Brutwegnahme zur Varroabekaempfung

  • Hallo miteinander hab grad Nachtwache und etwas Zeit zum Varroaphilosophieren.
    Frage :Hat jemand Erfahrung die Varroa Quasi mit einer totalen Brutwegnahme nach der Honigernte zu bekämpfen?
    Also sozusagen aus seinen Voelkern Kunstschwärme zu machen.
    Was kann man mit den ganzen Brutwaben anstellen?
    Werden die Völker winterstark?
    Reicht das schon bis zur Winterbehandlung?
    Gruss Juergen vom Bodensee


  • Hallo Juergen,


    dein

    Zitat

    "Varroaphilosophieren"

    praktiziere ich seit 1997.

    Zitat

    ... Werden die Völker winterstark? ...


    die Völker bleiben winterstark.

    Zitat

    ... Reicht das schon bis zur Winterbehandlung? ...

     
    bis jetzt hat es bei mir gereicht,
    und sogar darüber hinaus: kein Volk durch Varroa verloren.
    Wenn nach dem Auffüttern eine Kontrolle negativ ausgefallen wäre, hätte ich nochmal (mit AS) behandelt, ist aber bis jetzt noch nicht vorgekommen.

    Zitat

    ... mit einer totalen Brutwegnahme nach der Honigernte ...
    ... aus seinen Voelkern Kunstschwärme ... machen ...
    ... Was kann man mit den ganzen Brutwaben anstellen? ...


    Alles nähere dazu findest du hier im Stammtisch (meine Antwort an Peter vom 23.3.):


    http://www.bienen.de/imkerforum/viewtopic.php?p=6458#6458


    (OS verdampfen lohnt sich bei meinen drei Völkern nicht, deshalb träufele ich.)

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)


  • Hallo Jürgen!


    Ich denke mal, da bist Du auf dem richtigen Weg. Eine ähnliche Vorgehensweise praktiziere ich schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich...


    Nach dem letzen Abschleudern erstelle ich mit jungen (hellen) gut ausgebauten und honigfeuchten Leeraben, einer Futterwabe sowie einer Pollenwabe eine Zarge, die ich über den Brutbereich gebe (bei zwei Bruträumen dazwischen). Sollte ein Absperrgitter im Volk sein, wird dieses jetzt rausgenommen. In der kommenden Woche wird die Weisel hier ihr Brutnest einrichten.


    Eine Woche später nehme ich diese Zarge (sog. Saugling), vergewissere mich, dass die Königin drin ist und setze sie aufs Bodenbrett. Alle anderen Zargen kommen an einen anderen Platz auf dem Stand, so dass die Flugbienen diesem Saugling zufliegen (sollte einmal kein Flugwetter vorherrschen, kann man von ein paar Brutwaben Bienen zufegen - aber nicht zuviele, denn die Flugbienen kommen beim nächsten schönen Wetter auch noch dazu - Ammenbienen für die Pflege der Brut sind bereits auf den Waben). Der Saugling hat nur offene Brut, also beste Vorrausetzung für eine erfolgreiche Behandlung (bei mir AS).


    Der größte Teil der Milben bleibt im umgesetzten Volk in der verdeckelten Brut. Auch hier wird erstmal mit AS behandelt und danach eine schlupfreife Weiselzelle zugegeben. Das Restvolk ist durch den Abgang der Flugbienen dermaßen geschwächt, dass ein Schwarm jetzt nicht mehr zu erwarten ist. Wenn die letzte Brut im Restvolk geschlüpft ist (mindestens 27 Tage nach Bildung des Sauglings - Drohnenbrut), hänge ich eine Bannwabe (mit Eiern oder offener Brut) zu. Wie die Varroen, wird auch die junge Weisel von dieser Wabe magisch angezogen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit findet man sie bei der nächsten Nachschauen auf dieser Brutwabe und kann sie schon mal zeichnen. Die ausgelaufenen alten Waben ersetze ich durch jüngere.


    Wenn die Bannwabe verdeckelt ist, kommt sie in den Gefrierschrank. Wenn sie wieder augetaut ist, wird sie aufgeritzt und kommt ins Volk zurück (aber nicht als kalter Block!). Die Putzbienen erledigen dann den Rest. Jetzt habe ich zwei nahezu varroafrei Völker. Bei Bedarf mache ich im Herbst noch eine Behandlung mit AS.


    Dabei kann es leicht passieren, dass man zuviele Völker zum Einwintern hat. In dem Fall vereinige ich vor der Wintereinfütterung einige Völker wieder.


    Wie gesagt, wende ich diese Methode mit der einen oder anderen Abwandlung schon über viele Jahre erfolgreich an. Vielleicht kann Dir/Euch meine Beschreibung als Anregung weiterhelfen. Für Verbesserungsvorschläge bin ich selbstverständlich immer dankbar.


    Gruß an alle aus dem
    schönen Nordhessen
    von Bernd-Frank


  • Praktiziere das seit vielen Jahren.
    So um den 5 Mai herum hab ich dieses Jahr pro Volk 3 Brutwaben und den Drohnenrahmen entnommen.
    Drohnenrahmen gleich ausgeschnitten und zurückgegeben.
    Mit den Brutwaben hab ich 2 Beuten mit je 18 Waben gefüllt.
    Nach 5 Tagen über mehrere Tage hinweg mit dem Schwammtuch und mit 65% AS, 2 ml pro Wabe behandelt. Ich mach mit dem Schwammtuch auch eine Langzeitbehandlung, das Tuch liegt oben rechts hinten. An den folgenden Tagen einfach die Folie anheben und neue AS geben. Geht schnell und ohne Rauch und Stiche.
    Nach 9 oder 10 Tagen alle Königinnenzellen ausgebrechen, ich ziehe jede Wabe und schüttle etwas Bienen ab um auch sicher jede Zelle zu finden.
    Anschließend wird Zuchtstoff gegeben. Kontrolle nach 5 Tagen ob sie angenommen wurden.
    Nach 10 Tagen werden alle Zellen gekäfigt.
    Sind die Königinnen geschlüpft, stelle ich 14 Ablegerkisten in Reihe auf, verteil alle Waben in die Kisten und und geb die Königin zu. Funktioniert sicher, da alle den gleichen Geruch haben.
    Die restlichen Königinnen bekommen kostenlos meine Helfer und Imkerfreunde. So weiss ich auch was in meiner Gegend herumfliegt.
    Ableger gut füttern und versorgen und zwischendurch immer mal wieder mit AS behandeln.
    Meine Wirtschaftsvölker hab ich an einem anderen Standort, die kommen erst dazu wenn sie Milbenfrei sind.
    Somit erreiche ich 3 Dinge,
    1 Befallsdruck aus den Wirtschaftsvölkern nehmen
    2 Ableger und Königinnen
    3 Milbenfreie Ableger
    Ich habe diesen Winter nur 1 Volk von 27 verloren, meine Freunde die mit mir mitmachen jeweils 1 Volk, einer keines, nur einer verlor 5, der steht aber neben einem Imker der von 12 Völkern 11 verloren hat, sie sind leergeflogen, ratet mal wo die Milben hin sind.
    Dieser wurde darauf angesprochen und er macht jetzt auch mit.
    Einfach oder?

  • Noch ein Nachschlag zum Drohnenrahmen.
    Wo ich les und höre schneiden alle 4-5 mal den Drohnenrahmen aus.
    Ich halte das für ein Märchen, höchstens 2 mal.
    Es gibt eine bessere Methode, die in den Beiträgen hier angesprochen wurden.
    Ich geb sie eine Nacht in die Tiefkühtruhe, ritze sie auf und geb sie den Völkern zurück, nicht in die Nähe der Brut.
    Zeitungspapier vors Volk und nach 24 Stunden sind die Waben sauber.

  • hallo frieder,
    eine anfängerfrage, du schreibst verdampfen lohnt nicht, heisst das, träufeln ist schlechter???
    Gruß
    Johannes Seibolt

  • Hallo Johannes


    Träufeln von OS ist sehr viel schlechter als das verdampfen der OS. Die flüssige Säure ist für die Biene nicht allzu verträglich da sehr viel in den Magen der Biene gelangt. Beim verdampfen erhalten die Bienen durch die mikroskopisch feinen Tropfen einen leichten Überzug wie bei Nebel.
    Wie kann ich das noch erklären? Stell die vor, du stehst eine Zeitlang im Nebel, da merkst du wie alles klamm und etwas feucht wird. Das träufeln dagegen ist als ob du im Platzregen stehst und dir nach kurzer Zeit das Wasser in die Ohren läuft. Vergleiche mal ein Tropfen Flüssigkeit mit dem Gewicht der Biene. Im Verhältnis zum Menschen wäre das bestimmt zwei bis drei Eimer Wasser. :-?


    Der OS Nebel erreicht jede Ecke und jede Biene in der Beute relativ gleichmäßig während beim träufeln ein Teil der Bienen am absaufen ist und sehr viele leer ausgehen. Verdampfte OS baut sich in ein paar Tagen total ab, was meines Wissens bei flüssiger Säure nicht der Fall ist. Sehe mal nach, ob auf Bienenwohl ein Verfallsdatum ist, dies kann weiterhelfen. Ich hab die Flüssigkeit, wegen den oben genannten Nachteilen, noch nicht angewendet.


    Jeder muß selbst wissen, ob sich so ein Verdampfer lohnt oder nicht. An dem Ding ist keine Abnutzung und man kann ihn über Jahre benutzen. Auch ist die Anwendung viel einfacher, es ist nicht immer Sonnenschein und wer öffnet schon gerne seine Völker wenn des draußen kurz vor dem Gefrierpunkt ist??


    Gruß
    Sabine aus W

  • Hallo liebe Sabine,
    danke für die ausführliche Antwort. Ich will natürlich das beste für meine Bienen. Aber: ich imkere seit diesem Jahr im Bienenhaus (nur von draussen anwenden, klar) und denke der Oxalsäuredampf ist nicht ganz ungefährlich, auch draussen nicht, auch bei Freiaufstellung nicht.
    Ich hätte so gerne ein Meinungsbild von den "altgeprüften Oxalsäureverdampfer" und wüsste gerne wie ihr die Schutzmassnahmen und die Verdampfungsaktion handhabt. Erbarmt sich jemand ???
    Ein schönes Wochenende
    Johannes