Erschreckender DBIB Brief

  • Ich meinte damit, dass aus einer Wallhecke heraus die umliegende Fläche kein Schutzgebiet wird. Das strahlt nicht ab.


    Das Gleichnis mit der Wohnung hinkt. Die Bauern bekommen viel Geld für viele Maßnahmen, aber im Gegensatz zu anderen Dingen hat die Wallhecke einen direkten, erheblichen Nutzen für sie. Warum soll man sie noch zusätzlich dafür belohnen? Wenn mein Boden besser vor Erosion geschützt wird und Schädlinge dadurch eingedämmt werden können ist das mittelfristig mehr Wert als die verlorene Fläche. Das ist ein perspektivisches Handeln. Manchen fällt das vielleicht schwer in Generationen zu denken bzw. sich einzuschränken, an das man sich gewöhnt hat, weil man die Probleme kurzfristig aufdüngen oder wegspritzen kann.


    Ich komme aus der ökologischen Landwirtschaftsschiene. Da gehört Verzicht zu einem gewissen Grad dazu, damit man an anderer Stelle Nutzen daraus zieht oder so. Ich habe etwas gegen „das haben wir schon immer so gemacht“ und den Unwillen, nachhaltiger zu arbeiten - bei Tieren und Pflanzen. Nachhaltiger Handeln ist im Sinne der Natur, gerade in der Landwirtschaft.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Natürlich wäre es in den nördlichen Breiten Deutschlands, überall dort wo viele Windräder anzeigen, daß es dort oft windet von großem Vorteil sowohl für die Landwirte alsauch für die Imker, wenn man eine Art Bocagelandschaft hinbekäme wie z.B. in der Normandie und der Bretagne. Der viele Wind hier in Sachsen-Anhalt macht die zunehmende Trockerheit und Hitze noch schlimmer.

    Aber, dies zu tun liegt zwar nahe, ist aber nicht immer einfach. Wenn es einfach wäre, würden es Alle machen. In meiner unmittelbaren Nähe besteht das Problem einerseits darin, daß es schwer ist Mitarbeiter für den Landbau zu finden, also investiert man in immer größere Maschinen und hofft so, ohne Nachwuchs und mit immer weniger Mitarbeitern, möglichst viel zu erzeugen.

    Dazu kommt, daß so eine Agrargenossenschaft keine eigenen Felder hat, sondern lange schmale Ackerstücke, die im Prinzip Privatbesitz sind, zu pachten und zu bearbeiten. Er ist sehr schwer, da einem Besitzer klar zu machen, daß er, weil sein Ackerstreifen jetzt Buschwerk ist, keine Pacht mehr einbringt. Liegen die Ackerstreifen um 90 Grad quer, müßte man sich mit 30 unterschiedlichen Besitzern einigen.

    Jedenfalls sind das zwei Argumente, die ich erzählt bekommen habe. Man weiß, daß es besser wäre, versucht es auch, aber es geht einfach nicht oder nur selten.

    Ach, wenn Alles doch so einfach wäre.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang, der sich gerne nochmal Ralf angesehen hätte, wie er sich windet und dreht um ja nicht böses zu sagen über diverse Vorturner in der Imkerei aber trotzdem rumgebracht hat, was er von ihnen hält. Aber es gibt ja überall Menschen, mit denen man nicht auf einer einsamen Insel stranden will.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hagakure , wenn du aus der ökologischen Landwirtschaft kommst, dann wirst du ja wissen, daß die staatlichen Ausgleichszahlungen dort höher sind als für die konventionelle Landwirtschaft, den Steuerzahler also mehr kosten. Warum sollte man also nicht auch den konventionellen Landwirt höher fördern für Maßnahmen, die zu mehr Artenvielfalt führen ? Der Natur ist es egal, ob ein Lebensraum von einem konventionellen oder ökologisch wirtschaftenden Betrieb geschaffen wurde.

    Bei jeder Maßnahme entscheidet der Betriebsleiter, was ihn diese Maßnahme kostet und was sie ihm unterm Strich bringt. Fällt das Ergebnis negativ aus, dann läßt er es meist bleiben.

    Z.b. können gegen Erosion auch Zwischenfrüchte helfen.

    Landwirte machen ihre Arbeit auch nicht aus Jux und Dollerei, sondern um ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen und auch ihre Höfe zu erhalten. Die unterliegen wirtschaftlichen Zwängen und komm mir jetzt nicht mit diesem Argument der großen Trecker. Die Maschinen sind ein Betriebsmittel um die Arbeit möglichst effektiv zu erledigen, damit nach der Ernte auch was übrig bleibt. Und es gibt sicher auch den ein oder anderen Landwirt, der sich auf lange Frist mit einem zu üppigen Fuhrpark übernommen hat.

    Ich habe schon zig Ideen gehabt, den eigenen Betrieb nach über 60 Jahren Pause wieder zu aktivieren. Alle diese Ideen sind schon nach einer groben Kostenkalkulation verpufft, trotz der Ausgleichszahlungen, die ich bekommen würde. Landwirtschaft, sowohl konventionell wie auch öko, ist wie übrigens auch die Imkerei eine ganz enge Kiste, wenn man davon leben muß.

    Das Gros der Landwirte denkt in Generationen, die wünschen sich, daß die nachfolgende Generation weitermacht. Aber viele potentielle Hofnachfolger wollen sich nicht mehr abrackern immer mit dem Risiko, nach der nächsten Gesetzesänderung hinten runter zu fallen. Es gibt immer weniger Verlässlichkeit in der Landwirtschaftspolitik.

    Dass im Westen Niedersachsen in der Vergangenheit viele Fehler gemacht wurden, was die hohe Zahl an Ställen anbelangt, ist unbestritten. Denen kann man aber nicht plötzlich holterdiepolter die Existenz zerstören. Du wolltest sicher auch nicht, daß man dir wirtschaftlich den Teppich unter dem Boden wegzieht.

    Bei den Milchviehbetrieben gibt es immer mehr Betriebe, die auf die Bio-Schiene wechseln möchten, aber die Molkereien haben teilweise Aufnahmestopp, weil der Markt nicht mehr Bio-Milchprodukte aufnehmen kann. Das würde sich nur ändern, wenn man dem Kunden die Bio-Produkte günstiger anbieten würde, was aber wiederum auf der Erzeugerseite zu einem Preisverfall führen würde. Es werden jetzt schon immer mehr Bio-Produkte über Discounter zu günstigen Preisen in den Markt gebracht.

    Langfristig wird auch für die Bio-Betriebe die Luft dünner werden. Ich denke, wer sich eine florierende Direktvermarktung aufgebaut hat, hat da noch die besten Perspektiven. Aber das können nicht alle Betriebe.

  • Es ist erschreckend, wie emotional und unversöhnlich hier gestritten wird - und damit meine ich sowohl zwischenmenschlich und zwischen Mensch und Natur.

    Ich finde die Positionen von NaBu und Wildtierstiftung sehr vernünftig und diplomatisch.

  • Ein schwerwiegendes Problem die Agrarlandschaft insektenfreundlicher umzugestalten sind die Eigentumsverhältnisse. Auch ein großer landwirtschaftlicher Betrieb ist regelmäßig nicht Eigenrümer aller von ihm bewirtschafteten Flächen. Sie gehören oft der Kirche, Separationsinteressenten, Erbengemeinschaften u.a.. Flächen dauerhaft umzuwandeln geht nur im Rahmen öffentlicher Umlegungsverfahren. Diese sind aufwendig und bedürfen eines begründeten öffentlichen Interesses. Aber ohne diese Maßnahmen wird das Inswktensterben fortschreiten. Da hilft auch kein Wanderverbot für Imker in NSG. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ich für dringend geboten halte. Fraglich ist, ob dies gegen die Lobbyisten jemals durchsetzbar ist, VG Jörg

