Erschreckender DBIB Brief

  • Super, dann sollen sich Landwirte mit Politikern und Naturschutzverbänden an einen Tisch setzen, und die Zukunft verhandeln. -

    Genau so geht es Vorwärts....Auch ich bin mit meinem Betrieb an einem Vernetzungsprojekt dabei, welches an einem solchen Tisch entstanden ist.

    Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten, läuft es nun recht gut.

    Die Imkerschaft, ist dabei eher nur Nutznieser.


    Lg Sulz.

  • Ja klar, direkt mit der Nase draufstoßen, dass es da unter Umständen einen Interessenkonflikt gibt

    Das kommt darauf an, wie man das angeht. Frei nach Walter Moers:


    "Die Behauptung einiger Umweltverbände, dass Honigbienen schlecht für Wildbienen sind ist falsch"

    schlechter Titel


    "Neue Erkenntnisse über die positiven Auswirkungen der Honigbienenhaltung auf die umgebende Fauna und Flora"

    guter Titel


    Zumindest im Rahmen dieses Beispiels, es geht bestimmt noch besser ;).


    Edit: guten Titel verbessert...:whistling:

    Munterbleiben!


    Erste Gehversuche mit 3 WV und einem Ableger in 12er Dadant mod.

  • Also gehen wir jetzt alle zu unseren Liegenschaftsämtern und legen denen Studien auf den Tisch, die zeigen, dass Honigbienen den Wildbienenbestand fördern?

    Im Grunde eine sehr gute Idee. :thumbup::thumbup:


    Warum nicht gleich mit der Anfrage nach einem Standplatz ein Standard-Info-Paket mit guten Argumenten mitschicken? - Das könnte z.B. ein PDF sein, mit ausgewählten Studien und Pro-Stimmen von Wissenschaftlern, Dipl.-Forstwirten, Biologen, etc. - Im Grunde Lobbyarbeit im eigenen Interesse.

    Könnten wir soetwas nicht hier zusammentragen? Eine DIN A4-Seite, meinetwegen beidseitig, die man direkt mitschicken oder auch auf der eigenen homepage einstellen kann. Fände ich super.

    Das ist jetzt mein neuer Job beim DBIB. Infos sammeln und 'ne Strategie finden. Bitte deswegen auch alle Absagen von Standplätzen, Wanderverbote, etc. an mich. WIR (DBIB und ich) kümmern uns ab jetzt drum. Mal schauen, ob wir da nicht zusammen mit dem DIB ein paar Vorurteile ausräumen können. Mir isses völlig egal ob Ihr Hobby- oder Nebenerwerbsimker seid oder Vollprofi. Stand weg wegen Wildbienenschutz oder weil Imker zuviel NABU Nähe haben. Bitte einfach melden. Ich will mir Mal 'ne Übersicht verschaffen und dann denk ich mir was aus. Zusammen sind wir stark ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • rase Cool!

    Ich fände soetwas, wie von mir skizziert, für die Arbeit an der Basis (habe ich das gerade wirklich geschrieben :/?) echt praktisch, gern auch als Druckvorlage für eine Version in diesem Papier, dass man früher so gern verwendet hat. Kunden habe ich in meiner Aufzählung oben nämlich ganz vergessen.


    PS: herzlichen Glückwunsch zum neuen Ehrenamt ;). Scheint ja immerhin eine positive Wendung zu sein...

    Munterbleiben!


    Erste Gehversuche mit 3 WV und einem Ableger in 12er Dadant mod.

  • Ok.

    Bitte dann aber auch berücksichtigen, dass ich meinen Wanderplatz an 32ha Bioraps wohl deswegen bekomme, weil ich Bioimker bin. Der Landwirt ist überzeugter Öko und legt Wert auf sowas.

    Könnt ihr jetzt selber in diesem Problemfeld verorten...

  • das sind doch mal gute Neuigkeiten! Viel Erfolg 💪

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Was ist eigentlich Euer Problem mit Pflanzenschutz? Ihr macht doch auch selbstverständlich Bienenschutz? Säuren, Dampf, Streifen, Zucht, und wenn's Mal unrund läuft Amitraz hinterher. Über das wie laßt sich trefflich streiten, aber das 'ob' steht doch bei 99% nicht zur Debatte? Das ist in der Landwirtschaft nicht anders. PSM als generelles Feindbild ist eine der größten PR Leistungen der Umweltverbände.

    Sorry, das kann man nicht so stehen lassen. Du wirst doch bei der Verhältnisgleichung aufgepasst haben, nehme ich zumindest an.;)

    Hier aber lässt du jedes Verhältnis außer Acht. Es ist etwas grundsätzlich Anderes wenn der Imker in seinen Bienenstöcken harte Chemie einsetzt! Der konventionelle Landwirt hingegen, wenn er zur Giftspritze greift, schädigt und tötet nicht nur Zielorganismen. Oder hast Du vom ganzen Insekten- und Artensterben noch nichts mitbekommen?! Ist wohl alles nicht so schlimm...

  • Oder hast Du vom ganzen Insekten- und Artensterben noch nichts mitbekommen?! Ist wohl alles nicht so schlimm...

    Du hast auch so Manches nicht mitbekommen :) Böse Pestizide und sonst schöne Welt? Nada. Pestizide sind nur ein untergeordneter Treiber vom Insektenrückgang. Die vielzitierte Krefeld-Studie wurde etwa in NSG durchgeführt und nicht in der Agrarlandschaft.


    Der Pestizid-Einsatz ist auf dem niedrigesten Stand seit (mindestens) 20 Jahren und viele Wirkstoffe sind in den letzten Jahren verboten worden. Die viel gescholtenen Neonics Clothianidin, Imidacloprid und Thiametoxam zB schon 2013 in allen blühenden Kulturen und 2018 generell im Freiland. Dazu gibts viele weitere Beispiele von Wirkstoffen, die ihre Zulassung verloren haben: Mancozeb, Thiram, Dimethoat und bis zu 40 weitere - allein 2019 und 2020. Mit jedem Wirkstoff (Aktivsubstanz, z.B. Alkohol) verschwinden mehrere, teils dutzende Produkte (Verkaufsform die die Substanz enthät, z.B. Bitburger, Krombacher usw).


    Wären Pestizide der Haupttreiber des Artenschwundes und Insektenrückgangs, hätten die Zahlen schon seit Jahren wieder steigen müssen und würden in den kommenden Jahren durch die Decke gehen. Ich würds mir ja wünschen, nur...


    ... vielleicht hat man das auch beim Nabu erkannt und stellt sich nun etwas breiter auf, die Feindbilder betreffend ;) Wobei ich tatsächlich nichts gegen den Nabu habe und ihn und vergleichbare Organisationen für grundsätzlich gut und wichtig halte. Insbesondere mit dem 3 km Radius schießen sie nur leider übers Ziel hinaus. Warum das für uns alle ein echtes Problem werden kann (meine beiden Hauptstände mit zusammen 30+ Völkern wären futsch...) wurde drölf mal angesprochen und drölf+1 mal negiert, daher spar ich diesbezügliche weitere Kommentare.

  • Der Pestizideinsatz bzw. die intensive Landwirtschaft ist vielleicht nicht der einzige Faktor für das Insektensterben, aber sicherlich ein sehr großer und keineswegs nur untergeordnet. Die viel zitierte Krefelder Studie wurde mittlerweile von einer Studie der TU München bestätigt.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Der Pestizideinsatz bzw. die intensive Landwirtschaft ist vielleicht nicht der einzige Faktor für das Insektensterben, aber sicherlich ein sehr großer und keineswegs nur untergeordnet. Die viel zitierte Krefelder Studie wurde mittlerweile von einer Studie der TU München bestätigt.

    Ich habe deren Ergebnisse nicht angezweifelt. Nur darauf hingewiesen, dass sie nicht in Gebieten intensiver Landwirtschaft durchgeführt wurde. Pestizide sind dort eher nicht als maßgeblicher Faktor zu vermuten.

  • wurde etwa in NSG durchgeführt

    unter anderem, nicht ausschließlich

    Der Pestizid-Einsatz ist auf dem niedrigesten Stand seit (mindestens) 20 Jahren

    Das ist lobenswert und es geht in die richige Richtung (wenn es nicht eine Momentaufnahme bleibt) Das dies auf reiner Freiwilligkeit aufgebaut ist, bezweifele ich aber. Ich würde, wie wohl die meisten, den bequemsten der möglichen Wege gehen.


    viele Wirkstoffe sind in den letzten Jahren verboten worden.

    Ob ich eine Maus mit der Schüppe oder mit dem Hammer erschlage ändert am Mäusebestand erstmal garnichts.

    Die Häufigkeit und die Wirksamkeit der Anwendungen sind die entscheidende Größe.

    Wären Pestizide der Haupttreiber des Artenschwundes

    sie sind eine nicht unwesentliche Ursache.


    Es gibt in meinem direkten Umfeld einen deutlich zu beobachtenden zeitlichen Zusamenhang zwischen dem Verbot der Neonicotinoide und der Erholung vieler Insekten- und Vogelbestände. Ob es einen ursächlichen Zusammenhang gibt, vermag ich nicht zu beurteilen.


    Warum das für uns alle ein echtes Problem werden kann (meine beiden Hauptstände mit zusammen 30+ Völkern wären futsch...) wurde drölf mal angesprochen und drölf+1 mal negiert

    Das ist doch garnicht wahr. Wo hat jemand angezweifelt, das diese Forderung nach den Honigbienen freien Zonen ein Problem für die Imker darstellt? Für meine Person ist sogar das Gegenteil der Fall. Ich habe bereits geschrieben, dass dies eine von der Imkerschaft zu bekämpfende Forderung ist.

    Es wurde lediglich angezweifelt, dass der (Vorstand des) DBIB diese Forderung unterstützt oder komentarlos duldet.

  • Tut mir leid, fällt unter vorauseilenden Gehorsam für mich. Nur weil einer Feuer schreit, heisst dass noch lange nicht, dass der ganze Baum brennt, sonst wären hier bestimmt anstatt Mutmassungen, mehr tatsächliche Fälle aufgezeigt worden.

    ichundmeinholz hat es schon geschrieben, man sollte schon aufpassen das man in dem Fall nicht tatsächlich ungewollt dazu beiträgt, dass die Sache in der öffentlichen Wahrnehmung zu Ungunsten der Imkerschaft kippt.

  • Der Pestizideinsatz bzw. die intensive Landwirtschaft ist vielleicht nicht der einzige Faktor für das Insektensterben, aber sicherlich ein sehr großer und keineswegs nur untergeordnet. Die viel zitierte Krefelder Studie wurde mittlerweile von einer Studie der TU München bestätigt.

    Ich habe deren Ergebnisse nicht angezweifelt. Nur darauf hingewiesen, dass sie nicht in Gebieten intensiver Landwirtschaft durchgeführt wurde. Pestizide sind dort eher nicht als maßgeblicher Faktor zu vermuten.

    Die Studie der TU hat aber in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft geforscht. Es wurde festgestellt, dass Grünland besonders vom Insekten-Rückgang betroffen war, wenn es vor allem von Ackerflächen umgeben war.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Es wurde lediglich angezweifelt, dass der (Vorstand des) DBIB diese Forderung unterstützt oder komentarlos duldet.

    Das nicht. Der Vorstand läuft aber Gefahr, sich ungewollt vor den Karren spannen zu lassen.


    Der Ablauf, wie ich ihn mir vorstellen könnte (muss nicht zwingend so sein, vielleicht denke ich auch nur zu schlecht von der Welt):



    Schritt 1: Irgendwer beim Nabu stellt die Theorie auf, dass die Honigbiene ein Nahrungskonkurrent der Wildbienen ist und deswegen ein Schutzkreis um Naturschutzgebiete nötig ist. Die Theorie verbreitet sich fröhlich innerhalb des Nabu und wird irgendwann Konsens.


    Schritt 2: Durchsetzung. Einfach zur Klöckner zu marschieren wird nicht klappen. Der Fall landet irgendwo bei einem untergeordneten Beamten, dem fehlt die Expertise. Geht also zum DBIB oder DIB, holt sich Rat, die klären ihn auf, er schmettert das Anliegen ab.

    Also muss der Nabu irgendwie die Imker ins Boot holen. Die Imkerverbände sind ja nun aber nicht mit dem Klammerbeutel gepudert und sägen sich den Ast ab, auf dem sie sitzen, also geht man etwas subtiler vor.


    Schritt 3: Der Nabu startet ein Anliegen, welches der DBIB/DIB guten Gewissens unterstützen kann, also Artenschutz/Einschränkung von Pestiziden/was auch immer.

    Nun taucht man schon mal in einer gemeinsamen Liste auf.


    Schritt 4: Presseerklärung: "NABU und DBIB unterstützen gemeinsam Volksbegehren!"


    Schritt 5: Pressearbeit zum Thema Schutzradius um Naturschutzgebiete. "Zum Schutze der Wildbienen setzt sich der NABU für einen Schutzradius ein. In der Vergangenheit hat der NABU bei Anliegen zum Insektenschutz schon hervorragend mit den Fachleuten vom DBIB zusammengearbeitet."



    Und so entsteht dann landläufig beim Ottonormalbürger der Eindruck, NABU und DBIB arbeiten zusammen und vertreten eine ähnliche Agenda. Das stimmt zwar in vielen Punkten, dass aber bei einigen Punkten eine komplett gegenteilige Meinung herrscht, fällt unter den Tisch. Wenn´s dann zum Volksbegehren kommt, sind NABU und Imker in den Köpfen vieler doch eigentlich das Gleiche, also muss die Forderung gut sein. Geht ja um die armen Bienen.


    Wie gesagt, vielleicht sind meine Gedanken auch schon zu schlecht für diese Welt und alle wollen nur das Beste.

    Aber wenn ich so eine Forderung durchsetzen wollte, würde ich so vorgehen, und ich bin warscheinlich noch nicht der schlechteste Mensch der Welt.