Grenzwerte: Ox träufeln oder nicht?

  • Hallo zusammen,


    alle meine Völker haben aktuell einen natürlichen Milbenfall von weniger als 1/2 Milbe pro Tag. Die Frage die sich mir wie in jedem Jahr stellt ist: behandeln oder nicht? Bisher habe ich immer nur die Völker behandelt, deren Befall im November bei mehr als 1 Milbe am Tag lag.


    Auf der einen Seite heißt es, eine Behandlung, wenn sie nicht sein muss, schadet mehr als sie nützt.

    Auf der anderen Seite wird gesagt, den Befallsgrad mit der Restentmilbung doch noch weiter Richtung 0 zu drücken, um einen entspannten Start in die nächste Saison zu ermöglichen.


    Ich finde, dass jedes Argumente etwas für sich hat.


    Wie handhabt ihr das?

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • Sind diese Grenzwerte für Völker die in der Wintertraube sitzen oder für welche die locker sind? Ich halte die Windel für zu ungenau um solche Entscheidungen zu treffen. Und Puderzucker oder Alkoholauswaschen möchte ich so spät im Jahr nicht machen

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Das weiß ich nicht genau, aber die Windeldiagnose finde ich eigentlich schon recht zuverlässig. Ich schreibe mir die Werte der verschiedenen Überprüfungen aber auch für jedes Volk auf und kann aktuelle Werte mit vorherigen Vergleichen.


    Puderzucker oder Alkoholauswaschen habe ich noch nie gemacht und möchte es auch nicht machen.

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • Manuel91 :

    Über welchen Zeitraum hast du den Milbenfall ermittelt?

    Ich verfahre so, wie du es bisher auch getan hast- beträgt der Milbenfall über einen Zeitraum von mindestens 1Woche weniger als 0.5/Tag, behandle ich nicht. Ich kontrolliere seit einigen Jahren den Varroabefall aller Völker über das ganze Jahr, Puderzucker oder Windel. Die nicht winterbehandelten sind nie auffällig geworden. Von denen ziehe ich nach.

    Dieses Jahr hatte ich mein erstes Volk, das auch keine Sommerbehandlung benötigt hat.

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Ich habe jetzt 1 Woche lang den Milbenabfall ermittelt. Ich muss mal genau in meinen Aufzeichnungen nachsehen, wie sich der Milbenfall nicht-winterbehandelter Völker in der nachfolgenden Saison entwickelt hat, vor allem im Vergleich zu den behandelten Völkern. Das weiß ich aktuell nicht, ist aber ein guter Hinweis.


    Und ja, ich habe immer ignoriert, ob die Völker in der Traube sitzen oder nicht. Jetzt im Herbst/Winter kann man die Windel ja auch viele Tage eingeschoben lassen, um Schwankungen auszugleichen. Das kamen bisher auch immer recht verlässliche Werte heraus, die zu denen der letzten Kontrolle gepasst haben.

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • Manuel91 :

    Die nicht winterbehandelten sind nie auffällig geworden. Von denen ziehe ich nach.

    Ich habe in meine letzten Nachzucht-Überlegungen nur die Völker einbezogen, deren natürlicher Milbenfall im Juli relativ gering war.

    Manche meiner Völker, die jetzt mit weniger als 0,5 Milben pro Tag darstehen, waren im Juli jenseits der Grenzwerte bei 20 oder 40 Milben am Tag, die ich mit der AS-Behandlung dann aber auf Kurs bekommen habe.

    Solche Völker fallen für mich aber eigentlich aus der Nachzucht heraus.

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • Moin,

    ich würde vermutlich nicht behandeln, da 0,5 ebenso 0 oder 1 oder 1,5 bedeuten könnte...

    Da alle deine Völker wie du schreibst sich gleich verhalten, sind sie daher alle gleich gut oder schlecht.

    Wie bist du denn zu dem jetzigen Wert gekommen bzw. wie waren die Schritte davor?

    Jetzt mal ÜBERTRIEBEN geschrieben.

    Wenn du TBE gemacht hast und dann 300ML AS über einen Verdunster gejagt oder alle 4 Tage 5x Schwammtuch mit je 40ml, würde ich mich persönlich wundern das da jetzt noch Milben drin sind... auf der anderen Seite würde ich sagen alles gemacht und versucht ich lasse es jetzt so wie es ist...


