[b]Umgang mit Schwärmen[/b]

  • Liebe Imkerkollegen / -Innen,


    nachdem ich einige Artikel gelesen habe, die sich mit Schwärmen beschäftigen, möchte ich mal meine Verfahrensweise erläutern:
    Zu dem Einfangen der Schwärmen möchte ich nicht all zu viel sagen. Nur sollte man den Schwarmfangkasten nach dem Einschlagen in den Schatten stellen oder ggf. mit einem nassen Tuch abdecken sollte, wenn es zu heiß ist.
    Aber nun zum wichtigen Teil. Aus gesundheitlichen Aspekten stelle ich jeden Schwarm einen Tag in den Keller (kühl und dunkel). Dies hat vorallem den Grund, dass die Bienen in dieser Zeit ihre Vorräte verbrauchen und so mögliche Faulbrutsporen vernichtet werden. Der Schwarm wird dann am drauffolgenden Abend eingeschlagen. Wenn dann keine Tracht ist, wird der Schwarm am nächsten Abend flüssig gefüttert.
    Auf jeden Fall wird er auf Mittelwände eingeschlagen. Wenn der Schwarm gefüttert wird, baut er diese auf jeden Fall aus. Auf ausgebaute Waben würde ich verzichten, weil dann die Bienen noch mitgebrachtes Futter/Honig in die Zellen ablagern und so auch Sporen mit verschleppen.
    Der Schwarm baut die Mittelwände gut aus und so hat man auch für die Wabenerneuerung was gemacht.


    Volle Honigtöpfe wünscht euch


    Frank Nieser

  • Lieber Herr Nieser,


    mit aller Zurückhaltung möchte ich Sie, (und vielleicht den ein oder anderen Leser in diesem Forum) auf einen Irrtum hinweisen:


    Ein Naturschwarm nimmt wesentlich mehr Honigvorrat in den Honigblasen der Bienen mit (manchmal mehr als 25% seines Eigengewichts) als er in 24 Stunden "Kellerhaft" verbrauchen würde.


    Die Bienen in einem Kunstschwarm (ohne Schwarmstimmung erstellt) oder in einem vorweggenommenen Schwarm (aus der Schwarmstimmung heraus gebildet) können nicht soviel Vorrat aufnehmen und müssen deshalb spätestens nach 24 Stunden gefüttert werden. Darauf beruht unter anderem die Kunstschwarmtherapie bei Faulbrut.


    Die "Kellerhaft" für Naturschwärme hat nicht vorwiegend den Grund der möglichen "Entseuchung" sondern eher das Motiv, daß sich der Schwarm dabei "findet" als neues und eigenes Bienenvolk und sich dabei von seiner biografischen Vergangenheit löst.


    Mit freundlichen Grüßen


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo,ich kann Michael nur zustimmen,
    ein Naturschwarm kann viele Tage ohne Futter auskommen, ein Kunstschwarm nicht.Ebenso hat er Recht, es geht bei der Kellerhaft nur um ein Zusammenfinden.Nach meiner Erfahrung, ist das bei einem Naturschwarm aber nicht nötig, da er sofort seine alte Beute vergisst und man Ihn auch daneben aufstellen kann. Für den Anfänger, würde ich aber Raten, den Schwarm immer auf dem Platz des Altvolkes zu stellen und dem Altvolk auch ein neues Bodenbrett zu geben. Dadurch fliegt er sich kahl und es gibt keine Nachschwärme, der Schwarm aber wird durch die Flugbienen, welche auf das alte Bodenbrett fliegen noch stärker.
    Grüße Bobby /Eifel

  • Liebe Imkerkollegen,


    natürlich habt Ihr zum Teil Recht. Aber wenn man es so differenziert sieht, noch folgende Anmerkungen:
    Zuerst sollte man unterscheiden, ob es ein eigener Schwarm ist und damit gesund! oder es sich um einen fremden Schwarm handelt. Für den eigenen Schwarm braucht man sich sicher keine Sorgern zu machen. Aber bei einem fremden Schwarm sollte man sich schon Gedanken machen. Wenn ich generell sagen würde, man müßte ihn drei Tage hungern und der Schwarm ist schon zwei Tage unterwegs, würden die Imkerkollegen /-innen am dritten Tag vor einem toten Schwarm stehen.


    Im übrigen wird der Schwarm von mir an dem darauffolgenden Tag abends eingeschlagen und ist auch noch die ganze Nacht ohne zusätzliches Futter. In dieser Zeit fängt er schon an zu bauen (wenn er noch Futterreserven hat) und auch diese erfordert einen großen Teil seiner Vorräte.


    So gesehen, bleibt von dem möglichen Futtervorrat dann nur noch ein geringer Teil und damit verringert sich auch das Risiko einer Infektion mit der Faulbrut.


    Mit freundlichen Grüßen


    Frank