Der richtige Preis

  • Ob die 20% wirklich hier gegegessen werden oder teilweise exportiert und dafür der Importanteil beim Konsum im Land höher ist, lässt sich sicher nur aus diesen Import/Export-Werten und der theoretischen Selbstdeckung nicht ermitteln.

    Die für Imker spannende Frage wäre doch eher, ob man die Imker-Anteile erhöhen kann. Den Anteil des verkauften einheimischen Honigs ohne die Abfüllbetriebe, die für Imker schlechte Einkaufspreise zahlen und eventuell auch den Anteil des heimischen Honigs am Gesamtmarkt. Der Anteil für den verarbeiteten Honig in Müsliriegeln usw. bei Großkonzernen fällt derzeit sicher weg, wo es dort um Bruchteile der Centbeträge beim Einkauf geht.

    Wo ich noch eine bessere Chance zum Ausbau sehe ist der Anteil in der Gastronomie beim Frühstück, in Kantinen... wenn dort die Nachfrage von den Kunden kommt. Kantinen, in denen die Kunden vermehrt ein bestimmtes Angebot nachfragen, stellen sich ja auch sonst darauf ein (Bio, Vegi, regional...) und kalkulieren dann damit die Preise.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Und hier die kumulierten Ausgaben in diesen gut 6 Jahren (in Klammern unter Berücksichtigung der üblichen Abschreibungen):

    • Beuten, Beutenzubehör, Beutenbaumaterial 4.700 €
    • Schleuder, Melitherm, MW-Presse, Abfüllkübel 2.100 €
    • Sonstige Anschaffungen (ohne Verbrauchsmaterial) 2.700 €

    Sorry, die Abschreibungen habe ich einzutragen vergessen . Wenn ich für Beuten und Zubehör, Edelstahlkram, MW-Presse und noch zwei, drei andere langlebigere Dinge von 5-20 Jahren Nutzungszeit ausgehe, dann reduzieren sich die Posten oben um ca 4.400 € (die ich also gedacht erst in den nächsten Jahren ausgegeben haben werde).

    Nächstes Imkerforumstreffen am 26-28.3.2021 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda!

  • Oder als Geschenk, warum immer 2 Bacardi, Rohrzucker und Limetten mitbringen? Und in Geschenkkörbe einer Stadt gehört natürlich auch örtlicher Honig, genau wie in jede Touristeninformation.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Wenn ich mir keinen Gedanken über den Preis für die Honiggewinnung und den Verkauf gemacht habe, kann ich doch die Frage nicht klären, ob ich besser keinen Honig verkaufe.

    Würdest Du denn die Imkerei dann aufgeben?

    Wenn Du so oder so imkern würdest, ist der Verkauf immer ein Deckungsbeitrag.

    Die Frage könnte dann nur sein, ob man wegen des Honigverkaufs mehr Völker hält als ohne.

    Da stellt sich dann allenfalls die Frage nach den sog. Sprungfixkosten. D.h. z.B. eine größere Schleuder usf.

    Grundsätzlich gilt aber sonst: Mehr Völker, mehr Erlös - wenn deswegen nicht die Ausrüstung (Beuten zählen als direkte Kosten hier nicht) teurer wird.

    Ansonsten gilt: Der Honig ist immer zu billig. Der Verkauf trotzdem immer sinnvoll, weil er schnell die Sachkosten deckt. Wer über den eigenen (kalkulatorischen) Arbeitslohn nachdenkt, kann so oder so nur verzweifeln. Wenn ich meine Opportunitätskosten ansetzen würde, müsste das Glas Honig 30 Euro kosten.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Bienenköniggibmirhonig Die Geschenke erhöhen zumindest bei mir den regionalen Anteil nur bedingt, weil mein Freundeskreis sonst anderen Honig kaufen würde, der zumindest auch aus Deutschland wäre.


    Die Tourist-Info gibt es nicht in jedem Ort. Ich habe einen Kunden aus dem Ort, der stellt als Begrüßungsgeschenkt immer ein 250g-Glas mit meinem Honig in die Ferienwohnung. Der wird wohl gerne genommen, teilweise bekomme ich auch das Leergut von ihm zurück, weil der Honig bereits beim Aufenthalt leer gegessen wird, aber nur wenige Gäste kaufen zusätzlich einen zum mit nach Hause nehmen als Mitbringsel.

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  • Und das akzeptieren wir als Gottgegeben.

    Wieso akzeptieren? Wenn du eine Lösung hast, her damit...mir fällt keine ein, ich kenne meine Grenzen, ich wüsste nicht, wie ich konkret gegen internationale Handelsabkommen und entsprechende Nationalpolitik etwas unternehmen könnte. Mein Umfeld kann ich gestalten, das der Nation nur im Rahmen meines ~50-Millionsten Teil der Wahl- und Demonstrationsberechtigung.

  • der stellt als Begrüßungsgeschenkt immer ein 250g-Glas mit meinem Honig in die Ferienwohnung. (...) aber nur wenige Gäste kaufen zusätzlich einen zum mit nach Hause nehmen als Mitbringsel.

    Ich denke, lieber ein-zwei 30g Gläschen und zum Verkauf eine Selbstbedienungs-Kiste mit 250g Gläsern und einer Sparbüchse in die Fe-Wohnung stellen. 250g nur als Begrüßungsgeschenk ist schon echt sehr viel finde ich, so wird m.E. schon fast der Eindruck erweckt, du hast zuviel von dem Zeuch und willst es unterjubelnderweise weghauen oder? Nur meine eigene Sichtweise.


    Schöne Grüße - Matthias

    Du lebst dann am intensivsten, wenn du etwas Neues tust.

  • WFLP wie ich bereits geschrieben habe, würde ich die Bienenhaltung nicht aufgeben, aber ich würde den Verkauf aufgeben.

    Für weniger Völker brauche ich weniger Material. Ich brauche auch keine eigene Schleuder, weil ich dann auch zweimal im Jahr einen Tag woanders schleudern kann, ohne dass es mich zu sehr nervt. Ich könnte nach dem Abschäumen direkt in meinen Abfüllkübeln rühren und abfüllen... Ich hätte mehr Platz im Keller und Schuppen...

    ...und ja ich hätte dann nur Unkosten für mein Hobby und eigenen Honig. DAS finde ok. Nicht ok finde ich es, wenn ich mir zusätzliche Arbeit und Investition in Material schaffe, um dann etwas zu produzieren, wo ich beim Verkauf nicht wenigstens den zusätzlichen Aufwand finanziert bekomme. Bisher habe ich viele Dinge nur gekauft, weil ich es mir leisten kann und den Komfort zu schätzen weiß, wenn man mehr Honig als den Eigenbedarf verarbeiten will. Noch mehr Völker würden jetzt natürlich den Stückpreis pro Glas senken, weil meine Schleuder dann ja auch nicht mehr kostet aber mehr Honig rauskommt. Der Abfüllkübel kann auch mehrmals aus dem Honigeimer nachgefüllt werden usw. Aber dann muss ich auch anders vermarkten, wenn ich den Honig nicht nur im Keller einlagern will...

    Ich will also derzeit nix ändern. Ich will Bienen haben. Ich will für mich qualitativ hochwertigen Honig erzeugen. Ich will dafür zur Bequemlichkeit bestimmte Dinge kaufen und finanziere das indem ich den Überschuss halbwegs hochpreisig verkaufe. Ich will es nicht übertreiben, da meine Kunden mir persönlich bekannt sind, aber ich würde ja auch nicht ständig gratis zu denen zum Rasen mähen gehen (oder auch umgekehrt). Warum sollte ich meinen Honig verschleudern.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Nein, nicht Frau Merkel bestimmt, wieviel Billighonig im Discountermarkt verkauft wird. Das machen die Kunden, Menschen wie Du und ich, die durchaus in der Lage oder dazu befähigt wären, anstatt eben meinen Honig zu kaufen. Wenn wir unsere Kundenzahl erhöhen, schwindet die Kundenzahl für den Supermarkthonig und wenn ich mich nicht falsch erinnere, war das auch der Grund für Kampagnen gegen den Honigmix aus EU und NichtEU-Staaten. Und wenn man es schafft, Aldi-Kunden dazu zu verführen Biohack zu kaufen, oder wenn MD Simmertaler Rind verkaufen kann, dann sollte es doch möglich sein mehr Kunden für unseren guten Honig zu interessieren. Gerade wenn wir mit unserem Beitrag zur Bestäubung und zur Biodiversität, Regionalität und Ökologie werben, so tun wir das doch um neue Kunden zu finden. Und ja, wenn ich nicht unbedingt einen oder drei Starkstromanschlüsse im Schleuderraum brauche, wirkt regionaler Honig auch gegen die globale Erwärmung. Neue Kunden, auch Freitags. Wir versuchen schon lange mit vielen unserer Aktionen, neue Kunden zu finden, knabbern also sehr wohl an den 80%. Aufgeben gilt nicht.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Stylex Ich stelle da gar nichts hin. Der Vermieter kauft selbst für sich und die Familie bei mir ein. Zusätzlich kauft er bei mir die kleinen Gläser für die FeWo. Es ist eine einzelne FeWo im Haus, wo der persönliche Kontakt zu den Gästen da ist. Somit glaube ich nicht dass es so gesehen wird.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich will also derzeit nix ändern. Ich will Bienen haben. Ich will für mich qualitativ hochwertigen Honig erzeugen. Ich will dafür zur Bequemlichkeit bestimmte Dinge kaufen und finanziere das indem ich den Überschuss halbwegs hochpreisig verkaufe.

    Da bin ich völlig d'accord. Was ich sagen wollte ist: In so einem Fall lohnt sich das Rechnen nicht wirklich. Es gilt nur, den maximalen Preis für den Honig zu erzielen. Zu niedrig wird er dennoch sein.

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  • Ob die 20% wirklich hier gegegessen werden oder teilweise exportiert und dafür der Importanteil beim Konsum im Land höher ist, lässt sich sicher nur aus diesen Import/Export-Werten und der theoretischen Selbstdeckung nicht ermitteln.

    Die detaillierte Honig-Export-Statistik ist nachzulesen in den DIB-Tätigkeitsberichten. Hier z.B. aus 2019 ab S.89 (DIB Tätigkeitsbericht, 2019)


    2019 verzehrt ca. 95 Tsd. Tonnen. - Erzeugt 24.100 Tonnen. - Importiert 81.703,4 Tonnen. - Exportiert wurden 25.199,2 Tonnen, im wesentlichen nach Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Östereich, Polen, Spanien, Tschechische Republik, Schweiz, USA, und Saudi-Arabien.


    Ich wage die Prognose, dass die Honig-Exporte aus Deutschland in Länder gehen, wo "Made in Germany" hoch angesehen ist, und ein guter Preis gezahlt wird.


    Bleibt die Frage: Wie viel Deutscher Honig verbleibt tatsächlich in Deutschland?