  • Warum die Gesellschaft einem Betrieb mehr Geld gibt, der den Boden nicht mit Nitrat voll haut, der den Tieren mehr Lebensqualität zuspricht und wenig bis gar keine Pflanzenschutzmittel einsetzt, erklärt sich meiner Meinung nach von selbst. Stichwort: Externalisierte Kosten. Warum fordern viele, dass die Subventionen nicht mehr nach Fläche verteilt werden sollten?


    Ich mag das Klagelied der Landwirte nicht mehr hören. Im Vergleich zu anderen Teilen der Gesellschaft besitzen sie relativ viel Kapital, auch wenn es gebunden ist. Bis in die 90er hinein mussten sie sich keine Gedanken um Absatzmärkte machen, weil ihnen quasi alles zu Festpreisen abgenommen wurde. Dank ihrer Lobby, schlechten Beratern und ihrer eigenen Handlungen sind sie überhaupt in die Situation gekommen, wo sie jetzt sind - das Gesetzesvorhaben, die seit Jahren/Jahrzehnten von der EU gefordert werden, Schlag auf Schlag umgesetzt werden müssen, und viele nicht darauf vorbereitet sind. Statt sowas zu verhindern hätte der DBV gewisse Dinge mit beratender Hand Stück für Stück zulassen können.


    Genauso hat es der DBV versäumt den Milchbauern zu helfen, die sich die letzten Jahrzehnte gegen den fallenden Milchpreis gewehrt haben, indem sie immer größer wurden - also noch mehr Angebot in den Markt gepumpt haben. :rolleyes:


    Statt geschlossen gegen die Macht der Molkereien und des Lebensmitteleinzelhandels zu agieren oder mal dem eigenen Lobbyverein in den A zu treten verballert man lieber Diesel und Betriebsstunden und zieht in die Städte ein, wo man auf wenig Anteilnahme trifft.


    Man beschuldigt die Gesellschaft für Entwicklungen, die man sich selbst und dank der "Familie" eingebrockt hat. Und am ehesten beschweren sich dann noch die, die nach der Wende vergleichsweise günstig riesige Flächen z.T. besten Ackerbodens im Osten erwerben konnten?! Ab einem gewissen Punkt fehlt mir das Verständnis.


    Um den Bogen zu kriegen: Es ist natürlich löblich, wenn die Berufsimker ihrem Lobbyverband auf die Hände schauen. Die Art und Weise kann man aber diskutieren. Ich denke auch, dass es besser wäre in den Gremien mitzusitzen, statt draußen die Tür zu blockieren. Persönlich sehe ich in der Wanderimkerei und den Honigbienen keine Gefährdung für die Natur. Wie schon von anderen festgestellt wäre es wichtig, dass Trachtangebot zu vergrößern, z.B. durch Hecken, Grünstreifen, Zwischenfrüchte etc.pp.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Ich finde die Positionen von NaBu und Wildtierstiftung sehr vernünftig und diplomatisch.

    Netter Versuch. - SEHR vernünftig.:rolleyes: - Schau mal hier.

    Zitat

    Die Honigbiene ist eine vollständig domestizierte Art mit mehrjähriger sozialer Lebensweise (Bienenstock).

    ...

    Die Honigbiene ist ein „Haustier“ und damit keine bedrohte und damit schützenswerte Art.

    Und weiter...

    Zitat

    Die Deutsche Wildtier Stiftung hat sich dem Schutz wildlebender Tiere verpflichtet und stellt das Wohl von Wildbienen an erster Stelle.


    Wie wäre es damit, wenn die Deutsche Wildtier Stiftung sich darauf besinnen würde, dass auch die "Wilde Honigbiene" schützenswert ist, und deren Überleben im wesentlichen nur dadurch gesichert ist, dass Menschen ihr Nisthilfen (Beuten) zur Verfügung stellen.

  • @Hagakure, wie ich schon vermutet hatte, bist du recht voreingenommen, wenn es um die (konventionelle) Landwirtschaft geht. Ich denke, da ist dann leider kein Dialog möglich.


    Ich habe in der Vergangenheit übrigens festgestellt, daß eher die ältere Generation der Landwirte diejenige ist, die den notwendigen Änderungen aufgeschlossen gegenüber steht.

    Mein Vater als gelernter Landwirt mit anschließendem Studium der Landwirtschaft inklusive Promotion kam am Ende seines Lebens ins Zweifeln, ob die Landwirtschaft der letzten Jahrzehnten nicht in die falsche Richtung gelaufen sein könnte.

    Mit einem anderen älteren Landwirt hatte ich mich vor einiger Zeit ausgetauscht, der jetzt kurz vorm Ende seines eigenen Wirtschaftens mit großem Interesse andere Bearbeitungsweisen ausprobiert, wohlgemerkt als konventioneller Landwirt. Er hätte es sich auch gerne gewünscht, daß sein Sohn in der Lehre ein Jahr auf einem Bio-Betrieb absolviert, alleine um den Horizont zu erweitern, aber der Vize wollte nicht.

    Weiterhin kommt mir immer wieder zu Ohren, daß die Ausbildung der Landwirte in der Berufsschule scheinbar zu wenig in die Öko-Schiene guckt. Ich denke, da wäre z.b. dringender Bedarf an Verbesserung. Wenn ich von jungen Landwirten so Sätze lese wie "dann nehme ich xy noch mit", wenn es um den Einsatz von PSM geht, dann kommt mir auch die Galle hoch. Da kann man nur zu dem Schluß kommen, daß der PSM-Einsatz bei diesen Leuten viel zu hoch ist. Da muß man dringend ansetzen, z.B. über einen Anreiz, soweit es irgendwie geht, auf PSM zu verzichten.

    Ich hab schon Bilder gesehen von z.B. einem Acker mit Hafer, der in meinen Augen tip-top da stand und der Landwirt schrieb voller Stolz: "und ich habe nicht eine Pflanzenschutzmaßnahme machen müssen".

    Da muß man hin kommen.

  • Hab mir beim durchlesen hier gedacht das der folgende Link:

    was für Euch wäre. Der komplette Film ist sehr interessant und speziell ab 1:08:20 sehr passend zum Thema.

    Wenn Du kleine Änderungen vornehmen willst, dann ändere die Art und Weise, wie Du die Dinge ausführst.

    Wenn Du große Änderungen vornehmen willst, dann ändere die Art und Weise, wie Du die Dinge beurteilst.

  • ... und speziell ab 1:08:20 sehr passend zum Thema.

    Wenn für Naturschutzverbände Wildnis das Ziel ist, dann ist es im wesentlichen die Abwesenheit von Menschen. - Menschen werden nur vorab gebraucht für die Finanzierung und die schrittweise Umsetzung, und später um andere Menschen daran zu hindern die Wildnis zu betreten.


    Bei den Honigbienen geht es mit Sicherheit nicht darum Bienenschwärme am Zuflug in Naturschutzgebiete zu hintern, diese auszusiedeln, oder gar zu vernichten. - Es geht generell darum den Einfluss des Menschen zu reduzieren, unabhäng ob Siedler, Landwirt, Forstwirt, Imker, Jäger, Pilzsucher, Geocasher, Mountainbiker, oder Wanderer.


    Insofern ist jedes beliebige Argument recht. - Und wenn es widerlegt ist, wird schnell ein neues ausgedacht. - Das Ziel bleibt das gleiche. Ideologie ist wie Religion.


    Religiöse Menschen mit Missionierungsdrang empfinde ich als unangenehm. Und Ideologien ebenso.