Varianten von Brutfreiheit im Sommer ohne TBE

  • Matthias, das mit der Oxalsäure welche in die Brut wirkt musst du mir bitte erklären. Das wäre mir neu. Also auch offene Brut ist mir nicht bekannt...

    Moin Thomas, gerne.

    Ich habe nur von offener Brut geschrieben, Oxalsäure wirkt nur im Kontakt.

    Wenn keine verdeckelte Brut da ist, aber ein Teil offener Brut beim Rähmchen einsprühen mit eingenebelt wird, sollte die Effektivität der Behandlung höchstens minimal leiden, weil die Milbe meines Wissens erst kurz vor dem Verdeckeln in die Zellen geht, vorher sind die Brutzellen also (zumindest weitgehend) milbenfrei. Bei den Mellifera's (die zwar nicht meine persönliche Einstellung vertreten, aber doch einiges Interessantes dabei haben) habe ich dazu einen Artikel gefunden, >>hier heißt es<< unter Einsatzmöglichkeiten:


    "Durch Varroa geschädigte Völker neigen dazu, ihre Kraft in ein kontraproduktiv großes Brutnest zu geben, auch im Winter. Falls solch eine Situation im Spätsommer bemerkt wird, ist es empfehlenswert die gesamte verdeckelte Brut zu entfernen und eine Sprühbehandlung zu machen (offene Brut kann belassen werden)."


    Ich habe etwas ausführlicherer zitiert, weil der Aspekt der Varroa-geschädigten Völker im Zusammenhang mit Brutfreiheit im Winter erlangen m.E. noch spannend und zum Thema gehörend ist (auch wenn es hier hauptsächlich um die warme Jahreszeit gehen soll).


    Schöne Grüße - Matthias

    "Wenn du es eilig hast, gehe langsam". Lothar M. Seiwert

  • Ich werde dieses Jahr einen Test machen mit Mini+ im Langstroht Honigraum.

    Auflageschienen für M+ werden einfach in die Langstroht Rähmchen gefräst. So bleibt die Kö im Stock durch Absperrgitter getrennt. Verdeckelte M+ Rähmchen können entnommen und eingeschmolzen werden. Kostet nix. Man hat keinen unnötigen Kram rumliegen. Man muß nur genügend leere ausgebaute M+ Rähmchen haben und ne Oberfräse. 1-2 Honigwaben sollen im Honigraum drin bleiben und der Rest wird durch Mittelwände ersetzt. Wenn man ganz geizig ist kann man auch direkt füttern und den ganzen Honig entnehmen.

    Zur Behandlung kann einfach der Honigraum abgenommen werden. Je nach Bienenmasse ist noch n Kunstschwarm drin und umweiseln kann man auch gleich. Verdeckelte M+ schmelzen.

    Soweit die Theorie mal schauen ich werd’s mit 2 oder 3 Völkern testen.

  • Bienen und schlüpfende Brut benötigen dann eine Blockbehandlung zur sicheren Milbenreduktion.

    Eben nicht :)

    Wenn die Brut im Brutraum ausgelaufen ist, kommt die Königin wieder nach unten, das Apidea wird bienenfrei gemacht und die Brut vernichtet.

    Die Behandlung der jetzt völlig brutfreien Einheit erfolgt dann sofort, ein, zwei Tage später, egal - wie bei der TBE halt.


    Und wirklich viele Varroen werden in dem kleinen Apidea nicht aufgezogen werden, dass das jetzt den riesen Unterschied macht.

  • Mein Pate macht seit ein paar Jahren gemäß Kirchhainer Anleitung Bannwaben in selbst gebauten simplex Taschen.
    Die Original-Völker behandelt er im Sommer sonst gar nicht und die Brutsammler werden im Block mit Milchsäure behandelt. Läuft wohl sehr gut.

  • Diejeinigen Königinnen, die ständig im Scalvini Käfig weiter legen, werden in der Regel auch nicht umgeweiselt.

