Varroaproblem - Zuverlässigkeit der Windeldiagnose

  • Hallo zusammen,

    ich befinde mich noch in den Anfängen meiner Imkerkarriere, sollte ich mich deshalb nicht ausschließlich in artgerechter Fachsprache ausdrücken, so seht es mir bitte nach :D


    Habe derzeit 2 Wirtschaftsvölker, zusätzlich einen Ableger in diesem Mai angelegt. Das Jahr verlief mehr als erfreulich, sodass ich gehofft hatte, mit 3 Wirtschaftsvölkern ins neue Jahr starten zu können. Jedoch habe ich Anfang Dezember überraschenderweise festgestellt, dass in einem der Völker knapp 25 Varroa pro Tag fallen, mithin deutlich zu viel (Uni Hohenheim sagt: ab 5 im Dezember Überlebenschance sehr gering). Bei den anderen war es dagegen völlig im Bereich des Normalen, um die 1ne Milbe/Tag. Dies hat mich verwundert, Behandlung (AS) und sonstige Maßnahmen gegen Varroa (Drohnenschneiden) wurden das ganz Jahr über durchgeführt, wie bei dem anderen Wirtschaftsvolk auch, das ebenso stark war und den gleichen geringen Varroadruck aufwies. Die plötzliche Diskrepanz konnte ich mir überhaupt nicht erklären, tippe mittlerweile darauf, dass meine Volk ein anderes Volk im Umkreis im Herbst geräubert hat und daraufhin vermehrt Varroa eingetragen hat. Jedenfalls verzeichne ich seitdem erhöhten Milbenfall, tw. auch mit toten Bienen mit Milben. Nach der OS Behandlung ging der Wert auf 3 Milben/Tag runter (Mitte Januar), ist jetzt aber wieder bei 15 Milben in den letzten 24h. Das stellt mich wirklich vor Kopfzerbrechen. Habt ihr Erklärungsansätze für die extreme Schwankung? Ob das Volk zum Zeitpunkt der Behandlung mit OS im Dezember brutfrei war, kann ich leider nicht beurteilen, da ich nicht nachgesehen habe, viel mehr auf die alte Weisheit "3 Wochen nach dem ersten Frost" (waren auch mindestens 4 und mehr, dazu durchweg Temperaturen um 0) abgestellt habe. Im Nachhinein evtl ein Fehler. Dennoch ist das Volk nach wie vor sehr stark, sitzt auf 6 Wabengassen Dadant mod. bei knapp 38 Kilo. Im Sommer war es extrem stark. Da ich mir die Entwicklung nicht erklären konnte, wollte ich einmal fragen, ob ihr eine Erklärung für diesen Verlauf habt? Außerdem: Wie zuverlässig haltet ihr das Auszählen der Windel, insb. den Sprung von 3 Milben nach Behandlung (nat. Milbenfall) auf 15 Milben kann ich mir nicht erklären. Evtl sollte ich mal reinschauen, Brut dürfte mittlerweile wieder da sein, deshalb evtl auch Kondenswasser unter der Folie. Jedoch tue ich mir da schwer, will ungern stören, sind Temperaturen um 10 Grad für kurzere Durchsichten (paar Mini) passend? Insb. weil das Volk noch auf 6 Wabengassen sitzt (siehe Bild von heute, srx füt die schlechte Quali, ist ja auch eher zweitrangig), ist es für mich schwer vorstellbar, dass das Volk von jetzt auf später einfach stirbt, aber das ist wohl eine Erfahrung, die man dann machen muss.


    Vielen Dank für eure Zeit und Antworten :)

  • Dies hat mich verwundert, Behandlung (AS) und sonstige Maßnahmen gegen Varroa (Drohnenschneiden) wurden das ganz Jahr über durchgeführt,

    Die AS-Behandung ist in der Anwendung kritischer als Verfahren bei Brutfreiheit (OS, MS). Deswegen würde ich nicht sofort auf Reinvasion abheben, sondern auf die Wirksamkeit der Behandlung.

