Hilfe, bald geht's los! (mit Buckfast-Kunstschwärmen)

  • So, nun habe ich es gewagt und bei Heike Aumeier zwei Buckfast-Kunstschwärme bestellt, die mich wohl Anfang August erreichen werden... Die ersten Bienen, da bekommt man als Anfänger schon Herzklopfen... puh!


    Mein Problem ist: hier in der Gegend gibt es kaum jemanden, der mit Dadant und Buckfast imkert und derzeit vor Ort praktische Tips geben kann! Jetzt muß ich mich also hier an das Forum wenden:


    1. Wie schlage ich einen Kunstschwarm richtig ein?
    Ich habe jetzt 2 Methoden gelesen:
    a) Mittelwände - Schied - Leerraum; Bienen in den Leerraum einschlagen, Beute schließen,
    b) Großes, breites Brett als "Bienenautobahn" vors Flugloch, Bienen darauf "gießen" und 'reinlaufen lassen.
    Welche ist richtig?


    2. Kunstschwarm auffüttern
    Wenn ich die Geschichte richtig verstanden habe, muß man den Kunstschwarm zunächst langsam auffüttern, damit der Brutraum nicht verhonigt und das Volk gut wachsen kann und dann im Oktober plötzlich viel Zuckerwasser geben, damit der Brutraum verhonigt, die Königin das Legen einstellt und das Volk somit aus der Brut geht. Fürs langsame Auffüttern sei Apifonda optimal.
    Wie genau gebe ich dem Volk das Apifonda idealerweise? Auspacken und drauflegen? Wohin genau? Oder nur die Packung schlitzen?


    3. Varroabehandlung
    Wie und wann behandle ich den Kunstschwarm optimalerweise? Ich habe keinen Oxalsäureverdampfer, könnte aber vielleicht einen Varroxverdampfer leihen. Geht auch träufeln? Wenn ja, wie und wieviel?


    Soviel fürs erste, ich freue mich auf Eure Hilfe!


    Viele Grüße, Johannes

  • Nun mal keine Panik mit den ersten Bienen... das meiste erledigen die Bienen von allein. Mit Aumeiers Bienen gibt es keine Probleme. Ich habe dieses Jahr selber etwa 70 Kunstschwärme eingeschlagen und verfahre dabei wie folgt.


