Futterabriss oder Virus?

  • Milchsäure (MS) hat nur eine Wirksamkeit von 60%. Deshalb ist für einen kompletten Behandlungsschritt ein nochmaliges Besprühen der Bienen im Abstand von ca. 1 Woche notwendig.

    file:///C:/Users/RA/AppData/Local/Temp/325%20-%20Varroabehandlung%20Milchsaeure%20GBS%202011-09-20.pdf

    Oxalsäure dagegen hat - richtig angewendet - eine höhere Wirksamkeit.

  • Also die Rede ist von zwei Völkern:

    • Nummer 1: Normal durchbrütendes Volk, 2 mal Blockbehandlung OS
    • Nummer 2 (das mit dem Spechtloch) : War ein nach dem Schleudern erstellter Kunstschwarm, der danach mit Milchsäure behandelt wurde und dann als es natürlichen Milben-Totenfall gab, noch einmal eine Blockbehandlung bekommen hat.

    Bei beiden habe ich vor der ersten Behandlung nicht nach dem Milben-Fall geschaut. Milben Probe erfolgte mit Windel.

    Also, die Empfehlung ist dann die (Danke swissmix für die sehr nützliche und lehrreiche Erklärung) :

    • Früher anfangen mit der Behandlung (irgendwie fehlt mir da die richtige Strategie, wie ich das mit Füttern - Adam's Fütterer, der bei der Behandlung im Weg ist - und Urlaub - wegen schulpflichtiger Kinder eher Mitte bis Ende Juli - hinbekomme; das war auch vorletztes Jahr schon ein Problem).
    • Am besten TBE (ich würde das auch gerne mit der Bannwabe machen, hatte aber schon letztes Jahr ein riesiges Theater, weil ich einfach unfähig bin, im vollbesetztem Volk die zum Teil leider ungezeichnete Königin zu finden! Und die braucht man einfach definitiv dazu...)
    • Behandlung würde ich dann eher erstmal mit As machen, wenns vom Wetter geht, und dann eine evtl. Nachbehandlung mit OS.

    Nun, dann hoffe ich mal das Beste und danke euch allen für eure guten Tipps!

    Milchsäure ist am wenigsten wirksam unter den drei org. Säuren, würde ich nicht anwenden.


    AS liegt in der Mitte mit sichtbaren Bienenschäden bei Kurzzeitbehandlung oder Dosierungsproblemen bei Langzeitbehandlung.


    OXS hat die stärkste Wirksamkeit, ohne den Bien sichtbar zu schädigen. Das hängt mit der Applikationsart und folgend der Säurekonzentration "vor Ort - an der Milbe" zusammen.


    Die Sublimation von OXS führt zu feinstverteilten Partikeln im Bienenstock mit einer Säurekonzentration von 100 % in jedem Partikel, die jeweils hochwirksam gg. freie Varroen sind. Zudem ist man unabhängig von Wetter und Jahreszeit und es geht schnell.


    Die Milben in der Brut erwischt man so jedoch nicht!


    Darum die Empfehlung, im Sommer Brutfreiheit zu schaffen. Das geht mittels totaler Brutentnahme oder Käfigen der Königin (such mal unter Scalvini Käfige).


    Hast Du im Juli keine Zeit, bist Du entweder zu früh (Juni) oder zu spät (August). Juni geht m.E. besser als August, weil da die Milbenlast naturgemäß niedriger ist. Im August kann es schon zuviele Milben haben, wie Du ja mglw. erfahren hast.


    Man muss dennoch im September nochmals prüfen und ggf. eine Blockbehandlung durchführen. Das habe ich bei früher TBE jedoch noch nicht erlebt.


    Viel Erfolg!

  • Also, die Empfehlung ist dann die (Danke swissmix für die sehr nützliche und lehrreiche Erklärung) :

    • Früher anfangen mit der Behandlung (irgendwie fehlt mir da die richtige Strategie, wie ich das mit Füttern - Adam's Fütterer, der bei der Behandlung im Weg ist - und Urlaub - wegen schulpflichtiger Kinder eher Mitte bis Ende Juli - hinbekomme; das war auch vorletztes Jahr schon ein Problem).
    • Am besten TBE (ich würde das auch gerne mit der Bannwabe machen, hatte aber schon letztes Jahr ein riesiges Theater, weil ich einfach unfähig bin, im vollbesetztem Volk die zum Teil leider ungezeichnete Königin zu finden! Und die braucht man einfach definitiv dazu...)
    • Behandlung würde ich dann eher erstmal mit As machen, wenns vom Wetter geht, und dann eine evtl. Nachbehandlung mit OS.

