Gitterboden - mögen ihn die Bienen?

  • Hallo,


    ein Gitterboden wird wohl von vielen Imkern eingesetzt. Er soll ja viele Vorteile haben: gute Durchlüftung im Sommer, kalte Überwinterung (Varroaproblem), leicht Varroakontrolle.
    Aber mögen unsere Bienen das Ding überhaupt? Ich glaube, nein. Sie laufen möglichst nicht über ihn. Sie gehen sofort zur Beutenwand und klettern dort hoch. Auf einem festen Boden bauen sie dagegen Aufstiege, über die sie sofort in das Brutnest gelangen.
    Auch bin ich mir nicht sicher, ob sie im Winter diese zugige Wohnung mögen. Sie halten es durch, aber ob es ihnen gut tut? (Es gab ja auch mal die Idee der Rinderoffenställe.) Unsere Bienen haben sich vor Millionen Jahren entschieden, in Höhlen zu leben. Ob wir so viel besser wissen, was gut für sie ist?
    Ich arbeite seit Jahren mit ganzjährig offenem Gitterboden, werde mir aber immer unsicherer, ob dies eine so tolle Idee ist.


    Grüße, Thomas

  • Thomas Hädrich schrieb:

    Hallo,


    ein Gitterboden wird wohl von vielen Imkern eingesetzt. Er soll ja viele Vorteile haben: gute Durchlüftung im Sommer, kalte Überwinterung (Varroaproblem), leicht Varroakontrolle.
    Aber mögen unsere Bienen das Ding überhaupt? Ich glaube, nein. Sie laufen möglichst nicht über ihn. Sie gehen sofort zur Beutenwand und klettern dort hoch. Auf einem festen Boden bauen sie dagegen Aufstiege, über die sie sofort in das Brutnest gelangen.
    Auch bin ich mir nicht sicher, ob sie im Winter diese zugige Wohnung mögen. Sie halten es durch, aber ob es ihnen gut tut? (Es gab ja auch mal die Idee der Rinderoffenställe.) Unsere Bienen haben sich vor Millionen Jahren entschieden, in Höhlen zu leben. Ob wir so viel besser wissen, was gut für sie ist?
    Ich arbeite seit Jahren mit ganzjährig offenem Gitterboden, werde mir aber immer unsicherer, ob dies eine so tolle Idee ist.


    Hallo Thomas,


    irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, Du hast ein sehr "menschliches" Verständnis von der Bienenwohnung ;-)


    Normalerweise beginnt die Biene in natürlichen Behausungen wie hohlen Bäumen, etc. von oben nach unten zu bauen. Da gibt es dann u.U. keinen "Fußboden". Außerdem gibt es für die Bienen keinen Grund, über den Boden zu laufen. Sie müssen eh nach oben, wieso also nicht an der Beutenwand entlang?


    "Zugig" ist es in Beuten zudem nur, wenn sie nicht nur unten, sondern auch oben eine Öffnung haben. Und selbst dann sind die Bienen in der Lage, mit ihren Körpern die Wabengassen zu verschließen. Asonsten gilt die Regel "Kalte Füße, Warmer Kopf", d.h. das Bienenvolk selbst und sein Brutnest bleiben warm, trotzdem weiß das Volk, was draußen vor sich geht und geht z.B. nicht zu früh und zu exessiv in Brut.


    Grüße


    Ulrich

  • Hallo Ulrich,


    gerade um nicht zu vermenschlichen, beobachte ich. Aber vielleicht bin ich doch nicht gefeit.
    Das Flugloch ist ja auch so ein dem Imker bequemes Produkt. Es hat mit dem Astloch oder dem, meist senkrechten, Riß im Baum nichts zu tun. Dort werden sie einen "Fußboden" kaum nutzen. Wir zwingen die Bienen aber, die Beute über den Boden zu betreten. Und da sieht man eben ganz genau, daß sie den Gitterboden meiden, feste Böden dagegen nutzen.
    Zur Belüftung: Damit es in der Beute zieht, ist oben keine Öffnung nötig. Ein kräftiger Wind bläst schon ganz schön in die Gitteröffnung. Oder hast Du nur wenige Zentimeter Bodenabstand? Das wäre etwas anderes.
    Natürlich können sie mit ihren Körpern die Wabengassen schließen. Die Frage war, ob es ihnen recht ist. Warum besiedeln sie Hohlräume mit kleinen Öffnungen und nicht nach unten offene "Glocken" oder Raumecken, wie z.B. Wespen? Es gäbe ein Argument: die bessere Verteidigung. Aber dann müßten die anderen Apis-Arten ganz schlechte Karten mit ihrem freien Wabenbau haben.
    Ich denke schon, daß der Boden ein Klimaerfordernis ist.


    Grüße, Thomas

  • Hallo zusammen, beißt sich da nicht die Schlange in den Schwanz? auf der einen Seite, wünschen wir uns Bienen, die früh anfangen mit dem Brutgeschäft, und spät aufhören, auf der anderen Seite legen wir einen Gitterboden in die Beute, damit sie früher aus der Brut gehen und später wieder damit anfangen. Dann bauen wir noch so stark isolierte Beuten, das die Randwaben über Winter verschimmeln, und um das zu verhindern, gibt es die gleichen Beuten mit Gitterboden. Man sollte aber eins nicht außer Acht lassen, die Beute ist ein Arbeitsgerät des Imkers. Dank der Anpassungsfähigkeit der Bienen läßt sich dieses Arbeitsgerät so vielseitig gestalten, wie wir es kennen. Zwei gute Zwecke hat so ein Gitterboden schon: unter ihn lässt sich gut ein Bodenbrett einschieben, mit den man hervorragend eine Varroadiagnose machen und den Erfolg der Varroabehandlung sehen kann. Noch ist vorteilhaft, das er eine gute Lüftung bei Wanderungen ist. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Der Versuch bei Freiaufstellung:10 Völker(1 Raum) stehen auf offenem Gitterboden
    mit bodennahem Flugloch.
    Bei der anderen Gruppe mit kleinem Deckelflugloch wurde der Gitterboden abgedichtet.
    Ergebnis im Frühjahr:Die Völker mit offenem Boden
    wiesen im Frühjahr durchgehend mehr Bienenstärke auf.
    Auch haben meine Versuche mit bodennahem Flugloch und erhöhtem Flugloch (ca 35cm Höhe aufgrund Flugloch in der Futterwanderzarge) gezeigt,daß sich hierbei die Bienenvölker mit bodennahem Flugloch besser entwickeln.


    Gruß Rainer