    zu 1. Wie schlage ich einen Kunstschwarm richtig ein?
    - In der vorbereiteten Beute links und rechts zum Rand hin hängen zwei Mittelwände. Dazwischen ist Platz genug, um die gesamte Bienenmenge hineinzuschütten.
    - Zuerst wird der Zusetzkäfig mit der Königin entnommen und zwischen zwei Mittelwände gehängt. Dabei nicht vergessen, den Clip zum Futterteig zu entfernen, damit die Bienen den Futterteigkanal zur Königin auch wirklich freifressen können. Es muß für die Bienen möglich sein, Kontakt zur Königin aufzunehmen!!!
    - Die Kunstschwarmkiste wird kräftig auf den Boden gestoßen, damit alle Bienen durcheinandergewirbelt werden. Bei hohen Außentemperaturen noch einmal mit Wasser besprühen.
    - Dann die gesamte Menge schnell in den Leerraum zwischen den Mittelwänden kippen. Mit Mittelwänden auffüllen. Abdeckfolie drauf und darüber die Futterzarge zunächst einmal mit 5 Litern Flüssigfutter. Bei 12 Dadantbrutwaben ist genügend Platz, da verhonigt der Brutraum nicht so schnell. Ich habe unterhalb des Zuganges zur Futterzarge ein Loch in die Folie geschnitten, damit die Bienen Zugang zum Futter haben.
    In den nächsten Tagen organisieren die Bienen sich schnell und beginnen mit dem Ausbau der Waben. Sobald die Königin aus dem Zusetzkäfig befreit wurde, beginnt auch die Pollensammelaktivität - ein Zeichen, daß das Volk in Brut geht. Die Methode mit dem vorgelegten Brett als Bienenautobahn würde ich einem Anfänger nicht empfehlen. Ein Kunstschwarm ist dann doch etwas anders als ein Naturschwarm; er muß noch das Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. Da könnte es zu Verlusten kommen, wenn der Schwarm einfach nur vors Flugloch gekippt wird. Mit einem Naturschwarm kann man das allerdings ohne weiteres machen.
    zu 2. Kunstschwarm auffüttern
    Mit Futterteig auffüttern geht durchaus und ist eine Methode, die auch das Räubern unterbindet. Für meine Altvölker und fertig entwickelten Jungvölker verwende ich Futterteig sehr gern zur Auffütterung. Allerdings muß für das Ausbauen der Mittelwände bei einem Kunstschwarm zunächst in jedem Fall flüssig gefüttert werden, mit Futterteig bauen die Bienen nicht oder nur sehr zögernd!!! Im Oktober aufzufüttern ist eigentlich auch recht spät. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Auffütterung schon abgeschlossen, die Auffütterung und Wintervorbereitung beginnt bei uns im Rheinland Mitte/Ende Juli. Die Hauptauffütterung ist im August und September abgeschlossen, im Oktober erfolgt lediglich eine Kontrolle und eine kleine Nachfütterung, falls vom bisher gegebenen Winterfutter etwas zuviel verbrütet wurde. Das kommt schonmal vor, gerade bei Jungvölkern mit diesjähriger Königin kann die Brutaktivität etwas länger andauern.
    zu 3. Varroabehandlung
    Übrigens ist vor dem Einschlagen des Kunstschwarmes auch der richtige Zeitpunkt für die erste Varroabehandlung. Für einen Anfänger dürfte es am einfachsten sein, mit Perizin zu behandeln. Ich selber verwende Oxalsäure oder Ameisensäure, aber dazu gehört doch schon etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Die Perizinbehandlung kann direkt bei Eintreffen der Kunstschwärme erfolgen. Die Bienen brauchen im August bei den meistens herrschenden hohen Temperaturen Wasser, da kann man das Perizin ideal einbringen und riskiert keine bzw. nur eine sehr geringe Kontamination des Wachses.


    Es gibt von Raymond Zimmer ein sehr schönes Buch. "Die Buckfastbiene -Fragen und Antworten" ist sehr gut geschrieben und bietet viele gute Anregungen und Hintergrundwissen.


    Viel Spaß mit den Bienen!! :lol:


    Mit imkerlichen Grüßen


    Klaus

  • Vielen Dank für die prompte und hilfreiche Antwort!


    Nur eins: gibt es keine Alternative zum Perizin, die die Bienen trotzdem nicht gleich gefährdet - ich hatte eigtentlich vor, von Anfang an keine synthetischen Varroazide zu verwenden?


    Muß ich den Kunstschwärmen nach dem Eintreffen während der Kellerhaft eigentlich noch Wasser geben? Wenn ja, wie?


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes!
    Ein Kunstschwarm ist eine ideale Möglichkeit um mit Oxalsäure zu behandeln. Es gibt ja keine verdeckelte Brut und die Varroen sind auf den Bienen ideal zu behandeln.
    Oxalsäure-Verdampfung ist dabei auch für die Bienen vollkommen unschädlich.
    Viel Erfolg mit den Bienen von Heike. (Ich bekomme auch im August mein erstes Buckfast-Volk von Heike)
    Fritz

    Fritz Eder
    (Hobby-Imker mit 4 Carnica-Völkern in DN im Garten - 335 m Seehöhe)

  • Fritz Eder schrieb:

    Oxalsäure-Verdampfung ist dabei auch für die Bienen vollkommen unschädlich.
    Fritz


