Völker auswählen - was behalten, was verkaufen?

  • Hallo zusammen,

    unsere Bienen fliegen wie im Sommer und sammeln Pollen. Wir imkern mit 6 Wirtschaftsvölkern und machen über's Jahr immer einige Ableger, so dass Wir deutlich mehr einwintern als wir bewirtschaften möchten. Es kann immer etwas schief gehen und dann möchten wir einen sicheren Bestand haben. Nun haben wir erfreulicherweise wieder alle Völker begrüßen können und müssen bis Mai 8 Völker verkaufen. Eine sehr schwierige Aufgabe die Völker "auszusortieren". Wie geht ihr vor? Es ist noch zu früh um etwas zu den Eigenschafften der Völker sagen zu können. Bis auf zwei haben alle eine neue Königin aus dem letzten Jahr. Wie kommt ihr zu der Auswahl welche ihr behalten möchtet?

    Wir arbeiten nur mit Standbegatteten Bienen, die wir selber über Brutwaben oder Sammelbrutableger ziehen. Wir imkern grundsätzlich ohne Schleier und achten immer darauf, dass wir brave Bienen haben.

    Ich möchte gerne verstehen ob und wie ich eine gezielte Auswahl treffen kann und welche Erfahrungen und Verfahren ihr so habt.

    Summende Grüße aus dem bergischen Land

    Markus

  • Bei jungen Königinnen würde ich die Frühjahrsentwicklung des Volkes als wichtiges Kriterium nehmen. Gut Völker starten im Frühjahr richtig durch. Das sollte erkennbar sein, bevor man den ersten Honigraum aufsetzt (vorher muss man ja kein Vok verkaufen), und erlaubt gute Vergleiche.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Bedeutet das Populationsschätzung mehrfach machen? Wie beurteilst Du die Frühjahrsentwicklung objektiv?

    Heute früh bei 4°C habe ich die Anzahl der gut besetzten Wabengassen notiert - kurzer Blick von oben. Zwischen 3 und 8 Gassen Zander, Volker teilweise einzarging überwintert. Habe schon erlebt, dass die etwas mickrigen, sich so überschlagen haben, dass sie zu den mächtigsten Völkern geworden sind.

  • Stell Dir einfach vor, Du würdest von diesen Völker welche kaufen für Deinen Bedarf.

    Welches würdest Du nach Augenschein kaufen? Das kann Du guten Gewissens verkaufen.

    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • Eine Beurteilung von Völkern kann immer nur relativ erfolgen - z.B. relativ zum Standdurchschnitt. Dabei muss man Kriterien bilden, nach denen die Völker bewertet werden, z. Bsp.


    Beurteilungskriterium + 0 -
    Volksstärke im Febr. (Anz. bes. Waben)
    Brutumfang im Mai (Anz. Brutwb. und bebrütete Fläche)
    Honigleistung in kg pro Saison
    Frühtracht
    Sommertracht
    Varroastabilität (Milbenfall Juli - Dez.)
    unter Berücksichtigung der Reduktionsmaßnahmen
    Schwarmverhalten
    Spielnäpfchen, WZ - wie oft nachgebaut, Schwarm
    Sanftmut (ruhig, nervös, wehrhaft, aggressiv)

    + = über Standdurchschnitt; 0 = Durchschnitt; - = unter Standdurchschnitt


    Es benötigt schon etwas Beobachtungszeit, wenn man ein solches Raster füllen möchte. Insofern ergibt sich (für mich), dass ein Volk mit Beurteilung frühestens nach einer Honigsaison und 2 Überwinterungen verkauft werden kann.


    Es macht Arbeit, die Dinge so übers Jahr zu verfolgen und sauber zu dokumentieren. Ich habe festgestellt, dass viele Eigenschaften konstant wiederkehrend entwickelt werden und komme somit zum Schluss, dass ein sehr großer genetischer Einfluss existiert. Mit der Zeit kennt man seine "Linien"...

    Es macht auch deutlich, dass ein gut dokumentiertes Volk eben nicht für € 120 zu haben ist, sondern seinen Preis verdient !


    Und zur Verkaufsstrategie noch eine Bemerkung: Willst Du Völker verkaufen, um sie los zu werden oder willst Du die Völker an Imkerlinge verkaufen, die wieder nachfragen ? Erstere kann man auch als Jungvölker anbieten - ohne diese Beurteilung. Für letzteres ist ein gut dokumentiertes Volk schon mal eine gute Grundlage und der Käufer wird es zu schätzen wissen.

  • Hi Markus,

    Ich mache es ähnlich: übers Jahr am liebsten nicht mehr als 5-7 Völker, 10 einwintern und im Frühling verkaufen.

    Das ist eine überschaubare Menge Bienen und man kennt sie doch persönlich, und so hat man seine Lieblingsvölker die man nicht hergeben will...

    Freilich verkaufe ich keine Mickerlinge oder Fieslinge, aber alles andere wäre mir zu aufwändig für die paar Völker.

    Entscheide ausm Bauch. Und der Käufer kann ja gucken...

    Beste Grüße

    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Nun haben wir erfreulicherweise wieder alle Völker begrüßen können und müssen bis Mai 8 Völker verkaufen. Eine sehr schwierige Aufgabe die Völker "auszusortieren".

    Ich würde an Deiner Stelle alle behalten die am 1.Mai bereits 3 Honigräume vollgetragen haben ;-) ...

  • Ich finde das ganz schwierig. Die tollen Völker mag ich nicht hergeben, die schlechteren niemandem geben, und die mittleren will ich dann doch immer behalten, weil man immer Völker braucht, in die man eine Kö von der Belegstelle einweiseln möchte oder oder oder...

    So werden es dooferweise immer mehr🤣


    Nein, mal im Ernst: Ich bin da ganz bei @beemax:In der Regel sind es ja Jungimker, die ein Volk suchen, oder Imker, die es (mal wieder) verbaselt haben, die Varroabehandlung korrekt durchzuführen und Verluste haben. Solchen Interessenten muss man jetzt nicht gleich das Rennpferd geben.

    Ich schaue nach geringer Varroabelastung und Sanftmut. Wenn beides passt, gebe ich das Volk ab. Beides (vor allem gute Varroaeigenschaften) ist mir deutlich wichtiger als Honigertrag. Und ich gebe nie vor Ende März /eher April ab.

    Dann kann ich auch die Volksstärke besser beurteilen.

  • Ich such die aus, von denen ich weiter vermehren will und gebe von denen ab, die ich auch als Wirtschaftsvölker weiterführen würde. Ich lasse jeden Interessenten selbst aussuchen. Der eine möchte möglichst starke Völker haben, der andere möglichst sanftmütige. Mittelprächtige behalte ich und verwurste die zu Ablegern für Edelzellen.

    Die ersten vier hab ich gestern geliefert. Das war eins davon:IMG_20210228_220110_606.jpg

  • Hallo, da habe ich es einfacher, DN1,5 mag keiner. Also sind die Verkaufvölker auf Dadant, DN und Zander. DN und Zander kann ich wegen der Hohenheimer Beute selber verwursteln.

    Bis bald

    Marcus

  • Nachdem es ja Ableger/ Jungvölker sind, kann keiner eine mehrjährige Bewertung der Völker erwarten. Im Endeffekt, kannst Du nur so früh wie möglich eine Kiste (voll) Bienenmasse auf frischem Wabenmaterial anbieten. Bei zehn Völkern an einem Stand ist ein Vergleich relativ leicht.

    Vor dem Aufmachen an jedem Volk mal einmal anklopfen ob jemand "heult", dann alle nacheinander mal öffnen, riechen und besetzte Wabengassen zählen. Beim riechen merkst Du ob sie duften oder nach Durchfall, oder Banane riechen. Bei letzterem merkst Du evtl. vor dem riechen schon ob sie auch brav sind.

    Ist die Kiste voll, dann legt die Dame schon mal ordentlich. Ist das Volk brav beim reinschauen, hast Du die Grundvoraussetzungen erfüllt. Was das Volk dann Honig bringt, liegt nicht mehr in Deinen Händen, da hat dann der Käufer durch das Führen mehr Einfluss, als Du es als Vermehrer je könntest.

    Wer nach höherem strebt, muss dann sowieso umweiseln und hat dann innerhalb 4 Wochen die gewünschte Genetik drin.

    Wer Zuchtvölker mit definierter Genetik verkauft, an den werden andere Anforderungen

    gestellt, aber auch da kann für letztes Jahr erstellte Jungvölker keiner garantieren.

    Welche Du dann in Dein Herz geschlossen hast und welche in die weite Welt entlassen werden, das musst Du dann mit Dir und dem Käufer ausmachen. In der Regel klärt sich das dann über den Preis.


    Grüße und a guats Händle

    Peter