Bienenstiche und Haftung des Imkers

  • Klar geht Versicherung am Ende auf die Margen. In Pharma etc. kann man an alle Zahlen (Erlöse, Versicherungsprämien und Schadenfälle) viele Nullen dran hängen. Und die werden in der Tat auch eher eine Marktmacht haben, das in die Preiskalkulation Ihrer Produkte einfließen zu lassen.


    Aber dort kommen die Versicherer dann auch und machen den Unternehmen Vorschriften, was sie zu tun oder zu lassen haben oder schreiben z.B. vor, das eine Löschanlage etc. eingebaut werden muss, sonst gibt es keinen Versicherungsschutz. Solche Kosten muss man da auch mit im Hinterkopf haben, da kommt noch viel Aufwand für Risk Management on top auf die eigentlichen Versicherungskosten.


    Am Ende ist Versicherung einfach ein Tauschgeschäft: Völlig unkalkulierbare, potenziell Existenzbedrohende Zahlungsströme (Schäden, Haftungsrisiken etc.) werden gegen halbwegs planbare Zahlungsströme (Versicherungsprämien) eingetauscht. Ob/wie man sich dann versichert, muss jeder dann selbst entscheiden. Schutzbriefe für Handys oder Waschmaschinen (das sind im Hintergrund auch Versicherungsprodukte) kaufe ich mir nicht, weil solche Risiken nicht existenzbedrohend sind.


    Anders bei möglichen Konsequenzen eines Stechunfalls mit meinen Bienen. Da bin ich gerne bereit, die oben mal exemplarisch genannten 14 EUR (oder bei 10 Völkern auch mal 20 EUR) pro Jahr zu zahlen. Denn selbst auf 100 Jahre gerechnet wäre das vermutlich immer noch deutlich günstiger als wenn ich jemandem mal eine Krankenhaus-Rechnung für ein paar Tage bezahlen muss. Von schwersten Schäden mit Spätfolgen/Berufsunfähigkeit, die die dann auch mal in die Millionen gehen können, ganz zu schweigen.


    Selbst bei Hebammen sind die Versicherungskosten im Vergleich zum Schadenpotenzial immer noch harmlos. Wenn da bei Fehlern schwerstbehinderte Kinder die Folge sind, die rund um die Uhr für 40-50 Jahre Betreuung brauchen, kommen mehrere Millionen zusammen. Da sind 6.000 EUR Prämie immer noch harmlos. Das die Hebammen auf der Einnahmenseite nicht ausreichend ausgestattet sind, muss über den Staat/die Krankenkassen geregelt werden.

  • Das ist mir schon alles klar, aber bei der Pharma ist der Schaden wohl ziemlich sicher dem Verursacher tatsächlich zuordenbar. Aber bei einem "natürlich vorkommenden" Risiko wie Insektenstichen, das einer kleinen Gruppe von Insekten, bzw. deren Haltern (bzw. ihrer Versicherung) zuzuschlagen, das halte ich für ein Unding. Wie ein Kollege oben schon geschrieben hat, die meisten können eine Biene von einer Wespe nicht unterscheiden, aber ein Richter entscheidet Monate später, Deine Völker waren in der Nähe, dann reicht mir die Wahrscheinlichkeit dass es eine der Deinen gewesen sein könnte. Somit hast Du zu bezahlen.

    (Wiederum somit Deine Versicherung und somit doch wieder Du)

    Wenn sich das als Rechtsauffassung durchsetzt, dass die Imker für die eventuellen Risiken voll einstehen müssen, muss auch sichergestellt werden, dass die Imker auch für die positiven Folgen Ihrer Arbeit und ihres monetären Engagements entlohnt werden. Dann muss eine Bestäubungsprämie her. Wenn Malus, dann auch Bonus!!!

    Man kann nicht nur immer das was gefällt rauspicken. Dann sind die Imker auch in der finanziellen Verfassung, diese durch neue Rechtssprechung aufkommende Kosten, auch durch neue Einnahmemöglichkeiten zu decken.

    Von wegen den Vorschriften die die Versicherungen evtl. zukünftig den Imkern machen werden.

    Der Gesetzgeber oder die Versicherungen können ja ruhig vorschreiben, dass ein Imker nur noch Bienen aufstellen darf, wenn er sicherstellen kann, dass im Radius von 5 km ausgeschlossen ist, dass sich da Menschen aufhalten und bewegen. Oder einfach gleich die Bienenhaltung verbieten, dann wird auch niemand von ihnen gestochen.

    Ich meine es ist unstrittig, dass wir die Insektenbestäubung brauchen, auch dass es sehr viele verschiedene stechende Insekten gibt. Das sind allgemeine Lebensrisiken, die gehören auch von der Allgemeinheit finanziert (wenn die Allgemeinheit das so möchte). Aber nicht einer kleinen Gruppe von Hobbyisten und einer noch viel kleineren Gruppe von Berufsimkern einfach so aufs Auge zu drücken.