    Hallo Johannes,
    ein hervoragendes Produkt um die (Kunst) Schwärme zu behandeln, ist das Mittel Bienenwohl der Fa. Dany aus München. Hierbei reicht eine einmalige Behandlung, da keine Brut vorhanden ist. Bei einen nicht brurtfreien Ableger wird die Behandlung 3 malig im 6 Tagerythmus durchgeführt. Erfolg mit Sicherheit so wirksam wie bei Perzin, aber garantiert rückstandsfrei. Beim Behandeln des Kunsschwarms verlaß dich auf Heikes Angaben, wenn es dir auch ein wenig unglaubwürdig erscheint, wie es bei mir war, als Sie mir im vorigen Jahr Anfang August, als unsere alten Carnicaimker schon fast wieder einwinterten, erzählte, der von ihr gekaufte Kunstschwarm käme noch auf 2 Zargen. Dieser saß gerade auf 5 MW. Er kam auf 2 Zargen und war dann noch so stark, dass er eine "Gefahr" für meine anderen Völker darstellte. Heuer mach ich aus dem Buckfast auch einen Kunstschwarm um das Muttervolk nicht zu monströs werden zu lassen, denn m. E. stellt so ein starkes Buckfastvolk im Herbst eine Gefahr für die bei weitem schwächeren Carnicavölker dar. Ein Buckfastvolk überwintert ca. doppelt so volksstark, als ein Carnicavolk.

  • Hallo, Xare,


    nun habe ich mir gerade bei Bienenweber in Gera kristalline Oxalsäure bestellt :-? - weißt Du etwas über die genaue Konzentration in Bienenwohl, ich meine, kann ich mir die Mischung selbst herstellen? Und wie bringe ich die Lösung in den Kunstschwarm ein - wie bei Dr. Liebig beschrieben, mit einer großen Spritze träufeln? Wenn ja, wieviel?


    Viele Grüße, Johannes

  • Anonymous schrieb:

    Hallo, Xare,


    - weißt Du etwas über die genaue Konzentration in Bienenwohl, ich meine, kann ich mir die Mischung selbst herstellen? Und wie bringe ich die Lösung in den Kunstschwarm ein - wie bei Dr. Liebig beschrieben, mit einer großen Spritze träufeln? Wenn ja, wieviel?


    Viele Grüße, Johannes


    Hallo Johannes,


    die Rezeptur des Bienenwohls kennt mit Sicherheit nur der Hr. Dany persönlich. Er bestätigte mir aber, dass ein Bestandteil Oxalsäure ist, soviel ich aus einer Untersuchung heraus gelesen habe, zwischen 2 und 3 %, alles andere sind Spurenelemente, die die Wirkung auf die Bienen verbessern sollen. Das Bienenwohl hat einen speziellen "Ausgießer" mit den man die Bienen pro besetzte Wabengasse beträufeln kann. Die Menge wird so dosiert, als ob man einen Bleistiftstrich ziehen würde. Einen Schwarm behandelt man mit Bienenwohl erst, wenn die erste offene Brut da ist. Ein Volk, dass schon verdeckelte Brut hat, wird einer Blockbehandlung in dreimaliger Anwendung alle 6 Tage, unterzogen. Von Oktober bis März, darf nur eine einmalige Behandlung erfolgen, da ansonsten Bienenverluste zu befürchten sind.

  • Hallo Xaver!
    Du schreibst!

    Zitat

    Von Oktober bis März, darf nur eine einmalige Behandlung erfolgen, da ansonsten Bienenverluste zu befürchten sind.


    Beim Verdampfen der Oxalsäure (von außen) gibt es dieses Problem nicht!
    Ein Versuch wird Dich überzeugen!
    Fritz

    Fritz Eder
    (Hobby-Imker mit 4 Carnica-Völkern in DN im Garten - 335 m Seehöhe)

  • Hallo Xare, Du schreibst, das man bei einen Kunstschwarm,vermutlich auch bei einen Naturschwarm(?), das Mittel Bienenwohl erst anwenden soll, wenn offene Brut vorhanden ist. Nun meine Frage: Wäre die Anwendung einer Fangwabe dann nicht genauso sinnvoll? V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Lothar schrieb:

    Nun meine Frage: Wäre die Anwendung einer Fangwabe dann nicht genauso sinnvoll? V.H.w. Lothar


    Das hindert die Entwicklung und auf den Bienen bleiben die Varroas trotzdem.