    Nun, dann hoffe ich mal das Beste und danke euch allen für eure guten Tipps!

    Gern geschehen! :) Der Adam-Fütterer ist kein Problem. Oder ich sehe es nicht. ;) Also, wenn es möglichst einfach und doch wirkungsvoll sein soll, dann empfehle ich persönlich Folgendes:


    Du rechnest von jenem Tag zurück, an dem Du fertig sein musst, sagen wir z.B. 14. Juli, weil Du am 15. Juli mit der Familie in die Ferien darfst. Dein Ziel muss es also sein, am 14. Juli ein brutfreies Volk vor Dir zu haben, das Du mit Oxalsäure behandeln kannst. Milchsäure kannst Du vergessen, weil die Wirkung zu schlecht ist und weil Du zweimal behandeln müsstest, wie ribes gut erklärt hat. Ameisensäure ist zu hart für ein brutfreies Volk und würde ohnehin auch eine längere Behandlungszeit erfordern. Also bleibt nur Oxalsäure.


    Nächste Frage: Wie kommst Du an brutfreie Völker am 14. Juli? Da würde ich das von rase wiederholt empfohlene Vorgehen wählen: Sieben Tage früher, also am 7. Juli, entnimmst Du den zu behandelnden Völkern alle Brutwaben bis auf eine mit möglichst viel offener Brut. Diese bleibt als zentrale Bann- und Fangwabe (Bannwabe = hält die Bienen in der Kiste gebannt; Fangwabe = fängt Milben) im Volk, garniert mit Mittelwänden zu beiden Seiten. Füttern, ausser bei starker Tracht. Fertig.


    Am 14. Juli dann einfach nicht vergessen, auch diese Wabe zu entnehmen und durch eine Mittelwand zu ersetzen. Diese Bann- und Fangwabe muss unbedingt sofort vernichtet bzw. eingeschmolzen werden. Ich kenne Imkerkollegen, die auch alle anderen entnommenen Brutwaben einschmelzen. Kann man machen, finde ich aber nicht schön. Meine Vorgehensweise der Wahl, die sich auch mit Deinem zweiwöchigen Urlaub vereinbaren liesse: An einem anderen, abgelegenen Stand ein Volk mit wenigen Brutwaben und Königin aufstellen, kleiner Brutraum. Alle gesammelten Brutwaben (aber nicht die Bann- und Fangwaben!) über ASG aufsetzen, drei Wochen lang auslaufen lassen. Dann mit diesem Volk wie mit den anderen Völkern verfahren.


    Das ergibt zusammenfassend den folgenden Zeitplan:

    • Tag X – 7: Brutwaben in den Völkern durch Mittelwände ersetzen, eine Wabe mit möglichst viel offener Brut zentral im Brutnest belassen, viel dünnes Futter reichen. Optional: Brutsammler erstellen.
    • Tag X: Bann-/Fangwaben vernichten, Oxalsäure-Behandlung, nochmals viel dünnes Futter reichen.
    • Optional: Tag X + 14: Brutsammler auf Mittelwände + 1 Bann-/Fangwabe setzen, viel dünnes Futter reichen, Brutwaben vernichten.
    • Optional: Tag X + 21: Bann-/Fangwabe des Brutsammlers vernichten, Oxalsäure-Behandlung, nochmals viel dünnes Futter reichen.

    Müsste doch problemlos klappen? :) Die Königin musst Du beim ganzen Prozedere übrigens nicht suchen. Die Brutwaben werden abgeschüttelt, bevor sie entnommen werden. Ein paar wenige Bienen (max. 30%) dürfen darauf verbleiben, aber spätestens da würdest Du auch eine ungezeichnete Königin entdecken … Hoffe ich. ;)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Der Adam-Fütterer ist kein Problem. Oder ich sehe es nicht.

    swissmix, natürlich ist der Adam Fütterer nicht das Problem, aber evtl. flüssiges Futter darin - bei AS Behandlung sollte/darf kein flüssiges Futter vorhanden sein. Daher haben Leute, die AS einsetzen oder eingesetzt haben, immer im Kopf "das man bei Varroabehandlung kein flüssiges Futter drin haben darf" ...

    • Tag X – 7: Brutwaben in den Völkern durch Mittelwände ersetzen, eine Wabe mit möglichst viel offener Brut zentral im Brutnest belassen, viel dünnes Futter reichen. Optional: Brutsammler erstellen.
    • Tag X: Bann-/Fangwaben vernichten, Oxalsäure-Behandlung, nochmals viel dünnes Futter reichen.
    • Optional: Tag X + 14: Brutsammler auf Mittelwände + 1 Bann-/Fangwabe setzen, viel dünnes Futter reichen, Brutwaben vernichten.
    • Optional: Tag X + 21: Bann-/Fangwabe des Brutsammlers vernichten, Oxalsäure-Behandlung, nochmals viel dünnes Futter reichen.

    Müsste doch problemlos klappen? :) Die Königin musst Du beim ganzen Prozedere übrigens nicht suchen. Die Brutwaben werden abgeschüttelt, bevor sie entnommen werden. Ein paar wenige Bienen (max. 30%) dürfen darauf verbleiben, aber spätestens da würdest Du auch eine ungezeichnete Königin entdecken … Hoffe ich. ;)

    Genial!!! Vielen Dank! So müsste das wirklich klappen. Das ist dann im Prinzip die Methode, die Ralf Sester irgendwann im April erklärt hat, gell? 😉 Bist du zufällig der Schweizer Imker, der auch beim Jubiläums-Meeting dabei war? Ich habe nur zugehört.

    Das Video von der TBE habe ich mir grade nochmal angesehen - zwar auch schon letztes Jahr, aber dann doch irgendwie anders gemacht. Mist!


    Und jetzt gerade kapier ich es erst... Rase = Ralf Sester. Oje, das hat lange gebraucht... 🤭

  • Nein, bin ich nicht. Habe beim nachträglichen Ansehen aber mit Freude festgestellt, dass ein St. Galler dabei war. :) Noch ein Tipp: Vor der ersten TBE hatte ich einen riesigen Respekt. Ich bin vorab alle Schritte zigmal im Geiste durchgegangen. Das hilft viel! Nachher setzt man es in die Praxis um und fragt sich, ob es wirklich so einfach ist. ;)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Liebe/r Violaker , hier gab es ja schon richtig viele gute Ratschläge. Ich wollte nur noch mal betonen: Dass man Völker verliert wegen der falschen Varroabehandlung, passiert leider jedem Mal. Ich kenne das Gefühl, im Winter/Frühjahr plötzlich vor einer leeren Beute zu stehen und zu denken: Nie wieder, die armen Tiere, und ich bin Schuld!

    Aber aus diesen Fehlern lernt man und findet nach und nach zu seinem Konzept. Ich persönlich behandle ganz klassisch: Brutfreie Ableger/Kunstschwärme werden einmalig mit Ox gesprüht und bei Bedarf später mit AS-Schwammtuch behandelt - nach meiner Erfahrung besteht eigentlich immer Bedarf. Wirtschaftsvölker bekommen nach der letzten Honigernte (Ende Juni/Anfang Juli) sofort eine kleine Ladung Flüssigfutter. Danach (also Mitte Juli) behandle ich 2-3 Mal mit AS-Schwammtuch, jeweils im Abstand einiger Tage - je nachdem, wie das Wetter passt. An richtig heißen Tagen kommt das Tuch erst abends rein. Ich hatte damit noch nie Königinnen- oder Brutverluste, die Milben fallen trotzdem. Im August/September wird der Milbenfall kontrolliert und bei Bedarf (eigentlich immer) nochmals mit AS-Schwammtuch behandelt. Ich mag das Schwammtuch, weil man recht flexibel auf das Wetter reagieren kann. Wichtig: Ich habe gelernt, niedrigen Milbenfallzahlen auf der Windel nicht zu vertrauen. Im Winter träufel ich bei allen Völkern Ox.

    Mit diesem Konzept fahre ich sehr gut, diesen Winter zum Beispiel haben 6 von 6 Völkern sehr gut überstanden. Totale Brutentnahme habe ich mal in einem Jahr gemacht, das war gar nichts für mich und die Bienen - und auch das einzige Jahr, in dem ich Winterverluste hatte (sicher ein Anwenderfehler, aber wiederholen wollte ich das trotzdem nicht).

    Ich denke, dass es immer auf das eigene Beutensystem ankommt (ich zum Beispiel habe eine Holz-Großraumbeute) und auf das lokale Klima, auf das man sich eben einstellen muss, ob die angewandte Methode funktioniert.