Der richtige Preis

  • Im Faden Mediathek wurde dieses Video gelobt und den Anfängern als must see nahegelegt.


    Vorweg, ich halte das für typischen Armbruster Imkerschulen Content, in diesem Fall lohnt sich aber die Dekonstruktion, weil das Thema natürlich spannend und aktuell ist.


    Der Vortrag geht mit mit keinem Wort auf die Kosten ein (dazu vielleicht später mehr), stellt aber lustige Theorien auf und arbeitet sich an denen ab. Beispielhaft und für den Anfang mal zwei, die mir persönlich besonders unangenehm aufgefallen sind:


    1. These: nur etwa 20% (~25t) des in Deutschland verzehrten Honigs wird überhaupt auch in Deutschland produziert - dem Angebot stehen also ~80% unbefriedigte Nachfrage gegenüber, was (was einmal als Wahrheit etabliert, zu argumentativen Taschenspielertricks natürlich einläd).


    2. Der Preis spiegelt nur die Wertschätzung des Imkers in sein Produkt wieder.


    Ich lade herzlich dazu ein, diese Liste zu erweitern und/oder die Pro- und Contraargumente zur Diskussion zu stellen. Parallel könnte man auch mal versuchen, seriös die wahren Kosten zu ermitteln (die werden für jeden unterschiedlich ausfallen, aber die Mechanik wird überall ähnlich sein. Im besten Fall haben wir irgendwann eine/verschiedene Formeln, in die jeder seine Zahlen einsetzen kann um seinen eigenen Verkaufspreis zu finden oder zu überprüfen.


    :)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hi,


    ich persönlich fand das Video gut. Natürlich sind einige Argumente


    nicht allzu nah an der Realität, aber trotzdem ist das mal ein völlig


    anderer Ansatz auf unsere Preispolitik. Ich mache mir gelegentlich den


    Spaß und frage Kollegen was denn an ihrem Honig besonders gut ist.


    Meistens gibt es nur fragende Gesichter. Die Übliche Preiskalkulation


    hat man schon oft genug gesehen und in seine gewünschte Richtung


    manipuliert. Das fängt schon damit an, ob ein Hobbyimker einen


    Stundenlohn berechnen sollte.


    Das Video zeigt, zumindest für mich, mal neue Gedankenspiele.



    Gruss Joachim

  • Das mit dem Stundenlohn war schon vor 10 Jahren bei den Kalkulationsmodellen hier im Forum ein Knackpunkt. Bei den Berechnungen kommt oft heraus, daß, bewertet man den Arbeitseinsatz des Imkers ordentlich ( muß ja wohl kein Mindestlohn sein ), kommt am Ende kaum Gewinn für die Imkerei heraus. Das heißt doch wohl, von diesen Rechnern wird ein Angestellter eingerechnet. In der Praxis der kleinen Nebenerwerbsimker macht dieser aber die Arbeit ganz alleine oder arbeitet mit gelegentlichen Helfern, Praktikanten oder Familie. Und ja doch, der Honig ist immer zu billig, ist ja gut!

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • ich persönlich fand das Video gut. Natürlich sind einige Argumente nicht allzu nah an der Realität, aber trotzdem ist das mal ein völlig andererAnsatz auf unsere Preispolitik (...)

    Finde ich einen guten Anfang. Guter Einwand!

    Der hat halt so eine Meta-Ebene, wo es nicht um einen betriebswirtschaftlich errechneten Preis geht, sondern um Psychologie. Deswegen die Apple Allegorie.

    Das finde ich gut, s.o., aber deswegen ist es doch trotzdem nicht okay, alle Fakten falsch zu haben, oder?

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Das Video ist gut und zwar aus einem einzigen Grund. Es greift dieses ganze Thema Preis von einer anderen Warte aus an und regt zumindest zum Nachdenken an, vielleicht auch mal zu einer längeren Diskussion darüber, was die Imkerschaft da eigentlich so mit sich machen lässt oder selber macht.