    Logisch, die haben keine Lobby, kein Budget, da ist nicht viel Gegenwehr zu erwarten.

    Also immer druff.


    Grüße

    Peter

    Das meine ich kann so nicht sein, darf nicht allgemein so werden.

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • Leider ist die Tendenz im Rechtsbereich/in der generellen Meinung immer mehr dahingehend, irgendwo einen Schuldigen/Verantwortlichen zu suchen. Immer weniger Leute sind bereit, nach eingetretenen Schäden mal zu sagen "Shit happens" bzw. das als "Schicksal" zu akzeptieren sondern rennen gleich zum Anwalt. Man denke nur an teilweise unsägliche Streitigkeiten bei Parkremplern etc. wo es auch nicht um signifikante Beträge geht und meist noch nicht mal die Funktion eines Autos beeinträchtigt ist. Aber trotzdem will man auf Teufel komm raus die 500 EUR vom Verursacher oder vom Versicherer und geht dafür vor Gericht. Habe mal gehört das in Italien Geologen veruteilt wurden, weil sie ein Erdbeben nicht vorrausgesehen haben (was nach meiner Kenntnis ziemlich schwierig bis unmöglich ist)


    Insofern würde ich mir keine Hoffnung machen, das die Rechtslage Richtung "weniger Haftung" geht.


    Das Thema "Wenn Malus, dann Bonus" passt leider nicht zum System der freien Marktwirtschaft. Dann wären wir faktisch bei Subventionen/staatlich garantierten Preisen. Das gibt es hier nur in ganz wenigen Bereichen. Ob die Imkerei den Stellenwert wie die Landwirtschaft erreichen kann, halte ich für fraglich bzw. würde viel Lobbyarbeit erfordern, die mangels Anzahl Imker/Kapitalstärke eher erfolglos sein dürfte. Das Bewusstsein für die Bedeutung dafür ist noch nicht weit genug verbreitet bzw. die Sorgen der Imker nicht an den entscheidenden Stellen ausreichend präsent das sich dort jemand zum handeln veranlasst sieht.

  • Den Argumenten kann ich nicht folgen. Seitdem ich Bienen halte hat sich das Risiko für meinen Nachbarn natürlich massiv erhöht.

    Im Falle eines Schadens würde ich mich da auch gar nicht rausreden wollen und erst einmal nach Beweisen fragen oder was von allgemeinen Lebensrisiko erzählen.

    Ich nehme Geld für den Honig (auch von ihm) und möchte im Schadensfall das die Sache wenigstens finanziell über eine Haftpflicht geregelt wird.


    Die meisten von uns essen Fleisch. Zählt es deshalb auch zum allgemeinen Lebensrisiko dass ein Rind auf der Straße stehen könnte? Falls ja, sollte dort auch kein Schadensausgleich erfolgen?


    Kinder gehören zum Leben dazu. Wie sieht es da aus, wenn beim Nachbarn eine Scheibe kaputt geht? Allgemeines Lebensrisiko? Schadenersatz?


    Das einzig schwierige bei Bienen ist der Nachweis. Da wird es vermutlich immer Restzweifel geben. Trotzdem möchte ich, daß ein eventueller Schaden bei meinen Nachbarn ausgeglichen wird. Besonders wenn es sich um so schwerwiegende Folgen handelt.

    Eine Haftpflicht wird immer nur dann zahlen wenn auch ein Gericht aufgrund von Wahrscheinlichkeiten urteilen kann.

  • Die Haftpflicht wird immer dann zahlen, wenn man aufgrund gesetzlicher Bestimmungen (oder = Gerichtsurteil) zum Ausgleich eines Schadens verpflichtet ist (und keiner der ganz wenigen Ausschlüsse greift). Die prüft also nicht selber Wahrscheinlichkeiten etc. sondern es gilt automatisch "Deckung folgt Haftung". Deswegen kann man mit der Haftpflichtdeckung so ruhig schlafen, egal was passiert. Und wenn ein Gericht urteilt, das der Geschädigte qua Recht und Gesetz keinen Anspruch gegen dich hat, verteidigt dich die Haftpflicht gegen diese unberechtigten Ansprüche.


    Was in der Tat nicht abgesichert ist, ist wenn man einfach selbst - um Ärger zu vermeiden - Nachbarn etc. Schadenersatz zahlt. Da macht die Haftpflicht nicht mit sondern zahlt nur wenn auch eine gesetzliche Verpflichtung besteht. Das ist bei Bienen aber glaube ich weniger ein Problem als im normalen Alltag: Bei Umzugshelfern (Gefälligkeitsschäden) oder Schäden durch deliktsunfähige Kinder unter 7 Jahren kann es da schonmal eher Stunk mit Nachbarn/Verwandten etc. geben. Da muss man dann entweder selber bezahlen oder auf die Haftpflicht verweisen. Wenn die dann ablehnt/nicht zahlt (ggf. nach Gerichtsprozess), hat man zumindest nach Recht und Gesetz dem Geschädigten gegenüber keinerlei Verpflichtungen (auch wenn das dann vom Geschädigten vielleicht nicht immer akzeptiert wird).

  • Da geht es mir genauso, da kann ich auch nicht ganz Deinen Argumenten folgen.

    Wenn Du meinen Text ganz gelesen hast, dann solltest Du die Stelle auch gesehen haben, an der ich das Risiko als allgemeines sehe und somit auch eine Allgemeine Umlageversicherung regulieren sollte. Ich würde mal schätzen, dass max. 20% der im Umflug befindlichen stechenden Insekten von Imkern bearbeitet werden. Nach diesem Urteil (wenn sich das allgemein so durchsetzt) wird wohl zukünftig trotzdem jeder Insektenstich bei der Imkerversicherung abgeladen. Da ja nur dort die Behausungen sichtbar sind und der Halter versichert ist. Mir sind zumindest keine Wespen und Hornissenhalter bekannt. Der Teil Hummeln der menschlich gehalten wird ist unter Folie, aber die wildlebenden Kollegen sind auch nicht versichert.

    Da finde ich durchaus, dass der Begriff allgemeines Risiko bedingt eine allgemeine Regulierung passender ist als die Anwendung aus diesem Urteil.

    Auch der Vergleich mit dem Rind hinkt. Freilebende Rinder auf unseren Straßen habe ich (zumindest bei uns) noch nicht gesehen. Da ist die Zuordnung Rind / Halter, ziemlich sicher und leicht machbar. Haben doch Kraft Gesetz, alle Rinder Ohrmarken mit der Betriebsnummer drauf.

    Würden sich Rinder wild vermehren und hätten diese auch viele wilde Artverwandte die zum größeren Teil den Straßenverkehr beeinträchtigen, würde ich die Sache genauso sehen, wie ich das bei den Bienen sehe.

    Bei minderjährigen (bzw. strafunmündigen) Kindern, da wirst Du auch tatsächlich in vielen Fällen auf Deinem Schaden sitzen bleiben. Da zahlt die Haftpflicht nämlich nicht, wenn die Eltern angegeben haben, dass sie eigentlich auf Ihre kleinen aufgepasst haben, es leider trotzdem passiert ist, dass sie z.B. mit einem Eisenstück den Lack von Deinem nagelneuen Auto ruiniert haben. Da müssen die Eltern zugeben, dass sie da in der Aufsicht versagt haben, nur dann kommt da was. Wenn dann deine Vollkasko nicht greift, weil vielleicht das Auto nicht mehr ganz neu ist, dann bleibst Du auf diesem Schaden voll sitzen.

    Ist natürlich kein Personenschadenbeispiel, aber das selbe gilt natürlich auch für Personenschäden mit strafunmündigen Kindern.

    Nochmal, mir geht es nicht darum dass ein Geschädigter einfach Pech hat und keine Hilfe bekommt. Aber, per in der Nähe anwesend sein, jeden Insektenstich in der Imkerversicherung abzuladen, das (finde ich) ist sicherlich im größeren Teil der Fälle nicht zutreffend und darum per se abzulehnen.

    Auch die Bienen am Zaun vor Nachbars Kinderschaukel meine ich da nicht. Da ist sehr wohl der Imker und seine Versicherung gefragt. Aber auch das habe ich vorher schon geschrieben.


    Grüße

    Peter

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • black.peterle


    du regst dich ja ganz schön auf ;-)

    Ich verstehe das zwar, aber eigentlich sind das so Fragen, die eigentlich ein Imkerverband (DBIB oder DIB) angehen müsste, der dann auch auch viel eher etwas bewegen könnte.


    Du bzw. ihr seid doch sicherlich beim Berufsimkerbund Mitglied? Womöglich seid ihr auch beim DIB?

    Haut die doch mal da drauf an.


    Gleiches gilt übrigens für die Geschichte mit dem Futterwabenhonig vom Hofer (siehe Nachbarthread), wo zwar der österreichische Erwerbsimkerbund tätig wird, aber soweit mir derzeit bekann noch nicht der deutsche, obwohl es das selbe Produkt auch in Deutschland gibt.


    Ich gewinne schon den Eindruck, dass insgesamt im deutschen Imkerbereich irgendwie nicht so viel zielgerichtete Lobbyarbeit für Bestandsimker stattzufinden scheint. Da erscheinen mir Verbände in anderen Branchen deutlich aktiver.