Lebensmittelkontrolle und Imkerei

  • Hallo liebe Imkergemeinde,


    die Lebensmittelüberwachung war auch vor 3 Jahren bei mir zu Besuch, mit Termin.

    Es waren eine Tierärztin und eine Lebensmittelkontrolleurin bei mir. Zunächst wurden die Räumlichkeiten usw. geprüft, anschließend eine Fahrt zum Bienenstand, in die Völker geschaut, nach Hause zur Dokumentationsüberprüfung.


    Die Überwachung verwendete eine Pruefliste / Leitfaden der Landwirtschaftskammer NRW u.a. wurde nach einem Verbandskasten gefragt, Schutzbrille, saeurefeste Handschuhe usw.


    Dort wurden halt Sachen aufgelistet, wofür die LMUE nicht zuständig ist.

    Da ich mich beruflich mit dem Lebensmittelrecht beschäftigte, konnte ich die Fragen bzw. Anmerkungen der Ueberwachung, schnell beantworten und die geforderten Unterlagen vorlegen.


    Leider unterscheidet der Gesetzgeber im Lebensmittelrecht nicht wirklich zwischen Groß- und Kleinbetrieben. Die baulichen Grundvorraussetzungen sind für alle Betriebe gleich. Es liegt am Imker, der Lebensmittelunternehmer ist, ob er seine Wände mit Latexfarbe streicht, fließt oder vergoldet.

    Darüber macht der Gesetzgeber keine Angaben.

    Die "Ermessensspielräume" der Ueberwachung werden durch den Gesetzgeber immer kleiner.

    Dadurch das die Lebensmittelüberwachung transparenter wird (VIG), viel Überwachungspersonal ausgebildet wird und selbst von den Ländern und der EU Überprüft wird, erfolgt ein Umbruch.


    Das ein Schild an Tür sein muss, dass die Tür geschlossen sein soll, steht nicht im Gesetz. Wenn eine Tür vorhanden ist, sollte sie auch schlossen sein.

    Fussmatten gehören eigentlich nicht in einen LM Betrieb, ausser als Desinfektionsmatte.


    Man muss auch unterscheiden, ob es sich um "alte Verschmutzungen" handelt, oder frischen, klebrigen Honig, der gerade geschleudert wird.


    Das die Dokumentation nicht aktuell war, ist blöd gelaufen.

  • Wie beschrieben, grundsätzlich gilt für die Imkerei der selbe Standard, wie für jedes andere Lebensmittelgewerbe, praktisch ist die Imkerei aber ein Gewerbe, das typischerweise nicht kontrolliert wird.


    Das man bei Hobbyimkern und Berufsimkern verschiedene Standards anlegt, kann ich praktisch nachvollziehen, denn je größer die Menge wird, desto schwerer wird die saubere Produktion. Allerdings ist abzusehen das die Kontrollen in Zukunft mehr werden und es fraglich ist, was der akzeptiert Mindeststandard wird. Aber nachvollziehen kann ich dies auch, leider sieht man manchmal bei Dinge die gar nicht gehen, ob es das Foto vom Abfüllen mit Schimmelnden Fugen an den Wandfliesen auf der Vereinshomepage, der Schleuderraum in der Waschküche in dem auch die Toilette ist oder auch bei ordentlichen dedizierten Räumen das Verhalten ist.


    Frank ich kann den Prüfer schon nachvollziehen, ihr habt extra Schuhe für den Schleuderraum, wenn er vorbeikommt werden die aber nicht getragen, was soll man da als Prüfer denken?

    Mann muss sich halt klar machen die Regeln gelten schon lange, Nichtkontrolle bedeutet nicht das sie nicht existieren.

  • Na super, fragt sich echt wie das für Hobbyimkern wie mich mit 16 Völkern aussieht.

    Schleuderraum gibt es nicht. Es wird alles immer auf und abgebaut. Es gibt ja auch Hobbyimker die in der Mietwohung leben und nur wenig Platz zur Verfügung haben und keinen Raum fliesen können.


    Zudem gibt es ja auch genug Videos unter welchen tollen Bedingungen unser geliebter Importhonig "produziert"wird.

    Ich glaube das macht jeder Hobbyimker und auch Berufsimker hierzulande tausendfach hygienischer.

  • Zudem gibt es ja auch genug Videos unter welchen tollen Bedingungen unser geliebter Importhonig "produziert"wird.

    Ich glaube das macht jeder Hobbyimker und auch Berufsimker hierzulande tausendfach hygienischer.

    Was meinst Du, was deutsche Landwirte denken, wenn ihnen hier von NABU & Politik der Prozess gemacht und gleichzeitig jeder Scheiß importiert wird?

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich könnte dann nur alternativ an einen Abfüller verkaufen. Der wird dann von meinem Hobby subventioniert.Der Honig wird dann schön bei ALDI verramscht und macht Berufsimkern wie Frank und Rase die Preise kaputt.

  • Ja,

    ich glaube das meint er und nein, solche Fälle gibt es auch bei uns, auch wenn hier im Forum sicherlich keiner dazugehört. Daß die Hygienebedingungen immer schärfer werden weiß jeder, der sich einer Qualifikation unterzieht. Das ist aber nicht seit zwei Tagen so, das war auch schon vor zehn Jahren Thema. Ich erinnere nur an die regelmäßig geeichte Präzisionswaage und die tausend Möglichkeiten, diese Regelung zu umgehen. Also, wenn ihr saubere Klamotten habt, speziell für die Honigproduktion in speziellen Schleuderräumen, dann zieht sie halt an. Und wenn ihr eine Dokumentation angefangen habt, dann führt sie auch fort. Nicht jammern, einfach machen und in dem zu Grunde liegenden Fall war das ja auch alles kein Problem. Der Boden ist gewischt, die Unterschrift geleistet und die Schuhe sind übergezogen. War wohl nicht so schwer und hat ja auch geklappt. Wenn man es schafft, seinen Schleuderraum wie das Entwicklungslabor eines mittelständigen Chemiekonzerns auszustatten, dann sollte das Anziehen von bereitstehenden Schuhen nun wirklich kein Problem sein.

    Viele liebe Grüße ( unbetroffen und ein bißl neidisch )

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich könnte dann nur alternativ an einen Abfüller verkaufen.

    nee, die Produktionsbedingungen bleiben davon ja unberührt. Du kannst dann zertifizierten Honig kaufen. Zertifikate (und Institute, die sie vergeben) sind zusammen mit Versicherungen ein sehr effektives Mittel, alles zu verändern, ohne das irgendjemand daran Schuld ist. Schau Dir Tönnies an.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Frank ich kann den Prüfer schon nachvollziehen, ihr habt extra Schuhe für den Schleuderraum, wenn er vorbeikommt werden die aber nicht getragen, was soll man da als Prüfer denken?

    Brauchen wir uns gar nicht drüber unterhalten. Es wird halt nur immer mehr Aufwand

    erforderlich, was sich natürlich auch in höheren Kosten wiederspiegelt. Einiges läßt

    sich ja auch automatisieren, wie z.B. die tägliche Dokumentation der Luftfeuchte im

    Honiglager usw. . Aber vieles bleibt halt auch manueller Mehraufwand, und je mehr

    Seifen-, Einmalhandtuch, Desentfektuionsspender, Hygienepläne etc. in den Räumen

    an den Wänden hängen, desto mehr muss auch regelmäßig abgewischt, aufgefüllt

    und ausgefüllt werden. Von anderen Dokumentationspflichten mal abgesehen.


    Erhöht halt alles die Stückkosten, und der Honigmarkt in Deutschland ist halt wie

    schon von mir zuvor mal erwähnt sehr speziell, weil die Marktteilnehmer auf der

    Produzentenseite sehr unterschiedliche Kostenlasten zu tragen haben.


    LG

    Frank

  • Frank, genau deshalb habe ich Ende

    April 2020 meine Fleischerei geschlossen. Alles in Ordnung halten ist ok. Aber permanent den ganzen Scheiss auch zu dokumentieren, das macht mürbe.


    Gruss

    Ulrich

    Ich kenne dieses Prozedere aus meiner aktiven beruflichen Tätigkeit in Produktionsküchen. Zuletzt haben die Kontrolleure lediglich nur die Dokumentationen einsehen wollen.
    Begründung: "Das Ihre Produktionsstätte sauber sind, wissen wir zwischenzeitlich."

    Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht durchgeführt.

    Das ist für den Praktiker teilweise schwer nachvollziehbar, wird aber auf lange Sicht unumgänglich sein.

    Auch mein Schleuderraum wird außerhalb der direkten Honigproduktion anderweitig genutzt und extra für die Zeiten der direkten Honiggewinnung/Schleuderung hergerichtet. Hierzu bediene ich mich selbst erstellter Checklisten, welche dann entsprechend archiviert werden.
    Dafür haben einige Imkervereine auch Vorlagen heraus gegeben. Ob dieses bei mir reicht kann ich im Augenblick nicht sagen, da ich bis jetzt keinerlei Kontrolle unterzogen wurde.


    Ich bin da aber auch ganz entspannt. Wenn eine Kontrolle kommt und es sollte eine Mängelliste aufgestellt werden, wird diese halt abgearbeitet.
    Bislang habe ich noch keine Kontrolle erlebt deren festgestellten Mängel nicht auch zu beseitigen waren. In meinen 50 Berufsjahren in der Lebensmittelproduktion/Produktionsküchen habe ich schon viele Kontrollen erleben dürfen. Jedoch noch keine als Hobbyimker.

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Ja natürlich tut es das, gucken wir mal nach Hessen, da ist der Kontrolldruck seit zwei Jahren massiv erhöht wurden mit der devise, "Alle werden kontrolliert!" und von dort habe ich schon von einigen Kontrollen gehört. Das wird immer mehr kommen.

    Das echte Problem ist aber das Dokumentieren, der größte Teil meines Berufes ist ja Dokumentation und das Entwerfen von Dokumentationskonzepten, da ist es immer sehr schwer genau den Mittelweg zwischen den Anforderungen und Aufwand zu finden.

  • Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht durchgeführt.

    Diese "Haltung" stammt ursprünglich aus den Audits der FDA (amer. Gesundheitsbehörde) und ist Pharma-Standard, ein Qualitätsm'ment(QM)system namens GMP. Dieses diente wohl als Vorbild für die Lebensmittelüberwachung, wobei ich deren detaillierte Ausprägung nicht exakt kenne.


    Prinzipiell ist es argumentativ nachvollziehbar, dass man derartige Standards als Vorbild nimmt, jedoch muss für jedes QM-System der erforderliche Rahmen und die abzudeckenden Risiken bestimmend sein: Es ist ein Unterschied, ob man eine fehlerhafte Arzneimitteldosierung produziert oder eine Unterdosierung durch geringere Füllmengen beim Honig. Das Eine kann eine lebensbedrohliche Lage heraufbeschwören, das Andere wäre ein zu vernachlässigender ökonomischer Verlust.


    Wie bei jeder Kontrolle (Audit), sind erfahrene Kontrolleure meist kein Problem, da sie Praxiserfahrung haben und vernünftige Tips geben. Nicht erfahrene Personen neigen zur Übervorsichtigkeit und möchten sich absichern, um interne Problem zu vermeiden. Das führt zu völlig überzogener Pingeligkeit, die am Risiko vorbeigehen - so meine Erfahrung.

    Das echte Problem ist aber das Dokumentieren,...

    Und da muss man sich ein paar Gedanken machen. Zumeist sind die notwendigen Daten ja vorhanden - man weiß wann geerntet wurde, wieviel etwa von jedem Volk, wo geschleudert wurde, ob vorher die Küche o.ä. gereinigt wurde, wie der Wassergehalt des Honigs ist etc. Dazu ist eine einfache Dokumentation sinnvoll, die solche Dinge abbildet. Es reicht eine Excel-Tabelle mit den notw. Schritten und jew. Bestätigung durch Namenskürzel. Das kann man sich einmal erstellen und dann immer wieder benutzen; ist kein Hexenwerk.


    Die Qualität wird ja produziert, nicht geschrieben. Wenn man aber Qualität produziert, kann man das auch dokumentieren, unabhängig von der Größe der Imkerei.


    Meine Meinung.