    Das mit dem Stundenlohn war schon vor 10 Jahren bei den Kalkulationsmodellen hier im Forum ein Knackpunkt. Bei den Berechnungen kommt oft heraus, daß, bewertet man den Arbeitseinsatz des Imkers ordentlich ( muß ja wohl kein Mindestlohn sein ), kommt am Ende kaum Gewinn für die Imkerei heraus. Das heißt doch wohl, von diesen Rechnern wird ein Angestellter eingerechnet. I

    Die Kalkulationsmodelle damals beinhalteten Zeitansätze pro Volk und keine Angestellten, wenn ich mich recht erinnere. Frèrès/Guillaume gehen von 3Std 30 (incl Honigernte) pro Magazinvolk im Jahr aus (2011).

    Kann man sich die Kosten für Manpower schnell mal selber hoch rechnen.

  • ich habs nur bis zur Hälfte ausgehalten....

    Klar ist doch, das du für ein gutes Produkt auch nen guten Preis bekommst, man muss den nur drauf schreiben.

    Obs klappt bestimmt der Markt.

    zb

    der Kleinimker subventioniert seinen Honig, in dem pro Glas min. nen € dazu legt, steht der auch noch neben dir auf dem Markt mit DIB Label drauf, hast dauerhaft keine Chance...... isso. Mach mit (friss) oder oder stirb!

    Falls der Vortrag die Gruppe der nur Spasshabenwoller bekehren wollte..... doch wohl eher nicht.

    Mir ist bekannt, welch Probleme eine Krankenversicherung und Rentenversicherung usw., für einen Vollerwerbsimker bereiten! Euch auch? Glück hat der , der über seinen Partner mit versichert ist.....

    Das hätte man mal vortragen sollen....

    Aber ich brauch ja bloss Benetton auf Glas zu malen:/


    Also, ein Sturm im Wasserglas.

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • rase


    Ich gebe dir in 2 Punkten recht.


    Erstens: Es lässt sich in jedem Guten auch was Schlechtes finden. Natürlich ist auch in diesem Video nicht alles Gold. Gilt aber immer und bei jedem, sogar Montags ;-)


    Zweitens: Das Argument mit den 20% versus 80% unbefriedigter Nachfrage ist so völlig falsch und nervt mich genau so wie dich, weil hier mit falschen Argumenten für die richtige Sache geworben wird. Das geht nur so lange gut, bis die "Gegenseite" diesen Fehler entdeckt und ausschlachtet.

    Wer für eine gute Sache wirbt, sollte daher immer bei den Fakten bleiben.

    Insofern sollte dieser Teil des Videos bei Vorführungen ggf. durch Untertitel oder Kommentare erläutert und an dieser Stelle berichtigt werden, wenn jemand dieses Videoa verwendet.


    Nebenbei, warum ist das Argument falsch: Weil diese 80% Importhonig in die Lebensmittelindustrie, den Großhandel und den Wiederexport wandern. Dort wird Honig aber mit 1 bis 3 EUR das Kilogramm gehandelt. Kunden, die diese Preise bezahlen, denken sowieso nicht im Traum daran, Honig vom Imker für 14 EUR/kg zu bezahlen - dieser 80%-Anteil des Marktes ist für alle Imker Deutschlands also gar nicht nutzbar und kann ignoriert werden. Wir Imker teilen uns nur diesen 20%-Anteil in Deutschland, nur um den geht es, der Rest ist ein anderes Universum und für uns unerreichbar und damit irrelevant.


    Im Punkt "keine Kosten wurden berücksichtigt" bin ich dagegen voll auf Seiten von Eggers. Die Kosten als Preisgrundlage sind in meinen Augen nur in einem Markt wichtig, in dem die Konkurrenz extrem ist und man schauen muss, so billig wie nötig, aber so teuer wie möglich zu sein, um trotz Konkurrenz am Markt bestehen zu können.


    Auch, wenn das Argument aus These 1 also so nicht stimmt, so stimmt dennoch, dass wir beim "Premiumhonig", also dem Honig [vom Imker, BIO, Regional] insgesamt einen Verkäufermarkt haben.


    Denn die Kunden der allermeisten Imker (Freizeit- und Nebenwerwerb) sind die Leute, die diesen Honig [vom Imker, BIO, Regional] wollen und bereit sind, dafür freiwillig mehr zu bezahlen als es die Discounter und Supermärkte anbieten. Und genau in diesem Segment ist - meiner Erfahrung nach - die Konkurrenz nicht vorhanden, weil immer Honigmangel. Bei Berufsimkern mag das wegen der viel größeren Honigmenge etwas anders sein - aber von denen gibt es ja eh nur 80 in Deutschland ;-) . Die Masse der Imker kann anders kalkulieren und für die ist dieses Video gedacht!


    In einem Verkäufermarkt aber kann der Preis wesentlich höher angesetzt werden als nur gerade so kostendeckend.

    Mit anderen Worten: In einem Verkäufermarkt wie dem unseren sollte man sich an der Obergrenze und muss sich nicht an der Untergrenze orientieren! Damit ist die Kostenkalkulation überflüssig und dient höchstens dazu, den Gewinn genauer auszurechnen.


    Ich meine, Honig ist Luxusprodukt. Niemand braucht Honig wirklich, aber jeder (unserer Kunden) will ihn. Daher lassen sich beim Honig wesentlich höhere Preise erzielen als einfach nur gerade noch kostendeckend. Schließlich gilt bei einem reinen Genuss- und Luxusprodukt wie Honig: Der Preis hat nichts mit dem Herstellungswert, sondern mit dem Image zu tun! Der Preis kann und sollte daher auch mal rein aus Sicht der Markpsychologie kalkuliert werden.


    Genau das macht Eggers mit sehr eingängigen Beispielen. Was soll daran falsch sein? Hauptsache es stimmt und bleibt bei den Leuten hängen und sie finden den Mut, endlich ihre unkollegialen Preise anzuheben!


    Alle besonders erfolgreichen Unternehmen machen das. Z.B. Autohersteller. Jeder weiß: Die hochpreisigen Autos der so genannten Premiumhersteller sind keineswegs tatsächlich so viel teuerer in der Herstellung wie vergleichbare Autos anderer Hersteller. Und ein Luxusauto ist für die reine Fortbewegung so verzichtbar wie Honig für die Ernährung. Die Autos werden trotzdem gekauft und das nicht zu knapp! Der allergrößte Teil des Mehrpreises - und damit der Mehrwert im Auge der Käufer - gründet sich NUR im Image.

    Das können wir aber doch auch, oder?


    Und mal ehrlich: Wer glaubt schon ernsthaft, dass der Honig für 4 EUR tatsächlich nur halb so gut ist wie der Honig von Imkern, die für das gleiche Glas 8 EUR verlangen? Ich glaube das nicht! Aber gekauft wird auch der für 8 EUR und zwar so viel, dass bei allen mir bekannten Imkern spätestesns am Jahresende alles weg ist oder sogar noch was fehlt.

    Warum sollten wir also weniger als 8 EUR verlangen?


    Wenn das Video es schafft, Imker dazu zu bewegen, ihren Honig höherwertiger anzubieten, tut es seinen Zweck. Die immer gleichen, langweiligen Kostenkalkulationsvorträge haben dagegen bisher kaum eine Preiserhöhung induziert. Kein Wunder, sie orientieren sich ja immer nur an der Preisuntergrenze!

    Ja, spinn' i oder bien i?

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  • Moin,

    Also ich finde der Vortrag und auch Binder bringt zumindest eines auf den Punkt: ein Großteil des Honigs wird zu billig verkauft. Manch Imker verschleudert seinen Honig weit unter Wert. Und um ehrlich zu sein kommt auch mir das große K***** wenn ich sehe wie meine Kollegen nebenan ihren Waldhonig zu Schleuderpreisen von unter 10€ das Kilo „verkaufen“. Da hat jemand ein Hobby angefangen und dann gemerkt dass das ja hunderte und tausende von Kilo Honig bringt. Was tun damit?! Also verschenken oder verschleudern. Hauptsache wech. Wir Hobbyimker tun hier denen die davon leben müssen keinen Gefallen!

    Ich habe früher dry aged Rindfleisch gemacht und das Kilo für 60€ verkauft, obwohl es im Supermarkt das Kilo für 20€ zu haben gab. Ging. Ging wunderbar. Und so geht es auch bei Honig. Und geht noch besser wenn alle zusammenhalten und nicht der eine für 20€ und der andere für 5€ verkauft.

