Scheune umnutzen

  • Hallo Zusammen,


    wenn ich mir eine Scheune kaufe und da einen Schleuderraum und ein Imkerei-Lager reinbauen möchte, muss ich die dann beim Bauamt wegen Umnutzung anmelden oder läuft das auch unter Landwirtschaft?


    liebe Grüße,

    Jan

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Grundsätzlich läuft die Imkerei auch unter Landwirtschaft, also kurz - ja.
    Inwieweit die Änderung von Scheune zu Schleuderraum/Lagerraum dennoch eine wie auch immer geartete "Nutzungsänderung" benötigt - gute Frage.

    Hintergrund:

    Es gibt Bauten die Können für "privilegierte" Nutzung im Außenbereich genehmigungsfrei gebaut werden. So kleiner Maschienenschuppen, Scheuenen, Unterstände. Da gibts dann Einschränkungen in der Größe, oder es dürfen keine Sanitären Einrichtungen verbaut sein etc.... Hängt vom Bundesland ab.

    Da im Schleuderaum Wasser benötigt wird, Toilette ist auch wichtig - könnte es sein, das hier der Umbau quasi eine Genehmigung erfordert.
    Die solltest du als Imker aber bekommen.


    Landwirtschaftskammer Hessen sollte da helfen können.

  • Einfache Lagerung imkerlicher Gegenstände (keine Gefahrstoffe) sollte wohl möglich sein, aber bereits der Schleuderraum kann kritisch werden. Schließlich braucht der Elektro- und Kalt-/Warmwasser- also auch Abwasseranschluß. Welche Scheune hat das bereits?

    War die zulässige Nutzung im LW-Betrieb als Scheune bis jetzt praktiziert oder ist deren Aufgabe bereits längere Zeit her (Verlust des Bestandsschutzes)? Diese und viele andere Fragen spielen eine Rolle, die Dir dieses Forum vermutlich kaum rechtssicher wird beantworten können. Du wirst wohl einen Spezialisten vor Ort konsultieren müssen.

    Die Frage nach der Genehmigungbedürftigkeit/-fähigkeit ist i.ü. nicht so einfach zu beantworten - für einen beispielhaften Überblick s. S. 10 ff.:

    https://www.landwirtschaftskam…isleitfaden-umnutzung.pdf

  • Grundsätzlich läuft die Imkerei auch unter Landwirtschaft, also kurz - ja.
    Inwieweit die Änderung von Scheune zu Schleuderraum/Lagerraum dennoch eine wie auch immer geartete "Nutzungsänderung" benötigt - gute Frage.

    Hintergrund:

    Es gibt Bauten die Können für "privilegierte" Nutzung im Außenbereich genehmigungsfrei gebaut werden. So kleiner Maschienenschuppen, Scheuenen, Unterstände. Da gibts dann Einschränkungen in der Größe, oder es dürfen keine Sanitären Einrichtungen verbaut sein etc.... Hängt vom Bundesland ab.

    Da im Schleuderaum Wasser benötigt wird, Toilette ist auch wichtig - könnte es sein, das hier der Umbau quasi eine Genehmigung erfordert.
    Die solltest du als Imker aber bekommen.


    Landwirtschaftskammer Hessen sollte da helfen können.

    Das Landwirtprivileg läuft aber erst bei einer Imkerei im Nebenerwerb, oder? Und laut VG Gelsenkirchen aus 2014 bilden z.B. 28 Völker noch keine Nebenerwerbsimkerei.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Eine Baugenehmigung bzw. das entsprechende Verfahren zur Umnutzung dürfte erforderlich sein und je nach Lage und zuständigem Kreisbauamt auch kniffelig werden. Mein Tip, vor dem Kauf klären, was allerdings den Kauf verzögert.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Das Landwirtprivileg läuft aber erst bei einer Imkerei im Nebenerwerb, oder? Und laut VG Gelsenkirchen aus 2014 bilden z.B. 28 Völker noch keine Nebenerwerbsimkerei

    Eigenlicht nicht. Du bist ja formal ab dem ersten Volk Landwirt. Nur wurde die Grenze für den Nebenerwerb gerne auch als Grenze für die Erteilung der Genehmigung genommen. Hängt auch davon ab, was du genau machen willst.... Es ist ein Unterschied ein "Bienenhaus" mit Schleuderecke für 15 Völker oder ein ganzes Imereigebäudes mit angeschlossenem Wohnhaus mit 400m².
    Inwieweit die Grenze des Nebenerwebs einer Klage standhalten würde wage ich anzuzweifeln.

    Es gibt irgendwo eine Klage eines "Hobby"-Landwirts dem wollten Sie die Privilegierung aberkennen, weil keine Aussicht auf Gewinnerziehlung gegeben war (oder so ähnlich). Wurde gekipp... Man könnte es riskieren.

    Wenns nicht klappt:
    Mobilen Schleuderraum in einen Kühlanhänger bauen und den in der Scheune Parken. Weniger Probleme.

  • Das Landwirtprivileg läuft aber erst bei einer Imkerei im Nebenerwerb, oder? Und laut VG Gelsenkirchen aus 2014 bilden z.B. 28 Völker noch keine Nebenerwerbsimkerei

    Eigenlicht nicht. Du bist ja formal ab dem ersten Volk Landwirt. Nur wurde die Grenze für den Nebenerwerb gerne auch als Grenze für die Erteilung der Genehmigung genommen. Hängt auch davon ab, was du genau machen willst.... Es ist ein Unterschied ein "Bienenhaus" mit Schleuderecke für 15 Völker oder ein ganzes Imereigebäudes mit angeschlossenem Wohnhaus mit 400m².
    Inwieweit die Grenze des Nebenerwebs einer Klage standhalten würde wage ich anzuzweifeln.

    Es gibt irgendwo eine Klage eines "Hobby"-Landwirts dem wollten Sie die Privilegierung aberkennen, weil keine Aussicht auf Gewinnerziehlung gegeben war (oder so ähnlich). Wurde gekipp... Man könnte es riskieren.

    Wenns nicht klappt:
    Mobilen Schleuderraum in einen Kühlanhänger bauen und den in der Scheune Parken. Weniger Probleme.

    Also § 201 BauGB spricht beim Begriff der Landwirtschaft von einer berufsmäßigen Imkerei. Ich fände es etwas kurios, wenn sich jeder eine Kiste in den Garten stellen könnte und dann Landwirt im Sinne dieser Privilegien wäre.


    Aber vielleicht betrifft das ja gar nicht den Außenbereich? Im sog. Internet steht jedoch z.B. "Eine Scheune ist als untergeordneter Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs ein privilegiertes Vorhaben im Außenbereich".


    Ich würde auch rechtlichen Rat einholen. Das kann sonst schnell bitter enden bei baurechtlichen Belangen.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Also § 201 BauGB spricht beim Begriff der Landwirtschaft von einer berufsmäßigen Imkerei.

    Und genau das meine ich. Ein Hobby-Landwirt ist privilegiert - Er darf z.B. einen Weidezaun für seine 20 Schafe (genehmigungsfreies Bauvorhaben im Außenbereich) bauen oder den vorhandenen - privilegierten Stall nutzen. Ein Hobby-Imker nicht?

    Das meine ich damit, ob es ev. einer Klage standhalten würde...

    Irgendwo haben die mal einen Pferdehalter (die Reine Pferdehaltung zählt nicht Landwirtschaft) ran genommen, weil dieser einen Elektrozaun um eine Weide gesetzt hat.... so zum Vergleich.


    Ich würde auch rechtlichen Rat einholen.

    Ganau das!

  • § 201 BauGB spricht bei der Aufzählung der "klassischen" Landwirtschaftsbereiche aber nicht von einer Berufsmäßigkeit. Da könnte der springende Punkt liegen. Man könnte auch in eine gute sortierte Bibliothek gehen und da in einem Kommentar zum Baugesetzbuch unter dem entsprechenden Paragraphen gucken, wie der aktuelle Stand dazu ist. Dann ist man vor dem Rechtsanwaltbesuch schon mal schlauer.


    "Landwirtschaft im Sinne dieses Gesetzbuchs ist insbesondere der Ackerbau, die Wiesen- und Weidewirtschaft einschließlich Tierhaltung, soweit das Futter überwiegend auf den zum landwirtschaftlichen Betrieb gehörenden, landwirtschaftlich genutzten Flächen erzeugt werden kann, die gartenbauliche Erzeugung, der Erwerbsobstbau, der Weinbau, die berufsmäßige Imkerei und die berufsmäßige Binnenfischerei."

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Aber frage einen ortsansässigen Planer und keinen Scheidungsanwalt. Und ja, das meine ich nicht nur spaßig. Scheune ist nicht gleich Produktionsstätte für Honig. Insofern dürfte eine Nutzungsänderung immer nötig sein, weil es eine ist. Das landwirtschaftliche Privileg im Außenbereich zu bauen ist was anderes. Abstellen von landwirtschaftlichem Gerät oder Strohballenlager ist was anderes als hygienischer Arbeitsraum mit Wasseranschluß, Strom usw.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • § 201 BauGB spricht bei der Aufzählung der "klassischen" Landwirtschaftsbereiche aber nicht von einer Berufsmäßigkeit. Da könnte der springende Punkt liegen.

    Nö. Der Punkt liegt schon in der Umwidmung selbst - zumindest beim Schleuderraum. Der nämlich ist mit seiner Existenz dann zwingend eine "ständige Betriebsstätte", die denselben lebensmittelhygienischen Regeln unterliegt wie die Betriebsstätten anderer Lebensmittelproduzenten (Bäcker, Fleischer etc.) auch - und zwar ganz unabhängig davon, ob Du nur ein, 10 oder 100 Bienenvölker darin abschleuderst, den ganzen Imkerverein dort schleudern läßt oder nur aus China importierten Honig abfüllen willst.

  • § 201 BauGB spricht bei der Aufzählung der "klassischen" Landwirtschaftsbereiche aber nicht von einer Berufsmäßigkeit. Da könnte der springende Punkt liegen.

    Nö. Der Punkt liegt schon in der Umwidmung selbst - zumindest beim Schleuderraum. Der nämlich ist mit seiner Existenz dann zwingend eine "ständige Betriebsstätte", die denselben lebensmittelhygienischen Regeln unterliegt wie die Betriebsstätten anderer Lebensmittelproduzenten (Bäcker, Fleischer etc.) auch - und zwar ganz unabhängig davon, ob Du nur ein, 10 oder 100 Bienenvölker darin abschleuderst, den ganzen Imkerverein dort schleudern läßt oder nur aus China importierten Honig abfüllen willst.

    Es ging ja da um die (abgeschweifte) Frage, warum Hobby-Landwirte evt. unter das Privileg fallen und Imker bei einer gewissen Größe nicht.


    Aber dein Punkt ist auf das eigentliche Thema bezogen nachvollziehbar.:thumbup:

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • JaKi, beantwortet zwar nicht Deine Frage, aber wenn Du nicht ohnehin eine (vernünftige) Scheune hast, sonder kaufen und umbauen willst, gibt es sicher bessere Lösungen für das Geld.

    So eine Scheune sieht auch erst mal groß aus und man denkt man hat alles aber kein Platzproblem....; DENKSTE!

    Wenn Du mal in Nausis vorbei kommst, kannste Dir das gern mal anschauen.


    P.S.: Bin noch nicht fertig das Saisonchaos aufzuräumen. Das wäre der richtige Moment! 🤣😂🤣😂

  • Es ging ja da um die (abgeschweifte) Frage, warum Hobby-Landwirte evt. unter das Privileg fallen und Imker bei einer gewissen Größe nicht.

    Hallo, bei uns kein Problem, dürfte auch woanders möglich sein.

    lwg Bayern schrieb:


    Aufstellungsraum(Beutenplatz + Bearbeitungsraum):je Volk bis zu 0,8m breit(Beutenbreite) und 1,5m tief Lagerraum:je Volk bis zu 1m²Schleuderraum:insgesamt bis zu 12m²

    Alles was darüber hinausgeht ist schwierig. Wenn du kein Bienenhaus brauchst, darfst du folglich einen Lagerraum von 1m²(hoffentlich ist der wenigstens nach oben nicht begrenzt) pro Volk errichten und die erwähnten 16m² Schleuderraum. Und immer bedenken, sind die Bienen weg, muss auch das Haus weg.

    Edit: 8 Völker müssen es aber schon sein, nachzulesen hier.

    Bis bald

    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, 8 Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN, Waage 401

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