    Wenn du eine halbherzige AS Behandlung und oder keine TBE durchgeführt hast, würden mich 0,5 oder 1 Milbe am Tag nervöser machen...


    Ich habe es jetzt etwas extremer Geschrieben, meine damit allerdings, das wenn man Gewissenhaft alles gemacht hat und mit einem guten Gefühl bis jetzt gekommen ist würde ich nicht Behandeln auch da alle deine Völker im Milbenbefall wie du schreibst gleich sind, in meinen Augen eine gute Basis.


    Meine Meinung.


    Gruß

  • Wie bist du denn zu dem jetzigen Wert gekommen bzw. wie waren die Schritte davor?

    Ich mache es immer so, dass ich nach der Schleuderung im Juli den natürlichen Milbenfall kontrolliere (Windel) und dann die Völker behandel, bei denen mehr als 5 Milben am Tag fallen (ich weiß der Grenzwert liegt eigentlich bei 10). Ich habe gerade mal in die Aufzeichnungen geschaut: 2 Völker hatten 20 Milben pro Tag, der Rest lag bei <10.

    Behandelt wird mit dem Nassenheider professionell und AS, wobei ich den Behälter nur 3/4 voll mache und dafür ein paar Tage weniger behandel.


    14 Tage nach Abschluss der Behandlung überprüfe ich den dann wieder eingesetzten natürlichen Milbenfall und vergleiche diesen mit dem Wert vor der Behandlung.


    Ende August oder im September wird das Ganze wiederholt: Milbenfall prüfen, behandeln bei >1 Milbe/Tag.

    Ein Volk war dabei, dass 0 Milben/Tag hatte und daher keine zweite AS-Behandlung bekommen hat. Im Oktober waren es aber plötzlich 4/Tag und daher habe ich 1x über 1 Woche mit MAQS behandelt wurde. War für mich das erste Mal, hat aber wunderbar funktioniert und gewirkt.


    Und nun ist der Milbenfall bei allen Völkern bei <0,5.


    wenn man Gewissenhaft alles gemacht hat und mit einem guten Gefühl bis jetzt gekommen ist würde ich nicht Behandeln auch da alle deine Völker im Milbenbefall wie du schreibst gleich sind, in meinen Augen eine gute Basis.

    Vermutlich hast du Recht und ich kann guten Gewissens auf die Winterbehandlung verzichten.



    Beim Lesen meines eigenen Beitrags fällt mir gerade auf, dass es manchmal doch "kleinere Überraschungen" beim Milbenfall gibt (s. Volk XY von 0 auf 4), was aber auch nicht unbedingt an der Diagnosemethode liegen muss. Daher finde ich es aber wichtig, den Milbenfall nicht nur punktuell zu betrachten, sondern im Jahresverlauf mehrfach zu überprüfen und situativ entsprechend zu handeln.

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • Die nicht winterbehandelten sind nie auffällig geworden.

    Ich habe gerade auch mal in den Aufzeichnungen nachgeschaut und mit dem Vorjahr verglichen:

    2019 habe ich nur 2 Völker mit OS behandelt (>1Milbe/Tag im November) und merke keinen Unterschied, was den natürlichen Milbenfall im Juli 2020 angeht, ob winterbehandelt oder nicht.


    Klar ist die Aussagekraft bei 2 behandelten vs 9 nicht behandelten Völkern nicht so valide, aber das sollte mich eigentlich dazu veranlassen, auch diesen Winter die Völker nicht zu behandeln.

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • 2019 habe ich nur 2 Völker mit OS behandelt (>1Milbe/Tag im November) und merke keinen Unterschied, was den natürlichen Milbenfall im Juli 2020 angeht, ob winterbehandelt oder nicht.

    Dr. Aumeier spricht in ihren Videos ebenfalls davon, dass eine Winterbehandlung bei weniger als einer Milbe pro Tag nicht erforderlich sei.


    In meiner Ecke, wo gefühlt fast jeden Tag starker Wind und oft auch Sturm herrscht, der nur so durch die Kästen pfeift, hier taugt die Windel-Analyse meiner Einschätzung nach leider nicht so gut.


    Bei dir scheint es deutlich windstiller zu sein, so dass mit eingefetteten Einschüben nur die Ameisen und Ohrkneifer abgehalten werden müssen, das Ergebnis zu verfälschen.


    Deine Völker scheinen jedenfalls wenig Befall zu haben und den Ansatz "so wenig wie möglich, so viel wie nötig" zu behandeln, finde ich gut, warum solltest du das mit dieser Buchführung und "Übers-Jahr-Kontrolle" nicht so weitermachen?


    Ich bin erst zwei Jahre so richtig dabei und traue mir das noch nicht zu, weil wir zunächst dabei sind, generell ein funktionierendes Varroa-Management zu etablieren, und dabei nach vorher Thymovar-/ und OX-Träufelbehandlung jetzt übergehend zu Oxalsäure sprühen und Ameisensäure verdunsten als Mittel überzugehen, ggf. Reduzierung der AS wegen der dadurch stattfindenden Belastung der Völker (die letzten Jahre hatten wir keine Winterverluste, Toitoitoi).


    Deine Dokumentation würde ich gerne mal über die Zeit sehen, vielleicht kann man daraus auch eine kleine Grafik basteln, und das mal vielleicht über ein paar Jahre gemacht, so dass daraus wieder Rückschlüsse gezogen werden können und eine kleine Anleitung für eine für die Bienen verträglichere Varroa-Management-Praxis herauskommt, ggf. immer im Vergleich (Anzahl Milben) Winterbelastung / Sommerbelastung, Behandelt / Nicht behandelt, gegenübergestellt, oder ob es schleichend doch wieder zu einer Erhöhung kommt, die man dann mit stärkeren Mitteln erst wieder in den Griff bekommt.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • Ich habe in meine letzten Nachzucht-Überlegungen nur die Völker einbezogen, deren natürlicher Milbenfall im Juli relativ gering war.

    Um die Zeit sitzt der Milb substanziell in der Brut - man findet recht wenig - und überrascht dann im August/Sept. (Milbenwunder).


    Eine Behandlung direkt nach TBE fördert die Milben auf den Bienen zutage. Die Blockbehandlung der Brutscheunen die, welche in der Brut saßen. Damit hat man ein komplettes Bild!


    Darum ist diese Maßnahme (TBE) und zugehörige Nachsorge sowohl diagnostisch als auch therapeutisch sehr aussagekräftig und wirksam.


    Winterbehandlung mache ich generell, weil sie schon diagnostisch den Milbenstatus der Völker anzeigt. Das ist sehr aufschlussreich und passt nicht immer zur Diagnose des Milbentotenfalls im Spätsommer/Herbst.


    Wer den Milbenstatus seiner einzelnen Völker vom Sommer bis Winteranfang kennt, ggf. eingreift, und die kontinuierlich gering befallenen herausliest, kann sich dort die Winterbehandlung auch sparen.

    Anerkennen, was ist ! (Hellinger)

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  • Deine Dokumentation würde ich gerne mal über die Zeit sehen, vielleicht kann man daraus auch eine kleine Grafik basteln

    Das wird leider nicht funktionieren, da ich nur noch die Aufzeichnung von 2019 und 2020 habe. Die anderen habe ich irgendwann mal entsorgt, was mich gerade selbst ärgert :|

    Abgesehen davon ist meine Völkerzahl viel zu gering, um daraus fundierte Schlüsse abzuleiten.

    Wer den Milbenstatus seiner einzelnen Völker vom Sommer bis Winteranfang kennt, ggf. eingreift, und die kontinuierlich gering befallenen herausliest, kann sich dort die Winterbehandlung auch sparen.

    Danke dafür, das bestärkt mich auch nochmal nicht zu behandeln.

    Ich bin aber immer noch nicht hundertprozentig überzeugt (die 100% werde ich wahrscheinlich auch nie erreichen), da ich finde, dass es für beide Varianten (behandeln vs nicht behandeln) schlüssige Argumente gibt. ^^

    Imker seit 2005. Ca. 10 Völker auf DNM 1,5 (Segeberger) im schönen Hochsauerland

  • Nö das meinte ich in die Zukunft gerichtet, wäre doch ne gute Sache, und auch kleine Datenreihen können schon valide sein. Zum Beispiel gibt es die Grundgesamtheit n=30 Grenze für statistische Methodiken wenn ichs recht entsinne, also wenn du mit deiner Methode n=10 Völker abdeckst und zwei Leute á 10 Völker dazukommen, wäre das durchaus valide. Muss auch nicht gleichzeitig stattfinden. Ich fand deine Buchführung eben ziemlich gut und das war lediglich eine Idee, das etwas zu forcieren.


    Schöne Grüße- Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.