Betriebsweisenübersicht - Dokument

  • Vor allem ist es fast vollkommen wurscht, mit was Du anfängst. Wenn es Dich gepackt hat, wirst Beuten, Rähmchenformate, Königinnen etc. durchprobieren und jedes Jahr neu schon unterwegs an der Durchführung Deiner theoretisch immer so schlüssigen und abwechselnd verfeinerten und dann wieder vereinfachten Betriebsweise scheitern. Du wirst feststellen, dass da viel mehr Geld durchrauscht, als ein paar neue Zargen kosten, und dass Imkern zahlreiche Dimensionen hat, die Du erstens jetzt noch nicht überblicken kannst und die zweitens Deinen Standpunkt gelegentlich in eine ganz neue Ecke schieben. Mit Folgen für Kisten und 'Betriebsweisen'. Letztere sind nicht definiert wie Betriebssysteme bei Rechnern, eher ähnelt die Frage nach der Betriebsweise in der Imkerei der Frage nach einer 'Autofahrweise' oder einer 'Gärtnerweise'.


    Erheiterte Grüße von Kikibee

    Auf der Suche nach der Bee-Life-Balance.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 3-5.2.2023 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda. :daumen:

  • Wenn es Dich gepackt hat, wirst Beuten, Rähmchenformate, Königinnen etc. durchprobieren und jedes Jahr neu schon unterwegs an der Durchführung Deiner theoretisch immer so schlüssigen und abwechselnd verfeinerten und dann wieder vereinfachten Betriebsweise scheitern. Du wirst feststellen, dass da viel mehr Geld durchrauscht, als ein paar neue Zargen kosten, und dass Imkern zahlreiche Dimensionen hat, die Du erstens jetzt noch nicht überblicken kannst und die zweitens Deinen Standpunkt gelegentlich in eine ganz neue Ecke schieben. Mit Folgen für Kisten und 'Betriebsweisen'. Letztere sind nicht definiert wie Betriebssysteme bei Rechnern, eher ähnelt die Frage nach der Betriebsweise in der Imkerei der Frage nach einer 'Autofahrweise' oder einer 'Gärtnerweise'.

    Wenn ich von meiner eigenen Erfahrung ausgehe: Im vierten Jahr, rauschst du so schnell von einer Ecke zur anderen, dass du am Ende nicht mehr weißt wieviele Ecken eine Wabenzelle eigentlich genau hat, ob es nicht sinnvoll wäre sich regelmäßig von einer Biene ins Schienbein stechen zu lassen, weil das ja der erfolgreiche Berufsimker am Anfang seines Buches schreibt und ob du nicht am besten eine Beute nimmst die die Form von einem Gabelstapler hat, weil die dann so gut hinten an einen Vierzigtonner ran geht.


    Es wird bei mir langsam Zeit das die Bienen wieder fliegen ...

  • Hm. Ich seh Betriebweise ehrlich gesagt, anders. Es gibt Bausteine, die Du eigentlich ganz gut kombinieren kannst, je nachdem, was Du willst.


    Hier mal ein paar Beispiele, die mir in meinem ersten Bienenjahr aufgefallen sind. Viel zu plakativ und extrem und vermutlich auch teilweise falsch, aber mir geht's eher um's Bausteinprinzip:

    • Willst Du die Frühtrachten mitnehmen oder ist Dir eine längere brutfreie Zeit lieber? Damit entscheidest Du darüber, wie warm oder kalt Du sie überwinterst. Warm: Thermoschiede und Thermoboden. Kalt: unten offen, keine Thermoschiede. Wobei es hier ein klares Nord-Süd Gefälle gibt. Jenseits des Weisswurstäquators kannst Du's Dir freier raussuchen als oben an der Nordsee.
    • Vollschutz oder Badehose? Es gibt jede Menge Vorurteile, welche Bienensorte wofür geeignet ist. 8o
    • Willst Du Honig oder Wachs? Honig: Mittelwände, einfüttern vermutlich mit ApiInvert oder Zuckerwasser 3:2. Wachs: Naturbau, einfüttern mit Zuckerwasser 1:1 oder sogar noch dünner.
    • Kannst Du mit Schwärmen leben oder nicht? Genauer gesagt, hast Du Nachbarn, die Du mit Schwärmen vergrätzt? Zander hat wohl ein einfacheres Wabenmanagement (sie rutschen von oben nach unten durch) aber eine gründliche Durchsicht ist aufwendiger, wegen des geteilten Brutraumes. Dadant umgekehrt. Oben und unten getrenntes Wabenmanagement, aber Durchsicht ist einfacher.
    • Hast Du 2 Völker oder 200? 2 Völker: Du hegst und pflegst jedes Volk und kennst jede Biene mit Namen. Schwarmverhinderung ist ein Thema. 200 Völker: Du hast Buckfast, Deine eigene Königinnenzucht, und tauschst jedes Jahr sämtliche Königinnen aus. (Wieder plakativ.) Im ersten Jahr einer Königin ist die Schwarmwahrscheinlichkeit 10% und das ist in Deiner Betriebskostenrechnung eingeplant. Du guckst auch nicht mehr, ob ein Volk gut oder schlecht ist, sondern Du kannst einfach vergleichen, weil jeder Deiner Stände mit vielleicht 50 Völkern pro Stand alle Zustände enthält. Dann weisst, Du, welche 10 Deiner 200 Völker Du aufmachen musst. (Ja, ist ein Extrembeispiel. Hab ich aber so von einem Imker gehört.)
    • Varroabekämpfung ist das einzige, wo es Sinn macht, sich mit Deinen Nachbar-Imkern abzustimmen. Sonst macht jeder die Sommerbehandlung zu einer anderen Zeit und ihr steckt euch gegenseitig wieder an. Je kürzer Deine Behandlung ist (Nassenheider vs. AS Stoßbehandlung vs. Oxalsäure), umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr euch "verpasst" und damit das Risiko einer Reinvasion.

