Der richtige Preis

  • Das Ding ist doch, dass der "Emotionspreis" auf jeden Fall über der Mindestkalkulation liegt, dass aber viele Hobbyimker nicht mal den Break-Even-Preis nehmen, sondern sogar darunter liegen. Daran sind aber nicht die Schuld, die einen höheren Preis nehmen ohne sich den Break-Even-Preis auszurechnen. :/


    Und offensichtlich ist Emotionen verkaufen ein Geheimnis, weil das Marketing in der Branche ganz offensichtlich ausbaufähig ist.


    Wenn mir ein Vollerwerbs-Landwirt, der Öko-Gemüse macht, erzählt, dass er 60% an den Großhändler verkauft, kann ich den Markt nicht ändern, aber ich kann zumindest daran arbeiten, dass ich den Anteil der zum Großhändler geht verringere, indem ich meine Vertriebskanäle ausbaue und mir mein Marketing angucke. Und für manche Aspekte muss ich mich nicht mal Zweiteilen und auf Wochenmärkte rennen.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Angebot: wir machen hier Mal zusammen eine Musterkalkulation? Schlage vor, die Rookies legen vor (weil die können sich dabei nicht blamieren) und der Rest fällt dann drüber her, ohne sich eine Blöße geben zu müssen :)


    Also, gegeben sei eine Imkerei, die Manufaktur Ambrosius, die


    Mit 10 Völkern DN in Segeberger arbeitet.

    Im Jahr 500kg Honig erntet

    Im Jahr 4 Ableger verkauft.


    Technik ist da:


    4Waben Selbstwendeschleuder von Cfm 1.600€

    'und was man noch so braucht' ;)


    Geschleudert wird in der Küche.

    Abschreibung für die Hardware 10 Jahre.


    Preisfrage: was kostet den Imker selbst ein Glas Honig und ein Ableger (ohne Arbeitskosten!)?


    Keep it simple! Nur mal um eine erste Idee zu bekommen. Mein Tipp: erstmal schätzen! Dann erst Stift und Papier.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ja und sowas könnte man z.B. durch einen (zumindest regionalen) Erzeugerzusammenschluss erreichen. Das schaffen ja andere landwirtschaftliche Nischen auch, indem sie eine Dachvermarktung gründen.


    Was machen denn die Abfüller, wenn ihnen 50% des "Deutschen Honigs" wegbricht? Rein rechtlich betrachtet können sie den rumänischen Honig ja dann nicht als deutsch verkaufen, oder lässt das Gesetz so eine Perversion zu, dass Honig zu Deutschem Honig wird, wenn er zu 10% aus Deutschem Honig besteht?!

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Sorry, hier (Rhein-Main!) verkauft der große lokale Berufsimker den Frühjahrsblütenhonig für 5,50 Euro, wovon 30 ct Pfand sind. Da nimmt selbst mein Imkerpate mehr. Wer zieht hier wessen Preis runter?

  • Wüßte der Imker, warum ihn sein Honig 9€/kg kostet, würde er ihn deutlich unwilliger für 4€/Glas verkaufen. Das wäre zumindest meine Hoffnung :)

    Hi,


    auch wenn es keinen Spass macht, die Hoffnung muss ich dir nehmen.


    Egal welche Kalkukation man vorstellt, fast jeder kann sie sofort auf seinen


    Preis ändern. Dann hat man irgendwelche Kosten nicht, oder sie sind viel geringer.


    Das durfte ich schon oft genug erleben. Es wird fast immer nach einem


    Schlupfloch gesucht um den eigenen Preis zu rechtfertigen. Und genau


    dieser Mechanismus wird vom Vortragenden ausgehebelt.


    Ich bin mir sicher das ihm die Standardkalkulation bewusst ist, und das


    er davon ausgeht das diese durchgeführt wird. Aber er hat mal eine


    komplett andere Sicht der Dinge vorgestellt. Und ganz ehrlich, wer von


    uns denkt über soetwas nach, wenn er den Preis festlegt? Ich normalerweise


    nicht. Ich kann mir nicht vorstellen das mit diesem Vortrag eine


    Komplettübersicht der Preisgestaltung geplant war. Viel mehr wurde einfach mal


    eine andere Sichtweise vorgestellt. Und alleine unsere Diskussion hier zeigt, dass


    er damit Erfolg hatte. Wir reden darüber und denken darüber nach.


    Eins zu eins umsetzen wird das sicher keiner von uns.


    Gruss Joachim

  • Ich hab als Hobbyimker also keine Ahnung, was mich selbst mein Honig kostet, weil ich die Ahnung habe, daß mich die Antwort erschüttern würde. Der Vortrag ist genau deswegen gut, weil er das ausblendet, und ich mich mit Apple vergleichen soll, die über Emotionen verkaufen? Ich schmeiß mich weg 😂👍


    Respekt, der Binder kennt seine Zielgruppe! 👍

    In dem Fall tust du Binder vermutlich unrecht. - Schau mal in das von dir verlinkte Video ab Minute 32:58. (Christian Eggers) - Binder ist da ganz auf deiner Linie.