    Habt ihr Erklärungsansätze für die extreme Schwankung?

    Teils liegt das daran, das bei milderem Wetter Bewegung in die Wintertraube kommt und die Milben dann erst fallen. Ein Tag genügt nicht für eine Bewertung.


    Das Problem bei der Winterbehandlung ist die Wiederholbarkeit, wenn sie nicht anschlägt. Das gilt für OS-Träufeln.

    Ich verfahre mittlerweise so: Im Januar sollten nicht mehr als zwei Milben pro Woche fallen. Bei höherem Milbenfall mache ich im Zweifel eine Probebedampfung. Fallen nennenswert Milben, war die erste Behandung nicht ausreichend wirksam. Diesmal habe ich festgestellt, dass am Tag nach der Bedampfung nur zwei, drei Milben vielen. Da gehe ich davon aus, dass das Volk nur einen sehr geringen Befall hat.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Windel auszählen ist relativ ungenau. Ameisen und andere 'Mitbewohner' tragen die gerne mal weg. Jetzt im Winter würde ich nicht jeden Tag die Windel ziehen. Stört die Bienen vermutlich auch etwas wenn jeden Tag das untere (und obere?) Scheunentor aufgeht. Stichwort 'Totgeguckt'. Viel tun kannst du aktuell sowieso nicht.


    Oxalsäure träufeln geht nur einmal, Verdampfen nachdem schon geträufelt wurde, würde ich auch nicht. Mal abgesehen von dem rechtlichen Aspekt.


    Insofern würde ich sagen: Setz dich auf deine Finger, es hilft eh nur noch abwarten.

  • Windel auszählen ist relativ ungenau. Ameisen und andere 'Mitbewohner' tragen die gerne mal weg

    Aber nicht im Winter. Ich zähle deswegen nur im Winter. Im Sommer ist die Windel für mich ein grobes Kriterium für die Dringlichkeit der Behandung.

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  • Tja, das mit dem Abwarten hat mir mein Imkervater auch geraten, bloß fällt mir das äußerst schwer. Ameisen sind im Moment ja ohnehin unbeachtlich... Vielleicht muss ich insofern aber auch mal von der Vorstellung Abschied nehmen, doch immer noch irgendwie Einfluss nehmen zu können. Habe gelesen, dass eine Behandlung mit VarroMed noch möglich wäre,m evtl dann Ende Februar/März. Diese wirkt natürlich nicht in die Brut, Erfolgsaussicht ist damit zweifelhaft. Das ober und untere Scheunentor sind in der Regel aber unbenutzt ;)

  • Wie sieht diese Probebedampfung konkret aus? Ich habe selbst gelesen, dass der Fall unter 0,5/Tag sein sollte. Unabhängig von der Genauigkeit der Kontrolle bin ich wohl deutlich über der besagten Grenze, egal welchen Richtwert ich heranziehe. Aber gut, ich muss mich wohl in Geduld üben. Fraglich ist nur, wie ich der Varroa, wenn ich über den Winter kommen sollte, weiterhin entgegenwirke. Der Varroadruck wird wohl stark sein.

  • Wie sieht diese Probebedampfung konkret aus?

    Die unterscheidet sich gar nicht von der "normalen" Bedampfung. Nur dass halt, wenn die Völker wieder in Brut sind, für eine wirksame Behandlung eine Blockbedampfung nötig wäre. Aber auch wenn nur die phoretischen Milben fallen, habe ich eine Orientierung über den Befall.

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  • Wenn die Völker im Januar so aussehen wie auf dem Foto, dann schaffen sie es bis ins Frühjahr. Zu dieser Zeit sind die Milben in der Brut und man kommt dann schwer ran. Vorromed einmalig nützt nichts und mehrmals vor der Honigernte macht man nicht ohne Not, wenn doch, kann man die Honigwaben als Winterfutter im der Tiefkühltruhe einlagern. Das hängt vom Befallsgrad ab, den man am sichersten durch Enddeckeln und Ziehen der Puppen (Arbeiterbrut) aus Stichproben feststellt. Deshalb empfehlen auch ich, abwarten. VG Jörg

  • Hallo,

    wie aus dem Bild von "MaKue2711" hervorgeht sitzt dieses Volk schon zu dieser Zeit unter der Folie, also ganz oben. Das ist für mich doch ungewöhnlich, da ich auch in diesem Winter noch keine Biene so weit oben gesehen habe. Und jetzt bei Frost wohl auch nicht.

    Liegt das daran, dass das Volk einzargig eingewintert wurde? Es sitzt rechts und müsste sich nach links orientieren, um den Kontakt zum Futter nicht zu verlieren.

    Könnte da bei Brut und stärkerem Frost nicht die Gefahr des Futterabrisses sehr groß werden?

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    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Wenn die Völker im Januar so aussehen wie auf dem Foto, dann schaffen sie es bis ins Frühjahr. Zu dieser Zeit sind die Milben in der Brut und man kommt dann schwer ran. Vorromed einmalig nützt nichts und mehrmals vor der Honigernte macht man nicht ohne Not, wenn doch, kann man die Honigwaben als Winterfutter im der Tiefkühltruhe einlagern. Das hängt vom Befallsgrad ab, den man am sichersten durch Enddeckeln und Ziehen der Puppen (Arbeiterbrut) aus Stichproben feststellt. Deshalb empfehlen auch ich, abwarten. VG Jörg

    Danke für deine Einschätzung, das ist sehr beruhigend. Das Volk hat als erstes Volk auch einen ganz besonderen ideellen Wert für mich. Ich werde also vorerst abwarten. Die Frage ist dann nur, wie ich durch das Jahr komme, wenn ich bereits zu Beginn solch enormen Varroadruck habe. Weniger werden es ohne Behandlung offensichtlich auch nicht, abgesehen von den natürlichen Mitteln, um die Varroareproduktion einzuschränken. Mal sehen...

  • Wenn Du auf Honigernte bei diesem Volk verzichten magst: ich würde dann nach Krokussen und mit Apfel/Kirsche als Trachtangebot in der Gegend Brutfreihet erzeugen und dafür sorgen, dass keine Varroa-Mengen das überleben und das Volk sich erholt - zu Deiner emotionalen Erbauung.

  • Hallo Harald,

    Imkere auf Dadant, folglich habe ich ohnehin nur einen einzigen Brutraum. Bei uns hatte es heute knappe 10 Grad, sonst hätte ich den Deckel gar nicht nach oben gemacht. Die bienen saßen deshalb etwas lockerer in der Traube, mithin auch knapp unter dem Deckel. Das ist denke ich der Ursprung. Bezüglich Futterabriss mache ich mir keine Sorgen, da das Volk recht stark ist.


    Grüße

  • Wenn Du auf Honigernte bei diesem Volk verzichten magst: ich würde dann nach Krokussen und mit Apfel/Kirsche als Trachtangebot in der Gegend Brutfreihet erzeugen und dafür sorgen, dass keine Varroa-Mengen das überleben und das Volk sich erholt - zu Deiner emotionalen Erbauung.

    Danke für deinen Tipp

  • Zum bereits Genannten, würde ich sehr früh den Drohnenrahmen ans Brutnest geben, und dann Drohnenschneiden, sobald er komplett verdeckelt ist. Geht bei den ersten beiden Rahmen vielleicht auch bischen Arbeiterinnenbrut mit drauf. - Das Problem ist, daß man den Varroadruck kaum präzise ermitteln kann, egal mit welcher Methode. Deswegen monitore ich mit der Varroaunterlage über längere Zeiträume, so 10-14 Tage, um ein einigermassen erkennbares Bild zu bekommen. (Allerdings nicht in Januar/Februar) - Zu den sonderbaren Zahlensprüngen möchte ich zum bereits Gesagten ergänzen, daß es ja auch noch den Wintertotenfall gibt, auf dem gefallene Milben hängen bleiben, bzw. die Bausperre, sofern vorhanden.

    Ich drücke die Daumen,


    Viele Grüße von Benjabien