elektronische Diagnose von Varroabefall und Bienenkrankheiten - technisch möglich?

  • Jetzt wurde eine Umfrage der Uni Siegen gestartet, die die Akzeptanz eines möglichen elektronischen Diagnosetools mit Sensoren in der MW einer Brutwabe in der deutschen Imkerschaft (DiBeeCell) abfragen soll. Sämtliche Landesverbände erhielten eine entsprechende Anfrage zur Weiterleitung an die Ortsvereine -> einzelnen Imker.

    In der Umfrage ist ein Video eingebettet, das den technischen Ansatz und die Diagnosemethode zeigt. Im letzten Punkt der Umfrage kann man eigene Gedanken dazu vermerken. Leider gelingt es mir nicht, die Umfrage hier zu verlinken. Mglw. muß man das Erklärvideo bzw. die Umfrageseiten abspeichern, bevor man seine Antwort zur Umfrage absendet. Danach ist jedenfalls erneuter Zugriff nicht möglich.


    In diesem Faden soll m.E. die Methodik von technischem Ansatz/Diagnosemethodik diskutiert werden. Vielleicht kann mir auch Jemand das Erklärvideo al pN zusenden.

  • Ich hab einen Varroascanner im Einsatz.

    Dazu lege ich Klebefolien auf die Windel und lasse diese etwa eine Woche drinnen.

    Dann scanne ich sie ein was etwas 30 sec. dauert. Die Daten werden dann hochgeladen und auf einem Server analysiert. Die Bilder und Ergebnisse sehe ich dann auf der Webseite.

    Der Scanner ist mit Kameras ausgestattet. Das Gerät ist noch in der Entwicklungsphase und daher auch in einer Holzbox verbaut. Ein RasperyPi wird verwendet.

    Die Erkennungsrate ist sehr hoch. Vor allem immer gleich. Das ist als Trenderkennung wichtig.

    http://www.apisfero.org/en/799-2/


    Ich setze den Scanner im Rahmen eines Projektes ein.

    Ich kann euch nicht sagen was der kosten würde.

  • honeymoons, würdest du sagen, dass der Varroascanner dir Arbeit erspart oder deine Ergebnisse verbessert? Macht es Spaß ihn zu benutzen?


    Ich glaube das Elektrotechnik-Thema wird in der Imkerei teilweise falsch herum angegangen. Man hat coole Technik wie Feuchtigkeitssensoren und sucht dann Probleme, die man damit lösen kann. Das geht selten gut. Besser ist, man hat ein Problem und löst das dann, mit welcher Technik auch immer.


    Wobei man sagen muss, dass Stockwaagen ja ein Erfolg zu sein scheinen.

  • Dazu lege ich Klebefolien auf die Windel und lasse diese etwa eine Woche drinnen.

    Dann scanne ich sie ein was etwas 30 sec. dauert. Die Daten werden dann hochgeladen und auf einem Server analysiert. Die Bilder und Ergebnisse sehe ich dann auf der Webseite.

    Das hört sich nicht wirklicher schneller an als Auszählen. Im Sommer lohnt sich das genaue Zählen ohnehin nicht. Da genügt ein kurzer Blick, ob auffällig viele Milben fallen. Ich zähle nur im Winter - nach der Behandlung - die paar Milben, die dann auf der Windel liegen, sind schnell gezählt.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • JaKi ja das denke ich schon.

    Das Folie einlegen dauert nicht lange.

    Da ziehe ich das Trägerpapier ab und schreib mit Edding die Stocknummer drauf.

    Dann sammle ich die Folien ein und lege jeweils ein Trägerpapier dazwischen.

    Das scannen wird über eine Handyapp gesteuert.


    Wenn manuell zähle finde ich definitiv weniger als der Scanner. Fehler macht er kaum.

    Vor allem ist die Erkennungsquote immer gleich. Und genau das ist der springende Punkt mMn.

  • Dazu lege ich Klebefolien auf die Windel und lasse diese etwa eine Woche drinnen.

    Dann scanne ich sie ein was etwas 30 sec. dauert. Die Daten werden dann hochgeladen und auf einem Server analysiert. Die Bilder und Ergebnisse sehe ich dann auf der Webseite.

    Das hört sich nicht wirklicher schneller an als Auszählen. Im Sommer lohnt sich das genaue Zählen ohnehin nicht. Da genügt ein kurzer Blick, ob auffällig viele Milben fallen. Ich zähle nur im Winter - nach der Behandlung - die paar Milben, die dann auf der Windel liegen, sind schnell gezählt.

    Schneller vielleicht nicht. Aber sicher zuverlässiger.

    Vor allem für Leute mit weniger Erfahrung ein Vorteil.

  • Es sind doch Handy-Apps im Umlauf und Bearbeitung mit der man die Varroa-Milben über die Handykamera zählen lassen kann. Hab mal ein freies verwendet, vor 1 1/2 Jahren oder so, wo es gerade in der Beta-Phase war. SOOO toll war es nicht. Würde bei zuverlässiger Zählung den Aufwand schon etwas vereinfachen, aber kriegsentscheidend wäre es nicht.


    So ein App wäre aber wohl einfacher und billiger als ein Sensorgerät. Den Vorteil dessen würde ich nur dann sehen, falls es deutlich genauer wäre.

  • Es sind doch Handy-Apps im Umlauf und Bearbeitung mit der man die Varroa-Milben über die Handykamera zählen lassen kann. Hab mal ein freies verwendet, vor 1 1/2 Jahren oder so, wo es gerade in der Beta-Phase war. SOOO toll war es nicht. Würde bei zuverlässiger Zählung den Aufwand schon etwas vereinfachen, aber kriegsentscheidend wäre es nicht.


    So ein App wäre aber wohl einfacher und billiger als ein Sensorgerät. Den Vorteil dessen würde ich nur dann sehen, falls es deutlich genauer wäre.

    Nein das funktioniert nicht.

    Die Auflösung ist völlig unzureichend.

    Der Scanner verwendet mehrere Kameras nebeneinander.

    Vor allem die Intelligenz dahinter zur Erkennung der Milben ist entscheidend.

  • Hallo Ribes,


    ich habe diese Umfrage gerade ausgefüllt. Und ehrlich gesagt empfinde ich sie als Beleidigung, so ziemlich jeder Aspekt daran.

    In der Umfrage ist ein Video eingebettet, das den technischen Ansatz und die Diagnosemethode zeigt.

    Schön wärs. In dem Video, das ich gesehen habe, wurden die technischen Hintergründe eigentlich gar nicht erörtert.


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    Das einzige interessante Wort darin war "Impedanzspektroskopie". Ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, was damit gemeint ist. Ich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie man damit Varroen in den Brutzellen erkennt, mit welcher Auflösung man bei den Daten ungefähr rechnen kann (bekommt man tatsächlich die genaue Anzahl der varroabefallenen Zellen im Messfeld?).


    Aber das ganze Video mutet an wie diese Filmchen, die auf kleinen Monitoren in Baumarktregalen laufen (inkl. der Hintergrundmusik).


    Und in der Umfrage ging es einzig und alleine um eine Marktanalyse (was sind die Teilnehmer bereit zu bezahlen und wie wichtig sind ihnen verschiedene Aspekte), wobei die Umfrageersteller aber offenbar nicht genug von Imkern wissen, um die Umfrage so zu gestalten, dass ich mich als Imker verstanden fühle. Durch den Austausch von ein paar wenigen Wörtern könnte man das ganze auch für Marktforschung zu einer neuen Reisewaschmaschine verwenden...


    (Sorry, meine Grundstimmung ist eh schon nicht positiv, und wenn dann gleich in der Einleitung zur Umfrage wie auch im Video (ab 01:37) auf so lächerliche Weise gegendert wird und dann so ein Messe-Werbevideo kommt...)


    Am Ende steht dann, dass man ab Herbst 2021 mehr zu der Forschung lesen kann unter: https://www.uni-siegen.de/dibeecell


    Wenn man das jetzt aufruft erhält man aber einen Fehler 404 / Dokument nicht vorhanden.

    Wäre es zuviel verlangt, dort wenigstens eine Seite zu hinterlegen, in der das Verfahren kurz vorgestellt wird?

    Aber Hauptsache erstmal "Marktforschung" machen...

  • Is auch keine besonders clevere Marktforschung potentielle Kunden zu einem toten Link zu schicken. Wäre doch eine super Gelegenheit gewesen sowas zu schreiben wie „sorry noch keine Infos aber hier kannst du dich für den newsletter eintragen“

  • "Impedanzspektroskopie"

    Danke! Dieses Wort suchte ich.

    Mit welchen elektrischen Werten (Leistung, Frequenz etc.) wird da üblicherweise gearbeitet? Könnte das die Bienen bzw. deren Brut beeinträchtigen (Kommunikation, schlimmstenfalls organische Schäden)? Reicht es aus, nur zur eigentlichen Messung (Mindestdauer?) den Sensor zu aktivieren/bestromen oder muß wirklich eine Pemanentmessung sein (worauf die erwähnte Solarbestrombarkeit hindeuten könnte)?


    OT: Stimmt, bisher wurde nicht viel mehr als Tests im Labor gefahren, mit realen Bienenvölkern erst geplant -> die Geschäftsidee skizziert und diese Marktanalyse konzipiert. Zum Letzteren dient ja die Umfrage und ist vermutlich zwingende Voraussetzung für Fördermittel, um deren Verschwendung für die Entwicklung von Produkten zu vermeiden, die dann keiner braucht/haben will. Imker können sich beteiligen - oder auch nicht. Im letzten Feld der Umfrage kann man ja persönliche Gedanken durchaus loswerden.

    Auch ich meine, Aufwand und Preis gehen weit über das hinaus, was der Imkermarkt hergibt (96% Hobbyimker).

    Außerdem ist das Verfahren für die Behandlung mit Tierarzneimitteln (TAM) konzipiert, die m.E. in eine Sackgasse führt (Bestenauswahl bei den überlebenden Milben, die sich dann fortpflanzen). Verwendbar könnte das Verfahren aber auch bei biotechnischem Varroamanagement (-> Schlechtestenauslese bei der "Weiterzucht" von Varroa) sein oder bei der Selektion von Varroatoleranz durch jeden Imker. Das müssen aber die Praxistests des Systems an realen Völkern erst noch zeigen.

  • Mit welchen elektrischen Werten (Leistung, Frequenz etc.) wird da üblicherweise gearbeitet? Könnte das die Bienen bzw. deren Brut beeinträchtigen (Kommunikation, schlimmstenfalls organische Schäden)? Reicht es aus, nur zur eigentlichen Messung (Mindestdauer?) den Sensor zu aktivieren/bestromen oder muß wirklich eine Pemanentmessung sein (worauf die erwähnte Solarbestrombarkeit hindeuten könnte)?

    Also soweit ich als E-Technik-Ingenieur es mir aus den Angaben soweit zusammenreimen kann:


    Es ist ein Impedanzspektrum, also man arbeitet mit einer ganzen Bandbreite von Frequenzen. Was die Start- und Endfrequenz sowie die Leistung angeht, kann ich nichts dazu sagen. Soviel wie zur korrekten Messung halt nötig. Das müssen die ausmessen.


    Denke nicht, dass die Messung dauerhaft, also ständig, laufen muss. Das Ding misst wohl regelmäßig (alle paar Stunden) oder bei Bedarf und das dauert dann mehrere Sekunden bis 1-2 Minuten, denke ich mal. Die werden wohl einen Sinussweep durchfahren, also bei der Startfrequenz anfangen und die Frequenz langsam hochdrehen bis zur Endfrequenz, dabei stetig die Impedanz (Wechelstromwiderstand) messen. Ich würde das meinen Bienen nicht umbedingt antuen wollen.


    Frage mich wie man dabei auf die Varroen rückrechnet, die müssten dann einen für den restlichen Bienenstock untypischen Widerstand haben. Denke nicht, dass die auf einzelne Milben genau rückrechnen können.

  • Eine Brutnestfläche ist ja nicht homogen, auch ein begrenzter Ausschnitt davon nicht, zwischen den Brutzellen sind Leerzellen, Pollenzellen, zu manchen Jahreszeiten sogar Nektar. Und ausserdem kann die Brut alle möglichen Stadien zwischen Ei und schlupfreifer Biene haben.


    Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass man die ganze Fläche einheitlich mit einer Wechselspannung belegt. Ich würde eher eine Matrix nehmen, die Gitterpunkt für Gitterpunkt durchgemessen wird. Ob die das mit der Auflösung von einzelnen Brutzellen hinbekommen? Aber selbst wenn das Messgitter gröber wäre: Ich bin mir ziemlich sicher, dass man mit soetwas wie Synthetischer Apertur Dinge hinbekommen könnte, die Normalsterblichen wie Magie vorkommen. Das würde auch vielleicht die Mathematikerinnen im Team erforderlich machen...


    Aber niemand sagt doch einfach "hey, man könnte doch Varroen in Brutzellen mit Impedanzspektroskopie detektieren. Lasst uns ein vermarktungsfähiges Produkt entwickeln."

    Da muss es doch Vorarbeiten gegeben haben, z.B. eine Dissertation zum Thema Impedanzspektroskopie von einzelnen Brutzellen o.ä.

    Ich habe bisher noch nicht danach gesucht. Ribes, vielleicht kannst du mal schauen, ob du etwas findest?


    Grüsse,

    Robert