    Hoch die Preise! 👍🏻


    Grüße und ☀️ Tag

    „Wenn Bienen den Mindestlohn erhalten würden, würde ein Glas Honig mehr als 132.000 Euro kosten „🤔

  • So, gut, ich habe mir den Vortrag reingezogen. Er ist ein gutes Beispiel, wie man einen interessanten Satz, eine bedenkenswerte Tatsache, ein Fakt, lang und breit, vortragsfüllend ausbreiten kann. Gut und schön. Was mich dann aber doch stört ist das konsequente ablesen jedes einzelnen Wortes, das auf dem Bildschirm steht. Erinnert mich an die Zeit kurz nach der Wende in Sachsen-Anhalt, wo umgeschulte Vertreter jedes Wort aus ihrem Hefter vorlasen, dem PowerPoint der Vorzeit.

    Natürlich klappt das am Anfang nicht problemlos.

    Natürlich ist die erste These komplett falsch, weil natürlich wesentlich mehr Honig in den Läden verfügbar ist als für den deutschen Bienenhonig angegeben. Honig aus Bulgarien ist auch Honig.

    Natürlich können wir unseren Preis zumindest beim Direktverkauf selbst bestimmen, aber verkaufen wir ihn zu dem Preis auch oder bieten wir ihn nur zu diesem Preis an?

    Aber natürlich hat er auch irgendwie Recht, daß es nicht alleine der Preis sein darf, der bestimmt.

    Und ja, die meisten in meiner Region haben diesen Stolz auf ihr Produkt und ihr Treiben nicht.

    Einige aber wissen, was sie tun, auch für die Gemeinschaft, sie machen dies nicht wegen dem Geld, sie geben gerne und lassen sich trotzdem vom Naturschutz ausbremsen, sich von PETA beschimpfen und sich von Behörden gängeln.

    Sie machen es trotzdem und im Bewußtsein, daß sie wesentlich mehr sind als der Preis ihres Honigs.

    Mehr Sein als Schein, wahrhaft edelmütig, das ist wahrer Adel.

    Viele liebe Grüße und bleibt vorsichtig

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • ...ah. Noch was vergessen...

    Da muss man sich mal vorstellen, dass hier eine Lobby (Eggers, Binder & Co) versucht den Preisverfall unseres Produktes zu verhindern. Die Mittel und Wege hierbei stelle ich als Teil der Imker-Community erstmal nicht in Frage. Da geht es schon wieder los mit „Dekonstruktion“, „Taschenspielertricks“, „lustige Theorien „

    Da gibt es auch kein Pro und Contra wenn man sich die aktuellen Preise im Supermarkt und Abgabepreise an den Handel anschaut...

    Das ist als wäre ich Mitglied in der IGM und würde mich für deren Einsatz meinen Hungerlohn aufzubessern auch noch beschweren 🤯🤯🤯

    Mal aufwachen hier und schauen dass es unsere Gilde auch in 10 Jahren noch gibt. Konstruktiv daran arbeiten, dass unser Produkt die Wertschätzung erhält welche sie auch verdient!


    ...samma geht‘s noch! 🙄


    Griaß

    „Wenn Bienen den Mindestlohn erhalten würden, würde ein Glas Honig mehr als 132.000 Euro kosten „🤔

  • Ich finde den Beitrag schwierig. Dieser komische Vergleich mit der Apple Watch, wo die Hälfte auch noch falsch war und dann diese komische Art zu reden: „Denkt da mal drüber nach. [Pause] Denkt da mal drüber nach”

    Es gibt bei Facebook immer mal wieder Werbung von so Motivationsberatern, die mit einem Mercedes am Strand stehen und mir sagen wollen, dass auch ich so etwas schaffen kann. Dieser Vortrag erinnert mich recht stark daran.


    Sicherlich ist das Thema Preisgestaltung komplex und einfach nur mit dem Spruch „Der Markt regelt den Preis” kommt man da nicht weiter. In dem Vortrag werden ein paar weiter Faktoren angesprochen und das finde ich gut. Aber den Vortrag an sich finde ich wirklich schwierig.


    me.

  • Mal aufwachen hier und schauen dass es unsere Gilde auch in 10 Jahren noch gibt.

    Absolut. Wobei, warum sollte es die in zehn Jahren nicht mehr geben? Und gerade deswegen muss man doch nicht jedem Windbeutel hinterherlaufen der sich an Imkern die Taschen vollmachen will. Das meine ich ganz grundsätzlich, nicht speziell auf das Video bezogen.

    Zitat

    Konstruktiv daran arbeiten, dass unser Produkt die Wertschätzung erhält welche sie auch verdient!

    Genau. Darum geht es hier. Um Inhalte.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife