Varroa, TBE und mein amtliches Endergebnis 2020

  • Ich will daraus jetzt auch keine Wissenschaft machen, aber man will doch auch wissen, mit wieviel Milben die Völker in etwa ins neue Jahr gehen und will eben auch keine unnötige Winterbehandlung durchführen.

    Die Gratwanderung ist m. E. schon eher die "Kür"; denn ob noch 10 oder 25 Restmilben drin sind, halte ich für eher nachrangig. Ich weiß nicht, wieviele davon vermehrungsfähig das FJ erreichen; da fallen noch einige ab. Und natürlich spielt die Bienenmenge eine wichtige Rolle. Aus starken Einheiten fällt i.d.R. mehr.


    Wenn da aber weniger fällt...;):thumbup:

  • Rechne ich bei 1 Milbe im November mit 200 oder 500 Milben

    Ich glaube, im November wird beim natürlichen Milbenfall mit dem Faktor 500 gerechnet.


    Im Juli, August, September gelten andere Faktoren.

    Habe nochmal gegraben....

    Danke fürs Graben!


    Und dann variiert der Faktor noch je nach Messmethode: 10 Milben mit Alkohol ausgewaschen im Juli bedeuten nicht dasselbe wie 10 Milben auf die Windel gefallen im Juli. Eine Tabelle wäre da sehr hilfreich, wo die drei bis vier Diagnosemethoden z.B. in Zeile 1-4 aufgeführt sind und in Spalte 1-4 die Monate Juli bis Oktober, dann einfach die Milbenzahl-Grenzwerte eingetragen, fertig. So eine naheliegende Tabelle müsste es eigentlich irgendwo geben.


    >>Hier<< ist eine Tabelle zur Uni Hohenheim mit den Werten für die Puderzuckermethode in den Monaten Juli, August und September, wobei das eigentlich auch völlig ausreichen sollte als Einschätzung, ob/wie eine Winterbehandlung durchgeführt wird.


    Ich hatte noch vergessen zu schreiben, dass in vielen Beuten die Windel bauartbedingt nicht den ganzen Boden bedeckt, so dass einige Milben oft innen am Rand liegenbleiben, was beim Faktor 500 im November schon sehr bedenklich ist, wenn mal eben drei Milben danebenfallen.


    In diesem Jahr machen wir uns ebenfalls mal die Arbeit der Diagnose im Juli, bisher haben wir immer die "Pauschalbehandlung" für alle gleich gemacht.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Moin,

    hab den Faden gerade mal komplett gelesen.

    Mein Fazit zum letzten Jahr:

    TBE mit Fangwabe und anschließender Ox-Behandlung nach der Tracht (war glaube ich Mitte Juli)

    Ich hab aber mit Ox bewußt wegen der Fangwabe und Brutfreiheit nur 1x behandelt.

    Im November hatte ich 2 Völker, die vom Milbenfall her >10 waren. Die hab ich nochmals im Block 5x alle 3 Tage mit Ox-Staub behandelt.

    Diese beiden Völker standen zur Winterbehandlung mit 0 Milben über 20 Tage mit Abstand am besten da. Die Winterbehandlung hätte ich mir da wahrscheinlich klemmen können. Wahrscheinlich einen guten Zeitpunkt abgepaßt.

    6 weitere Völker haben einen Milbenfall, der ok ist, aber nur ok. Bei einem weiteren muss ich sehen, wie das in das Frühjahr kommt. Da sind bei der Winterbehandlung >250 Milben gefallen und es fallen leider immer noch wieder einige Milben.

    Ich hatte bisher immer das Bestreben, im Winter mit dem Milbenfall unter 1/Tag zu kommen. Das schaffe ich dieses Jahr leider nicht bei allen, liegen eher um 1, wobei die zwei vorher behandelten bei nahe 0 liegen und das eine, auffällige deutlich drüber (müßte mal nachschauen, wo das genau liegt).

    Meine Beobachtungen decken sind im großen und ganzen mit den euren und für dieses Jahr werde ich bei TBE auf alle Fälle noch mal einen Block vor der Winterbehandlung machen.

    Ansonsten hat mir bei meinen 6-9 Völkern die TBE grundsätzlich ganz gut gefallen, aber dieses Jahr werde ich wahrscheinlich nicht ganz so dick füttern wie letztes Jahr (2x 9kg Sirup plus auffüttern in 2020).

    Konnte letzte Woche sehen, dass alle noch da sind, denn wir hatten letzte Woche Dienstag einen richtig tollen Tag mit viel Sonnenschein, da sind alle Völker geflogen (bis auf das eine, das war etwas verhaltener).

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Andreas, hast Du denn zwischen TBE und November nichts mehr gemacht / gemessen? rall0r hatte den Faden ja begonnen, weil er bereits im Spätsommer auffällige Zahlen hatte und das trotz TBE.

    Und so ging es mir auch ( und vielen anderen sicher auch, die zu dem Zeitpunkt nochmal messen).

    Die 7 Völker , die keine WB brauchten bei mir, hatten bis auf ein Volk im Spätsommer nochmal einen Block gebraucht ( ca 5 x alle 3 Tage).

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Ich hatte bisher immer das Bestreben, im Winter mit dem Milbenfall unter 1/Tag zu kommen. Das schaffe ich dieses Jahr leider nicht bei allen, liegen eher um 1, wobei die zwei vorher behandelten bei nahe 0 liegen und das eine, auffällige deutlich drüber (müßte mal nachschauen, wo das genau liegt

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Belastung einfach über die Jahre langsam aufbaut. Dass zwar bei den Behandlungen und/oder TBEs usw. immer vielleicht 95% der Milben erwischt wurden, dass die 100% Menge inzwischen jedoch so hoch war, dass die 1/Tag Grenze erreicht wurde. Das ist möglicherweise auch beim Ausgangsbeitrag passiert, so dass alle 2 - 3 Jahre oder so tatsächlich immer mal wieder doch z.B. eine zusätzliche Behandlung erfolgen muss (s. das Beispiel, in dem 2x hintereinander OX gesprüht wurde, um so auf 99,75% Erfolg zu kommen).


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Belastung einfach über die Jahre langsam aufbaut. Dass zwar bei den Behandlungen und/oder TBEs usw. immer vielleicht 95% der Milben ...

    Das mag für unbehandelte Völker stimmen, nicht aber für regelmäßig behandelte. Da kommen viele Einflussgrößen zusammen (Behandlungsintensität und damit -Erfolg, Volkszustand und -Genetik, Milbenzustand und -Genetik usw.). Ich nenne eine richtig durchgeführte Winterbehandlung bei Brutfreiheit immer "reset". Damit ist jedes Jahr immer wieder neu anders.

  • Ich nenne eine richtig durchgeführte Winterbehandlung bei Brutfreiheit immer "reset". Damit ist jedes Jahr immer wieder neu anders.

    Dein Wort in Gottes Ohr :-) - ich hoffe aber genauso.


    Was ich für mich aus diesem Diskussionsfaden herausgezogen habe, ist nochmals die Wichtigkeit regelmäßiger Kontrollen mindestens ab spätestens Anfang/Mitte Juli bis September/Oktober mit einem guten (!) Verfahren und die Wichtigkeit einer (idealerweise bedarfsgerechten) konsequent zu erfolgenden Spätsommerbehandlung sowie Restentmilbung im Dezember.


    Dabei bringt mir eine Gemülldiagnose nichts, aus genannten methodischen Gründen, dazu kommt noch, dass einige meiner Böden gar kein Schubfach haben und ich darum unabhängig davon sowieso dieses Jahr ein anderes Diagnoseverfahren anwenden muss.

    Dass so viele hier überrascht wurden, liegt in meinen Augen auch daran, dass die Voraussetzungen für eine wirklich gute Gemülldiagnose in vielen Kisten allein schon aus baulichen Gründen nicht gegeben sind und diese Diagnose daher fehlerhaft war und zu einer falschen Einschätzung über den wahren Befallsgrad geführt hat. Es klingt einfacher als es in Wahrheit ist.


    Besonders gespannt bin ich auf die Wirkungen der TBE, auch wenn meine Erwartungen daran jetzt etwas gedämpfter sind als vor der Lektüre dieses Threads. Durchgeführt wird sie auf jeden Fall dennoch dieses Jahr, nicht nur wegen Varroa, sondern auch weil wir die Betriebsweise auf ein anderes Rähmchenmaß wechseln.


    Danke auch rall0r et. al. für das Teilen der Erfahrungen und die vielen weiteren Beiträge, was für die Erstellung eines eigenen guten Varroamanagement-Konzepts sehr wertvoll ist.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Moin,

    also ich hab ja die TBE nach rases Vorgaben gemacht und wollte da so wenig wie möglich von abweichen, um nicht zu viele Komponenten gleich beim ersten Mal zu vertauschen.

    Ein wenig unglücklich war zusätzlich die Trockenheit, die wir zu der Zeit hatten. Eigentlich sind alle Völker nochmals nahezu komplett aus der Brut gegangen. Wäre natürlich noch mal ein toller Zeitpunkt zum Behandeln gewesen.

    Ich hab Ende August über die nochmals Windel kontrolliert, da sind 0-2 Milben pro Tag gefallen. Das fand ich jetzt nicht schlimm, zumal da wieder Brutflächen vorhanden waren und es eh keine klare Aussage geben konnte.

    Mitte Oktober hab ich über die Windel kontrolliert und es sind 1-4 Milben pro Tag gefallen. Vielleicht hätte ich da schon reagieren sollen, fand die Milbensituation aber immer noch nicht soo schlimm.