    :daumen:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Bis heute habe ich meine Käfigwabe mehr als 60mal eingesetzt. Nur einmal fand ich eine Königin tot, sonst hat kein Volk während der Internierungszeit umgeweiselt, alle freigelassenen Königinnen wurden akzeptiert und gingen unmittelbar in Eilage.

    Dunkle Biene Mellifera Schutzgebiet Glarnerland (CH)

    CH Hinterbehandler im Bienenhaus

  • Aueren das Türchen zum Hineingeben der Königin zeigt nach innen und besteht aus einem weißen Kunststoffstreifen bzw. aus Absperrgittermaterial?


    Magst Du noch etwas detaillierter beschreiben, wie das Brutfreimachen bei Dir abläuft?

  • Als Käfigvariante würde ich noch den einfach zu bastelnden Waldemarkäfig ins Spiel bringen. Hierbei handelt es sich um eine rähmchenartige Konstruktion aus einem 10x10mm starken Kanthölzchen, das beidseitig mit dünnem durchsichtigen Plastikabsperrgitter betackert ist. Die Oberseite hat Rähmchenbreite, die Unterseite ist verkürzt, so dass es auch eine Schräge gibt, die dann im spitzen Winkel von 45° auf den Oberträger trifft (die Konstruktion kenne ich im Zandermaß, müsste natürlich ggf.angepasst werden; setze den Käfig aber auch im ZaDant ein). Auf einer Seite ist die obere rechtwinklige Ecke einseitig von Klammern ausgespart, so dass das Absperrgitter zurückgebogen werden und beim Freilassen einfach ein Stückchen Schaumstoff oder Wachs zum Offenhalten reingesteckt werden kann.


    Die Schräge soll dazu dienen, dass sich die Bienen beim Einsatz im Winter dort gut aufketten können. Sitzt die Wintertraube richtig, soll auch der Wintereinsatz gut funktionieren und die Königin, wenn sie Mitte Februar wieder freigelassen wird, richtig gut durchstarten. Die garantierte Brutfreiheit kann bei zweistelligen Temperaturen, die im Dezember inzwischen keine Seltenheit sind, zum Oxalsäuresprühen genutzt werden.


    Ich maße mir nicht an, bewerten zu können, ob das Käfigen ohne Legemöglichkeit die Qualität der Königin beeinträchtigt oder zur Folge hat, dass sie öfter umgeweiselt wird; zumindest wenn sie im Spätsommer bzw. Herbst sowieso getauscht werden soll, ist der Einsatz im Frühsommer m.E. eine Methode, die den Vorteil gegenüber sofort Abdrücken hat, dass die Jungkönigin unproblematisch in ein saniertes Volk eingeweiselt werden kann und dort nochmal zeigen kann, was sie drauf hat.


    Richtig dichte vertikale Absperrgitter stelle ich mir aber auch sehr sinnvoll vor, zumal die dann bebrüteten Waben in einem separaten Brutsammler zusammengefasst werden können.

  • Missverständnis - nicht die Varroen im Apidea stellen das Problem dar, sondern die in der verd. Brut des WV. Du behandelst die ja nach vollständigem Schlupf ein- bis zweimal. Ich mache das 7 * 3 Tge., mind. aber 5 * 4 Tg bis 95 % der Brut geschlüpft ist.


    Da liegt der Unterschied!


    Ich meine, die früh schlüpfenden Milben befallen nochmal die spät verdeckelten Zellen und vermehren sich weiter. Das lässt sich nur mit einem echten Block mindern.


    Die Idee mit der Kö'-Separierung im Apidea ist weniger aufwändig als z.B. in einem zusätzlichen HR über ASG und aus Imkersicht einfacher, darum besser.


    Ich tue mich halt schwer, eine voll im Legezyklus befindliche Kö' über längere Zeit in ein kleines Kompartiment einzusperren. Bei der TBE kann sie ja weiterlegen. Dabei habe ich noch nie eine Königin direkt verloren. Manchmal werden sie nach Aufbau des neuen Brutnests umgeweiselt, was ich als Selektion des Volkes erachte: Sie erkennen früher als der Imkerling wann es Zeit für einen Austausch wird.


