien hält doch im Brutnest immer die gleiche Temperatur?! Dieser Temperatur ist die Königin permanent ausgesetzt. Trotzdem soll sie gemäß Bretschko von den Tageshöchst-Außentemperaturen abhängig unterschiedliche Eilegeraten produzieren.

    Kann mir jemand erklären, worauf dieser Effekt letztendlich zurück zu führen ist?


    Die Temperatur im Bienenstock dürfte ja eigentlich zu einem gleichmäßigen Stoffwechsel der Königin führen und wäre als Argument raus??!


    Danke und viele Grüße!

  • Die Bienen haben da auch ein Wörtchen mitzureden und die wissen ziemlich genau, wie warm es draußen ist.

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Ich denke Streuobstwiesenimker war da eher an ein paar mehr Details interessiert wie so ein "Regelmechanismus" über die Außentemperatur überhaupt funktionieren könnte.

    So ganz von der Hand zu weisen ist sein Hinweis ja nicht...

  • Danke soweit für die Ideen. :)
    Aber in der Tat machen mich die Antworten noch nicht glücklich.


    Vielleicht hat es Bretschko ja sogar in seinen/ seinem Buch beschrieben?? Dann würde ich mir das Buch besorgen und es auch selber lesen. Möglicherweise kennt aber jemand des Rätsels Lösung, dann wäre mein ganz spezifischer Wissensdurst schneller gestillt.


    Denkbar wäre in der Tat, dass bzgl. der Eilegerate eine Abhängigkeit von Bienenmasse/ Volksstärke und Außentemperatur besteht. Die Brut muss ja gewärmt werden. Insofern werden Bienenmasse und Außentemperatur die maximale Größe des möglichen Brutnests definieren. Das wäre sicher vorstellbar.


    Das würde aber ggf bedeuten, dass Bretschkos Eilegerate erst ab einer bestimmten Volksgröße/ einer kritischen Masse gelten würde?? Weiß jemand, ob dies so beschrieben ist?


    Danke!

  • Denkbar wäre in der Tat, dass bzgl. der Eilegerate eine Abhängigkeit von Bienenmasse/ Volksstärke und Außentemperatur besteht

    Das ist so. Und Tageslänge, Genetik, Futtervorräte, von außen reinkommender Nektar und Pollen, Fettkörper der Bienen und Varroabefall spielen auch eine Rolle.


    Wenn du weißt wo man Bretschko für unter 100 Euro bekommt sag Bescheid 😉

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Bretschko unterscheidet einerseits zwischen Frühtracht- und Sommertrachtstandorten, abhängig von den jew. Blühpflanzen vor Ort. Weiterhin teilt er die Völker in drei Kategorien - stark - mittel - schwach, je nach Besatz der Flachzargen im Frühjahr. Daraus ergeben sich dann bestimmte Entwicklungen.


    Die Formel zur Berechnung der Eilegerate in Abhängigkeit von der Außentemperatur stellt eine zusammenfassende empirische Näherung der Relation Umwelt : Königin dar. Diese Beziehung bestimmt letztlich die Volksentwicklung, damit den Umfang an Brut und folgend die Leistungsfähigkeit einer Volkseinheit in Bezug auf Individuenmenge. Daraus resultiert direkt der Sammeltrieb und die Honigleistung. Mit der Relation Brut : Bienen lässt sich bspw. näherungsweise ein Schwarmgeschehen prognostizieren. Liegt diese Relation nahe "1" (Brut- und Bienenmenge nahezu gleich), ist mit einem Schwarm zu rechnen, wenn das Volk einer schwarmlustigen Linie angehört.


    B. hat seinerzeit mit Carnica gearbeitet. Man kann diese "Erkenntnis" nicht 1:1 auf die heutigen Zuchtstämme z.B. von Buckfast, Monticola o.ä. übertragen; wobei die Näherung schon grob hinkommt (meine Berechnungen und Beobachtungen). Das Resultat kann dann ein anderes sein: Schwarmzellen, die wieder abgebaut werden o.ä.


    Für den Hausgebrauch passt es aber.


    Die Beziehung Umwelt - Eilegerate der Kö' versucht er mit diesen einfachen Parametern Außentemperatur, Volksstärke zu Beginn (Februar / März) und angenommene freie Entfaltung der Kö' zusammenzufassen. Das stellt nicht den direkten Bezug Außen-/ Innentemperatur dar, sondern steht stellvertretend für die zahlreichen Einflussgrößen.


    So habe ich das verstanden.

  • Die mathematische Formel für die Eiablage zu Bretschkos Messungen und seiner Tabelle kommt von Bergmann ("Moderne Betriebsweise im Magazinbetrieb..."), auf die beruft sich ja z.b. Bernhard mit seiner Berechnung der Schwarmstimmung.

    Da heißt es, dass Bretschko in der Ausgabe von 1978 vom "Magazinimker" diese straffe Abhängigkeit beschreibt. "Sein Ziel war es weniger, einen Reiz zu erforschen, sondern einen Messwert zu finden, der ihm Auskunft über den Zeitpunkt geben sollte, wann der damals praktizierte Tausch der Brutraumzargen erfolgen sollte".


    In meiner Ausgabe der "Naturgemäßen Bienenzucht" von 1996 findet sich dazu nichts mehr, umgekehrt der Hinweis darauf, dass die Eiablage der Königin nicht gleichmäßig, sondern in Schüben mit stark schwankenden Tagesraten erfolge.

    "Der asynchrone Rhythmus der Eiablage verschiedener Königinnen am selben Standort (...) ist ein starkes Indiz dafür, dass Umweltfaktoren gegenüber den erblichen Faktoren eine eher untergeordnete Rolle spielen dürften.".


    Also: alles eher unklar...

  • Ein lebendes System, einen Organismus, durch ein mathematisches Problem erklären zu wollen, führt zu einer Gleichung mit ganz vielen Unbekannten. Wobei man noch nicht einmal weiss, wie viele.

    Ich für meinen Teil habe es aufgegeben, alles erklären und verstehen zu wollen.

    Ich freue mich lieber, dass ist wie es ist.

  • Hast ja recht, Michael , aber alle natürlichen Entwicklungen zum Thema Wachstum folgen exakten mathematischen Gesetzmäßigkeiten - nicht ideal aber doch annähernd. Selbst die Erbfolge der Bienen verläuft z.B. nach der Fibonacci-Reihe.;)