    Zitat

    Binder: ... ja, da hast du Recht, weil eigentlich war auch noch Micha vorgesehen... ähm... ein bisschen über beide Dinge zu reden, weil der 1. Schritt wird ja schon nicht gemacht in der Imkerschaft überhaupt mal zu ermitteln wieviel Arbeit steckt in einem Kilo Honig drin ...

  • Stellt Euch solch eine Gemengelage mal für andere Branchen vor.

    Das brauche ich mir nicht vorstellen, das habe ich jeden Tag vor Augen und zwar noch krasser.

    Durch die Handwerksordnung ist der "Preis" für die Hobbyisten nämlich auf 0 festgelegt.

    Käme einem Verkaufsverbot für Hobbyimker gleich. Man darf nur noch verschenken.

    "In einer Demokratie hat jeder das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten."

    aus "Mensch, Erde"

  • Ich hab als Hobbyimker also keine Ahnung, was mich selbst mein Honig kostet, weil ich die Ahnung habe, daß mich die Antwort erschüttern würde. Der Vortrag ist genau deswegen gut, weil er das ausblendet, und ich mich mit Apple vergleichen soll, die über Emotionen verkaufen? Ich schmeiß mich weg 😂👍

    Einfache Antwort: Ja! Den Verbraucher interessiert doch deine Kalkulation kein Stück. Ob du 2 € Gewinn oder Verlust beim Glas machst, juckt mich als Käufer doch kein Stück.


    Nettes Beispiel dazu: In Heidelberg verkauft ein Kollege seinen Honig in den lokalen Rewe-Märkten für über 10 € / 500 g. Frühjahrblüte & Co, wohlgemerkt. Deutlich teurer als der Honig hier sonst beim Imker kostet, auch bei mir. Da der Honig nach einem halben Jahr immer noch in den Regalen steht, wird er wohl auch tatsächlich für diesen Preis verkauft. Denkst du, dieser Preis kommt zustande, weil der Kollege doppelt so lang für seine Arbeiten braucht, sprich der wurde aufgrund der Gesteheungskosten so kalkuliert? Oder weil er so viel besser ist das übrige badische Honig? Oder vielleicht doch eher, weil er ein edles Etikett mit ansprechendem Namen hat, welches direkt auf die Regionalität verweist? Und der Kunde allein schon durch den hohen Preis signalisiert bekommt, dass hier etwas Besonderes im Regal steht, er einfach gutes Marketing macht. Sprich, weil es geht?


    Es verlangt ja niemand, dass du nicht mehr kalkulieren sollst und weder ich noch sonst jemand hier hat behauptet, dass eine solide Kalkulation sinnlos ist. Aber diese sollte eben nur ein Teil der Preisfindung sein und den unteren Rahmen des Preisesbereichs definieren. Hier reden wir darüber, wie man den oberen Bereich ausreizen kann. Und da ist es wichtig, seine Zielgruppe zu kennen, über Emotionen verkaufen zu können - auch wenn du dich dabei weg schmeißt ;)

  • Geraten: 4 Euro für das Glas Honig und 50 Euro für den Ableger.



    Gerechnet:

    Bienen

    - Eine Beute mit allem drum und dran inkl Wachs 300 Euro

    - 1 Kunstschwarm mit Königin: 100 Euro

    - irgendwas vergessen: 100 Euro je Volk


    —> 5000 für die 10 Kisten mit Bienen drin


    Ein Ableger:

    50 Euro Futter, Varroa, Wachs

    10 Euro Rähmchen

    15 Euro Königin

    Zarge Boden Deckel für ein Jahr = 5 Euro

    Vergessene Dinge: 15


    Ein Ableger kostet mich 95 € (hui)


    Honigverarbeitung

    - Schleuder 1600

    - Entdeckelung 150

    - Abfüllkübel 150

    - Rühren 200

    - 50 eimer: 100

    - Farbe, Pinsel 50

    - Melitherm: 600

    - 2 stk 100 kg Klärbehälter: 500

    - Wärmeschrank: 300

    - Pacht, Honig verschenken, Zeitschriften, Bücher, andere vergessene Sachen: 200


    —> 4000 für die Honigverarbeitung


    Gesamte Jährliche Kosten Honigproduktion:


    - 500 Völkerabschreibung

    - 400 Technikabschreibung

    - Gläser und Etiketten: 250 jährlich

    - jährliches Futter, Varroa, Wachs: 50 Euro pro Volk = 500


    Jährliche Gesamtkosten: 1650

    1650 € / 500 kg = 3,3 € / kg

  • keine Gentechnik

    schönes Beispiel einfach mal rausgegriffen.


    Das ist Werbung mit Selbstverständlichkeiten, unlauterer Wettbewerb, verboten.

