Halbraum untersetzen

  • Hallo zusammen,


    ein paar meiner jungvölker wurden mit einer Zarge DN 1.0 und einer Zarge DN 0.5 eingewintert.
    Seit Samstag fliegen bei mir alle Völker und bis nächsten Mittwoch sind hier täglich 12 Grad oder mehr vorhergesagt. Aber es wird ja nachts nochmal kalt und es stehen nicht alle mit dem Flugloch in der morgen Sonne.
    Vermutlich warte ich mit dem untersetzen noch bis in den März, oder würdet ihr das jetzt schon machen?


    freundliche Grüße,

    Jan

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Das Ziel ist ja, dass die Halbzarge bis etwa Ende März leer ist und entfernt werden kann. Ich habe das diesen Winter auch zum ersten Mal bei einem Zandervolk versucht und die Halbzarge im Herbst nach dem Einfüttern untergesetzt.


    Bretschko schreibt in seinem Buch allerdings davon, dass das Vertauschen von zwei (ganzen) Bruträumen bei der Auswinterung – im Gegensatz zur Reizfütterung – einen erheblichen Effekt habe. Ich würde deshalb die Zargen jetzt vertauschen und die Halbzarge dann Ende März entfernen. Aber Achtung: ohne eigene Erfahrungswerte!

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Bei Bretschko geht es meiner Erinnerung nach nicht um ein Umtragen von Futter, sondern darum, dass Bienen gerne nach oben brüten. Er beschreibt die Flachzargenbetriebsweise. Wenn sie nun im Frühjahr überwiegend oben mit ihrem Brutnest sitzen, dann ist mit einem Tausch der unteren Zarge - -mit bisher weniger Brut oder noch gar keiner - nach oben eben wieder Platz für weitere Brut im bevorzugten Bereich. So habe ich es verstanden.

  • Ich hab was gefunden:

    Pfefferle „Imkern mit dem Magazin“ 15. Auflage, S.40 schrieb:
    Vorgehen bei eineinhalbräumiger Überwinterung [...] Dann wird im Laufe der Frühjahrsentwicklung, wenn sich das Brutnest unten bis an die Randwaben ausgebreitet hat, das als Futterkammer dienende obere Halbmagazin nach unten unmittelbar auf das Bodenbrett gesetzt.

    Er schreibt weiter, dass man sich dabei das anritzen sparen könne, die Reizwirkung sei die gleiche.

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Erst machen, wenn sie dauerhaft aus der Wintertraube sind. Ansonsten räubern die Frühaufsteher die aus. Gilt auch für Bruträume im Kaltbau um 180° drehen. Gleiche Baustelle, das Flugloch muß gut bewacht sein, wenn die Vorräte plötzlich so nah an der Türe lagern!

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Bei Bretschko geht es meiner Erinnerung nach nicht um ein Umtragen von Futter, sondern darum, dass Bienen gerne nach oben brüten. Er beschreibt die Flachzargenbetriebsweise. Wenn sie nun im Frühjahr überwiegend oben mit ihrem Brutnest sitzen, dann ist mit einem Tausch der unteren Zarge - -mit bisher weniger Brut oder noch gar keiner - nach oben eben wieder Platz für weitere Brut im bevorzugten Bereich. So habe ich es verstanden.

    Stimmt. Ich hatte das falsch im Kopf, weil er gerade davor über einzargige Völker schrieb, die er um 180° drehte, und weil ich das mit den Empfehlungen von rase (Futter umtragen lassen zum Reizen) in Verbindung gebracht habe. Es geht aber dort nicht um die Flachzargenbetriebsweise, sondern um normale Zweizarger. Hier noch das Zitat, das ich mir rausgeschrieben habe:


    Josef Bretschko, Der Magazinimker, 5. Aufl. 1981, S. 145 f. schrieb:

    Das Schränken von Brutwaben bzw. Wenden einer ganzen Bruteinheit um 180 Grad sind bekannte Brutförderungseingriffe. Ein solcher Eingriff ist aus dem einfachen Grund erfolgreich, weil bei Einraumvölkern das Flugloch die dominierende Reizquelle in Ermangelung des Vertikalreizes für das Bienenvolk darstellt. Die Ausdehnung des Brutnestes orientiert sich in einem solchen Fall nur nach der Stellung des Flugloches. Bei den Zweiraumvölkern gewinnt die Richtung nach oben (entgegen der Schwerkraft) gegenüber dem Fluglochreiz an Übergewicht, so dass ein Zargenwechsel zu einer raschen Ausdehnung der Brut führt. Zu beachten ist daher bei jedem Zargenwechsel, dass sich in der unteren Bruteinheit nach dem vollzogenen Wechsel der Hauptanteil der Brut befindet.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).