    Mitte November, als die Brut langsam runter gefahren wurde, sind 0-1 Milbe in 24h gefallen, wo ich immer noch überzeugt war, dass die Behandlung bei zumindest 7 Völkern gut gewirkt haben muss. 2 Völker, wie schon geschrieben, waren mit 7 und 18 Milben in 24h auffällig, die haben dann einen Block bekommen. In dem Block sind dann ca. 400 bzw. 800 Milben insgesamt gefallen.

    Diese beiden Völker stehen vom Milbenfall jetzt am besten da: 0 bzw. 1 Milbe in 20 Tagen! Eventuell brüten sie wie verrückt gegen die Varroa an, glaub ich jetzt aber nicht so wirklich, sonst wären bei der Winterbehandlung nochmals viele Milben gefallen.

    Der Rest wie beschrieben um 1 Milbe pro Tag. Bei einem fallen leider auch mal 3 oder 5 am Tag, das ist aber auch das einzige Volk, bei dem zur Winterbehandlung nochmals ordentlich was gefallen ist (insgesamt etwa 600 Milben über mehrere Tage). Das würde ich jetzt auch als eher schwach bezeichnen, der Rest steht gut da. Gezählt wird im März/April...

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Ohne jetzt noch einmal nach den Quellen graben zu wollen: In den Wintermonaten wird eine tägliche Milbentotenfallrate von 0,5% angenommen. Das bedeutet, dass auf 1 gefallene Milbe 200 Stockmilben kommen.

    Weiterhin wird angegeben (jetzt wieder ohne Nennung der Quelle), dass der Milbenfall im Dezember ca. 0,5 Milben/Tag betragen soll. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bei mir Völker mit 2 Milben pro Tag im Juni des Folgejahres an der Varroa zusammengebrochen sind.

    0,5 Milben/Tag bedeutet bei einer Sterberate von 0,5%, dass 100 Restmilben im Stock sind. Die Empfehlung von maximal 0,5 Milben/Tag setzt Schnitt von Drohnenbrut voraus, der wiederum über die Saison angeblich zu einer Reduzierung des Milbenbefalls um den Faktor 2 führen soll. Wer keine Drohnenbrut schneidet, sollte daher mit einem Grenzwert von 0,25 Milben/Tag rechnen, entsprechend einer Restmilbenzahl von 50.

    Ich selbst mache mir die Sache mittlerweile einfach: Ich behandle die Völker in Spätherbst/Winter 2mal und zähle gefallene Milben nur beim zweiten Mal. Das ist eine gute Arbeitsersparnis, da dann nicht mehr so viele Milben zu zählen sind.

    Bei der Auszählung der Milben nach 2-3 Wochen bewerte ich den Brutstatus mit; ich unterscheide

    • viel Brut = dichter Belag mit Brutdeckeln --> Wirksamkeit 50%
    • wenig Brut = leichter Belag mit Brutdeckeln --> Wirksamkeit 70%
    • keine Brut = fehlende Brutdeckel --> Wirksamkeit 90%

    Die angegebenen Wirksamkeitszahlen sind grobe Schätzwerte, die auf der Auszählungen mehrerer Jahre und der Anwendung meiner Formeln beruhen.

    Wenn man nun eine Restmilbenzahl von 50 anstrebt, folgt aus den Unterscheidungen nach Brutstatus für maximal erlaubte Milbenfallzahlen nach der Behandlung

    • viel Brut --> 50% --> maximal 50 gefallene Milben
    • wenig Brut --> 70% --> maximal 117 gefallene Milben
    • keine Brut --> 90% --> maximal 450 gefallene Milben.

    Nur zur Info: Die Formel hierfür ist Zmax = P x 50 / (1-P), wobei Zmax die maximal erlaubte Milbenfallzahl und P die Prozentzahl der Wirksamkeit der Behandlung ist.

    Mit einiger Erfahrung kann man auch interpolierend abschätzen, z.B. bei sehr wenig Brut 80% Wirksamkeit annehmen und obige Formel zur Abschätzung der maximal erlaubten Milbenfallzahl verwenden.


    Gruß Ralph

  • Hier noch einmal zur Verdeutlichung meines Posts:

    https://drive.google.com/file/…EqwiqcE_/view?usp=sharing

    Sehr wenig Brut, P=80% --> Zmax = 200, gezählt 17 Varroen --> fertig

    https://drive.google.com/file/…iYTgPmO1/view?usp=sharing

    Viel Brut, P=50% --> Zmax = 50, gezählt > 100 Varroen --> Behandlung erforderlich

    https://drive.google.com/file/…suA5GMCN/view?usp=sharing

    Wenig Brut, P=70% --> Zmax =115, gezählt 167 Varroen --> Behandlung erforderlich

    Die Links sind nicht permanent gültig!

    Gruß Ralph