    Möglicherweise nicht das beste Beispiel für unlauteren Wettbewerb. Schau mal hier: Das "Ohne Gentechnik"-Siegel des Bundesverbraucherministeriums schafft mehr Sicherheit. Oder hier: Das Siegel wird vom Verband "Lebensmittel ohne Gentechnik e.V., (VLOG)" vergeben.

  • Aha,

    ich fürchte, jetzt wollt ihr meine Rechnung garnicht sehen.

    Erstmal die Randbedingungen:

    Ich verstehe das doch richtig, die Schleuder ist vorhanden, wird erst in 10 Jahren ersetzt und in meinem Fall nie. Wenn ich 50kg aus 10 Völkern ernte dann habe ich etwas Erfahrung und nicht allzuschlechte Bienen und eine ausreichende Tracht. Das bedeutet, daß ich die Schleuder schon fünf Jahre habe, ebenso wie das Entdeckelungsgedöhns, Auto, Meißel, Anzug Schleier, Handschuhe, Abfüller und Hammerbohrmaschine bzw. Besser Mötelrührer, Aufsatz, Plastikeimer und 4 der 10 Beuten. Ableger mache ich mir selbst und kosten 10€ Zuchtstoff.

    Was ich nun tatsächlich neu oder gebraucht, jedenfalls brauche, ist:

    6 Beuten a 250,-€ = 1.500,-€ für den Rest meines Lebens, was auch 15 oder mehr Jahre sein können.

    100 kg Zucker a .75€ = 75,-€/Jahr

    2. Standort = 10 Glas Honig

    100 Honiggläser ( Rest ist Rücklauf ) inkl. Etiketten = 100.-€/Jahr

    Fahne/Schild für den Verkauf = 200,-€ für den Rest meines Lebens, was auch 15 Jahre sein könnten.

    Ergibt nach meiner Rechnung etwa 350,-€ Kosten pro Jahr,

    bei ca. 450,- kg Honig, den ich verkaufe ( den Rest verschenke ich )

    Die 4 Ableger verrechne ich mit allem was ich vergessen habe oder verschenke sie an Neulinge im Verein.

    Natürlich denke ich da ganz konkret an meine Situation, der theoretisch ( außer dieses Jahr ) noch einen richtigen Job hat ( geringfügige Beschäftigung ) die zwar wenig einbringt, aber immerhin die Mitgliedschaft in einer KV meiner Frau und natürlich das Einkommen meiner Frau. Dazu kommt, daß ich bereits meine 12 Mindestjahre in die private RV eingezahlt habe und ich die Anwartschaft von 380,-€ jetzt auch nicht mehr in die Höhe treiben kann.

    Die 350,.€ Kosten im Jahr durch 450 kg Honig zu Teilen verkneif ich mir jetzt mal. Selbst wenn ich Fehler in meiner Rechnung einkalkuliere komme ich schwer über 1,-€/kg Honig hinaus,

    wohlgemerkt unter den von mir herbeitheoretisierten Randbedingungen, die für einige alte Imker einigermaßen zutreffend sein könnten. Natürlich nicht für Euch junge Hüpfer mit 6 jetzt unehelichen Kindern aus drei vorangegangenen Ehen und einem RR-Pickup in der Doppelgarage.
    Ich nehme an, Du willst nicht, daß ich das 500g-Glas Honig für 0,50€ verkaufe, was ich natürlich auch nicht tue, aber 6,00 € halte ich für meine Gegend durchaus ok. Bei meiner Touristenundkleinegläser-Mischkalkulation komme ich auf gut 14,-€/kg, was für Nordbaden und München oder das Allgäu bestimmt zu wenig, für Bitterfeld schon ganz schön gewagt ist.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • JaKi Du verzichtest in der Kalkulation eines Stundesatzes?

    Bei 10 Völkern sind das gut und gerne 200-300h (mit Vermarktung).

    200 x 10€ = 2000€

    300 x 10€ = 3000€


    Aber eigentlich müssten da 20€ oder mehr stehen:

    200 x 20€ = 4000€.


    Damit wird die Jährliche Gesamtrechnung eher so aussehen:


    Jährliche Gesamtkosten: 5650

    5650 € / 500 kg = 11,3 € / kg


    Pacht 200€? Für was? Wenn du nicht ein Landwirtschaftliches Gebäude in die Finger bekommest...

    Rechne mal 2m² Pro Volk fürs Lager + 15m² für Schleuderraum/Abfüllraum etc...

    35². 5€/m²/Monat (also hier wäre das echt günstig) sind nochmal 2.150,00 €/Jahr... oder mehr...


    Jährliche Gesamtkosten: 7800

    7800 € / 500 kg = 15,6 € / kg


    Das müsste der Honig kosten. Nicht was darf der Honig kosten!


    Was "darf" der Honig kosten - diese Frag kann z.B. eine Marktrecherche beantworten.

    Wir haben gesehen - bei Bio-Honig kann das schnell über 25€ sein.
    Es wäre als keine Schande für einen Regionalen Honig - kein Bio - 20€ zu nehmen. In 500g ev. bisschen drunter, in 250g oder kleiner auch gerne mehr.