Klimadeckel - (langjährige) Erfahrungen und Vergleiche

  • Da die Holzweichfaserplatte von den Bienen zerlegt wird, brauch ich einen Schutz.

    ...'zerlegen', das möchte ich doch relativieren:

    seit 20 jahren verwenden wir 25 mm Holzweichfaserplatten (es gibt verschiedene auf dem Markt). Unsere gehört zu den festeren - es gibt auch sehr weiche. Alle werden von den Bienen angenagt und komplett mit Propolis überzogen. Jetzt nach 20 Jahren schmeißen wir die ersten raus und nehmen nur noch 40-60 mm Platten. Einfach einen simplen Holzrahmen bauen, die Platte dort einbauen (evt. mit Leim verkleben oder auch verschrauben) fertig. Wir schieben dann das Ganze noch durch die Hobelmaschine und dann bekommen das die Bienen als Deckel. Fertig.

    Einen extra Schutz für eine Holzweichfaserplatte zu bauen halte ich deshalb für überflüssig.

    Ich werde morgen mal ein Bildchen hier noch hochladen.

    Jonas

  • Mein Kunststoffgitter wäre natürlich nicht 8 mal so dick wie das Metallgitter.:*

    Dieser Punkt kommt also noch dazu.

    Da Kunststoff viel leichter als Metall ist,

    ist bei gleicher Dicke also die Wärmespeicherkapazität von PP nur ca. 3/8 von Eisen.

    Mir kam es erst einmal darauf an den Unterschied Wärmespeicherkapazität- Wärmeleitung deutlich zu machen.

  • Einen extra Schutz für eine Holzweichfaserplatte zu bauen halte ich deshalb für überflüssig.

    Schön wenn es bei dir ohne funktioniert. Bei mir hab ich auch schon Löcher bis Komplettzerschrotung in MDF und Hartfaserplatten gehabt. Und das war keine Maus.

  • Schön wenn es bei dir ohne funktioniert. Bei mir hab ich auch schon Löcher bis Komplettzerschrotung in MDF und Hartfaserplatten gehabt. Und das war keine Maus.

    MDF? Sicher dass du noch Bienen hälst? :D - Also dass die bei entsprechender Feuchtigkeitslage aufquellen können und dann in weicherem Zustand auseinandergenommen werden ok, aber trocken doch sicher nicht, oder? - Nicht, dass ich das Material nutzen würde aber hätt ich nicht gedacht.

  • Ich habe mich bemüht, hier im Faden die Schwierigkeiten aufzudecken. Wahrscheinlich für viele nicht ausreichend verständlich. Aber besser kann ich es nicht.

    Ich hoffe, dass möglichst viele in der Lage sind, hier einige Dinge zu verstehen und bei der Konstruktion zu beachten, damit nicht von vornherein der Misserfolg unabwendbar ist.

    Danke Berggeist,

    Dass Du dein Wissen und deine Erfahrungen weiter gibst.

    Den Blick auf das , was zum Misserfolg führt ,

    Halte ich für notwendig,

    Damit nicht die gleichen Konstruktionsfehler immer wieder erfolgen.

    Jedoch ist das für mich nur der Erste Schritt, so geht es nicht.

    Der zweite Schritt, so funktioniert es, sollte folgen.

    Da habe ich von dir schon gelesen,

    Dass ein Eindringen von Z.B. Mäusen von Oben in die Wärmedämmung durch Holzbrettchen , auf Abstand befestigt, wirkt.

    Welche Positiven Erfahrungen im Bezug zum Klimadeckel hast du sonst noch gemacht?

  • Welche Positiven Erfahrungen im Bezug zum Klimadeckel hast du sonst noch gemacht?

    Keine.


    Spaß beiseite, Die Vorteile eines Klimadeckels sind für mich nicht schwerwiegend genug um mir die durchsichtige Folie auf dem Volk zu verleiden. Mehrjähriges Testergebnis, keine Theoriewolkenkuckucksheime.


    Eigentlich steht alles schon im Faden. Aber vielleicht ist eine Zusammenfassung für meine Nachtruhe förderlich. Ich versuche es mal.

    Die sehr eingeschränkte Aktivität der Bienen im Winter ist das größte Problem bei der Konstruktion. Sie können weder ein Fenster aufreißen, noch können sie den Kaminofen stochen.

    Sie sind äußerst passiv. Darum ist das die kritische Zeit. Wenn die Temperatur Aktivität zulässt, kommen die mit allem zurecht.


    Definition Klimadeckel:

    (Für mich) Ein Klimadeckel besteht ausschließlich aus Materialien, die Wasser aufnehmen und abgeben können. Somit gehört die obere, wasserdichte Abdeckung nicht dazu, oder nimmt zumindest eine Sonderstellung ein. Er sollte mindestens eine Schicht mit möglichst geringer Wärmeleitfähigkeit enthalten. Alles was uns so unter Dämmstoffe bekannt ist. Holzfaserdämmplatten, Wolle, Zellulosedämmstoff, Strohhäcksel...

    Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Dicke und Dichte des jeweiligen Dämmstoffs auszutüfteln, für die eigenen Verhältnisse am Stand.

    Man möchte möglichst gut die Wärme im Stock behalten weshalb man möglichst dick arbeitet. Gleichzeitig wächst die Gefahr der Tauwasserbildung im Dämmstoff mit jedem weiteren Zentimeter Materialstärke. Diese Tauwasserbildung im Dämmstoff ist wegen massiv verringerter Wärmedämmwirkung und Schimmelgefahr des Dämmstoffs zu vermeiden.


    Ab jetzt werde ich noch etwas mehr vereinfachen. Alles weitere scheint nur zu verwirren.

    Ziel des Imkers ist es, im Winter möglichst schnell, möglichst viel Feuchtigkeit durch das Deckelmaterial nach draußen zu befördern. Ob das auch das Ziel der Bienen ist, möchte ich nur als Anregung mal in Frage stellen. Ich bin mir da nämlich gar nicht so sicher.


    Geht es am Material vorbei, entsteht für die Bienen sehr ungünstige Zugluft mit all ihren Nachteilen. Auch bitte verhindern.


    Aaaaber, geht es zu schnell, kann es passieren, dass der Temperaturausgleich im Material nicht mit dem Feuchtigkeitsausgleich mithalten kann, die Luft zu schnell stark abkühlt, und in der Luft somit die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt bis zu dem Punkt, an dem die Luft nicht mehr die gesamte, vorhandene Feuchtigkeit aufnehmen/halten/speichern kann.

    -Tauwasserbildung im Dämmstoff, ganz böse.


    Also sollte man versuchen, diesen Feuchtigkeitsaustausch, im Normalfall von innen nach außen, recht langsam vonstatten gehen zu lassen. Also vom Aufbau her innen keine offeneren Stoffe verwenden, als die nächste, folgende Schicht Richtung außen.

    Die Wasserdichtigkeit des Materials sollte von innen nach außen abnehmen, mindestens gleich bleiben und nicht ansteigen.


    Eine homogene Holzfaserdämmplatte erfüllt diese Kriterien und kann durchaus ohne irgendwas anderes funktionieren. Wenn da die krabbelnden Viecher nicht wären. Die einen knabbern von innen, die anderen nutzen die kuschelige Dämmschicht zu Untermieterzwecken, allerdings als Mietnomaden. Beides suboptimal.


    Wie ist meine Empfehlung für den ultimativen Aufbau, der auch noch überall zuverlässig funktioniert? Ich habe keine gute.


    Wenn es unbedingt ein Klimadeckel sein müsste, wäre es wohl ein Massivholzrahmen in Zargengröße,10 cm hoch, unten ein 3 mm starker, eingefälzter Pappelsperrholzboden, Unterkannte bündig mit dem Rahmen, darüber recht gut gestopfter Dämmstoff gleich welcher Art, so 8 cm dick, oberer Abschluss stabiles Fliegengitter, auf den Ecken des Rahmens oben 4mm starke Klötzchen, auf denen (nur auf denen) ein Blechdeckel mit abgeschrägten Kanten aufliegt.

    Ob das praxistauglich ist, muss man wahrscheinlich auf jedem Stand extra prüfen.

  • Moin,

    und danke Berggeist für die interessante und eingehende Info! Kann daran auch nichts falsches erkennen, paßt!

    In meinen Augen ist dabei auch wichtig, dass die Luft über dem Dämmstoff zirkulieren kann und im Idealfall die Feuchtigkeit aus dem Deckel (wenn ich den mal so nennen darf), bzw. der von dem Dämmstoff abgegebenen Feuchtigkeit, nach außen transportiert.

    Was mich bei vielen Versuchen von Imkerkollegen hier aus dem Forum, insbesondere mit (ich nenn es mal vorsichtig) Warree-Kissen (kann man ja auch für alle anderen Beuten auch konzipieren), dass das Dämmmaterial (Streu, Heu, etc.) über kurz oder lang feucht geworden ist und damit die Dämmung nur noch bedingt funktioniert.

    Ich glaube das ursprüngliche Warre-Dach, in dem das Warree-Kissen integriert ist, ist ein Satteldach mit Zirkulationslöchern. Ich hab mich jetzt aber nicht tiefer mit Warree und dem Warree-Kissen beschäftigt, weil es bisher zu viele Imker gab, die dieses Konzept über mehrere Jahre nicht erfolgreich durchführen konnten, weil es halt nicht funktioniert hat (ich spreche jetzt hier nicht von dem ursprünglichen Warree-Kissen und dazugehörigem Satteldach, sondern den Nachbauten für DN und Co.).

    Dieses Konzept mit einem von der Beute nach oben abgedichteten Dämmmaterial plus Knabberschutz (z.B. Propolisgitter) und einem durchlüfteten Deckel, hat Flachzange ja hier und in einem anderen Faden vorgestellt. Das kommt meiner Meinung dem recht nahe, was du oben propagiert hast.

    Ich hab mir letztes Jahr auch ein solches Dach gebaut und bin bisher recht zufrieden.

    Ich muss mir nochmal anschauen, wie das Volk und der Wabenbau nach der Durchlenzung aussieht, aber derzeit finde ich es richtig gut und vor allem keine feuchten Ecken oder Schimmelige Stellen in der Beute, obwohl die Beute nicht unter einem Unterstand steht.

    Ich bin mir übrigens nicht so sicher, in wie weit sich die an der Folie kondensierte Feuchtigkeit negativ auswirkt, denke aber, dass herabtropfendes Wasser, eine Folge von kondensierter Feuchtigkeit an der Folie, schon nicht so toll für die Bienentraube ist.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Nachtrag zum #197.

    Ich hoffe mal, dass die Fotos selbsterklärend sind.

    Die zwei alten sind 15 Jahre alt und mit einem Fenster für 'Neugierige' versehen. Der neue Deckel hat das nicht mehr, dafür ist er 3 x so dick. Wir wir das Teil herstellen, habe ich ja schon oben beschrieben. Wie bei alles Wetterdeckeln ( aus Metall / Holz / Dachpappe ...) die noch obenauf kommen, ist es wichtig, dass diese hinterlüftet sind.

    Jonas

    IMG_0378.jpgIMG_0371.jpgIMG_0377.jpgIMG_0370.jpgIMG_0372.jpg

  • Genial einfach:

    EINFACH und GENIAL


    Da Kleinigkeiten manchmal den großen Unterschied machen......

    Wieviel mm Abstand ist unter dem Metall Deckel?

    Welche genaue Bezeichnung hat die Holzweichfaserplatte?

  • Hallo Andreas!


    Das gibt mir jetzt NICHTS. Ich lese das als Fragen.

    Wer hat welche versuche mit Warre-Kissen gemacht und die sind fehlgeschlagen?

    Wer hat welche Praktiken über Jahre mit 100 Prozent Erfolg praktiziert?

    Lies mal das Warre-Buch selber (Ich empfehle die Druckversion, ich weiß, es hat Vor- und Nachteile) dann sage mir bitte nochmal Bescheid. Steht auch alles online zur Verfügung. Nicht umsonst - aber kostenlos.

    Man sollte natürlich auch nicht versuchen, das Warre-Kissen einfach auf eine andere Beute aufzusetzen – macht man nicht. Auch die Region und die Bienen sind entscheidend. Harald (keinimker) hat seine Beobachtungen und seine Versuche dargelegt.

    Bei meinem 2-4 Anfänger-Völkern hatte ich keinen Schimmel, maximal etwas Stockflecken über den Winter. Entscheidend ist aber auch die Volksstärke um Kondenswasser etwas vorzubeugen.

    Dir als Bienenhalter, in deiner Region, mit deinen Völkern, kann kein Forumsteilnehmer eine 100 %ige Fertiglösung bieten.

    Richtlinien die man interessant findet, die sollte man mal Probieren/nutzen. Aber immer schön zum „Nichtschaden“ unserer Bienen. Ob sich der Bienenhalter ne dicke Backe einhandelt oder unter die „Bienenstich-Nähmaschine“ kommt – ist sein Problem.

    Allen einen schönen Sonntag!


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

  • Na Rolf,

    dann lies mal richtig!

    Ich hab in keinster Weise die Zweckdienlichkeit eines Warre-Kissen angezweifelt, und auch nicht dessen Wirksamkeit, sondern die einfache Substitution des Warre-Kissen auf andere Beuten-Systeme.

    Ich habe mich zudem mit einigen Forumsmitgliedern, unter anderem Hymenoptera, kurzgeschlossen, bei denen eine einfache, mit z.B. Sägespänen gefüllte Halbzarge o.ä. mit Blechdach nicht zum Erfolg geführt hat, bzw. diese nach dem Winter häufig sehr nass war.

    Daher habe ich mich für den Aufbau eines Klimadeckels entschieden, wie ihn Olle Flachzange ihn vorgestellt hat.

    Meine Erkenntnisse dazu stehen noch aus.

    Und meiner Meinung nach ist die Luftzirkulation über dem Dämmstoff auschlaggebend, dass sich keine Feuchtigkeit im Dämmstoff sammelt (siehe auch den Beitrag von Berggeist bezüglich Dicke).

    Vielleicht hast du bezüglich Warre mehr Erkenntnisse und könntest mir z.B. sagen, ob das Satteldach bei Warre mit einem bzw. zwei Löchern versehen ist, damit auch beim Einsatz eines Warre-Kissen mit einem Warre-Dach die Luft darüber zirkulieren kann.

    Nicht mehr und nicht weniger hab ich geschrieben;-)

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: