Wesensgemäße Imkerei

  • Hallo Zusammen,

    was rase im live-Stream mit der Schuld ansprach, habe ich so interpretiert, dass viele Menschen sich selbst als Sündenfall der Erdgeschichte betrachten. Wir Menschen

    - rotten Tiere aus,

    - verschmutzen die Umwelt,

    - verbrauchen Ressourcen,

    - usw.

    Aus diesem Schulkomplex heraus, der übrigens dem christlichem Konzept der Erbsünde sehr verwandt ist, wird versucht, wieder etwas gut zu machen. "Wesensgemäße" Imkerei ist dazu ein Sündenerlass-Ritual. Ich persönlich halte diesen Begriff tatsächlich für einen religiösen Begriff und nicht für eine handwerkliche Methode, Bienen zu halten. All' die Definitionen laufen darauf hinaus, dass man entweder das Metaphysische hinter der Antropophosie aktzeptiert oder nicht, und das ist für mich keine sachliche Diskussion über das Wohl und Wehe der Bienen.

    Was mich aber am meisten stört, ist der Anspruch moralischer Überlegenheit, der mit diesem Begriff einhergeht. Jeder der nicht so imkert, muss ja "nicht wesensgemäß" arbeiten, oder? Es ist genau diese moralische Überheblichkeit, die ebenfalls ein Merkmal religiöser Gruppen ist. Die Antroposophie ist eine totalitäre Philosophie, dass sollte man nicht beschönigen. Sie nimmt für sich in Anspruch kraft metaphysischer Eingebung in fast allen Lebensbereichen "Recht zu haben". Das heißt nicht, dass jeder "Waldorfer" ein Fanatiker ist, aber es geht hier ja um Begriffe und Konzepte und da sollte man schon Klartext reden.

    Aus diesem Grund habe ich auch keinen Anlass, diesbezüglich tolerant zu sein. Warum sollte ich gegenüber einem, der mich aus religiösen Gründen implizit als Bienenquäler betrachtet, tolerant sein?

    Puh, dass war jetzt etwas emotional, was?

    Um die 15 Carnica Völker auf 2 Standorte verteilt: Bochum (Hohenheimer) und Schmallenberger Sauerland (Segeberger).
    Bisher DNM, aber im Umbau auf DNM 1,5.

  • Wer den Maßstab der Ethik und Moral an die Bienenhaltung legt, der müsste dies ebenso wenn nicht noch bewusster an sein Verhalten im menschlichen Umfeld tun. Wenigen gelingt dies wirklich, selbst Heilige fehlten hier. Also rate ich über sich selbst nachzudenken bevor man andere belehren will. VG Jörg

    Ich sehe keine zwingende Logik ethische Standpunkte oder Forderungen von Tiere auf Menschen zu übertragen, vor allem mit der Forderung besonders wahrhaftig aufzutreten, weil man sich ja auch besonders um die Tiere sorgt?! Die Nationalsozialisten waren auch Naturschützer.


    Eine hier vertrene einhellige Ethik ist doch, dass man die Bienen nicht quälen soll oder den "Bien". Da ist doch auch ein Maßstab der angelegt wird.


    Von meiner Seite aus wurde hier auch keiner belehrt, es wurde diskutiert und ich habe auch nachgedacht und nachgeschlagen. Schließlich gibt es offensichtlich genug (konventionelle) Imker mit drölfzig Jahren Erfahrung, die keine Flügel schneiden, keine Drohnenbrut entnehmen und vielleicht sogar auf künstlich besamte Linien verzichten. Natürlich ist es entspannter sich nicht mit deren Motivation auseinanderzusetzen.


