Bewertung von Königinnen - Praktische Herangehensweisen gesucht

  • Ich habe mir das mit den Standmaßablegern nochmal durch den Kopf gehen lassen. Es ist ja nicht so, als das ich das nicht auch machen würde.

    Allerdings habe ich da 2x 12DD 4er Beuten in die ich je 2 Brutwaben und eine schmale Futtertasche reinpressen kann.

    Da gebe ich dann belegstellenbegattete Königinnen rein, damit sie sich entfalten können. Nach 4 bis 6 Wochen kommen sie dann in Ableger.

    Ich habe die auch bei Standbegattungen mit geschlüpften

    Königinnen verwendet und war der Meinung, das es damit besser mit Begattung und Entwicklung.


    Wenn ich das jedoch konsequent weiter führen möchte, muss ich gleich eine ganze Beute nehmen.

    Bei 25 Königinnen nehme ich 50 Brutwaben und evt 25 Futterwaben oder Futtertaschen.

    Dafür müsste ich mindestens 7 Vollvölker schlachten.

    Bei einer Belegstellenbeschickung in Miniplus benötige ich bei der Königinnenmenge 12,5kg Bienen und bei Apideakompatiblen 7,5kg Bienen wenn ich nicht auf Sparfuchs und immer auf Kante getrimmt bin.

    Da ich mich persönlich eigentlich sehr zeitig auf die Belegstellensaison vorbereite musst man die Spiel- und Zerlegevölker einfach mal so über haben.


    Als ich mir die Grenze von 6 Völkern setze, kannte ich noch nicht Luffi und je mehr ich lerne merke ich mit 30 Völkern kannst du keine Welt einreißen, wenn man ein wenig mit Königinnenvermehrung arbeitet.

    Es ist pervers was man benötigt, wenn man getreu dem Motto "muss im Paradies geboren werden" agieren möchte.

    Das erweitern wir dann um die Option Völkerbewertung so versetzt um 2 Jahre und man kann irgendwie kein Ende sehen, wann ist es jetzt genug.


    Jedenfalls hatte ich dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr genug Königinnen, sicherlich geschuldet, das ich 4x auf Belegstellen war.

    Im letzten Jahr weinte ich fast jeder Belegstellenkönigin nach, die entweder nichts brachte, umgeweiselt wurde oder sonst wie verloren ging. Der Schwund ist schon enorm und das päppeln liegt oft echt nah.

    Jedenfalls habe ich dadurch mehr Wertschätzung für das ganze drum herum bekommen und manche Königinnenpreise treiben mir Tränen in die Augen, einerseits wenn ich die Annoncen dazu sehe, andererseits vor Freude, wenn ich mal etwas Gutes außer der Reihe bekomme, ohne die reale Wertigkeit bezahlen zu müssen.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Hi d2dum Bernd!


    Königinnenzüchter sind z.B. noch nie reich geworden und werden das auch zukünftig nicht werden. Egal ob so ne Königin Mal etwas teuerer als der Mainstream ist. Und gute Qualität wird auch immer ihren guten Preis haben, denn hinter guter Selektion steckt sehr sehr viel gute Arbeit. Im Idealfall! Aber nicht immer liegt man richtig. Dann muss man sich an Idealvorstellungen annähern. Und auch diese Ideale können sehr verschieden sein. Den einen interessiert nur der Honig, weil das Geld bringt und das braucht der Erwerbsimker zum Leben. Oft geht so was auf Kosten von intensivem Zeitansatz für hart am Schwarm geführte Völker. Und Sanftmut ist da egal, Hauptsache Honig. Für die Arbeit braucht man Vollschutz und stichfeste Gummistiefel.


    Ein anderer will wenig Arbeit und gleichmäßige Völker.


    Dem nächsten ist essentiell wichtig immer in Badehose und ohne Rauch an die Völker zu gehen. Wenn nur Mal eine Biene etwas lauter summt, dann sind das Stecher.


    Alles hat seine subjektive Wahrnehmung. Objektive Gesichtspunkte in der Zucht sind halt der Honig und auch Äußerlichkeiten wie Farbe oder Rüsellänge lassen sich leichter als das subjektive Verhalten beurteilen. Und dann noch in unterschiedlicher Trachtsituation.


    Wie will man Schwarmträgheit wirklich richtig verstehen, wenn man nicht unter Volltracht mit vollen Kisten mit Bienen einmal im Raps gestanden hat?


    Und man braucht Vergleiche mit anderen Völkern. Vielen anderen Völkern. Am besten mehr als 6...

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    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Und man braucht Vergleiche mit anderen Völkern. Vielen anderen Völkern. Am besten mehr als 6...

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    Das ist das Problem: hast Du genug Völker zum selektieren, fehlt Dir die Zeit zum züchten.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hi rase Ralf!


    Das stimmt! Nachdem ich heuer Mal wieder "etwas" mehr Völker hatte, fehlt mir Zeit für die ganzen Nebenarbeiten. So habe ich heuer z.B. nur noch diejenigen Völker auf Hygiene getestet, die auch schon mindestens ein Jahr in der Leistungsprüfung sind, oder solche, die mir aufgefallen sind.


    Und das kann man immer machen: Völker beurteilen und vergleichen. Und das ist schon Zucht und Selektion. Wenn du dann mit deinen besten wieder weiter machst, dann machst du nix verkehrt. Im Gegenteil.

    :*

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Stefan, das läuft dann überspitzt auf Richtung Softbond bzw natürlicher Selektion hinaus. 8o

    Mit den Ansprüchen der Kollegen an die Königinnen hast du vollkommen recht, das macht es dann noch schwieriger eine Zielrichtung und vor allem für einen verband eine Zuchtrichtung festzulegen. Außerdem sind solche Richtungen auch immer (manchmal Hypebedingt) Schwankungen unterlegen. Da so eine Zuchtauswahl nicht mal eben zu machen ist, muss man sich als Jemand der sich einer Königinnenzucht verschreiben hat schon sehr früh zu etwas entscheiden. Diese Entscheidung kann dann nach 5 -10 Jahren auch voll das Fettnäpfchen sein.

    Oder man hat so ein dickes Fell und zieht einfach sein Stiefel durch, wenn man sich an den Honigertrag klammert, kann man ja weniger falsch machen.


    Rase ich konnte dich am Anfang nie verstehen, wenn du sagtest, ich mach nix mit Königinnen, ich habe zu viel um die Ohren, jetzt schon eher.

    Leider ist der Erkenntniszuwachs auch immer irgendwie verknüpft mit der Standhöhe zum Tellerrand. Je mehr man sich damit beschäftigt, um so mehr glaubt man die Grenzbereiche zu erkennen bzw. überhaupt den Tellerrand zu erreichen (der natürlich irgendwie immer mitzuwachsen scheint). Allerdings erhöht es die Gefahr die Bodenhaftung zu verlieren, weil man vor lauter Höhe und Größe auf einmal den Bodengrund nicht mehr richtig wahrnimmt/wahrnehmen will.


    Ich glaube Ralf hätte bei der Erstellung dieses Threats nicht geahnt, was er da lostritt, denn zur Beurteilung von Bienenköniginnen gehört eine ganze Menge mehr, als die Hönigkübel nach einer Saison, oder abgefallene Milben zu zählen.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Ich werde keine >60 Völker zwecks Prüfung führen können - das ist zu viel.


    Was ich als machbar und auch sinnvoll erachte:

    Prüfung der Kandidatinnen in WV, die zum Zeitpunkt X ausgeglichen werden, um dann - wenn ich sich Favoritinnen herauskristallisieren, Töchter zu ziehen, die dann in Ablegern/M+ etc. miteinander verglichen werden. Wichtig ist für mich die Vergleichbarkeit eines jeden Setups - die WV sollen halbwegs gleich starten und halbwegs gleiche Trachtbedingungen haben, die Töchter sollen in vergleichbare (kleine) Kisten gesteckt werden, und dann zeigen, was sie hinsichtlich der offensichtlichen Merkmale können.


    Ich denke, das ist finanziell und vom Aufwand gerade noch leistbar. Wichtig wäre mir die Vergleichbarkeit, damit ich einen Maßstab habe, den ich anlegen kann.


    Wachsen und Quantitäten hochfahren kann ich zu einem späteren Zeitpunkt immer noch.

    Jedenfalls hätte ich nach der Planung dann 2022 jene Zuchtmütter selektiert, die 2020 geboren worden sind.

    Ob die dann nicht bereits zu alt sind?

  • Jedenfalls hätte ich nach der Planung dann 2022 jene Zuchtmütter selektiert, die 2020 geboren worden sind.

    Vorherige Auswahl birgt halt Unsicherheit, besonders in puncto Milbenbefall und -tolerabilität. Ich habe des Öfteren von 2-jährigen nachgezogen; das war kein Problem. Blöd ist nur, wenn sie vorher umgeweiselt werden, jedoch ist das dann auch eine klare Entscheidung der Bienen.

  • Zwei Jahre ist dann scheinbar einfach der Vorlauf, denn man bei seriöser Selektion in Kauf nehmen muss.

    Mir war das nicht klar - weil ich bspw. bei Bernhard Heuvel ein Video gesehen habe, Anfang 2019, wo er eine 2018er Kö in die Kamera hielt, und kund tat, dass dies seine aktuelle Zuchtmutter sei.

    Das hat bestimmt funktioniert, aber ich ging dadurch davon aus, dass es einen Weg gibt, schneller eine Zuchtauswahl zu treffen.

  • aber ich ging dadurch davon aus, dass es einen Weg gibt, schneller eine Zuchtauswahl zu treffen.

    Machst du, und eigentlich alle, ja.

    Es wird ja laufend aussortiert und die Auswahl beständig kleiner.

    Mit der Weitervermehrung der zweijährigen hast du eine eingegrenzte Auswahl getroffen, die für dich bestmögliche Eigenschaften besitzt. Wenn du dieses Wissen früher erlangen könntest, wären die Nachzuchten aus dem ersten Jahr besser als diese Töchter. Weiß man aber nicht.

    Dafür müsste man dann Töchter früh ziehen und parallel führen. Sehr aufwändig, da zu diesem Zeitpunkt noch sehr viele mögliche Kandidaten im Rennen sind.

    Wahrscheinlich sind die Enkelinnen der Zuchtmutter bessere Wirtschaftsköniginnen, als die Töchter. So meine laienhafte Vermutung.

  • es ist halt sauschwer;) und wie Luffi sagt, Glück brauchst auch (nach meiner Definition:))

    Ich war schon mehrmals "so verrückt" und hab von einer Einzigen 150 F1 nachgezogen, mehr wie 2 sehr wirklich gute Töchter hats nich ergeben.... dabei bin ich auch brav auf dem Seil geblieben und hab alles was Sinn machte auf die entsprechende Belegstelle gekarrt oder Handbesamt.

    Anderes Beispiel, Eine von 15........

    Ersteres stellt einen glatten Arbeitssieg dar, Zweiteres fliegt dir hin und wider zu.

    Nur, auch erkennen sollte man das, was da so vor dir ist. Oft zeigt sich ja unerwartetes, gutes wie nich gewolltes.

    Hin und wieder schenke ich was her, ich bin dann meist betrübt, wenn dem Jenigen nich auffält was er bekommen hat;(also Gutes steht dort einfach so mit in der Reihe und geht darin unerkannt/ungenutzt unter.


    Ein Ziel setzen und beharrlich verfolgen....

    Mal verliert man und ab und zu gewinnt Mann, getreu den "2 hoch 16 Möglichkeiten", nach Luffis gerne und richtig genanntem, Beispiel.

    Und denkt immer drann: Zucht macht Sucht! Irgendwann packts dich, und du kannst nich mehr los lassen.

    eben eine besondere Form der Jagd nach...

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • Die B3425 von der du nachgezogen hast, hat zum Beispiel ein rotes Plättchen.

    Nach der Begattung vorselektiert, rein ins Wirtschaftsvolk, bewertet und Nachzuchten begutachtet bezüglich Vererbung und sich schon die abzeichnenden Leistungen.

    Dann wurde sie als Zuchtmutter deklariert, mit der wir dann weiterarbeiten und auch noch mal den Teil Leistungsbewertung der gezielt angepaarten Nachzuchten machen, um daraus dann wieder eine Zuchtmutter zu finden, wo wir nach Ableben der B3435 nachziehen können.

    Diese parallelen Prozesse laufen jedes Jahr + Ausselektion der Nachzuchten.

    Daraus folgt mal so die Völkerzahlen zusammengehauen:

    7-10x Spiel- und Zerpflückvölker

    10x Völker in der Leistungsbewertung 1

    10x Völker in der Leistungsbewertung 2

    25x Ableger

    macht ups.


    Da du, ich und Ron zum Beispiel nicht mehr wie 30 (DD) Völker haben wollen, müssen wir uns gemeinsam arrangieren, zusammentun und die Arbeit aufteilen.

    Skalieren kann man dann immer noch, das ist klar.

    Wir 3 zusammen haben dann so ein Pool von >100 Völkern.

    Da geht schon was.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.