Computerisierung in der Imkerei, echte Hilfe oder Spielerei?

  • Ich gebe es zu, mit modernen Wiege und Messtechniken bin ich überfordert.


    Doch trifft es sich, dass wir bei unserem kleinen Imkerstammtisch mit einem meiner Jungen Imkerkollegen, den ich helfe, über diese neuen Wege in der Imkerei redeten. Er will sich eine Stockwaage bauen und vielleicht noch Temperatur und Luftfeuchtigkeitsmesser und auch eine Kamera ins Innere einer Beute montieren. Wir redeten über Nutzen und Möglichkeiten dieser Technik.


    Ich bin da etwas veraltet und ich sehe anhand von meinen Erfahrungen über die Jahre, was ungefähr im Volk passieren kann. Ja, anhand des Wetterverlaufs, der Tracht, der Situationen am Stand. Was ich einfüttere, was verbraucht wird. etc. Es ist Erfahrung, aber wenig substanzielles. Mit der modernen Technik kann man so etwas schon sichtbar machen.


    Ich bin nun etwas am grübeln. Für einen alten Imker, wäre es zwar interessant, aber nicht entscheidend, zu sehen, was da gerade passiert. (Ja, auch etwas zu viel Voyeurismus) Zusätzlich wenn ich nicht weiß, was in zwei oder drei Wochen passiert im Volk, bin ich meistens eh zu spät. Also hilft so etwas modernes nicht ganz so gut.


    Was meint Ihr, hilft diese Technik einem Jungimker, der das Handwerk gerade lernt, weiter oder lenkt es auch ab.


    Ich finde es enorm, was da alles möglich sein soll. Aber ich habe keinen Strom am Stand und da ich doch etwas mehr Völker betreue, wäre mir das zu aufwendig. Aber vielleicht gibt es Punkte, die ich übersehe.


    Für eure Meinung dazu, wäre ich dankbar.

  • Ich bin jungimker und Ingenieur für Elektrotechnik und ich lasse die ganze Computerei bewusst weg, weil das normale imkern schon kompliziert genug ist.
    wir haben im Studium erstmal alles per Hand berechnet und ausgelegt bevor wir an die Computerprogramme sind, weil wer die Materie ohne Computerhilfe nicht verstanden hat und bewerten kann, der kann mit die Werte der Messtechnik auch nicht interpretieren.

    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Eine Kamera im Bienenstock braucht kein Mensch und doch würde ich immer wieder interessiert rein schauen. Das gleiche mit der Stockwaage. Ging immer ohne, aber seit ich welche nutze bin ich sehr fasziniert und schaue mir die Daten immer wieder gerne an.


    Muss mans (als Hobbyimker) haben? Absolut nicht. Bringts was? Ja, Vergnügen:)

  • Ich bin jungimker und Ingenieur für Elektrotechnik und ich lasse die ganze Computerei bewusst weg,

    Ist bei mir exakt genauso!

    weil das normale imkern schon kompliziert genug ist.

    Ok, bei mir eher, weil ich schon genug Elektrotechnik und Computerei in der Arbeit habe und mich damit nicht mehr in der Freizeit beschäftigen möchte.

    Aber, wenn du meinst das es von der Imkerei und dessen Herausforderungen eher ablenkt, dann bin ich deiner Meinung.

    wir haben im Studium erstmal alles per Hand berechnet und ausgelegt bevor wir an die Computerprogramme sind, weil wer die Materie ohne Computerhilfe nicht verstanden hat und bewerten kann, der kann mit die Werte der Messtechnik auch nicht interpretieren.

    Volle Zustimmung.

  • Wenn man seine Bienenstände nicht wöchentlich besuchen kann, sind Hilfsmittel wie Stockwaage und mglw. weitere Sensoren im Volk m. E. hilfreich. Es gibt da solche Datenerfassung wie Temperatur, Geräusche, Luftfeuchtigkeit u.a.


    Ich selbst benötige das alles nicht, bilde mir ein, dass ich ohne zurecht komme.


    Es könnten aber eine Menge an Daten zur Umgebungssituation gesammelt werden, wenn man die Bienen quasi als "Umfeldsensoren" betrachtet. Mit einiger Erfahrung und entsprechend ausgetüftelt (lernenden) Algorithmen ließe sich da sicher etwas zusammentragen.

  • Stockwaage ist super.

    Ohne meine wären mir dieses Jahr vier Schwärme weggeflogen. Als ich an kam, hingen die in Brusthöhe nebeneinander im Holunder und Haselnuss. Mit vier Stück hatte ich aber nicht gerechnet...=O

    Also nochmal heim Kisten holen.

    Da recht es sich, wenn man denkt, dass man den Stand letzte Woche kontrolliert hätte..

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...

  • Ich fand es schon sehr lustig dieses Jahr. Das ist vier mal in zwei Wochen passiert. Ich fange gegen 15.00 Uhr einen Schwarm meines Nachbarn ein. Gegen 17.30 Uhr kommt es von der Arbeit. Ich berichte ihm und er antwortet: Ja, hab ich an meinem Handy gesehen, um 14.00 Uhr ca 3kg Schwarm abgegangen aus Beute 2. Kannst ihr ruhig behalten, habe sowieso keine Kisten mehr. Vorsprung durch Technik nenne ich das, es wurde ihn jedes Mal aufs Handy gemeldet. Schwarmverhinderung im Vorfeld wäre aber wohl keine Technik.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich betreue ein TBH-Bienenvolk in einer Schule, das Dank dem we4bee-Projekt mit diversen Sensoren, einer Fluglochkamera und einer Innenkamera ausgestattet ist. Für die Fütterung war es super, weil ich ohne Durchwühlen weiß, was an Zunahme und Reserve drin sein muss. Ich kann von daheim aus (oder im Urlaub) auch mal schnell schauen, ob am Flugloch alles soweit normal/ok aussieht. Die Innenkamera zeigt ja nur die hinterste Wabe. Da ist dann wenig zu sehen. Die Sensoren innen geben mir einen Überblick über das Brutgeschehen in den einzelnen Abschnitten...

    Es ist nett, mit Erfahrung sicher hilfreich, aber es sind keine Informationen, die ein erfahrener Imker nicht auch auf andere Weise wie Fluglochbeobachtung, Anheben, usw. bekommen kann.


    Mir wäre das privat viel zu teuer, um das zu nutzen. Außerdem verbauen die Bienen gerne die Stifte mit den Temperatursensoren in den Wabengassen. Dann kann man die betroffenen Waben nicht mehr bewegen ohne dass was kaputt geht...

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • MartinSchPhD ich hab das bisher nur aus den genannten Gründen gelassen. Aber wenn ich so drüber nachdenke hätte ich echt wenig Bock wirklich noch in der Freizeit noch mehr Linux Geräte einzurichten usw ... vielleicht irgendwann mal ne Waage aber da muss die Ersparnis gegenüber fertig kaufen schon groß sein

    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Ich denke, dass nebst Interesse für die Imkerei auch Freude an der Technik vorhanden sein muss. Es ist faszinierend und lehrreich auf Basis der automatisch übermittelten GSM-Daten Schwarmabgänge, Nektareintrag oder Futterbrauch zu verfolgen. Stromversorgung via 3 AA-Batterien.


    Die Flugloch-Kamera mit Solar-Versorgung liefert via GSM-Modul zum günstigen Datentarif real-time Bilder. Und und und ...


    Notwendig ist das nicht. Aber spannend und lehrreich allemal.

    Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.

    Philip Rosenthal

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  • Also im ersten Jahr hab ich mir auch mal Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensoren gewünscht. Ein wenig experimentiert habe ich dann auch. Dann kam ich schnell zu den Punkt, dass ich die Daten irgendwie mangels Bienenerfahrung gar nicht richtig interpretieren kann. Hab es dann gelassen und mich auf die Damen konzentriert. Vielleicht wenn ich mal 10+ Jahre Erfahrung habe komme ich auf das Thema zurück falls es mich dann noch juckt.

  • Sehr Interessant ist wenn die Temperatur im Winter da wo der Fühler sitzt im Volk die gleiche Temperatur anzeigt wie der Außentemperaturfühler.

    Da denkt man schon das Volk hat es nicht geschafft und auf einmal steigt sie wieder und man freut sich.:)

  • Boah. Auf den Nervenkitzel kann ich gut verzichten. Kann ja auch sein dass der Sensor defekt ist und dann mach ich die Kiste auf um zu sehen ob das Volk tot oder der Sensor kaputt is? Nein danke

    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD