Jährliche Wabenhygiene - ein Irrweg?

  • Deswegen schiedet der Mann ja angeblich auch schon im November.

    Egal wann man schiedet, der angepasste Brutraum führt zwingend zu einer kurzen Lebendauer der Waben, weil nur mit Mittelwänden erweitert wird. Es bleiben also nur die paar Waben, auf die geschiedet wird, länger stehen und auch nur dann, wenn man nicht vom Flugloch her erweitert.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Schon der Titel löst bei mir ein Kopfschütteln aus.

    Wabenhygiene ist ein Gebot der Stunde aber nie ein Irrweg, ob dies nun über eine alljährliche vollständige Bauerneuerung oder ein periodisches Ausscheiden der bis dreijährigen Brutwaben erfolgt. Für mich ist die vollständige Bauerneuerung nach der knapp vierwöchigen Internierung der Königin ende Juli der folgerichtige Schluss. Die neuen Brutanlagen auf dem neuen Bau geben mir jedenfalls ein gutes Gefühl. Was die Bienen dazu meinen....vielleicht deckt sich das mit meinem Gefühl.

  • Guten Vormittag,


    ich bin nun neu hier im Forum, lese aber schon eine Weile gespannt mit. Ich imkere jetzt im 6. Jahr, habe momentan rund 20 Völker im Segeberger Kunststoffmagazin, es sollen aber noch mehr werden. Nächstes Jahr in Holzbeuten und zumindest einige Völker versuchsweise mit einem Brutraum DNM (11 Waben).

    Zu dem Thema fällt mir ein, dass es sich manchmal lohnt über den großen Teich zu schauen. Ich stelle hier mal einen Link ein, zu einem interessanten Video von einem großen Berufsimker aus Lakemont, Georgia. Bob Binnie heißt der Mann und er erzählt ganz anschaulich, dass einige Imker dort sich damit rühmen, seit wie vielen Generationen die Waben in ihrer Familie benutzt werden.

    Ich finde seine Erklärung sehr schlüssig und ich glaube, dass man ihn auch durchaus als Experten aus der Praxis sehen kann: Bob Binnie über Wabenhygiene

  • Wabenhygiene ist doch im wesentliche auch eine Frage der Betriebsweise - zur Geschichte:

    • Vor 40-50 Jahren wurde noch gelehrt das Brutwaben höchstens 4-5 Jahre im Brutraum sein sollten - damals wurden, in den meisten Betriebsweisen, noch Brutwaben in den Honigraum gehängt und dann auch daraus der Honig geschleudert. Damals hatte man das gemacht um das Volk "gesünder" zu halten. Damals war noch nicht allgemein bekannt das sich Wachs mit fettlöslichen chemischen Mitteln anreichert.
      Damals haben andere Betriebsweisen aber auch schon keine Waben zwischen BR und HR ausgetauscht.
    • Dann wurde über Honigverfälschung durch Brutwaben diskutiert und die Empfehlung auf 3-4 Jahre verkürzt um besseren Honig zu erhalten.
    • Dann kam Varroa und auch die chemischen Mittel, so das vor ca. 30 Jahren die Anreicherung fettlöslicher Chemikalien im Wachs in den Fokus rückte, nachdem die ersten Varroamittelresistenzen bekannt wurden - in diesem Zusammenhang kam auch der eigene Wachskreislauf, unterschieden zwischen HR-Wachs und BR-Wachs, sowie die Empfehlung im BR die Waben höchstens 3 Jahre drin zu lassen.
    • Dann kam irgendwann das "extreme Schieden" in Mode, da wurde die Waben im BR höchstens 2 Jahre alt.
    • In den letzten Jahren kam die TBE und damit die jährliche komplette Brutwabenerneuerung in Mode...
    • Außerdem wenn man viele Ableger produziert oder die Völkerzahl aufbaut, dann werden auch viele MWs in die Völker gegeben und damit die durchschnittliche Lebensdauer der Waben im BR reduziert.

    ==> So, jetzt könnt Ihr Euch aussuchen was auf Euch und eure Betriebsweise zutrifft und ich hoffe das bei diesem geschichtlichen Zusammenhängen die "älteren Imker" zu dieser Threadüberschrift neigen... ;-) :-)


    Wichtig ist das Ihr euch entscheidet wie Ihr das machen möchtet und wie es zu Eurer Betriebsweise passt! Das ganze sollte ein "rundes" Konzept sein und Ihr nicht Euch und Eure Bienen "verbiegt" nur weil es jemand so propagiert. :-)


    Bauerneuerung ist bei wild lebenden Völkern natürlich der Ausnahmefall. Die Bienen bauen ihre Waben ja nicht zurück. Das erledigen Wachsmotten - aber erst nach dem Untergang eines Volkes.

    Nein, Bienen machen auch selbständig Bauerneuerung, nach 7-9 Jahren werden die Waben abgeschrotet, eine dunkle "Mittelwand" bleibt stehen und dann wird neu, mit neuem Wachs, wieder aufgebaut... - ich möchte jetzt nicht sagen das ich das schon so beobachtet habe, sonst ist ja evtl. mein Ruf ruiniert ;-)

    Die neuen Brutanlagen auf dem neuen Bau geben mir jedenfalls ein gutes Gefühl.

    Sorry, ich verstehe das es Dir ein "gutes Gefühl" gibt, aber ob der Bien genauso denkt?

  • Nein, Bienen machen auch selbständig Bauerneuerung, nach 7-9 Jahren werden die Waben abgeschrotet, eine dunkle "Mittelwand" bleibt stehen und dann wird neu, mit neuem Wachs, wieder aufgebaut... -

    Da würde mich die Quelle interessieren.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Video von einem großen Berufsimker aus Lakemont, Georgia. Bob Binnie

    Der Wachsbau als Leber des Bienenvolkes.

    Schöner Vergleich.

    Was der Mann sagt, hat für mich Hand und Fuß, die Kombinationseffekte von Umweltgiften sind m. W. weder bei uns, noch bei der Biene (noch bei sonstigen Mitgeschöpfen) besonders gut untersucht. Um so interessanter die Hinweise aus der Fortbildungsveranstaltung, die er zitiert.


    Kikibee geht das Programm des IFT 2021 auch etwas in diese Richtung?

    Munterbleiben!


    Erste Gehversuche mit 3 WV und einem Ableger in 12er Dadant mod.

  • Völlig wertungsfreie Frage:

    Wie ist die Tatsache zu interpretieren, dass die Königin zum Stiften bebrütete Waben bevorzugt?

    Ab einem gewissen Punkt im Jahr sogar partout nicht mehr in unbebrütete Zellen legt?

  • Völlig wertungsfreie Frage:

    Wie ist die Tatsache zu interpretieren, dass die Königin zum Stiften bebrütete Waben bevorzugt?

    Ab einem gewissen Punkt im Jahr sogar partout nicht mehr in unbebrütete Zellen legt?

    Und wieso bevorzugt das Bienenvolk die Überwinterung auf dunklem Wabenwerk.... wieso wird die erste Brut im Frühjahr auf dunklen Waben angelegt..... wieso ziehen alte Waben Schwärme an...

  • Weil die synergetischen Effekte menschengemachter, extrem potenter, fettlößlicher Insekten- und Pflanzengifte (und wohl auch anderer Stoffe des Industriezeitalters) 49.999.900 Jahre lang bei der Evolution der Biene keine große Rolle gespielt haben....


    Bis dato war es wohl ein Vorteil. Heute offenbar nicht mehr, wenn man dem Bericht des Herrn in dem Video glauben schenken darf.


    Nur die Vermutung eines Anfängers....

    Munterbleiben!


    Erste Gehversuche mit 3 WV und einem Ableger in 12er Dadant mod.

  • Völlig wertungsfreie Frage:

    Wie ist die Tatsache zu interpretieren, dass die Königin zum Stiften bebrütete Waben bevorzugt?

    Ab einem gewissen Punkt im Jahr sogar partout nicht mehr in unbebrütete Zellen legt?

    Und wieso bevorzugt das Bienenvolk die Überwinterung auf dunklem Wabenwerk.... wieso wird die erste Brut im Frühjahr auf dunklen Waben angelegt..... wieso ziehen alte Waben Schwärme an...

    Tiere sind Opportunisten. - Suche nach dem Vorteil für den Augenblick.