Gärenden Honig (über-)erhitzt - noch essbar?

  • Hallo,


    ist ja peinlich, aber ich habe im Honiglager ein Glas Honig "vergessen" und nun kommt der Honig von selber aus dem Glas raus. Sprich: er gärt.

    Weil's ja eh schon egal ist, habe ich das Glas nun im Backofen bei ca. 50-60 Grad erhitzt bis der Honig flüssig war. Nur mal so als Versuch, hat ungefähr 1 Stunde gedauert.


    Groß war meine Überraschung, als ich ihn kostete. Er schmeckt noch (bzw. wieder?) richtig gut. Der Alkohol aus der Gärung scheint verflogen, die Hefe hoffentlich tot.

    Nun meine Frage: kann man sowas bedenkenlos essen (oder zum kochen verwenden)? Oder entsteht bei Gärung irgend ein unerwünschter Stoff?

    HMF durch die Erhitzung, ja klar, aber hoffentlich nicht in bedenklicher Menge?


    Was meint ihr?

    Was macht ihr mit kleinen Mengen gärenden Honigs? Met möchte ich nicht machen und 1 Glas wäre ja evtl. auch zu wenig dafür.

    Wegschmeissen erscheint mir viel zu schade!!


    Danke für Eure Anregung,


    Alex

  • Moin,


    ein Teil der Vorvorjahresernte ist bei mir in Phasentrennung gegangen und erste Gärung hat begonnen. Diesen Honig verwende ich als Backhonig (speziell jetzt: Honigkuchen! Bei vielen Rezepten kann problemlos noch etwas vom Zucker durch weiteren Honig ersetzt werden). Schäumend gärenden Honig würde ich dafür aber nicht mehr verwenden.


    Beste Grüße


    Peter

  • Wenn ein Honig eigenständig in eine Gährung übergegangen ist, ist ein Prozess gestartet, der so wohl nicht beabsichtigt war.

    D. h. im Umkehrschluß das Produkt hat sich in irgend einer Form verselbstständigt, was ich nicht gewollt und von mir so nicht bewusst beeinflusst worden ist. Dieses ist eine wilde Vergährung.

    Warum sollen solche Produkte noch in irgend einer Form für den menschlichen Verzehr genommen werden, von dem ich nicht weiß, wie oder wodurch es zustande gekommen ist?

    Als Imker mit Verantwortungsbewustsein verwende ich auch keine Futterwaben weiter, von Bienenvölker für dessen plötzlichen Tod ich keinen Grund finde.

    Wer es sich nicht leisten kann, bedauerlicherweise in Gärung übergegangenen Honig auch mal zu vernichten, sollte sein Imkerkonzept mal neu überdenken.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Wenn er gut riecht und schmeckt, kannst Du ihn essen. Kein Problem. Mit wilden Hefen würdest Du bei einer Metherstellung wahrscheinlich nicht so hoch im Alkoholgehalt kommen wie mit Reinzuchthefen, auch wäre die Gefahr von nicht ganz so hübschen Geschmacksnoten größer. Aber diese Ambitionen hast Du ja nicht.


    Cuximker : Sei etwas relaxter und setze zur geistigen Übung mal Sauerteig ganz altmodisch an. Roggenmehl, und Leitungswasser. Und dann abwarten, was spontan wächst. Das ist maximal undefiniert und gibt sehr leckeres Brot.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 26-28.3.2021 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda!

  • Cuximker : Sei etwas relaxter und setze zur geistigen Übung mal Sauerteig ganz altmodisch an. Roggenmehl, und Leitungswasser. Und dann abwarten, was spontan wächst. Das ist maximal undefiniert und gibt sehr leckeres Brot.

    Über das Zustandekommen von Sauerteig bin ich mir sehr bewußt. Dieser Prozeß zielt dann genau auf diesen Vorgang ab.
    Dennoch, sollten sich beim Entstehungsprozeß dieses Sauerteiganstellgut unkontrolliert auch Schimmel bilden, verwerfe ich diesen Sauerteig und versuche nicht durch manipulierende Maßnahmen diesen Sauerteigansatz noch für irgendwas zu retten.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Guten Abend zusammen!


    Ich habe vor Jahren einmal mehrere Kartons gephasentrennten Honig gehabt und mir diesen dann über einen seeeehr langen Zeitraum immer morgens in meine Tasse Tee gerührt.

    Geschmacklich war´s kein Unterschied und aus hygienischer Sicht hätte, hatte und habe ich keinerlei Bedenken dabei gehabt.

    Ja, die flüssige Phase roch und schmeckte nach Allohol, aber drunter war der Honig 1A und auch die flüssige Phase hat beim Probieren nicht ungenießbar geschmeckt, bei Weitem nicht.


    Wenn ein Honig eigenständig in eine Gährung übergegangen ist, ist ein Prozess gestartet, der so wohl nicht beabsichtigt war.

    Jau, stimmt.

    D. h. im Umkehrschluß das Produkt hat sich in irgend einer Form verselbstständigt, was ich nicht gewollt und von mir so nicht bewusst beeinflusst worden ist. Dieses ist eine wilde Vergährung.

    Stimmt auch.

    Warum sollen solche Produkte noch in irgend einer Form für den menschlichen Verzehr genommen werden, von dem ich nicht weiß, wie oder wodurch es zustande gekommen ist?

    Weil sie (beinahe) uneingeschränkt genießbar sind? Zum Beispiel. :wink:

    Man könnte in dem von dir aufgeworfenen Kontext m. E. jetzt sämtliche völlig intakten, aber ggfs. optisch nicht einwandfreien Nahrungsmittel (Obest, Gemüse, etc.) anführen oder aber das (zu?) hart und / oder trocken gewordene Brot von vor 3 Tagen. Lass es uns aber lassen, sonst artet`s hier noch aus. :wink:

    Und im Idealfall weißt du als Imker schon, weshalb dir der Honig gekippt ist: Zu feuchte Lagerung, zu warme Lagerung, zu hoher Wassergehalt von der Ernte an, unglückliches Rühren / Auftauen, etc., pp..


    Als Imker mit Verantwortungsbewustsein verwende ich auch keine Futterwaben weiter, von Bienenvölker für dessen plötzlichen Tod ich keinen Grund finde.

    Was ich absolut befürworte.

    Und nicht mit obigem Vorgehen für vergleichbar halte.

    Ahja, fast vergessen, zur Ausgangsfrage:

    Nun meine Frage: kann man sowas bedenkenlos essen (oder zum kochen verwenden)? Oder entsteht bei Gärung irgend ein unerwünschter Stoff?

    Ja, meiner persönlichen Erfahrung nach kann mensch den von dir beschriebenen, thermisch behandelten Honig entspannt und folgenfrei verzehren.

    Obwohl ja die HMF-Thematik bzgl. der Wirkung auf den Humanorganismus noch nicht final geklärt zu sein scheint, ginge ich bei der o.g. Menge selbst bei täglichem, teelöffelweisem Verzehr nicht von nachweislich negativen Auswirkungen auf den Körper aus.


    Schöne Grüße

    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Zum backen kein Problem, ob 60 grad aber wirklich alle Hefen töten, wär ich mir nicht sicher ... zum pasteurisieren nimmt man jedenfalls 80 grad. Wilde Hefen sind an sich aber nicht schlimm, kann halt nur nochmal anfangen zu gären. Wird es aber wohl sowieso, weil durch‘s öffnen neue Hefen rein kommen können.

    Wenn Met bei der Herstellung schlecht wird merkt man das. Der wird schleimig und/oder stinkt. Ich würde das Glas an deiner Stelle zum backen nehmen.

    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Hallo, ich habe mal irgendetwas vom Melitherm gelesen, dass er eine Gärung stoppen kann, bei der Honiguntersuchung wird es aber noch festgestellt. Denke das geht auch nur am Anfang, wenn man die Hefe erwärmt und ihr gleichzeitig das Wasser entzieht. Grauseliger Gedanke.

    Bis bald

    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, 8 Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN, Waage 401

  • Liebe Imkerkollegen,
    auch wenn Honig ein Hochwertiges Produkt ist, sollte es auch wenn es den Imker passiert hat, ein hochwertiges Produkt sein.

    Aus meiner Sichtweise sind all die hier beschriebenen "Rettungsversuche" eines mißglückten Honigs reine "Geigelei"

    Bei aller Wertigkeit für einen guten Honig, den wir alle in den Verkehr bringen wollen, sollten diese Behandlungsmethoden nach meiner Ansicht, so nicht angewandt werden um auch noch das letzte Glas Honig verwerten zu müssen.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)