Zanderbrutraum mit 15 Standardrähmchen

  • Ich möchte hier kurz meine Idee etwas besser beschrieben vorstellen und freue mich über Eure kritischen Nachfragen und kritischen Verbesserungsvorschläge. Auch über Eure Einschätzungen über das vorprogrammierte Scheitern des „Experimentes“ würde ich mich ernsthaft freuen, denn vielleicht hilft es dann doch die ein oder andere Lösung aus diesen Einschätzungen zu entwickeln, mit dem es dann vielleicht doch noch klappt? 😉 Ich möchte einfach nur deutlich machen, dass ich hier nicht die tolle, perfekte Lösung präsentiere, sondern das Ganze eher experimentell-spielerischen Charakter hat. Man kann vielleicht auch eine sinnvolle Betriebsweise entwickeln, wenn man die Schwächen aufgezeigt hat. Wenn es jämmerlich scheitert, wechsele ich sofort auf Standard-Prozedere mit Zander.

    Ich habe mich von einem Zander-Thread über verschiedene Betriebsweisen mit der Zanderbeute inspirieren lassen. Ich selbst habe die Standard Hohenheimer Einfachbeute. Dort habe ich von den verschiedenen Möglichkeiten der Verwendung verschiedener Bruträume erfahren. Das „einfache Imkern“ ist also gar nicht so einfach, sondern die Sache mit dem „einfach“ ist ganz schön kompliziert. Man kann 1.0 oder 2x1.0 oder 1,5er oder Zadant Betriebsweisen mit Zanderbruträumen machen. Ich fasse einmal zusammen, was ich für mich behalten habe und weshalb ich dann diese verrückte Idee verfolge:


    Einzargig Zander 1.0:

    Vorteil: wenige, aber handliche 1.0 Rähmchen, dadurch wenig Durchsehaufwand. Extrem viel Honigertrag,


    Nachteil: zu wenig Platz für den Bien, dadurch Virtuelles Brutnest, dadurch Pollen im Honigraum, dadurch wenig Futterreserven, dadurch Risiko des Verhungerns bei der Ernte. Diesen Problemen wirken manche mit 0,5er horizontaler Zargen, die man zusätzlich draufsetzt und den Bienen lässt, entgegen Man hat dann ein 1.0 & 0.5er Mischsystem mit 1.0 BR und 0,5 Reserve-Raum aber dadurch zwei verschiedenen Rähmchenmaße. Man kompensiert also das Platzproblem mit einer zusätzlichen Halbzarge.


    Zweizargig Zander 2x1.0

    Vorteil: Viel Platz für die Brut, etablierte, angesehene Betriebsweise mit der man sich nicht blamiert, Kippkontrolle easy


    Nachteil: 20 (!) Rähmchen zum Durchschauen, Materialintensiv, zu viel Platz dadurch viel Aufwand für den Bien und den Imker, Verhonigen des Brutraums, wenig Honigertrag, manche sagen sogar mehr Schwarmneigung.


    1,5er Zander / Zadant:

    Vorteil: nur ein Brutraum mit sehr wenigen Rähmchen, easy durchzuschauen, nicht zu viel Platz wie beim 2x1.0, nicht zu wenig wie bei 1.0, sogar Schieden einfach möglich. Alle sind begeistert sagt mein Imkerladenbesitzer.


    Nachteil: Zwei verschiedene Rähmchenmaße und daher eigentlich eine (schlechte?) Kopie vom Original, dem Dadant. Da frage ich mich: Warum nicht gleich Dadant?


    Ich habe also eine Möglichkeit gesucht um Zander mit einem Volumen zwischen 1.0 und 2x1.0 Bruträumen. Dabei soll aber nur ein Rähmchentyp eingesetzt werden für alles, BR, HR und Ableger. Da mir der Honigraum beim Zander viel zu schwer ist, wollte ich vertikale Halbzargen für den Honigraum nehmen. Horizontale Halbzargen lehne ich ab, weil ich dann wieder zwei verschiedene Maße habe. Mir kam dann die Idee, ob man die vertikale Halbzarge, die man für den Honigraum verwendet, nicht auch zusätzlich einfach als Erweiterung des Brutraumes nutzen könnte. Halbzargen habe ich als Material schon für den Honigraum.


    Es gibt also folgenden Aufbau, den ich zum besseren Verständnis skizziert habe

    skizze.png


    Nachteile, die ich sehe, denen man aber mit Material und Betriebsweise eventuell teilweise begegnen kann, denke ich:

    1. L-Förmiger Brutraum macht die Königin das mit?

    2. Verziehen der vertikalen Halbzarge, was man verhindern sollte, weil dann ein zusätzlicher Zugang zum HR entsteht

    3. Kein Wechsel zwischen den vertikalen Halbzargen möglich, wenn die Wand massiv ist. Wird dann überhaupt vernünftig eingetragen, bzw, benötigen die Bienen dann extra Laufwege und macht es das weniger effizient?

    4. Kippelig bei Wind möglicherweise


    ich hoffe, dass die Idee jetzt etwas deuticher wird. Über die Details schreibe ich später mal mit mehr Fotos über die Halbzargen und das ASG

  • Mein erster Gedanke war dazu: Klingt vergleichsweise kompliziert und gute Ideen sind meist eher einfach.


    Bei den Nachteilen würde ich 1 und 2 zustimmen. Bei 3 könnte ich mir vorstellen dass die Bienen evtl. nur den halben Turm annehmen - die Seite wo das Brutnest nach oben wandern kann und der andere HR links liegen gelassen wird. Wegen 4 würde ich mir weniger Gedanken machen. Ein ordentlicher Spanngurt und es wackelt nichts mehr.


    Hinzu kommt allerdings, dass du mehr Zargen brauchst und entsprechend bewegen musst. Eine Halbzarge ist zwar an und für sich leichter, aber wenn du immer 2x von Stock zu Auto/Ebike/Was auch immer laufen musst, ist nicht vielleicht auch nicht viel gewonnen.


    Ich würde wahrscheinlich auch zu Zander 1,5 wenn ich schon Zander hätte. Hat den Vorteil dass du die vorhandenen Rähmchen und Zargen als Honigräume nutzen kannst. Allerdings bleibt dann immer noch das Problem das du 1.0er HRs hast.


    Ich persönlich würde das nicht so machen - aber ich komme ja auch aus einer ganz anderen Ecke was die Kisten angeht. Das unterschiedliche Rähmchenmaß hat sich in der Praxis bisher nicht als Problem herausgestellt.

  • Wie wäre es mit einem selbstgebauten Brutraum in dem 15 Waben auf einer Ebene passen, also nebeneinander, ähnlich einer Lagerbeute. Aber das ist ein Thema für einen anderen Faden.


    Da Du explizit nach kritischen Kommentaren gefragt hast, hier meine kritischen Kommentare, die hoffentlich stets so freundlich klingen, wie sie sollen.

    1,5er Zander / Zadant:

    Nachteil: Zwei verschiedene Rähmchenmaße und daher eigentlich eine (schlechte?) Kopie vom Original, dem Dadant. Da frage ich mich: Warum nicht gleich Dadant?

    Ich glaube das ist, wenn man auf Zander angefangen hat und auf Großwabe umsteigen möchte, aber nicht alles neu kaufen will. Davon abgesehen ist das mit dem Kopie und Original glaube ich hier auch einfach nicht so wichtig. Beide haben große Waben im Brutraum, sei etwas großzügiger.


    Deine ganze Idee scheint daran zu hängen, dass Du mehrere Rähmchenmaße ablehnst. Ich glaube Du bewertest die Nachteile von mehreren Rähmchenmaßen zu hoch und die Nachteile Deiner Konstruktion zu gering. Ich hab vier Rähmchenmaße und warte noch auf das Schlimme, was passieren soll, wenn man mehrere Maße hat.


    Hast du daran gedacht, dass Dein System auch mit, sagen wir 10 Völkern unter Stress funktionieren muss? Ich kann mir vorstellen, dass es bei der späten Ernte echt Probleme gibt, weil man vergisst die Honigzargen vor dem Nachhause fahren noch mal ALLE gründlich auf Verzug zu untersuchen. Oder dass man unter Stress dann doch nicht auf die farbliche Markierung aller ASG achtet.


    Willst du ohne Bienenflucht ernten?


    Wusstest du schon, warum Leute auf dem Volumen von sagen wir 10 Waben 1,5 Zander überwintern aber im Sommer weniger Waben benutzen? Mir wäre das zu wenig Überwinterungsvolumen mit 10 Waben Zander. Ich würde aber kein vertikal geteilte Halbzarge aufsetzen, weil das mit dem Zehrweg dann ungünstig wird.


    Der L-förmige Brutraum passt jedenfalls nicht zum natürlichen Legeweg der Königin. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Bienen bei zu viel Platz lieber vertikal ausbreiten, statt horizontal. Da ich 15 Waben Zander für zu viel halte, vermute ich, dass sie eher ein i bebrüten werden, statt ein L. Für die Bienen ist der L-förmige Brutraum Wärmetechnisch ungünstig, weil sie keine Kugel bilden können.


    Natürlich benötigen die Bienen extra Laufwege, wenn sie eine Trennwand im Honigraum haben.


    Und jetzt die Gretchenfrage: Warum lehnst du mehrere Wabenmaße ab?

  • Hinzu kommt allerdings, dass du mehr Zargen brauchst und entsprechend bewegen musst. Eine Halbzarge ist zwar an und für sich leichter, aber wenn du immer 2x von Stock zu Auto/Ebike/Was auch immer laufen musst, ist nicht vielleicht auch nicht viel gewonnen.

    Doch, damit ist viel gewonnen. Je näher man in Sachen Kraft an seine Belastungsgrenze kommt, desto anstrengender wird es, quasi exponentiell. Dadurch kann man krasse Kraftanstrengungen zu einer Ausdauerleistung verschieben. Kommt dann etwas drauf an was einem lieber ist und wenn man Zander 1.0 eh relativ leicht heben kann, ist man sowieso schon im Ausdauerbereich, das gilt für mich jetzt aber nicht ;)

  • Wir haben das Konstrukt des Beginns mit Zander, dann die Vorzüge von Zadant mit Honigraum Halbzargen entdeckt. Die Zander laufen noch mit und erhöhen die Kompatibilität mit vielen anderen Imkern. Zadant hat den Vorteil, dass es auch mit Dadant kompatibel ist.

    Die verschiedenen Maße empfinden wir nicht als Problem, eher als Bereicherung um auf verschiedene Situationen passend reagieren zu können. Eine vertikale Trennung und Belegung halb Brut, halb Honigraum, schafft so viele Probleme bei Zubehör und Passform, dass ich nicht meine dass da große Freude dabei aufkommen kann. Bei Kälte sehe ich auch im L eine ungute Raumform.

    Die (bei Zadant) unterschiedlichen Vertikalmaße bei durchgehenden Horizontalausmaßen, schaffen eine sichere Wabenhygiene, da alte Brutschinken nicht in die Schleuder kommen. Die Honigräume sind buchstäblich tragbar und es müssen keine anderen Sonderteile gebastelt werden, da alles Standardteile sind. Keine halben ASG, keine halben Fluchten. Die Flachrähmchen leeren sich in der Schleuder gleichmäßiger, es reicht auch eine Schleuder mit kleinerem Durchmesser.

    Was soll ich sagen, wir sind in Zadant verliebt...


    Viel Glück beim ausprobieren, bin schon gespannt auf ausführliche Berichte.


    Grüße

    Peter

  • Hi,

    Ich sehe das Ganze auch eher skeptisch, bin aber gespannt auf das Ergebnis.

    An deiner Stelle würde ich zu Zander 1.0 tendieren, dann die horizontale Halbzarge für virtuellen Brutraum und Futterkranz und oben wie von dir gewünscht mit den vertikalen Halbzarge verwenden. Das andere Maß der einen horizontalen Halbzarge spielt nun wirklich keine Rolle. Bei mir dürfen sie dort weitgehend bauen wie sie wollen und im Sommer wird auch diese Zarge geerntet und ausgeschnitten. Dient also zusätzlich auch noch der Neuwachsgewinnung.


    Viele Grüße


    Roman

  • Hallo Bienendoktor ,


    schön (und auch etwas mutig von dir), dass du meiner Bitte gefolgt bist und dein Projekt in einem eigenen Thread strukturiert vor- und zur Diskussion stellst.


    Ich persönlich halte wenig bis nichts von der Idee, sowohl aus Bienen- als auch aus Imkerperspektive, bin jedoch auf deine Erfahrungen und Einschätzungen gespannt.


    Grüße vom Apidät, der unterschiedliche Rähmchenmaße noch nie als Problem ausgemacht hat

  • Was ich gut finde, ist Deine Offenheit bezüglich der Aussichten! :thumbup:


    Mach doch noch einen Parallelversuch: Ein Zander-Brutraum, darüber so viele Zander-Honigräume, wie es halt braucht. Wenn Du erntest, lässt Du immer mindestens fünf schöne Honigwaben im untersten Honigraum, damit immer genug Futterreserve vorhanden ist. Am besten achtest Du darauf, dass es jene Honigwaben sind, auf denen sich auch allfällige Pollenvorräte befinden. Diese Honigwaben werden dann später auch für die Wabenhygiene verwendet. Überwintern auf zwei Räumen, einmal Brut, einmal Futter. Ich glaube, das kommt Deiner Idee ziemlich nahe, ohne Gebastel und Verrenkungen. :)


    PS: Zander 1,5 würde ich nicht wollen, das sind schon sehr grosse Waben. Eher Zadant. Unterschiedliche Rähmchenmasse haben mehr Vor- als Nachteile, aber das wurde ja schon mehrfach erwähnt.

