Wintersitz und Waldhonig im Brutraum

  • Guten Morgen,
    Anfängerfrage:
    wie richte ich den Bienensitz für den Winter her? Bei uns tragen die Bienen im Moment noch Waldhonig ein.
    Der Tipp meiens Nachbarimkers ist den total verhonigte Brutraum (trotz rechtzeitig und genügendem Honigraum)zu "enthonigen" , indem Brut-Waben mit großen Honigkränzen über Absperrgitter nach oben gehängt werden. Aber: 1. Es wird doch noch eingetragen, dann hab ich doch unten sofort wieder Honigkränze, die nicht sein dürfen?, Wann ist diese Massnahme angebracht? 2. Wie soll ich meine Ableger dann vernünftig erweitern, wenn ich ein Absperrgitter einlege, und die Königin nicht hoch kann?? 3. Wie dramatisch ist es wirklich, wenn die Bienen Wald-bzw Tannenhonig behalten?
    Ist jetzt bestimmt blöd gefragt, hab aber alle Bücher durchforstet und finde keine Antwort, Hilfe wäre klasse!!
    Vielen Dank
    Michi

  • Hallo,


    Du hast geschrieben:

    Zitat

    ... total verhonigte Brutraum (trotz rechtzeitig und genügendem Honigraum) ...


    Das kann zur Zeit bezweifelt werden. Aussagen wie "genügend Honigraum" sind relativ und zur Zeit, zumindest bei mir, nicht so leicht zu glauben. OK, Du hast Ableger, aber meine Wirtschaftsvölker haben in den letzten beiden Wochen ca. 16 kg pro Volk und Woche an Honig eingetragen. Wenn Du da nicht 2 bis 3 Honigräume hast wird Honig überall eingelagert, zur Zwischenlagerung und Trocknung. Beachte bitte das für die Zwischenlagerung ca. 2-3 mal soviel Platz benötigt wird als dann später in den gedeckelten Waben eingelagert ist. Haben die Bienen wieder Platz im Honigraum und brauchen Sie Platz zum brüten, dann lagern sie den Honig von alleine um. Es gibt leider Bienen, die bei einer so starken Tracht von der Brut gehen und "nur noch Honig sammeln".


    Zum herrichten des Winterlagers ist noch genügend Zeit, wir haben ja noch nicht September :P . Leider hat Du wenig Angaben gemacht über Deine Ableger. Daher sind meine Angaben auch nur mit gewisser Vorsicht zu genießen. Unter der Voraussetzung das Deine Ableger stark sind und den Honigraum auch wirklich belegen, würde ich an Deiner Stelle mal in zwei Wochen nachsehen ob die Tracht dann geringer ist. Vorher würde ich den Brutraum nicht mehr erweitern, sondern nur noch den Honigraum und auch ab und zu schleudern. Ist dann die Massentracht weg kannst Du immer noch den Brutraum erweitern. Du kannst auch gut Honig im Brutraum lassen, aber Du mußt sicherstellen das nach der letzten Tracht noch zwischen 5 und 10 KG Winterfutter im Brutraum Platz haben, also mindestens die Hälfte des Wintervorates. Nach der Winterfütterung muß auch noch Platz sein, also ein leerer Raum, ansonsten sitzen die Bienen im Winter zu "kalt". Warum dies? Beachte das normalerweise ca. die Hälfte des Winterfutters in der zweiten Märzhälfte und im April verbraucht wird und die andere Hälfte vom September bis zu diesem Zeitpunkt. Wenn Du daher am Schluß der Tracht, aber nicht vor September, noch mindestens die Hälfte des Winterfutters auf Zuckerbasis rein bekommst haben Deine Mädels im Winter dies als Futter. Ab mitte März ist dann Honig als Futter in der Regel kein Problem mehr, denn da können sie ja regelmäßig ausfliegen. Daher kann dann die zweite Hälfte auch als Honig vorliegen. Beachte bitte das diese Tipps für "meinen Standort und meine Bienen" als Faustformel gut ist. Für Dich, Deinen Standort und Deinen Bienen können in den Tracht und Zeitangaben Unterschiede auftreten. Es ist auch richtig das verschiedenen Bienenrassen auch unterschiedlich mit Honig im Winter auskommen. Und auch die Sorte des Honigs macht einen Unterschied aus. Ferner mache ich hier die Annahme das es im September keine Honig mehr gibt, sollte dies der Fall sein würde meine Vorgehensweise nicht funktionieren.


    Ich hoffe dies hilft Dir weiter.



    Gruß
    Franz


    P.S.: Bei der Wintereinfütterung werden im Bedarfsfalle auch noch ein paar Mittelwände ausgebaut!

  • Hallo Franz und vielen Dank für die ausführliche Antwort,
    meine Ableger sind im Moment teils so stark, dass sie einen Honigraum haben, teils sitzen sie aber auch erst auf 5 Waben, diese haben aber gigantische Waldhonigkränze. Was würdest Du hier tun?? Mein Plan (wahrscheinlich ein dämlicher Anfängerplan..) wäre evtl. noch eine Leerwabe unten zu geben, damit weiter Eiger gelegt werden können, dann einen Honigraum mit 5 Waben aufzusetzen und immer mal wieder Brut nach oben zu hängen, wenn diese ausgelaufen ist, die Honigkränze abzuschleudern, usw. bis die Tracht vorbei ist.


    Viele Grüße und danke nochmal
    Michi

  • Hi Michi,


    leider hast Du immer noch nicht besonders viele Angaben gemacht, aber ich werd trotzdem versuchen Dir zu antworten.


    Die Ableger, welche nur 5 Waben haben, aber alle Waben gut besetzen, denen würde ich direkt neben dem Brutnest jeweils eine Mittelwand geben und auch noch jeweils eine Leerwabe ganz aussen. Um diese Jahreszeit kannst Du ruhig viel Platz geben. Nach einer Woche kannst Du nachsehen ob die Mittelwände bestiftet sind - oder ob hier auch nur Honig eingelagert wird.


    Bei den starken Ablegern, die schon einen Honigraum haben ist die Frage benutzen/besetzen diese auch den Honigraum und wieviele Waben (in welchem Maß) hast Du im Brutraum? Sollten diese den Honigraum tatsächlich nutzen, würde ich nur dafür sorgen das immer genügen leerer Platz im HR (Honigraum) ist, evtl. noch einen zweiten HR geben, sofern Dein HR nicht "riesengroß" ist :P . Und vergiß nicht das man auch ab und zu schleudern kann 8) .


    Umhängen von Waben in den HR mache ich prinzipiell nicht, dies halte ich für unnötig und aus hygiensichen Gründen sogar für falsch. Bedenke das im Juli und August die starken Völker noch jeweils bis zu 8 KG Futter selber verbrauchen, die schwachen entsprechend weniger. Sollte bei Dir, wie bei uns, ab Mitte Juli die Tracht vorbei sein, werden die Vorräte im BR (Brutraum) noch weniger werden :wink:


    Den Rest, was ich nach dem Trachtende machen würde, hatte ich eigentlich schon erklärt.



    Gruß
    Franz

  • Hallo Michi, da Du auf Deinen Stand das Problem hast, das die Ableger verhonigen, würde ich Dir empfehlen, diese woanders aufzustellen. Da eine Tautracht die Völker stark abarbeitet, solltest Du die Ableger an einen Standort verbringen, an denen sie eine Blütentracht vorfinden. Dazu reicht eine Läppertracht. Bei einer Volltracht hast Du dann wieder das Problem des Verhonigen des Brutnestes. Bei einer Volltracht leere Waben in den Brutraum geben, fördert nicht die Zunahme der Brutfläche. Meistens nutzen die Bienen diese Flächen zum Eintragen von Honig.V.H.w.Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.