    Daher kannst Du, wenn Du mal einen Kurs gemacht hast, und Mitglied in einem Verein bist, aus Deinen Gegebenheiten und Zielen Deine Betriebsweise direkt ableiten und musst nicht erst den Umweg über einen Imker gehen, der in einer vergleichbaren Gegend etwas vergleichbares will.


    So. Ich bin in Bayern, steh auf Badehosenimkerei, hab 2 Völker, Nachbarn, will Wachs, und der Pächter meines Stellplatzes will, dass meine Bienen seine Obstbäume bestäuben. Was für eine Biene, Beute und Betriebsweise habe ich? ;)

  • Hi,


    der Grundgedanke von mir ist dabei, einem Anfänger die allergröbsten Anfängerfehler zu ersparen. Wenn ich zum Beispiel nur lese, wie Sulz seine Bienen führt, werde ich das nicht überall nachmachen können.

    Also "Sulz" steht sehr weit oben auf der Imker-Leiter.

    Das würde ich einem Anfänger nicht einfach raten oder überstülpen.

    Nachmachen kan man ALLES, wenn aber ein Teil fehlt (Erfahrung) kann das nicht klappen. Erfahrung muss man "erfahren" ...


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

  • Die Idee vom Anfang aufgreifend kam mir gerade der Gedanke, ob es nicht eine Idee wäre, eine Tabelle, Übersicht oder irgendwas Vergleichbares im Forum zu erstellen, wo sich Mitglieder in diese Tabelle etc. eintragen. Sie schreiben keine Romane und Gegenromane zu bestimmten Fragen, sondern geben tabellarisch an, womit sie derzeit gut (!) imkern, Beutenart, Rähmchen, Bienensorte, vllt Standortgegebenheite,...

    Vllt kann man das auch gruppieren der Ordnung halber. Also zunächste Dadanler, dann die Heroldiner, die Segeberger,...

    Und in den jeweiligen Gruppen wird wieder nach Kriterien unterteilt. So kann man schauen, was sich wie wo bei wem bewährt hat und ggf die Person anfragen bei mehr Interesse.


    המילה היא כמו הדבורה. יש לו דבש ועוקץ
    „Das Wort gleicht der Biene: Sie hat Honig und Stachel.“ (aus dem Talmud)

    Darum redet freundlich miteinander.

  • Sie schreiben keine Romane und Gegenromane zu bestimmten Fragen, sondern geben tabellarisch an, womit sie derzeit gut (!) imkern, Beutenart, Rähmchen, Bienensorte, vllt Standortgegebenheite,...

    Vllt kann man das auch gruppieren der Ordnung halber. Also zunächste Dadanler, dann die Heroldiner, die Segeberger,...

    Das Forum ist für sowas etwas ungeeignet, glaube ich. Ordnung in einem Faden halten ist immer mehr als schwierig. Das zerfleddert immer schnell, weil dann noch mal jemand schnell eine Frage oder Anmerkung dazwischen wirft.

  • Bommelmann

    Aus solche Aufstellungen für sich irgendwelche Schlüsse zu ziehen, halte ich bei der Vielfältigkeit der persönlichen Umstände eines jeden Imkers für wenig Aufschlußreich. Warum der eine so und mit dieser Betriebsweise imkert, kann beim anderen Imker jedoch ganz anders sein.

    Ich bin Standimker. D. h. ich wandere nicht. Ich möchte auch keine Zargen bei der Durchsicht abheben, denn die Kraft bringe ich nicht für alle Völker auf. Daher auch meine Honigräume in Flachzargen.

    Da kann ein junger Wanderimker dann schon ganz andere Anforderungen an seine Beuten u. Betriebsweisen als Kriterium festlegen

    Es gibt viele Beutentypen und Betriebsweisen und jede hat seine Marktberechtigung bis hin zum Bienenkorb. Warum auch immer.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Die Idee vom Anfang aufgreifend kam mir gerade der Gedanke, ob es nicht eine Idee wäre, eine Tabelle, Übersicht oder irgendwas Vergleichbares im Forum zu erstellen, wo sich Mitglieder in diese Tabelle etc. eintragen. Sie schreiben keine Romane und Gegenromane zu bestimmten Fragen, sondern geben tabellarisch an, womit sie derzeit gut (!) imkern, Beutenart, Rähmchen, Bienensorte, vllt Standortgegebenheite,...

    Vllt kann man das auch gruppieren der Ordnung halber. Also zunächste Dadanler, dann die Heroldiner, die Segeberger,...

    Und in den jeweiligen Gruppen wird wieder nach Kriterien unterteilt. So kann man schauen, was sich wie wo bei wem bewährt hat und ggf die Person anfragen bei mehr Interesse.

    Gibt es schon, nennt sich Verein. Sind regional breit gestreut, in der Regel wird den Standortbedingungen jeweils Rechnung getragen. Meist auch mehr als ein Beutenformat vorhanden, in dem gut (was auch immer das heisst ;)) geimkert wird.

    Viele davon sind im Internet bereits präsent, also reichlich Infomaterial vorhanden.

  • Interessanter Thread, hatte ich garnicht gesehen im Februar...

    Die Imkerei ist ein Handwerk und sogar ein Meisterhandwerk... da lernt man über Jahre und immer neu dazu, das passt in keine Tabellen.


    Ein Anfänger oder junger Imker muss vor allem erstmal laufen lernen, Abläufe müssen Routine werden. Dann entstehen Fehler und aus denen lernt man. Das ist wie beim Autofahren mit Blinken und Schalten, das läuft irgendwann automatisch.


    Je mehr Erfahrungen man sammelt und sich SEINE eigenen Gedanken macht, entsteht für jeden selbst über Jahre wachsend ein routinierter Ablauf. Dies könnte man dann Betriebsweise nennen.

  • Blinken verlernen nach ein gewissen Zeit wieder viele, gefühlt vor allem jene mit den dickeren Karren. Der Schulterblick ist auch irgendwann Luxus.


    Hoffentlich leiden gewisse Basics mit zunehmender Erfahrung nicht auch in der Imkerei.:huh:

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Wenn ich den Anfang lese, dann sticht mir ein Widerspruch ins Auge: "Anfänger – entscheiden".

    Wie soll ein Anfänger, der noch gar kein praktisches Wissen hat, entscheiden?

    Und zu allererst muss man ja sagen: Die s.g. Betriebsweise ist in erster Linie für den Menschen, nicht für die Biene. Aber um die Biene geht es wohl beim Imkern.

    Also muss man doch erstmal die Biene kennenlernen. Und das funktioniert in jeder Beute (in die man hineingucken kann).

    Daher mein Rat an Anfänger: Sucht euch einen Verein, in dem ihr euch wohl fühlt und in dem aus der Beute/der Betriebsweise keine Religion gemacht wird. Sucht euch dann dort einen Imkerpaten und macht erstma alles so, wie er/sie es sagt. Wenn ihr dann das Gefühl habt, mit der Biene läuft es schon ganz gut, aber die Praktikabilität ist nicht optimal, dann macht die Runde im Verein und schaut anderen Leuten zu. Dort bekommt ihr dann Anregungen und könnt euch informiert entscheiden.

    Mit etwas eigener Erfahrung kann man auch die vielen Youtube-Beiträge besser einordnen.

    Für mich ist es immer sehr lehrreich, wenn ich jemandem auf Youtube zugucke und dabei festestelle: "Das funktioniert bei mir besser" oder "Das muss ich mal ausprobieren". Aber dazwischen ist ganz schön viel Schmarrn.

    Also Anfänger: Lasst euch nicht von Youtube unterrichten, sondern von einem echten Menschen eures Vertrauens. Und wenn das gerade wegen Corona nicht möglich ist, dann muss man wohl oder übel warten. Aber wer sagt, dass man 1. sich immer für jede Hilfe physisch treffen muss und 2. draußen am Bienenstand mit Abstand sollte doch auch was machbar sein.