    Bei der künstl. geschaffenen Brutfreiheit wird dieser Effekt sicher hin und wieder auftreten, weil Schwächen sichtbar werden, wenn Hochleistung gefordert ist, unabhängig von der Methodik.


    Ich überlege hin und her, wie das Ganze auf das Notwendige limitiert werden kann und bin für jede Anregung dankbar!

  • Ich hab mich jetzt schon länger versucht mit dem Thema Varroabehandlung durch Brutfreiheit via Bannwabentasche vs. TBE auseinanderzusetzen.


    In diesem Fred von vor 5-6 Jahren hatte Ludger detailliert die Vorteile der TBE ggü. der Wabentasche ausgeführt: Varroaentfernung mit der Wabentasche


    Da jetzt das Thema wieder aufploppt und der noch viel kleinere Scalvini-Käfig besprochen wird meine Fragen:

    1. Die Nachteile der Bannwabentasche gelten auch für den Scalvini-Käfig und beide sind in Sachen Ausfall eines ganzen Brutzyklus' weiterhin problematisch, was den Aufbau von Volksstärke im Spätsommer angeht, oder?


    2. Gerade auch unter dem Aspekt, wenn man die Königin behalten und nicht abdrücken will. (v.a. beim Scalvini-Käfig ein Thema)

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • 1. Die Nachteile der Bannwabentasche gelten auch für den Scalvini-Käfig und beide sind in Sachen Ausfall eines ganzen Brutzyklus' weiterhin problematisch, was den Aufbau von Volksstärke im Spätsommer angeht, oder?

    Ich würde dem entgegen halten, dass bei der TBE durch die Entnahme und Neuaufbau des Brutnestes ebenfalls ein ganzer Brutzyklus ausfällt. Beim Auslaufen der Brut kann ein Zyklus noch schlüpfen, und selbst wenn der Milbenbefall höher ist, schlüpfen auch viele nicht befallene Zellen.

    Wenn dann nach 21 Tagen die Königin freigelassen wird, ist gerade erst die letzte Jungbiene geschlüpft, das Wabenwerk ist vorhanden und die Kö kann gleich loslegen.

    Unterm Strich wird sich das vermutlich nicht viel nehmen?

  • Ich meine, die früh schlüpfenden Milben befallen nochmal die spät verdeckelten Zellen und vermehren sich weiter.

    Das ist missverständlich - ich korrigiere: die früh schlüpfenden Milben befallen nochmals die noch offenen Zellen...

    Die Nachteile der Bannwabentasche gelten auch für den Scalvini-Käfig und beide sind in Sachen Ausfall eines ganzen Brutzyklus' weiterhin problematisch, was den Aufbau von Volksstärke im Spätsommer angeht, oder?

    Bei einer vitalen Königin ist die Volksstärke im Spätsommer (August) m.E. kein Thema. Sie wird nach Befreiung aus der "Haft" früher oder später durch das Volk zur vermehrten Eilage "gelenkt" werden (oder der Bien weiselt um). Man verliert ggf. einen Zyklus (3 Wochen). Da wir ja Brutaktivität in den Völkern tw. bis in den November hinein haben, bleibt ja ein Vierteljahr zum Aufbau winterfester Völker.

    Ich glaube, daß schnelle, radikale Methoden wie die Brutentnahme den Vorteil haben, für die Milben völlig überraschend zu kommen, ohne Vorwarnung und ohne Zeit für Gegenreaktionen.

    Diesen Aspekt möchte ich nochmals betonen. Es werden Fakten geschaffen, die evolutionär nicht vorkommen, d.h., der Milb kann darauf nicht reagieren, sich anpassen - z.B. indem er überwiegend auf die Bienen wechselt.