  • Hallo Xare, warum hindert das die Entwicklung? Da kann ich Dir im Moment nicht so ganz folgen. Tatsache ist doch, das in einem Kunst- oder Naturschwarm nur die Varroen drin sind, die an den Bienen sitzen. Diese suchen doch "dringenst" eine Vermehrungsmöglichkeit. Wenn man ihnen diese in Form einer Fangwabe gibt, die man nach den Verdeckeln oder vorher wieder entnimmt, sehe ich darin noch keine Behinderung der Entwicklung des Schwarmes zu einen Volk. Erfolgsquote dürfte bei über 80% liegen. V.H.w.Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Lothar schrieb:

    Tatsache ist doch, das in einem Kunst- oder Naturschwarm nur die Varroen drin sind, die an den Bienen sitzen. Diese suchen doch "dringenst" eine Vermehrungsmöglichkeit. Wenn man ihnen diese in Form einer Fangwabe gibt, die man nach den Verdeckeln oder vorher wieder entnimmt, sehe ich darin noch keine Behinderung der Entwicklung des Schwarmes zu einen Volk. Erfolgsquote dürfte bei über 80% liegen. V.H.w.Lothar


    Hallo Lothar,
    80 % Abtötung sind viel zu wenig. Deine Fangwabe kannst du machen, bevor du mit "Gift" zum Einsatz kommst, aber das Bienenwohl verursacht keinerlei Rückstände. Warum sollte ich es da nicht zum Einsatz bringen? Ich sehe eine Behinderung in der Entwicklung, denn wenn ich einen Kunstschwarm mache, dann mache ich es in 2 oder 3 Wochen, wenn ich mir sicher bin, ich brauche keine "Trachtvölker" mehr. Da dieser Zeitpunkt im Bienenjahr doch schon etwas fortgeschritten ist und die 1,5 - 2 kg Bienen es noch auf 2 Zargen schaffen sollten, wäre es hinderlich eine volle Brutwabe zu entsorgen. Kunstschwärme bieten sich an, wenn man so Monstervölker, wie mein Buckfastvolk, das jetzt noch auf 4 Zargen sitzt, am Stand hat. Diese Völker, besonders die Buckfast sind überall beim "Spionieren". Gestern beim Schleudern waren sie hinter jedem abgeschabten Honigrest her. Ich habe dann alle abgeschleuderten Waben einem Wasservollbad unterzogen und diese den Völker zurückgegeben, da waren sie für den Rest des Tages beschäftigt.
    @Hallo Buchneria, hatte heuer doch noch eine "Superwaldhonigernte". Der Honig ist schwarz, zäh (läuft durch kein Sieb) mit dem gewissen, etwas herben Nachgeschmack, typischer Waldhonig. Hat es bei dir auch Waldhonig gegeben.?

  • Hallo, zusammen,


    Also, ich habe jetzt folgende Vorstellung von der ersten Varroabehandlung:


    1. Kunstschwarm einschlagen
    2. Warten, bis die erste unverdeckelte Brut da ist
    3. einmalige Träufelbehandlung mit 3,5% Oxalsäure wie bei Dr. Liebig beschrieben in alle besetzten Wabengassen.


    (Einen Verdampfer habe ich leider nicht.)


    Xare (und andere Mitlesende), meinst Du, das haut so hin?


    Ach, so, ich frage mich noch, ob der Kunstschwarm während der Kellerhaft Wasser braucht und wie ich es ihm gebe. Wißt Ihr etwas darüber?


    Viele Grüße, Johannes

  • Johannes Haller schrieb:

    Hallo, zusammen,


    3. einmalige Träufelbehandlung mit 3,5% Oxalsäure wie bei Dr. Liebig beschrieben in alle besetzten Wabengassen.


    Viele Grüße, Johannes


    Wenn es der Liebig sagt, dann wird es schon stimmen. Ich verwende die Oxalsäure nur in der brutlosen Zeit (November, Dezember) 3 % ig und das nur einmal, ansonsten verlasse ich mich auf das Bienenwohl.
    Einen Kunstschwarm muß man, wenn man ihn am Stand aufstellt 3 Tage in Haft nehmen, damit das 1/3 der normalerweiser verwendeten Sammelbienen ihre Herkunft vergißt, auch haben sie während dieser 3 Tage Zeit, ihre Wachsdrüsen zu entwickeln. Der Kunstschwarm wird ín Kellerhaft flüssig gefüttert.