  • Was mir an vertikalen Halbzargen am meisten nicht gefällt, ist, dass genau da, wo fast immer am meisten bei den Bienen abgeht - Mitte des Brutnestes oder der meiste Honigeintrag, das erste Ausbauen des Honigraumes - eine Abtrennung ist. Habe es selbst einmal im Honigraum probiert, aber ganz schnell aufgegeben (sind jetzt umgebaut zu Ablegerkästchen). Auch das weitere Rumgefummele hat mir nicht gefallen. Sitzt es richtig? Nö, natürlich nachrucken. Wurde nervig.

  • Experimente sind spannend, weil man Hypothesen an der Wirklichkeit prüft...

    Ich würde erwarten, dass der Bien sein optimiertes Brutnest beibehält und dieses vertikal im höheren Teil des BR anordnet. Der Rest wird dann mit Honig gefüllt - wir werden es ja lesen!


    Alternativ ist man beim einfachen oder erweiterten Einzarger, z.B. mit 12 Waben (wie bei DN) oder so, wie er ist. Wer das Problem mit dem fehlenden Futter kennt (ich kenne es, weil mir letztes Jahr im Sommer ein Volk verhungert ist!), kann vorbeugen (passiert mir nie wieder!).

    Ich arbeite seit Jahren mit 5 Rähmchenmaßen - war nie ein Problem.

  • Guten Tag Bienendoktor


    Von dem Aufbau her, ist es ähnlich wie meine Betriebsweise.


    Nur ist es bei mir im Warmbau, und es sind auch keine Zwischenwände als Hinderniss vorhanden.


    Meine Einschätzung zu dem Verhalten der Bienen:


    Die BR-Halbzarge, wird mit Honig vollgetragen, und das Brutnest, befindet sich dann in der BR-Ganzzarge.


    Die erste HR-Halbzarge, wird dann mit Honig gefüllt, und alles was sich darüber befindet, wird nur ungern angenommen.


    Ich denke, dass dieser Aufbau zu einem verhonigen des Brutnestes in der untersten BR-Ganzzarge führen wird.


    Ich habe auch Betriebe gesehen, wo Zander mit 8, ja sogar mit 7 Waben pro Zarge geführt wurde. Brutnest auf 2 Zargen, und auch der Honigraum, mit gleichen Rahmen und Zargen.......Nur als Hinweis, für eine Alternative.


    Lg Sulz.

  • Hochspannend sind die unterschiedlichen Prognosen zur Ausrichtung des Brutnestes. Allerdings erwartet keiner eine Anordnung wie vom Erfinder gewünscht.


    Grüße vom Apidät, der sein Orakel nicht ohne detaillierte Informationen zum Flugloch und der Wabenausrichtung preisgibt ;)

  • Danke Bienendoktor für die Zeichnung, jetzt verstehe ich Deine Idee. Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin mir ziemlich sicher, der Bien wird Dir nicht folgen. 15 BW sind einfach zuviel. Wahrscheinlich wird das Brutnest auf der Seite angelegt, wo jeweils die BW übereinander stehen, die 6 BW unten daneben werden kaum Verwendung finden, ebenso wie der halbe HR darüber. Möglicherweise kann man da über eine Verlagerung des Fluglochs gegensteuern, dann wird der obere BR aber teilweise verhonigen. Eine Erleichterung für die Bearbeitung ist für mich deshalb nicht erkennbar. Nun das Positive, Du kannst die Halbzargen natürlich auch anders verwenden, sie eignen sich vor allem als handlicher HR oder bei Einsatz eines geteilten Unterbodens zur Ablegerbildung oder (eingeschränkt, Überwinterung und Frühjahr) für einen Zweiköniginnenbetrieb. Trotz dieser Kritik, probier es aus, auf jeden Fall gewinnst Du neue Erfahrungen. Ich selbst imkere auch

    mit der Einfachbeute in DNM mit einem BR. Über dem BR setze ich über dem ASG eine Flachzarge, die in der Regel dort bis zur Einwinterung verbleibt. Hier richten die Bienen mittig das virtuelle Brutnest ein. Auf den Randwaben ist immer eine Futterreserve vorhanden. Als obersten HR verwende ich teilweise vertikal getrennte HR für jeweils 5 Waben DNM 1.0, da dies aber eng wird, hänge ich lieber nur je 4 Waben rein, die dann länger ausgezogen werden. VG Jörg

  • Wenn ich mir die Gründe so ansehe, würde ich komplett auf Flachzarge (159) umstellen.

    Vorteile:

    • Größe des Brutraums passt
    • leichte HR Zargen
    • einheitliches Rähmchenmaß
    • zargenweise Bauerneuerung
    • Messerentdecklung
    • Kippkontrolle ;)

    Nachteil:

    • 20 Rähmchen zu kontrollieren im Falle des Falles
    • da kein Standardmaß, erschwerter Völkerverkauf

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...