  • 1. Die Nachteile der Bannwabentasche gelten auch für den Scalvini-Käfig und beide sind in Sachen Ausfall eines ganzen Brutzyklus' weiterhin problematisch, was den Aufbau von Volksstärke im Spätsommer angeht, oder?

    Ich würde dem entgegen halten, dass bei der TBE durch die Entnahme und Neuaufbau des Brutnestes ebenfalls ein ganzer Brutzyklus ausfällt. Beim Auslaufen der Brut kann ein Zyklus noch schlüpfen, und selbst wenn der Milbenbefall höher ist, schlüpfen auch viele nicht befallene Zellen.

    Wenn dann nach 21 Tagen die Königin freigelassen wird, ist gerade erst die letzte Jungbiene geschlüpft, das Wabenwerk ist vorhanden und die Kö kann gleich loslegen.

    Unterm Strich wird sich das vermutlich nicht viel nehmen?

    Ich kann da nur Ludgers einleuchtenste Punkte zitieren:


    "Wenn stimmt, was Peter Fluri über den Einfluss der Brutpflege auf die Lebensdauer bei Arbeiterinnen ermittelt hat. (Das sich die Lebensdauer nur verkürzt, wenn sowohl Brut gepflegt wird, als auch junge Bienen schlüpfen - ohne Schlupf von Jungbienen, die Pflegebienen aber trotz Brutpflege eine höhere Lebenserwartung haben) hätte die Brutentnahme gegenüber der Bannwabe den großen Vorteil, dass mit dem Augenblick wo die Brut aus dem Volk entfernt werden, keine jungen Bienen mehr schlüpfen. Die Pflegebienen bleiben also für den neuen Brutsatz im Zustand einer Jungbiene, die Pflege der neu angelegten Brut ist also optimal sichergestellt.


    Bei der Bannwabe würde die ganze Zeit noch weiter Brut gepflegt und auch noch Bienen schlüpfen (Wenn auch weniger). Die Ammenbienen sind also physiologisch älter als bei der Brutentnahme, wenn wieder in großem Maßstab neue Brut angelegt wird."


    "Die nachschlüpfende Brut bei der Bannwabe, verbunden mit der Exponentialkurve der Milbenvermehrung ist gerade das Problem des Verfahrens. Sie ist wegen des drastischen Befallsanstiegs zu dieser Zeit, zu einem recht großen Teil schon durch Varroa geschädigt und kann deshalb das Brutgeschäft nicht richtig übernehmen. (Sonst müssten wir ja nicht behandeln, dies ist sicherlich von Situation zu Situation verschieden, die Tendenz ist aber da)

    Die bestehenden (noch weitgehend gesund zur Welt gekommenen) Ammenbienen altern, können aber nicht genug junge Brut aufziehen um ihren Abgang zu ersetzen. (Königin ist eingesperrt)"


    "Es macht einen Unterschied für die Lebenserwartung der Bienen, ob während der Zeit in der sie Brut pflegen, Jungbienen schlüpfen oder nicht. Beim Bannwabenverfahren würde permanent wenig Brut gepflegt, aber dauernd Jungbienen schlüpfen. Bei der Brutentnahme schlüpft keine alte Brut."


    "Wabentasche - Nachteil, brutfreier Zustand erst nach 3 Wochen, in dieser Zeit wird keine (gesunde) Brut aufgezogen, Teile des Volkes fühlen sich weisellos. (Je nach Trachtverhältnissen muss zum Ausbau der dann gegebenen Mittelwände stark und flüssig gefüttert werden)

    Brutentnahme - Vorteil, brutfreier Zustand sofort (gilt auch für Teilen und Behandeln), Mittelwände werden auch ohne Zufütterung ausgebaut, Brutgeschäft (milbenfrei) geht bereits nach 2-3 Tagen weiter."

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Also siehst du in dem von Bernhard angesprochenen Punkt schon einen Vorteil der TBE, verstehe ich das richtig?

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain