Thermische Varroa-Behandlung

  • Hallo @ll,


    im Netz bin ich jüngst über die Bekämpfung der Varroa mittels Erwärmung gestolpert, eine Technik, mit der schon vor Jahrzehnten experimentiert wurde.


    Das hier genannte Verfahren bezieht sich ausschließlich auf die Erwärmung der Brut, in der lt. vorliegendem Text im Frühjahr 80% der Varroamilben sitzen, während 20% auf den Bienen sitzen (die nicht behandelt werden).


    Hier die Verlinkung: "Praxishandbuch der thermischen Varroa-Behandlung (pdf)"


    Autor des Textes ist "Prof. Wolfgang Wimmer", mit einem Vorwort von "Prof. Wolf Engels", vorgestellt wird das Gerät "Varroa Controller", außerdem wird noch einiges m.E. Lesenswertes zur Milbe gesagt, der Text ist recht kurzweilig.


    Die Bruträhmchen werden demnach für gut zwei Stunden erwärmt, dann wieder in die Völker zurück gehängt, die Milbe würde nach 25-50 Stunden sterben, nur wenige Brutschäden würden auftreten.


    Eine ähnliche (nicht genau dieselbe) Diskussion gab es 2012 schon einmal an dieser Stelle: >>hier<<, ich habe den damaligen Faden nicht komplett durchgelesen, weil es dort u.a. auch um die "Bienensauna" ging, was hier kein Thema ist.


    Weil dieses Thema nicht bei den üblichen Behandlungskonzepten auftaucht, wollte ich hier fragen, ob es dazu positive/negative Erfahrungen gibt, da ich das Thema nicht ganz uninteressant finde und die Wirksamkeit auch im Bienenjournal 3/2017 schon einmal positiv dargestellt wurde, im Test starben immerhin 87-97% aller Milben, Link >>hier<<.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Zwei Stunden Behandlungszeit pro Volk bei maximal 80% Wirksamkeit. Geht nur wenn du wenig Völker oder viel Zeit hast. Am besten beides ;)

    Ich glaube, du hast dir sowohl das Teil als auch den verlinkten Text vor deinem Beitrag gar nicht erst angeschaut.


    In die Kiste gehen 20 große Bruträhmchen (z.B. Dadant) rein, behandelt werden soll im Frühjahr wenn es draußen wärmer ist als 18 Grad, das kann Anfang Mitte April passieren. Das heißt, du behandelst vier bis fünf Völker gleichzeitig für 2:20 Stunden. Währenddessen wird zum Beispiel die große Frühjahrsdurchsicht bei den zweiten vier-fünf Völkern gemacht, das dauert bei mir pro Volk mindestens 10-15 Minuten mit Stiften finden, Rähmchen umhängen, Material hin und hertragen usw., so dass der Aufwand eben nicht "zwei Stunden pro Volk" ist, sondern - nur den zusätzlichen Aufwand gerechnet - 20 Minuten pro Volk länger als ich sowieso gebraucht hätte, und gleichzeitig hat eine Varroa-Behandlung stattgefunden, ggf. kann das "Mehr" an Zeit noch verrechnet werden mit der Milbenbehandlung, die ich später im Jahr sowieso hätte vornehmen müssen, dazu ist diese Behandlungsmethode jederzeit möglich, da sie die Honigqualität nicht beeinflusst.


    Was die Kosten angeht, könnte eine gemeinschaftliche Anschaffung so eines Geräts m.E. schon Sinn ergeben, weil man es in drei von vier Jahreszeiten einsetzen kann und nicht wie bei der Honigernte nur dann, wenn alle anderen es ebenfalls brauchen.


    Klingt für mich jetzt nicht soooo komplett realitätsfern, dass das mal jemand ausprobiert haben könnte, dem möglichst chemiefreie Behandlungsmethoden eben wichtig sind, und das war meine Frage.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Ich habe keine eigene Erfahrung mit dem Varroa-Controller, kenne aber Imker, die die Methode schon einige Jahre anwenden und damit zufrieden sind. Allesamt Österreicher. Die Sache funktioniert offensichtlich, ist aber mit einigem Aufwand an Zeit und Equipment verbunden.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)

  • kannst dir auch mal Vatorex ansehen, soll automatisch laufen, so dass du keine Waben entnehmen musst.

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...

  • Ich glaube, du hast dir sowohl das Teil als auch den verlinkten Text vor deinem Beitrag gar nicht erst angeschaut.

    Doch, habe ich. Auch wenn du natürlich mit dem 20 Waben-Argument recht hast. Allerdings wären das bei mir (Zander 1/1) im April maximal 2.5 Völker, so dass ich am Ende doch bei einer Stunde je Volk ankomme. Ich werde im Frühjahr etwa 40 Völker auswintern, wenn nix groß dazwischen kommt. Damit ist die Rechnung für mich ehrlich gesagt auch schon beendet. In der Praxis ist das (für mich) einfach untauglich, da es genügend zeit- und ressourcenschonendere Möglichkeiten gibt :)


    An der Funktionalität zweifle ich nicht und würde folgenden Satz daher unterschreiben:

    Die Sache funktioniert offensichtlich, ist aber mit einigem Aufwand an Zeit und Equipment verbunden.

  • kannst dir auch mal Vatorex ansehen, soll automatisch laufen, so dass du keine Waben entnehmen musst.

    Danke für den Hinweis, die eingebaute Heizspirale in den Vatorex-Rähmchen ist eine gute Idee, die das natürliche Kühlverhalten der Bienen während der Behandlung unterbindet und die Milbenbelastung ohne Eingriffe reduziert. Wenn es Kunststoff-Wabenplatten sind, könnte eine längerfristige Nutzung (Wabenhygiene) ebenfalls in Frage kommen, ohne alle paar Saisons die nicht ganz billigen Heiz-Rähmchen auszutauschen.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Die Vatorex-Leute sind ja nur ganz wenig westlich der Ostschweiz angesiedelt. Bei uns im Verein hat sich ein Kollege die (sogar für Schweizer Verhältnisse nicht ganz billige) Ausrüstung zugelegt. Jedes Jahr frage ich ihn, wie es gelaufen ist, und jedes Jahr sagt er mir, dass er noch nicht dazu gekommen sei … Vom Konzept her finde ich die Idee gut, aber das kostet alles in allem echt eine schöne Stange Geld.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich bewirtschafte 18 Völker und habe den Controller seit 2013.

    Im Frühling behandle ich nur wenn ich mal ein Volk habe, das schon früh viele Milben hat, etwa weil die Winterbehandlung zu spät war, sie schon wieder in Brut waren.

    Super ist er, wenn ein oder zwei Völker schon im Juni viel Milbenfall haben. Da kann man den Honigraum drauf lassen, die Brutwaben in den Controller und gut ist.

    Die Sommerbehandlung machen wir auch damit, sind aber dazu übergegangen am Vorabend OS zu Verdampfen, damit auch die aufsitzenden Milben eliminiert sind. Die Völker , die Nähe am Schleuderraum sind, machen wir während wir schleudern, für die anderen rechnen wir zwei Tage an denen dann auch das ganze Material gereinigt wird. Das klappt eigentlich prima.

    Was wir nicht mehr machen ist die Herbstbehandlung damit. Wir haben Wabenhochformat und da ist dann schon zuviel Futter über der Brut, da kam es schon vor , dass durch die Wärme und das Gewicht die Waben runter rutschten.

    Wegen Varroa verlieren wir eigentlich kaum Völker

  • Auch wenn ich keine Erfahrung damit habe, wäre es mir zu aufwändig: HRe runter - Königin finden und sichern - Wabe für Wabe abschütteln/-kehren - Transfer in das Heizequipment - Heizen -Transfer zurück in die Kisten -ggf. HRe wieder drauf; und das für alle Völker am Stand. Und was machen die Flugbienen, die zurückkommen und aufgeregt über die neue Situation sind ? Im Sommer möchte ich das nicht machen - da sind die alle schon auf Räuberei aus...


    Macht man TBE (im FJ), kann man bei Schritt 3 aufhören - Futter und Deckel drauf, fertig. In Vbdg. damit im Sommer könnte ich mir das vorstellen, weil ich die Blockbehandlung der Brutscheunen spare. Die WV müssen dann aber ohnehin behandelt werden, um die aufsitzenden Milben zu erwischen. Dann kann ich auch die Staubbehandlung machen - schnell, bienenschonend, jederzeit und sehr effizient.

  • Ihr denkt euch da schon wieder viel zu viele Probleme rein.


    Zitat :

    ... wäre es mir zu aufwändig: HRe runter - Königin finden und sichern - Wabe für Wabe abschütteln/-kehren - Transfer in das Heizequipment - Heizen -Transfer zurück in die Kisten -ggf. HRe wieder drauf; und das für alle Völker am Stand...


    Wenn du ein derart vermilbtes Volk im Frühjahr hast, was wäre denn die Alternative?

    HR runter wirst du wahrscheinlich mehrmals in der Saison machen müssen. Ebenso Kö finden und mal Bienen abschütteln. Wenn das nicht sitzt, was willst du mit Bienen?

    Wenn bei dir jedes Volk im Frühjahr eine Behandlung braucht, solltest du dir ein anderes Hobby suchen.


    Im Sommer könnte man damit TBE Waben behandeln.