Futterabriss oder Virus?

  • image0-2.jpegLiebe Forums-Mitglieder,

    Ich habe hier ein Volk, das wahrscheinlich verhungert ist (nur noch wenige Bienen, einige Tote mit Kopf in Zellen). Eigentlich ist noch genug Futter da, aber ich glaube trotzdem, dass es sich um Futterabriss handelt. Ich habe leider, weil es immer so kalt war, nur einmal Ende Februar kurz reingeschaut und sonst immer nur von außen angehoben.

    Ich bin mir nun aber unsicher, was ich mit den verbleibenden Bienen mache. Ich zögere etwas, sie ins Nachbarvolk zu schlagen. Könnte ja auch ein Virus gewesen sein. Es gibt nämlich auch diese Zellfelder (siehe Bild, auf dem Kopf stehend). Sind das einfach nur vertrocknete Larven? Kennt das jemand?

    Danke für eure Hilfe/Erfahrung

  • Die verbleibenden Bienen würde ich abtöten und die Waben einschmelzen. Die Masse in den Zellen halte ich für Zucker, kannst du selbst mit deiner Zunge prüfen.

    Gruß Ralph

  • Hallo Violaker!


    Hast du eventuell noch ein paar mehr Fotos aus dem betreffenden Volk, insbesondere von der restlichen Bienen-"masse"?

    Weil entweder ist ein Volk verhungert (habe ich in ~ 16 Jahren Imkerei vorgestern erstmalig live erleben müssen. :-?) und ALLE Bienen sind tot und stecken dann entsprechend kopfüber in den leeren Zellen oder ... ja, oder.

    Oder: Das Volk war aus noch zu klärenden Gründen sehr und somit offenkundig final zu klein und ist in einer der letzten kalten Tage / Nächte final erfroren. Da gälte es dann, zu beleuchten weshalb dies` Volk nur (noch?) so klein war.


    Die Masse in den abgebildeten Zellen würde auch ich, wie von Ralph vermutet, für Zuckerkristalle halten.

    Da kannste an sich auch nix schlimm falsch machen, soll heißen: Züngle dran und erkenne. :wink:


    Eigentlich ist noch genug Futter da, aber ich glaube trotzdem, dass es sich um Futterabriss handelt.

    Eigentlich ist eigentlich, verzeih` die Ausdrucksweise, ein Sch- ... Schalechtes Wort.

    Was bedeutet "noch genug Futter da" in gefüllten Waben?

    Und worauf basiert deine Futterabrißthese? Sitzt der Bienenrest weit weg vom Futter? Haben sie keinen direkten Anschluß mehr daran?


    Fragen über Fragen... :wink:


    Und final noch

    gespannte Grüße

    vom

    Patrick


    P.S.: Ich tippe übrigens auf Varroaschadenspätfolgen.

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Sorry, für die späte Antwort.

    Ein Bild habe ich noch ("schlüpfende" Bienen).

    Das Volk war eigentlich letztes Jahr sehr, sehr stark. Hatte auch relativ viel Verroa, aber nach der Sommerbehandlung normal wenig. Irgendwie bin ich von Futterabriss ausgegangen, weil eben Futter in den Randwaben - aber eben nur dort - da war und nur eine Handvoll Bienen. Auch keine Brut. Letzteres ist dieses Jahr aber scheinbar nichts besonderes. Auch die anderen sind meist nochmal aus der Brut gegangen, weil es so lange, so kalt war.


    image0-3.jpeg

  • Hallo Violaker,

    das was hier nach letzten schlüpfenden Bienen aussieht, würde ich eher als letzte Drohnen eines buckelbrütiges Volkes betrachten. Ich gehe auch davon aus, dass es insgesamt die Spätfolgen des starken Varrobefalls war. Wann die Kg das zeitliche gesegnet hat lässt sich natürlich aus der Ferne nicht sagen.

    War das das Volk mit dem "Spechtschaden"?

    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • Mir ist dieses Jahr das erste Volk verhungert. Das waren nicht "ein paar Bienen" übrig, sondern VIELE! Wenn sie verhungern, verhungern sie in der Beute, nicht woanders. Wenn nur noch wenige da sind wie du schriebst, hört sich das für mich wie leer geflogen an, Varroa-Schaden denke ich.

    Du meintest es war letztes Jahr stark. Starke Völker haben viele Milben. Vielleicht hat deine Behandlung nicht funktioniert?

  • Hallo, Violacker!


    Auf Deinem ersten Bild glaube ich krisallisierten Zucker zu erkennen, was häufig vorkommt und in dieser kleinen Menge völlig harmlos ist.

    Das gelb-braune müssten Pollen sein.

    Und das schwarzglänzende? Ist es denn nicht flüssiges Futter?

    Auf Deinem zweiten Bild glaube auch ich Drohnenbrut, also Buckelbrut zu erkennen.

    Wann diese Drohneneier gelegt wurden und von wem ist mir nicht klar.

    Es könnte bei der AS - Varoa - Behandlung die Kö umgekommen sein, worauf Afterbienen entstanden sind, die diese Drohnenbrut gelegt haben. Dann ist das Volk einfach nur ausgestorben.

    Das würde erklären, warum Du wenige Bienen vorfindest.

    Das ist aber Spekulation. Es lkann auch ganz anders gelaufen sein.


    Zur Varoa: Du schreibst, dass das Volk nach der Behandlung auch nicht mehr Milben hatte, als die anderen.

    Das kann auch täuschen. Vor einigen Jahren besuchte ich den Imkertag in Weissach.

    Dort zeigten zwei junge Imkermeister ihre Abschlussarbeit. Sie hatten an vielen Völkern untersucht, wieviele Milben noch in Volk sein können, nach eigentlich zufriedenstellender AS Behandlung.

    Soll heissen, es fielen nur noch so wenige Milben, dass man die Völker üblicherweise so in den Winter schicken würde.

    Nun aber wurde ein ansonsten verbotenes, 100 prozentig wirkendes Mittel verabreicht.

    Und jetzt kommt die Überraschung:

    Die Milbenzahlen, die daraufhin auf den Schiebern lagen schwankten enorm; von fast nichts bis tausende pro Volk.

    Das halte ich für den Beweis für das, was wir alle schon wussten: Dass Varoabehandlung mit AS eine unsichere, unzuverlässige Sache ist.

    Gruss RS.

  • Das halte ich für den Beweis für das, was wir alle schon wussten: Dass Varoabehandlung mit AS eine unsichere, unzuverlässige Sache ist.

    Gruss RS.

    Steht das irgendwo, daß er die Sommerbehandlung mit AS gemacht hat?

    Sommerbehandlungsmöglichkeiten gibt es mittlerweile ein paar mehr...

  • Ich habe hier ein Volk, das wahrscheinlich verhungert ist (nur noch wenige Bienen, einige Tote mit Kopf in Zellen).

    Wenn ein Volk verhungert sind viele (!) Bienen kopfüber in den Zellen. Wenige sind nur ein Nebenphänomen, das bei geschwächten Völkern oft vorkommt.

    Stehen gebliebene Brut deutet eher auf einen Varroaschaden hin. Auch das Kahlfliegen, das ein typisches Krankheitsphänomen ist.

    Das Volk war eigentlich letztes Jahr sehr, sehr stark.

    Das kann sich leider schnell ändern, wenn die Varroa zuschlägt. Und: Wann war das Volk noch stark?


    Hatte auch relativ viel Verroa, aber nach der Sommerbehandlung normal wenig

    Wann hast Du die gemacht? Und wie?

    Man schaut leider oft nur auf die Symptome. Wichtig ist die Anamnese. Dazu gehört auch der genaue Behandungsverlauf. Deswegen sind Notizen (Stockkarte) sehr wertvoll


    Auf dem zweiten Bild kann ich auch nur Drohnenbrut erkennen. Es wäre also denkbar, das das Volk außerdem noch drohnenbrütig war.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Zuerst einmal ganz herzlichen Dank für eure Hilfe! Es ist wirklich wahnsinnig, dass sich so viele Imker mit unseren Anfängerproblemchen beschäftigen. Ganz toll!


    Habe mir das jetzt nochmal in Ruhe angesehen und durchdacht. Es sind tatsächlich Drohnen-Zellen - zwar irgendwie relativ flach, aber in Ruhe betrachtet eindeutig. Das Weiße ist auch tatsächlich Zucker. Ist dann wohl wirklich so, wie ihr vermutet: Sommerbehandlung hatte nicht den durchschlagenden Erfolg, Königin und Großteil des Volks an Verroa eingegangen. Im Nachhinein betrachtet denke ich auch, dass ein anderes Volk (das mit dem Spechtschaden Eisvogel ), dann nicht einfach die Königin irgendwie verloren hat, sondern auch an Verroa verendet ist. Also Niederlage auf ganzer Linie!

    Auch auf die Gefahr hin, einen Shitstorm heraufzubeschwören, will ich ehrlich sein: Ich habe nicht mit As behandelt, sondern mit OS verdampft. Wirklich sehr gründlich (2 Phasen mit 3-Tage-Abstandsbehandlungen) bis keine Milben mehr gefallen sind. Ich wollte möglichst bienenschonend behandeln. Nun stellt sich heraus, dass gerade dieser bienenschonenden Behandlung die meisten Bienen zum Opfer gefallen sind. Beschämend! Unabhängig davon habe ich aber auch schon überlegt, diesen Sommer wieder AS zu verwenden, da der Aufwand, wenn man es gründlich macht, doch wirklich sehr hoch ist - 7 mal alle drei Tage... und das dann in meinem Fall 2x.


    Nun meine - etwas philosophische - Schlussfolgerung auch aus anderen Situationen: Wenn man keinen Imker-Paten hat (habe ich leider nicht), der einen die ersten Jahre begleitet, findet man in Internet und Büchern einfach zu viele Anregungen. Als Anfänger will man alles möglichst gut und perfekt machen und sollte sich aber eigentlich eher mit den Basics beschäftigen. Der Schnickschnack kann dann später kommen.

    Sehr frustrierend, vor allem weil nun wirklich zwei Bienenvölker in Mitleidenschaft gezogen wurden...

  • Zur Behandlung mit OXS: Es ist banal, aber kann nicht oft genug betont werden - nur bei Brutfreiheit kann OXS optimal wirken! Für AS gilt das m.E. auch. Mit dem Mittelwechsel löst Du das Grundproblem nicht.


    Lies mal hier im IF über die totale Brutentnahme (TEB) - es gibt unzählige Beiträge dazu.


    An der OXS Staubbehandlung verendet kein Volk, auch nicht nach 10 mal, was allerdings in Vbdg. mit TBE völlig überflüssig wäre.

  • Ich würde hier auch auf einen Varroaschaden tippen. In Bild 1 sieht es nach kristallisiertem Futter aus, aber in Bild 2 kann man mMn auch ganz gut Varroakot entdecken (die weißen Punkte an der Zellwand - an der Stelle gehen die Milben normalerweise aufs Klo). Da kommt's auch schon mal vor, dass die Königin (meine Vermutung) die steigende Virenlast nicht überlebt und das Volk drohnenbrütig wird.


    Das Verdampfen von Oxalsäure würde ich nicht so generell verteufeln (muss natürlich jeder selber wissen ob er nicht zugelassene Mittel einbringt). Es gibt nämlich viele unterschiedliche Arten, die OS zu verdampfen, wobei manche wirksamer und unschädlicher als andere sind. Wenn du insgesamt 14 mal bedampft hast, würde ich mal darauf tippen, dass da irgendwas nicht so wirksam war wie es sollte. Wenn du das doch weiter probieren willst, lohnt es sich mMn mal das Forum in die Richtung zu durchforsten. Da gibt's einiges an Infos.


    Neben der Behandlung würde ich immer mal wieder stichprobenartig mit Puderzucker oder CO2 den phoretischen Befall messen. Ich kann so zumindest ruhiger schlafen :)