    Thema Flügelstützen: Soweit ich mich belesen konnte ist es ja auch nicht zwingend, dass sich der Schwarm um die abgestürzte (beschnittene) Königin vor der Beute sammelt, sondern auch mal zur Beute zurückfliegt und dann mit einer Prinzessin abhaut.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Hagakure ()

  • Hagakure , Ethik und Moral bestimmen die Normen menschlichen Verhaltens gegenüber Mensch und Gesellschaft sowie der Schöpfung. Sie sind kulturell bestimmt und einem ständigen Wandel unterzogen. Wir sollten uns bewusst sein, das fast alles was wir tun irgendwie negative Folgen für andere Menschen (auch die noch nicht geboren sind) oder andere Lebewesen hat. Wir leben hier schon lange nicht mehr im Einklang mit der Natur. Es macht aus meiner Sicht wenig Sinn einzelne unserer „Taten“ zu überhöhen und andere zu verdrängen. Flügel habe ich noch nie beschnitten aber ein schlechtes Gewissen hätte ich danach nicht. Wegen meines Verhaltens als Konsument in vielen Fällen schon. VG Jörg

  • Wenn bitte instrumentel besamt, den künstlich wäre etwas anderes.

    Wenn wir Fachsyntax benutzen dann bitte auch richtig.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Ich imkere in der Segeberger Beute und in der Hohenheimer Beute mit einer fast gleichen Betriebsweise. In den Hohenheimer Beuten hatte ich noch nie einen Schwarm, in den Segeberger Beuten dagegen werden in jedem Jahr 30%-50% der Völker schwarmtriebig. Ursache ist die viel schnellere Frühjahrsentwicklung der Völker in den Segeberger Beuten.

    Aus diesem Grunde schneide ich die Flügel der Königinnen in den Hohenheimer Beuten nicht, in den Segeberger Beuten dagegen grundsätzlich.

    Die gute Volksentwicklung ist für mich ein Hauptkriterium für wesensgemäße Bienenhaltung. Da die Segeberger Beute im Vergleich mit der Hohenheimer Beute eine bessere Volksentwicklung fördert, halte ich die Bienenhaltung in dieser Beute im Vergleich mit der Hohenheimer Beute für wesensgemäßer. Die Beute entspricht mit ihren 40mm dicken Styroporwänden tendenziell auch mehr der Wärmeisolierung einer Baumhöhle, als das eine dünnwandige Holzbeute tut.

    Gruß Ralph

  • Ich imkere in der Segeberger Beute und in der Hohenheimer Beute mit einer fast gleichen Betriebsweise. In den Hohenheimer Beuten hatte ich noch nie einen Schwarm, in den Segeberger Beuten dagegen werden in jedem Jahr 30%-50% der Völker schwarmtriebig. Ursache ist die viel schnellere Frühjahrsentwicklung der Völker in den Segeberger Beuten.

    Aus diesem Grunde schneide ich die Flügel der Königinnen in den Hohenheimer Beuten nicht, in den Segeberger Beuten dagegen grundsätzlich.

    Die gute Volksentwicklung ist für mich ein Hauptkriterium für wesensgemäße Bienenhaltung. Da die Segeberger Beute im Vergleich mit der Hohenheimer Beute eine bessere Volksentwicklung fördert, halte ich die Bienenhaltung in dieser Beute im Vergleich mit der Hohenheimer Beute für wesensgemäßer. Die Beute entspricht mit ihren 40mm dicken Styroporwänden tendenziell auch mehr der Wärmeisolierung einer Baumhöhle, als das eine dünnwandige Holzbeute tut.

    Gruß Ralph

    Ist denn eine schnellere Volksentwicklung gleich eine bessere Volksentwicklung im Sinne des Tierwohls oder ist das lediglich wirtschaftlich besser? Denn irgendwann haben ja die Holzbeutenbienen aufgeschlossen, oder? :/


    Der Vergleich der Wärmeisolierung Baumhöhle/Styroporbeute ist hingegen ein ziemlich schlagkräftiges Argument. Dann muss man wohl doch dickere Holzbeuten bauen. =O

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Ist denn eine schnellere Volksentwicklung gleich eine bessere Volksentwicklung im Sinne des Tierwohls oder ist das lediglich wirtschaftlich besser? Denn irgendwann haben ja die Holzbeutenbienen aufgeschlossen, oder? :/


    Der Vergleich der Wärmeisolierung Baumhöhle/Styroporbeute ist hingegen ein ziemlich schlagkräftiges Argument. Dann muss man wohl doch dickere Holzbeuten bauen. =O

    Schnellere Volksentwicklung ist relativ. Die Segeberger Einheiten sind im zeitigen Frühjahr etwas besser aufgestellt. Betrachte ich die rasante Veränderung des Klimas in den letzten Jahren, durch dass sich zumindest in meiner Ecke das Bienenjahr ziemlich verschoben hat, ist es für die Völker ein Vorteil.

    Die müssen ihr Programm nämlich unter erschwerten Bedingungen durchführen. Die Holzmagazinvölker holen auf, aber in diesem Jahr für das relevante Tracht- und Pollenangebot ein Ticken zu spät.

  • wenn man drauf kommt, das dass Schwarmfieber druch den gestörten Brutrhytmus (Rapstracht!) sehr verstärkt wird, ist mir eine gemässigte kontinuierliche Volksentwicklung lieber. Macht einfach weniger Arbeit, die Völker lassen sich besser lenken. Klar, für Imker denen lediglich Raps die einzige Haupttracht darstellt, wirds schwierig (er).

    Als Spättrachtimker (Wald) ist es mir eh lieber wenn der Höhepunkt der Volksentwicklung sich mehr nach vorne verschiebt.

    Auswirkungen auf die Winterliche Volksstärke, bilde ich mir ein auch zu sehen..... die stehen besser da;) das Pulver ist nur einmal vorhanden, und sollte nich nutzlos verpuffen.

    das ist für meine Mädels und auch für mich gut.

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • Durch den spürbaren Klimawandel, die Frühtracht kommt immer früher, ist es für die Bienen schon von Vorteil wenn dann auch starke Völker vorhanden sind. Ich rede hier nur von den Vorteilen für die Bienen in Bezug auf Futtervorrat das es für den Imker natürlich auch nicht schlecht ist ist wohl klar

  • Ist denn eine schnellere Volksentwicklung gleich eine bessere Volksentwicklung im Sinne des Tierwohls oder ist das lediglich wirtschaftlich besser? Denn irgendwann haben ja die Holzbeutenbienen aufgeschlossen, oder? :/


    Der Vergleich der Wärmeisolierung Baumhöhle/Styroporbeute ist hingegen ein ziemlich schlagkräftiges Argument. Dann muss man wohl doch dickere Holzbeuten bauen. =O

    Schnellere Volksentwicklung ist relativ. Die Segeberger Einheiten sind im zeitigen Frühjahr etwas besser aufgestellt. Betrachte ich die rasante Veränderung des Klimas in den letzten Jahren, durch dass sich zumindest in meiner Ecke das Bienenjahr ziemlich verschoben hat, ist es für die Völker ein Vorteil.

    Die müssen ihr Programm nämlich unter erschwerten Bedingungen durchführen. Die Holzmagazinvölker holen auf, aber in diesem Jahr für das relevante Tracht- und Pollenangebot ein Ticken zu spät.

  • Aber eigentlich sind die Bienen doch nur für die Frühtracht und dadurch für den Imker zu spät . Könnte man Behandlungen gegen Varroen unterlassen (bei zb resistenten Bienen ) wäre es einfacher für den Imker zb Sonnenblume oder Zwischenfrucht (Senf..... ) noch mitzunehmen. Zb gibt es auch Stimmen die von der dunklen Biene sagen auf mehrere Jahre gerechnet im Schnitt der ähnliche Ertrag. Obwohl sie im Frühjahr anscheinend nicht ganz so stark aus dem Winter kommt.

  • meine bescheidene Erfahrung sagt mir, das ich mit Zucht und Auslese unter dem Strich mehr erreiche als mit dem "Komensator" Kiste:)


    In Deutsch;

    Alles was länger wie etwa April noch Schied(e) braucht,....... ja was wohl? taugt nix sorry!

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • Bei uns ist Ende Juni - Mitte Juli die Tracht durch. Da hilft alles was-wäre-wenn nix. Entweder man klöppelt sich da 'ne passende Biene und Betriebsweise drumherum, oder man läßt das mit der Imkerei und bastelt Insektenhotels

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife